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Alison Powers in Atlanta: eine Ingenieurin im Innovationsfieber

Wie funktioniert Technik? Was steckt hinter ihrem Design? Diese Fragen treiben Alison Powers seit ihrer Jugend um. Diese Leidenschaft und ihr Forschungsdrang führten schließlich zu dem Entschluss, Maschinenbau am Georgia Institute of Technology in Atlanta zu studieren. Inzwischen ist sie zurückgekehrt in ihre Heimat, einem perfekten Umfeld für Start-ups und technologische Vordenker, und hat die Leitung des Forschungs- und Innovationszentrums von thyssenkrupp Elevator übernommen. URBAN HUB sprach mit Alison über ihre Arbeit, Frauenpower in der Ingenieursbranche und Atlanta als einzigartigem Innovationshub.  
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Mit weniger Ressourcen mehr verändern - Was bewegt die Welt? Innovative Technologie. In den Bereichen Mobilität, Bauwesen, Energiegewinnung und Produktion verändern besonders grüne Innovationen den Umgang der Menschen mit ihrer Umwelt.
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Erstellt am 30.01.2020

Geburtsstunde einer Ingenieurin

Alison wusste schon früh, wohin die Reise für sie gehen sollte. „Schon als Kind war ich von der Frage fasziniert, warum wir etwas auf eine bestimmte Weise designen. Also habe ich Maschinenbau studiert, um die physikalischen Grundlagen zu verstehen. Was mich wirklich antreibt, ist aber immer noch der menschliche Faktor, der in das Design von Technologie einfließt – die Frage, warum etwas so aussieht, wie es aussieht, und wie wir es gestalten.“

Nach ihrem Bachelor-Studium am Georgia Institute of Technology absolvierte Alison ihren Master an der Stanford University in Kalifornien. 2013 kehrte sie nach Memphis, Tennessee zurück, wo sie zunächst im Product Development Center von thyssenkrupp Elevator arbeitete.

Alison Powers

Alison Powers bei thyssenkrupp Elevator in Atlanta.

Kluge Köpfe aus unterschiedlichsten Disziplinen

Heute ist Alison Head of Research and Innovation in Atlanta. Als Aufgabe Ihres Team sieht sie es, die richtigen Fragen zu stellen und technische Möglichkeiten für Neuentwicklungen auszuloten. Einige Projekte drehen sich um Materialforschung, etwa für den Bau neuer Aufzüge. Größtenteils geht es jedoch darum, auf andere Forschungsdisziplinen zu blicken und zu überlegen, welche Erkenntnisse für die Aufzugsindustrie von Nutzen sein könnten.

Ob Softwareingenieure, Maschinenbauer oder Elektroingenieure – Alisons Team könnte kaum vielfältiger sein. Sie überwacht die Projektkoordination und Entwicklungsarbeit und hat die Fachaufsicht über alle Entwicklungsprojekte der Abteilung inne. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst zwei Regionen: Brasilien und die USA.

„Neue Erkenntnisse des Research Innovation Center (RIC) werden in der Regel an das Product Development Center weitergeleitet. Dort wird untersucht, inwieweit sich die Ideen industrialisieren und kommerzialisieren lassen. Wir besprechen dann das weitere Vorgehen und machen ein Handover. Dabei stellen wir sicher, dass das Entwicklungszentrum die Arbeit unseres Teams bestmöglich verwerten kann.“

„Meinen Führungsstil kann man so zusammenfassen: Ich habe nicht auf alles eine Antwort. Vielmehr sehe ich mich eher als ‚Bindeglied‘, das den Kontakt zu Vertretern der Wirtschaft oder Forschungsinstituten und Think Tanks herstellt, zu denen ich Verbindungen habe. Ich möchte jedem einzelnen meiner Mitarbeiter helfen, genau die fehlende Information zu finden, die seine Idee oder sein Projekt entscheidend voranbringt.“
Alison Powers, Head, Research and Innovation in Atlanta, thyssenkrupp Elevator

Die Zukunft gehört weiblichen Ingenieuren!

Als Alison vor zehn Jahren an der Georgia Tech studierte, waren weibliche Kommilitonen eine Rarität. Sie blickt zurück: „Ich erinnere mich noch an einen Kurs in Thermodynamik. Als ich mich das erste Mal zu Wort meldete und meine weibliche Stimme im Raum erklang, drehten sich alle zu mir um.“

Wenn Alison heute über den Campus schlendert, trifft sie wesentlich mehr Studentinnen an. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, findet sie. Die Entwicklung hat ihrer Ansicht nach auch damit zu tun, dass Universitäten Frauen gezielter ansprechen, um sie für ein Studium zu begeistern. So kann es gelingen, Frauen zukünftig verstärkt in Führungspositionen zu bringen.

Der Glaube an das eigene Potenzial

Das Ingenieurswesen befindet sich im Wandel – umso wichtiger, meint Alison, dass Frauen weiterhin Vorbilder zur Hand gegeben werden.

