Cities

Bauboom verwandelt die Skyline von London – und schafft dringend benötigten Wohnraum

Abgesehen von beständigen Wahrzeichen wie dem Uhrturm Big Ben ist die Skyline von London für Touristen, deren letzter Besuch in der Stadt schon einige Jahre zurückliegt, kaum wiederzuerkennen. Architekturliebhaber werden von neuen spektakulären Bauten mit Spitznamen wie „The Shard“ (zu dt.: Scherbe/Splitter) oder „The Walkie Talkie London“ begeistert sein. Trotz Brexit bleibt der Bauboom ungebrochen. Die dynamische Stadt  London verändert nicht nur ihre Skyline. Sie möchte auch Tausende neue Wohnungen bauen und gleichzeitig ihre Straßeninfrastruktur und ihr Transportnetz optimieren, um für einen besseren Verkehrs- und Menschenfluss in allen Bezirken zu sorgen. Wir können regelrecht dabei zusehen, wie die Stadt ihre zukünftige Gestalt formt und dabei neuen Wohnraum für die wachsende Bevölkerung schafft.
Cities
Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
568 Aufrufe

Erstellt am 15.01.2020

London im Wandel

Aktuell sind knapp 550 Hochhäuser in Planung. 76¹ Wolkenkratzer mit 20 oder mehr Stockwerken wurden allein im Jahr 2019 fertiggestellt – ein neuer Rekord. Viele dieser Wohntürme sind im Bezirk East End zu finden. Ein weiteres Hochhaus-Cluster, das einige der höchsten und spektakulärsten Bauten Europas umfasst, befindet sich in der „City of London“, dem alten Stadtkern Londons.

Doch nicht alle geistigen Höhenflüge erhalten grünes Licht. Norman Fosters Entwurf für „The Tulip“, einen 305 Meter hohen tulpenförmigen Turm, an dessen Außenfassade Glaskugeln ähnlich wie Gondeln entlangfahren sollten, wurde von Londons Bürgermeister Kahn abgelehnt, da das Gebäude vermeintlich nicht genügend Nutzen für die Öffentlichkeit bot.

 
2026 London Skyline

So wird die Skyline in der City of London im Jahr 2026 aussehen

Das London City Cluster

Einige der aufregendsten Bauten entstehen in der City of London. Den Plänen zufolge werden 2026 insgesamt 13 Wolkenkratzer mit Mischnutzung die neue Skyline bilden.

Die Planung auf Straßenebene wird entscheidend für den Erfolg des Gebiets sein und könnte als Blaupause für ähnliche Bau-Cluster in der Stadt dienen. So ist beispielsweise Großbritanniens erste große emissionsfreie Zone geplant, die besonders fußgängerfreundlich gestaltet wird und in der eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 15 Meilen pro Stunde (das entspricht rund 24 Kilometern pro Stunde) gelten wird. Außerdem müssen alle Hochhäuser mit Begrünungselementen ausgestattet werden, und es müssen Laufwege durch die Gebäude führen, damit die überfüllten Straßen entlastet werden.

Canary Wharf

Im Londoner Bezirk East End sprießen Wolkenkratzer aus dem Boden

Hochmoderne Architektur in Londons Randbezirken

Die Bauaktivitäten konzentrieren sich aber nicht nur auf das Stadtzentrum. Auch in Camden, Barnet und Hounslow werden erstmals Hochhäuser gebaut. 2019 befanden sich 175 der 541¹ geplanten Wolkenkratzer in den äußeren Stadtbezirken (Outer London) – ein Anstieg von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im nördlich der Themse gelegenen Bezirk Tower Hamlets im East End werden sich die meisten Hochhäuser konzentrieren.

Aufgrund der stetig steigenden Einwohnerzahl – aktuell liegt sie bei 9 Millionen – sieht sich London einer Wohnraumkrise gegenüber. Nach der Fertigstellung der geplanten neuen Wohnhochhäuser sollen 2030² insgesamt 106.000 neue Wohnungen zur Verfügung stehen. Spezielle Lösungen werden die Wohneinheiten mit Gemeinschaftsbereichen auf Straßenebene verbinden und für besseren Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen.

Rund 16 Kilometer von der City of London entfernt wurden die größten modularen Hochhäuser der Welt errichtet. 101 George Street liegt direkt an der East Croydon Station, sodass Pendler in 16 Minuten ins Stadtzentrum gelangen können. Eine solche Kombination aus neuem Gebäude und optimaler Bahnanbindung eröffnet den Londonern mehr Möglichkeiten bei der Auswahl von Arbeitsstätte und Wohnort.

 
101 George Street

101 George Street: die größten modularen Hochhäuser der Welt

„Obwohl die politische Situation derzeit sehr ungewiss ist, bleiben die Auftragsbücher der Baubranche weiterhin gut gefüllt. Innovationen im Bereich der Aufzugstechnik beeinflussen das Design von Gebäuden, und so werden abhängig von der Größe des Aufzugkerns und dem Personenverkehr im Gebäude Einzelkabinen-, Doppelkabinen- oder TWIN-Aufzüge eingesetzt.“
Patrick Wright, New Installations Sales, thyssenkrupp Elevator UK
London Construction

Die Zukunft liegt nicht nur in der Höhe

Gemäß den Plänen zum Aufbau einer robusten Infrastruktur vollzieht sich Londons Transformation auf allen Ebenen. Hier sind einige weitere Megaprojekte:

  • Die Elizabeth Line: Die neuen U-Bahntunnel sind insgesamt 21 Kilometer lang und verlaufen zwischen Paddington und Canary Wharf. Die neue U-Bahnlinie wird wichtige Stationen im Zentrum Londons bedienen und für eine bessere Anbindung von Randbezirken sorgen.
  • Battersea Power Station: In der Nachbarschaft des ehemaligen Kraftwerks entsteht derzeit ein zentral gelegenes Wohnviertel für Tausende Menschen. Apple ist eines der Unternehmen, die in die Umgestaltung des Industriedenkmals und dessen Umgebung investieren.

Londons geplante Bauprojekte verändern aber nicht nur das Stadtbild. Durch den Boom sind bereits Tausende neue Arbeitsplätze in der Stadt entstanden sowie zahlreiche Fachkräfte und Investoren angelockt worden. Mit einem Fokus auf die Abwendung der Wohnungskrise könnte diese neue Bauwirtschaft eine neue Ära für die Stadt einläuten.

Das knapp 157.800 Quadratmeter große Areal der Battersea Power Station