Cities

Städte der Zukunft: Wie wird sich das Leben in urbanen Räumen gestalten?

Zukünftig könnte es in Städten fliegende Fahrzeuge, Megabrücken, super vernetzte Straßenerlebnisse und Untergrundräume geben. Diese futuristischen Städte basieren auf Big Data, dem Internet der Dinge und künstlicher Intelligenz – sie leben, atmen und denken sogar mit uns. Andere Aspekte der futuristischen Stadt sind Nachhaltigkeit, Inklusivität und Mischnutzung. Technologie wird eingesetzt, um in durchgeplanten Bauprojekten eine neue Lebensqualität zu schaffen, damit die menschliche Note erhalten bleibt. URBAN HUB befasst sich mit einigen zukunftsfähigen Projekten aus Städten in der ganzen Welt.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 17.08.2021

Nach unten und unterirdisch bauen

Platz ist von wesentlicher Bedeutung, aber auch niedrige Energie- und Baukosten spielen eine Rolle. Unterirdische Bauten erfüllen all diese Faktoren. Wie? Sie erfordern keine Fundamente, was die Baukosten verringert. Darüber hinaus bleibt die Temperatur stabil, sodass die Heiz- und Kühlrechnungen um bis zu 80 % geringer ausfallen. Bauen unter Tage kann sich an Standorten, an denen es häufig zu Naturkatastrophen kommt, als widerstandsfähiger erweisen.

Wer baut jetzt schon nach unten? Singapur ist ein inspirierendes Beispiel. Von Rechenzentren und Versorgungswerken bis hin zu Lagerhäusern und Busbahnhöfen – der Stadtstaat hat herausgefunden, wie man den Platz unterhalb der Straße bestmöglich nutzt.

Helsinki will seinen CO2-Fußabdruck verringern und die Skyline niedrig halten. Die finnische Hauptstadt hat eine unterirdische Stadt mit Einkaufszentren, Metrostationen, Schwimmbädern und einem der weltweit grünsten Rechenzentren entwickelt.

 
Helsinki tunnels

Tunnel in die Zukunft

Wir sollten auch die Tunnel der Zukunft nicht vergessen. In Kuala Lumpur verbindet der Stormwater Management and Road Tunnel unterirdische Autobahnen mit Hochwasserschutz. Wenn die Monsunzeit bevorsteht, wird das obere Deck der Autobahn in einen Ableitungskanal verwandelt, um im Falle eines Hochwassers das Wasser von der Stadt wegzuleiten.

Gibt es noch etwas Spannenderes? Der Transport durch Tunnel wird einen Boom erleben. Die Bohrtechnologie ist heute viel schneller und günstiger, deshalb wird es in der Stadt der Zukunft mehr solche Lösungen geben. Beispielsweise plant London ein unterirdisches Tunnelnetzwerk, in dem pro Jahr 600 Millionen Pakete befördert werden könnten.

In den nächsten vier bis fünf Jahren könnte es das überirdische Tunnelreisesystem „hyperloop”1 auch in einer Stadt in Ihrer Nähe geben: Projektpläne gibt es in Indien, Dubai, Abu Dhabi, Las Vegas und der Schweiz. Swisspod entwickelt ein hyperloop-System, das in nur 17 Minuten Personen und Fracht von Genf nach Zürich bringen könnte.

 
Tesla Underground Tunnel Automated Transportation System at Las Vegas Convention Center Loop

Brücken in die Zukunft

Die Brücke der Zukunft kann mehr, als nur zwei Punkte zu verbinden. Ein spannendes Beispiel ist derzeit in Washington, D.C. im Bau: Die 11th Street Bridge Park soll 2024 fertig werden. Sie wird vom Amphitheater bis zur Bootsrampe alles zu bieten haben, und es wird Fuß- und Radwege über den Anacostia River geben.

Auch die Skybridge macht von sich reden. Während einige spektakuläre Elemente wie ein Swimming Pool2 zwischen zwei Türmen in London Interesse wecken, bieten Skybridges auch praktische Lösungen. In den Städten der Zukunft wird es mehr sogenannte „abgeschlossene programmatische“ Skybridges geben, in denen Büros und Restaurants untergebracht sind, wie das Linked Hybrid Building in Beijing.

Damit die Bewohner die verschiedenen Ebenen und Mischnutzungsbereiche nahtlos erreichen können, werden Städte immer mehr auf Innovationen wie MULTI setzen, den ersten seillosen Aufzug, der nicht nur nach oben und unten fährt, sondern auch nach rechts und links.