Während ihrer Zeit in Memphis organisierte Alison Schulausflüge zum Aufzugstestturm in Horn Lake, Mississippi. Mit Bauhelmen und Sicherheitsbrillen ausgestattet, konnten die Schüler den Turm besichtigen und erhielten Einblicke in die Funktionsweise von Aufzügen. Außerdem lernten sie Konzepte wie Reibung, Kraftausübung und Geschwindigkeit in der praktischen Anwendung kennen.

Alison erzählt: „Bei der Auswahl der Tour Guides habe ich immer versucht, die Beschaffenheit der Schülerschaft zu berücksichtigen. Wenn beispielsweise die Mehrheit der Schüler afroamerikanisch oder weiblich war, sorgte ich dafür, dass wir auch eine entsprechend diversifizierte Gruppe an Guides hatten. So konnten sich die Schüler besser in diese Rolle hineinversetzen. Denn ein Ziel, das man bereits vor Augen hatte, kann man viel leichter umsetzen.“

„Atlanta hat sich sehr verändert, seit ich hier studiert habe. Ich kann kaum glauben, wie schnell alles gewachsen ist. Abgesehen von der reinen Größe habe ich auch realisiert, dass Atlanta Persönlichkeitstypen wie mich anzieht: Menschen, die lebenslang lernen möchten und nach dem Warum fragen. Das zeichnet Atlanta aus.“
Alison Powers, Head, Research and Innovation in Atlanta, thyssenkrupp Elevator

 

Gemeinsam Innovation vorantreiben

„Viele Unternehmen in Atlanta haben sich Innovation auf die Fahnen geschrieben“, so Alison. „Ich liebe es, mich mit externen Gruppen auszutauschen und so mein Wissen zu vertiefen.“ Alison nimmt gemeinsam mit Mitgliedern anderer in Atlanta ansässigen Unternehmen wie Delta und Home Depot an diversen Fokusgruppen teil.

Atlanta ist der perfekte Nährboden für Networking. Gleichgesinnte Forscherinnen und Forscher aus anderen Sektoren, die wirtschaftliche Innovationen vorantreiben, sind offen dafür, ihre Erfahrungen weiterzugeben, von anderen zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Große Egos oder Konkurrenzdenken? Fehlanzeige.

A new hub within Atlanta for innovation

Die neue Nordamerika-Zentrale von thyssenkrupp Elevator nimmt langsam Gestalt an. Bald werden alle Einrichtungen einschließlich des Testturms an einem zentralen Standort vereint sein. Alison hat dann einen optimalen Zugang zu Testequipment und allen relevanten Abteilungen. Dieser Mini-Hub soll einen kontinuierlichen Austausch bedingen sowie technologische Kreativität und Produktentwicklung fördern.

Alison fügt hinzu: „Die neue Firmenzentrale legt den Grundstein für die zukünftige Optimierung und Entwicklung von Lösungen wie Destination Dispatch und unserem MULTI-Aufzug. Sie ermöglicht es uns außerdem, die Implementierung von TWIN nach dessen erstmaligem Einsatz im CODA-Gebäude (das an die Georgia Tech angegliedert ist) in Atlanta fortzuführen.“

Wie Alison zudem weiß, arbeitet thyssenkrupp Elevator an Lösungen, die sich nahtlos in das gesamte Ökosystem eines Gebäudes einfügen sollen. Hierzu möchte das Unternehmen Partnerschaften mit anderen Herstellern von Gebäudetechnik schließen, um die Nutzung von Gebäuden noch reibungsloser und komfortabler zu gestalten.

Frische Ideen aus Atlanta: von Logistik bis Predictive Maintenance

Was hält die Zukunft für thyssenkrupp Elevator und das Research Innovation Center bereit?

  1. Industrie 4.0 und Echtzeitüberwachung von Gebäudetechnik: Das Team arbeitet an der Weiterentwicklung der vorausschauenden Wartungslösung MAX und untersucht, wie sowohl eine Erfassung niedrigstufiger Daten mit smarten Sensoren als auch kostengünstige Datenanalysen Mehrwert für MAX schaffen könnten.
  2. Urbane Mobilität: Das Team forscht gemeinsam mit einer Gruppe des Georgia Institute of Technology zum Thema Logistik für Lieferunternehmen. Diese modelliert und simuliert die Optimierung von Paketlieferungen. „Wir versuchen, wenn man so will, herauszufinden, wie man das vorhandene Logistikwissen auf eine vertikale Distributionsroute anwenden kann.“

Dank der Verwurzelung des Research and Innovation Center von thyssenkrupp Elevator in Atlantas Innovationskultur scheint gewiss: Für die kommenden Jahren dürfen wir viele neue Entwicklungen und Lösungen erwarten!

Image Credits

Georgia Tech Campus, picture by James Lu, taken from pexels.com

Georgia Tech Sign, picture by Neesun Hsu, taken from flickr.com, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic

Georgia Tech Building, picture by Daderot, taken from commons.wikimedia.org, Creative Commons CC0 1.0 Universal