Smart Mobility

Freier Zugang für jedermann: Barrierefreiheit in Gebäuden und im Nahverkehr

Wie garantieren wir auch Bürgern mit Mobilitätseinschränkung freien Zugang zu Gebäuden und zur Personenbeförderung? In den vergangenen Jahrzehnten haben Staaten Vorschriften erlassen, die den Menschen besseren Zugang zu Gebäuden, öffentlichen und städtischen Einrichtungen sowie Verkehrsmitteln garantieren. Doch ist das genug? URBAN HUB wirft einen Blick auf die wirksamsten Maßnahmen und erklärt, wie digitale Technologie und neue Mobilitätsinnovationen zu besseren Lösungen beitragen und warum Barrierefreiheit in urbanen Räumen, Gebäuden und Verkehrsmitteln ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Integration ist.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 27.07.2020

Zugang zu urbanen Räumen für alle

Die Stadtbevölkerung wächst und wächst. Daher müssen Stadtplaner und Architekten bei öffentlichen Einrichtungen, bei Gebäuden und im Nahverkehr stark auf größtmögliche Barrierefreiheit für alle achten – und „alle“ schließt natürlich auch Menschen mit temporärer oder dauerhafter Mobilitätseinschränkung ein.

Künftig werden nicht nur mehr Menschen in Städten leben, sondern die Menschen werden auch älter werden. Viele Senioren möchten „zu Hause alt werden“, das heißt, sie möchten nicht in eine Einrichtung für betreutes Wohnen umziehen, sondern in ihrer vertrauten Umgebung selbstständig leben. Sie stellen einen immer größeren Anteil der Bevölkerung, der öffentliche Dienstleistungen und Verkehrsmittel in Anspruch nimmt. Daher profitieren sie ganz besonders von Maßnahmen zur Verwirklichung von umfassender Barrierefreiheit.

Wheelchair Accessibility

Uneingeschränkter Zugang fördert das Gemeinschaftsleben

Warum spielt Barrierefreiheit eine so große Rolle? Eine Stadt floriert nur dann, wenn alle Bürger die Chance haben, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu leben und an der Gemeinschaft teilzunehmen. Die Förderung der gesellschaftlichen Integration sollte jede Stadt auf ihrer Agenda ganz oben stehen haben, um eine hohe Lebensqualität für ihre Bewohner zu garantieren.

Wenn Menschen mit Mobilitätseinschränkung schlechten Zugang zum Nahverkehr oder zu öffentlichen und medizinischen Dienstleistungen haben, sind ihre wirtschaftliche Stabilität und ihre Gesundheit gefährdet. Soziale Isolation entwickelt sich zu einem Problem im Lebensraum Stadt, von dem vor allem Senioren betroffen sind. Unzugängliche oder schlecht geplante Nahverkehrsangebote verschlimmern die Lage.

Stairlift Woman
Stairlift Man

Zugang zu Gebäuden und Transportmitteln

Wie also können Stadtplaner dem Problem begegnen? Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurden Bauordnungsvorschriften erlassen, die einen besseren Zugang zu Gebäuden und Nahverkehrsstationen regeln. So wurden beispielsweise Design und Maße von Bordsteinen, Stufen und Lücken sowie schwierige Ebenenwechsel verbessert, damit sie für Personen mit Mobilitätseinschränkung besser zugänglich sind.

Neue Mobilitätslösungen können den Zugang noch weiter verbessern. Bewegliche Rampen, Treppenlifte und Plattformlifte stellen dringend nötige Alternativen für Treppen dar, um in ein Gebäude oder zu einem Verkehrsmittel zu gelangen. Städte testen insbesondere an steilen Straßen auch immer häufiger Fahrsteige, die als Zubringer zu den Nahverkehrshaltestellen fungieren und die Laufwege für die Passagiere verkürzen.

Fortbewegung innerhalb von Gebäuden und Nahverkehrshaltestellen

Viele der Lösungen, die den Zugang zu Gebäuden oder Nahverkehrsstationen erleichtern, kommen auch in deren Innenbereichen zum Einsatz. Hier müssen Architekten unter anderem Richtlinien zu Mindestabmessungen für Türdurchgänge und Treppenstufen berücksichtigen. In Gebäuden finden sich immer mehr automatische Türen, Fahrtreppen, Plattformlifte und Aufzüge – für die beispielsweise in der EU neue Vorschriften gelten, die eine bessere Barrierefreiheit zum Ziel haben.1

Auch Einrichtungen des öffentlichen Nahverkehrs profitieren von modernen Mobilitätslösungen. Flughäfen wie der Milan Linate in Italien arbeiten immer häufiger mit Plattformliften. Der Flughafen Brussels South Charleroi Airport in Belgien, wo die Passagiere über Flugzeugtreppen (und nicht über Fluggastbrücken) in die Flugzeuge steigen, haben Treppenlifte für Fluggäste mit eingeschränkter Mobilität angeschafft.

