Smart Mobility

Sydney Metro: Bau eines hochmodernen fahrerloses U-Bahnnetzes

Sydney ist mit über 5 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Australiens. Es ist aber auch eine sehr weitläufige Stadt, die sich über eine recht große Fläche von 12.367,7 Quadratkilometern erstreckt. Aufgrund dieser Umstände (hohe Bevölkerungszahl und weite Entfernungen) und der vielfältigen Topografie gestaltet sich die Entwicklung eines rentablen öffentlichen Verkehrssystems sowohl schwierig als auch teuer. Sydney Metro ist das größte öffentliche Verkehrsprojekt Australiens. Seit Mai 2019 fährt zu den Hauptverkehrszeiten im Nordwesten der Stadt alle vier Minuten ein Zug. Die U-Bahn wird 2024 in den Sydney Central Business District (Sydney CBD) und bis nach Bankstown verlängert. Im CBD wird es neue U-Bahnhöfe am Martin Place, in der Pitt Street und in Barangaroo sowie neue Bahnsteige an der Sydney Central Station geben. Das ist aber noch nicht alles: Das elektrisch betriebene System wird dazu beitragen, die Anzahl an Autos auf den Straßen zu verringern und das bestehende Verkehrsnetz der Stadt zu entlasten. Zudem werden viele Pendler von kürzeren Fahrzeiten profitieren können.
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Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 14.10.2021

Erste Schritte zu einer besseren Anbindung

Der erste Abschnitt der neuen Metro North West Line wurde im Mai 2019 im Nordwesten der Stadt zwischen Rouse Hill und Chatswood in Betrieb genommen. Das Projekt wurde pünktlich fertiggestellt, und die Linie wird wie die anderen künftigen Linien vollautomatisch und fahrerlos betrieben.

Im Jahr 2024 wird Sydney über 31 U-Bahn-Stationen und ein 66 Kilometer langes, eigenständiges U-Bahn-System verfügen. Es wird genügend Kapazität geben, damit im Stadtzentrum von Sydney im Zwei-Minuten-Takt eine U-Bahn in jede Richtung fahren kann. Die neuen Strecken werden vollständig von den bestehenden Zug- und Stadtbahnlinien getrennt, um einen unterbrechungsfreien Betrieb sicherzustellen. Außerdem soll es viel günstige Anbindungen an die bestehenden Bus-, Fähr-, Zug– und Stadtbahnstationen geben.

Diese enorme Verbesserung in Sachen urbane Konnektivität ist nicht nur praktisch, sondern wird auch Investitionen in der Region fördern, das Wirtschafts- und Jobwachstum ankurbeln und gleichzeitig die Abhängigkeit von Autos mit fossilen Brennstoffen verringern.

 
Sydney Metro Expansion

Mehrere Projekte in einem

Der Bau der ersten vollautomatischen U-Bahn Australiens ist mit unglaublichen technischen Herausforderungen verbunden: der Errichtung von Brücken, umfangreichen Tunnelbauarbeiten und der Integration einer U-Bahn-Station unterhalb des Hauptbahnhofs der Stadt bei laufendem Fahrbetrieb – denn es müssen täglich mehr als 250.000 Fahrgäste befördert werden.

Um die Sicherheit aller zu gewährleisten, wird es an allen U-Bahn-Stationen automatische Schutztüren oder Doppeltüren an den Seiten der Bahnsteige geben, die den direkten Zugang zu den Gleisen versperren. Wie zuvor erwähnt, wird zu den Hauptverkehrszeiten alle vier Minuten ein Zug fahren, und unter dem Stadtzentrum von Sydney wird sogar alle zwei Minuten ein Zug in jede Richtung verkehren – damit ist die Stadt optimal für die Zukunft aufgestellt. Die fahrerlosen Züge sind mit LED-Beleuchtung, Notrufsäulen und Überwachungskameras ausgestattet und zeigen den Fahrgästen Reiseinformationen in Echtzeit an.

Sydney Hurlsone Park Metro Station
Sydney Metro Train

Schutztüren an Bahnsteigen gewährleisten Sicherheit an allen Bahnhöfen.