MULTI: Eine neue Ära urbaner Mobilität

Der erste seillose Aufzug für Hochhäuser weltweit – der sich sowohl vertikal als auch horizontal bewegen kann. 

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Die Stadt der Zukunft macht die Mischung

Die Erschließung mit Mischnutzung ist die Zukunft der Stadt. Eben dieses Ziel verfolgt das ehrgeizige Unternehmen Sidewalk Labs aus Toronto. Diese Entwicklungen verwenden modulare Bausysteme, die das Wohn- und Geschäftsleben mit öffentlichen Einrichtungen und Parks verbinden.

Sie schaffen gemeinsame Umgebungen, die sich besser eignen, nachhaltige und energieeffiziente Bauinnovationen einzubinden. Beispielsweise können sie über ein eigenes Mikronetz versorgt werden, das vor Ort verfügbare erneuerbare Quellen nutzt. Die flexible Konstruktion kann sich mit den sich wandelnden Bedürfnissen der Stadt weiterentwickeln, sodass die Dynamik von permanentem Abriss und Neubau wegfällt.

Mischentwicklungen gibt es in allen möglichen Formen und Größen. In Medellín, Kolumbien, kann man sehen, wie verschiedene Gemeinden durch eine Brücke verbunden werden. So sind beispielsweise die Library Parks Mehrzweckbereiche, die Menschen aus verschiedenen Vierteln zusammenbringen, um ein neues städtisches Zentrum zu schaffen.

 
Sidewalk, Smart City Toronto, Waterfront Toronto - The Port Lands Google Sidewalk Labs at Quayside

Die Straßen der Stadt der Zukunft sind smart

Big Data werden weiterhin analysiert, um eine geschicktere Nutzung der städtischen Dienste, Straßen und des öffentlichen Transports zu ermöglichen. Ein gutes Beispiel gibt es in Los Angeles, wo die Straßenlaternen darauf reagieren, was in ihrer Umgebung passiert. Wenn also beispielsweise viele Menschen nachts ein Stadion verlassen, leuchten die Lampen hell, um ihnen den Weg zu leuchten – oder blinken, um auf ein herannahendes Rettungsfahrzeug aufmerksam zu machen.

Die Fortschritte des Low Power Wide Area Networks und von 5G werden für eine bessere Konnektivität für unzählige Geräte und über weite Entfernungen hinweg sorgen. Städtische Apps werden mit Technologien der alternativen Realität (AR) verbunden, um intelligente, personalisierte Vorschläge zu machen und so ein höchst intuitives Stadterleben zu ermöglichen.

Futuristic Cities
Future Cars

Die Zukunft ist mobil

In der Stadt der Zukunft wird es zweifelsohne weniger Autos und mehr autonome, selbstfahrende Fahrzeuge geben. Die Bewohner werden sich Autos teilen und öffentliche Transportmittel über eine App anfordern. Die Stadt der Zukunft ist für Fußgänger und Radfahrer gemacht, mit Lösungen von Fahrsteigen bis hin zu unterirdischen und oberirdischen Radwegen.

Und die nächste Generation des öffentlichen Transportwesens? Das fliegende Fahrzeug. Unternehmen wie Uber Elevate arbeiten derzeit an der Entwicklung von kleinen eVTOLs – elektrischen Fahrzeugen, die vertikal abheben und landen – mit der Agilität eines Helikopters und der Größe eines Autos.

Volocopter Flying Car

Die Zukunft ist urban

Während einige Projekte für die Stadt der Zukunft, wie fliegende Fahrzeuge und unterirdische Gebäude, nach einem Science-Fiction-Roman klingen, basieren die meisten Ideen doch auf einem sehr bodenständigen Bestreben danach, die Nachhaltigkeit, die Lebensqualität und die Gemeinschaft an jenen Orten zu erhalten, die bis zum Jahr 2050 das Zuhause eines Großteils der Menschen sein werden.

Future Sustainability

Image Credits

Helsinki Urban Underground Spaces, video by Helsingin kaupunkiympäristö, taken from YouTube

Tesla Underground Tunnel Automated Transportation System at Las Vegas Convention Center Loop, video by YOUCAR, taken from YouTube

Linked Hybrid 1, image by Steven Holl, taken from Flickr

Linked Hybrid 2, image by Steven Holl, taken from Flickr

Linked Hybrid 3, image by trevor.patt, taken from Flickr

Sidewalk, Smart City Toronto, Waterfront Toronto – The Port Lands Google Sidewalk Labs at Quayside, video by Unikron, taken from YouTube

Volocopter at IAA 2017 1, image by Spielvogel, taken by Wikimedia Commons