Große Bahnhöfe wie der Bahnhof Milano Centrale in Mailand, der ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Südeuropa ist, bieten multimodale Umsteigemöglichkeiten, indem sie Fahrsteige, Aufzüge und Fahrtreppen kombinieren und den Fahrgästen so eine nahtlose Bewegung zwischen verschiedenen Ebenen ermöglichen. Mailand verbessert den Zugang noch weiter, indem es an mehreren Stationen geneigte Plattformlifte installiert. Des Weiteren ist geplant, die Kommunikationssysteme für die Nutzer und die Überwachungssoftware für das Aufsichtspersonal aufzurüsten, um einen möglichst störungsfreien Betrieb sicherzustellen.

 
Moving 400,000 people every day at Milan Central Station

Kommunikation öffnet Türen

Der beste Weg, um effektive Lösungen zu finden, besteht darin, mit mobilitätseingeschränkten Personen und Senioren über Verkehrslösungen zu sprechen. In Shanghai und anderen Städten sind sie regelmäßig dazu aufgerufen, die Zugänglichkeit von Verkehrsmitteln in der Stadt zu prüfen und Mobilitätsprobleme zu melden. Branchen und Stadtplaner können sich mit Organisationen zusammentun, die sich dafür einsetzen, dass mehr Barrierefreiheit für alle verwirklicht wird.

Basierend auf diesem Input sollte barrierefreies Design auch durchdachte Kommunikationsmaßnahmen umfassen. Kleine Bodenerhebungen können Menschen mit Sehbehinderung helfen zu erkennen, wo ein Bahnsteig beginnt oder endet, und kontrastreiche Schilder sind leichter zu entziffern. Des Weiteren sollten Informationstasten und -bildschirme auch auf Augenhöhe von Rollstuhlfahrern zur Verfügung stehen.

Digitale Technologien eröffnen neue Kommunikationskanäle, die für Personen mit Gehbehinderung eine große Hilfe sein können. Konzepte wie Smart Ticketing und andere Apps, die es Reisenden ermöglichen, Reisen vorab zu planen oder Zugriff auf Echtzeitaktualisierungen zu Fahrplanänderungen oder Ausfällen zu erhalten, sind Teil der Urban Apps, die den Menschen die Navigation im Nahverkehr erleichtern.

 
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Dank berührungsfreier Technologien lassen sich Aufzüge über ein Smartphone bedienen.

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Neue Technologien für bessere Dienstleistungen

Innovationen wie berührungsfreie Technologien werden angesichts der COVID-19-Pandemie auch zusätzliche Vorteile für Personen mit Mobilitätseinschränkung bringen. Lösungen wie der Aufzugruf mittels Sprachaktivierung (anstelle von Tastendruck), der gerade von thyssenkrupp Elevator in China vorgestellt wurde, erleichtern das Bedienen von Mobilitätslösungen und reduzieren das Infektionsrisiko.

Smarte Technologien tragen außerdem zu besseren Dienstleistungen bei. Viele dieser neuen Mobilitätslösungen arbeiten dank erstklassiger, reibungsloser Abläufe effektiv – und Ausfallzeiten müssen unbedingt vermieden werden. Präventive und vorausschauende Instandhaltungslösungen wie MAX für Aufzüge und Fahrtreppen ermöglichen es, potenzielle Probleme vorherzusehen und zu beheben, bevor es zu einem Ausfall kommt.

Innovationen bringen mehr Barrierefreiheit

Es wurde bereits viel für eine bessere Inklusion getan, doch es besteht nach wie vor Verbesserungspotenzial. Jetzt, da dicht besiedelte Städte zur Norm werden, ist es extrem wichtig, ein gutes multimodales Transportsystem zu entwickeln: Verschiedene Arten von Transportmitteln müssen nahtlos zusammenarbeiten. Innovationen wie MULTI, die potenziell als direkte Zubringer von einer U-Bahn-Station zu einem nahegelegenen Gebäude dienen können, eröffnen Stadtbewohnern aufregende neue Möglichkeiten. Insgesamt können durch die Verbesserung des Zugangs zu öffentlichen Verkehrsmitteln die Straßen entlastet und der Weg zu einer grüneren Stadt geebnet werden.