Das Gesamtprojekt setzt sich aus mehreren beachtlichen Teilprojekten zusammen. Dazu gehören beispielsweise umfangreiche Tunnelbauarbeiten, die schon für sich genommen beeindruckend sind. Ein wegbereitendes Teilprojekt ist der Bau der Sydney Metro Bridge, einer 270 Meter langen Schrägseilbrücke mit Bahngleisen. Dies ist die erste Schrägseilbrücke Australiens, die in Bogenform gebaut wird. Das Projekt wurde von der US-amerikanischen Zeitschrift Engineering News-Record zum „Project of the Year“ erkoren und mit dem „Global Best Project Award“ im Eisenbahnsektor ausgezeichnet. Bei den Planungen für die preisgekrönte Brücke berücksichtigte man den Wunsch der Gemeinde, dass die Brücke den künftigen Ausbau einer wichtigen Straßenkreuzung unter der Brücke nicht beeinträchtigen oder verhindern solle.

Tunnelbauarbeiten zu Ehren von fünf australischen Frauen

Kathleen, Nancy, Mum Shirl, Wendy und Mabel – so heißen die fünf Tunnelbohrmaschinen, die für den Bau der 31 Kilometer langen Tunnel zwischen Marrickville und Chatswood im Zuge des Sydney Metro City & Southwest-Projekts eingesetzt werden. Zu Ehren der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Berg- und Minenarbeiter, benennen Arbeiter unter Tage ihre Tunnelbohrmaschinen in der Regel nach Frauen.

Diese fünf Tunnelbohrmaschinen sind im Einsatz:

  • TBM1 Nancy – benannt nach Nancy Bird Walton, einer Pionierin der australischen Luftfahrtgeschichte
  • TBM2 Mum Shirl – benannt nach Coleen Shirley Perry, einer Wiradjuri-Frau, die sich für das Wohlergehen der australischen Aborigines einsetzte
  • TBM3 Wendy – benannt nach Wendy Schreiber, einer ehrenamtlichen Helferin von Bear Cottage, dem einzigen Kinderhospiz in New South Wales
  • TBM4 Mabel – benannt nach Mabel Newill, die Anfang der 1900er-Jahre half, die Ausbreitung von Typhus in Sydney zu stoppen
  • TBM5 Kathleen – benannt nach Kathleen Butler, die als technische Beraterin den Bau der Sydney Harbour Bridge unterstützte

Die Zwillingstunnel für die U-Bahn verlaufen in bis zu 40 Metern Tiefe und erstrecken sich über 15 Kilometer von Chatswood nach Marrickville – dabei unterqueren sie die wuselige Stadt und den Hafen von Sydney. Die Tunnelbohrmaschinen graben sich durch die Erde und montieren sogar vorgefertigte Tunnelwände, sodass sie einen fertigen Tunnel hinter sich lassen, während sie sich vorwärts graben.

 
Sydney Metro: A day in the life of a tunneling segment

Mit Mobilitätslösungen wird der Abschnitt City & Southwest der Sydney Metro für alle zugänglich

Für die Sydney Metro sind komplett barrierefreie Bahnhöfe und Züge geplant, um Rollstuhlfahrern problemlosen Zugang zu ermöglichen. Für die zweite Phase des Projekts, den Bau des Abschnitts City & Southwest, wählte Sydney Metro deshalb Mobilitätslösungen von TK Elevator aus . URBAN HUB wollte mehr darüber erfahren und sprach mit Mark Crick, Sales Manager bei TK Elevator:

 

Warum wurde TK Elevator Ihrer Meinung nach für dieses Projekt ausgewählt?

Das Sydney Metro City & Southwest-Projekt erforderte die Planung, Herstellung, Installation und Wartung von insgesamt 203 Anlagen, die 131 Fahrtreppen und 72 Aufzüge umfassen.

Ich glaube, TK Elevator Australia wurde für dieses Projekt ausgewählt, weil wir nach Eingang der Ausschreibungsunterlagen alles sorgfältig geprüft und sichergestellt haben, dass wir alle Anforderungen der Ausschreibung erfüllen oder übertreffen. Dadurch schufen wir eine optimale Grundlage, auf der wir in den Gesprächen nach der Ausschreibung aufbauen konnten. Wir ließen uns die Bedürfnisse des Kunden genau erklären und stellten aus unserem umfangreichen Produktportfolio passende Lösungen dafür zusammen. Nach der Auftragsvergabe teilte uns der Kunde mit, dass TK Elevator und unser Produkt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis boten und wir seine Anforderungen hinsichtlich Produktzuverlässigkeit und Konformität perfekt erfüllen konnten.

Können Sie uns etwas über die verwendeten Aufzügen und Fahrtreppen erzählen?

Wir haben uns bei diesem Projekt für die victoria-Fahrtreppen entschieden, da sie speziell für Beförderungsanwendungen mit außergewöhnlich hoher Beanspruchung konzipiert sind. Sie sind robust konstruiert und auf Langlebigkeit ausgelegt und damit perfekt für die Sydney Metro. Als Aufzüge boten wir unsere in Deutschland entwickelten, flexiblen maschinenraumlosen Aufzüge (MRL-Aufzüge) an, die extrem robust und in hohem Maße anpassbar sind, was Sydney Metro sehr gefiel.

 

Wie tragen die Anlagen zu mehr Nachhaltigkeit bei?

Für die Sydney Metro wurden victoria-Fahrtreppen ausgewählt, die mit herausragender Energieeffizienz punkten und den CO2-Fußabdruck von Gebäuden und U-Bahn-Stationen verringern. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz modernster LED-Beleuchtung und die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Betriebsarten zu wählen.

Wie tragen diese Lösungen zu effizienter Mobilität, Sicherheit und Fahrgastkomfort bei?

Sydney Metro ist das größte öffentliche Verkehrsprojekt Australiens. Im Zuge des Sydney Metro City & Southwest-Projekts werden sechs neue Bahnhöfe gebaut und elf vorhandene Bahnhöfe nachgerüstet. An allen diesen Bahnhöfen werden die zuverlässigen und effizienten Anlagen von TKE verbaut. Wir glauben deshalb, dass wir durchaus einen Beitrag zu effizienter urbaner Mobilität leisten.

Sicherheit hat immer höchste Priorität. Unsere victoria-Fahrtreppen verfügen zum Beispiel über zahlreiche Sicherheitsmechanismen zur Vermeidung von Unfällen und Verletzungen, was gerade an U-Bahnhöfen extrem wichtig ist. Wir schlugen auch eine Absturzsicherung für die Fahrtreppen vor, die parallel zu den Balustraden verläuft und das Risiko verringert, dass Fahrgäste seitlich über eine Fahrtreppe klettern.

 

War TK Elevator bereits in frühere Phasen des Sydney Metro-Projekts involviert? Und wie geht es für TK Elevator weiter?

TK Elevator war an den früheren Projekten für Sydney Metro nicht beteiligt, doch im Laufe unserer Partnerschaft haben wir eine großartige Beziehung aufgebaut. Die Sydney Metro soll in den kommenden Jahren mit den neuen Linien Western Sydney Airport und West weiter ausgebaut werden, sodass wir hoffen, auch in den kommenden Phasen dieses prestigeträchtigen Projekts mitwirken zu dürfen.

Aufzüge und Fahrtreppen – wichtige Verbindungen zu städtischen U-Bahn-Systemen

Sowohl Aufzüge als auch Fahrtreppen sind aus dem öffentlichen Verkehr nicht wegzudenken. Ohne sie wären viele Fahrgäste nicht bereit oder in der Lage, unterirdische oder oberirdische Haltestellen zu erreichen, und würden dann vermehrt auf ihr Auto zurückgreifen.

Fahrtreppen sind für die Beförderung großer Personenzahlen unverzichtbar. Aufzüge helfen denjenigen, die keine Fahrtreppen benutzen können, z. B. Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit Behinderung. Deshalb braucht es robuste vertikale Transportlösungen wie die victoria-Fahrtreppen, auf die man sich bei hohem Verkehrsaufkommen verlassen kann.

Sydney_Metro_Mark_Crick
„Sicherheit hat immer höchste Priorität, und bei diesem Projekt haben wir ganz besonders darauf geachtet, dass Sicherheit an erster Stelle steht.“
Mark Crick, Sales Manager, TK Elevator

Image Credits

All photos provided by Sydney Metro

Sydney Metro: West Update May 2021, video by Transport For NSW, taken from YouTube

Sydney Metro: A day in the life of a tunnelling segment, video by Transport For NSW, taken from YouTube