Urbanization

Megastädte führen zu Mega-Immobilienpreisen: Zu viel des Guten?

Für eine erfolgreiche Entwicklung sind Megastädte auf Investoren angewiesen; aber was passiert, wenn die Spekulationen der Investoren das Stadtleben unerschwinglich für andere werden lassen? Stadtentwickler müssen eine Balance zwischen attraktiven ausländischen Investitionen und bezahlbarer, nachhaltiger Stadtplanung sowie notwendiger Regulierung finden, um allen Städtern eine Perspektive zu bieten. URBAN HUB blickt auf Städte, die einen Immobilien-Investitionsboom erlebt haben und darauf, welche Maßnahmen und regulativen Eingriffe manche dieser Städte vorgenommen haben, damit sich die rapide wachsende städtische Bevölkerung trotzdem die Miete oder ein Eigenheim leisten kann.
Urbanization
Unsere Städte, unsere Zukunft - Urbanisierung, ein Trend der augenscheinlich nicht mehr abklingt, verändert unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander zu interagieren.
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Erstellt am 29.05.2019

Der Immobilienboom

Immobilienpreise sind ein guter Indikator für den wirtschaftlichen Zustand einer Gesellschaft. Steigende Mietpreise und ein gesunder Wohnungsmarkt stehen oft für eine wachsende Bevölkerung, soziale Aufstiegschancen und eine dynamische Stadt. Städte, in denen interessante, bahnbrechende neue Gebäude oder Wahrzeichen mit modernster Technologie entstehen, zum Beispiel Hongkong, Toronto oder New York, ziehen große Investoren an.

Der boomende Wohnungsmarkt ist zum Teil durch die große Nachfrage wohlhabender privater Investoren nach Luxusimmobilien entstanden. In manchen Städten wurde der Wohnungsbau aber auch durch eine zu restriktive Landnutzungspolitik behindert, die die Stadtentwicklung an den Randbezirken einschränkt oder die Gebäudehöhe begrenzt. Das war nicht sehr hilfreich, wenn wir heute den großen Andrang in die Städte betrachten. Die größten Preistreiber für Immobilien in Großstädten bleiben jedoch die Investitionen ausländischer Spekulanten und Gesellschaften.

Wann platzt die Blase?

Nun, nach Jahren steigender Immobilienpreise, deuten aktuelle Zahlen auf einen Abschwung des Marktes hin, oder gar schlimmer: Die Blase könnte platzen, was Auswirkungen auf die gesamte Welt hätte.

Die Immobilienpreise in Sydney könnten 2019 um bis zu 7,7 Prozent fallen. In den letzten Jahren haben Märkte von Vancouver über London bis Hongkong einen Gipfel erreicht und sind in ein Plateau übergegangen. Auch wenn fallenden Immobilienpreise auf eine schwächelnde Wirtschaft hindeuten, könnte es sich auch einfach um eine dringend notwendige Korrektur handeln, die nachhaltiges Wachstum für alle ermöglicht.

Der lukrative Wohnungsmarkt war vielleicht ein unverhoffter Gewinn für Immobilienspekulanten, aber wie wirken sich Marktschwankungen auf den normalen Städter und die Zukunft der Stadtplanung aus?

Sydney

Wenn der Immobilienboom an seine Grenzen stößt

Während ein wachsender Immobilienmarkt oft auf ein gesundes Wirtschaftswachstum hindeutet, kann ein Wohnungsmarkt, der den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung zuwiderläuft, einen Dominoeffekt auf die Zukunft einer Stadt haben. Die größte Gefahr besteht darin, die Menschen, welche den größten wirtschaftlichen Beitrag leisten, zu verdrängen, nämlich junge Menschen am Beginn ihrer Karriere. Untersuchungen zeigen, dass in den letzten fünf Jahren das Durchschnittsalter der Einwohner von Städten gestiegen ist, egal ob in London, Hongkong oder der kalifornischen Bay Area.

Wenn die örtliche Bevölkerung von ausländischen Investoren verdrängt wird und an Kaufkraft verliert, kann das zu Problemen führen. Lokale Ökonomien, die sich zu sehr auf Investitionen von außen verlassen, sind anfälliger für Schwankungen auf dem Weltmarkt. Wenn die Gewinne nachlassen, packen die ausländischen Investoren – die natürlich nicht durch Familie, Freunde oder Beruf an die Stadt gebunden sind – ihre Sachen und ziehen weiter.

Eine eigene Immobilie hat sich für viele zu einem Luftschloss entwickelt. Dabei war der Besitz von Wohneigentum immer einer der Hauptfaktoren der Demokratisierung von Wohlstand. Wenn die Zahl der Eigenheimbesitzer weiter stark zurückgeht, kann dies zu einer europaweiten Reduzierung der Lebensqualität und der wirtschaftlichen Möglichkeiten führen. Wenn Menschen nicht mehr in ihrer Gemeinde vor Ort investieren können, ziehen sie woanders hin und die Wirtschaft stagniert.

Enklaven des Wohlstandes können zu einer größeren Spaltung zwischen Arm und Reich führen, wenn Innovationen, Technologien und Dienstleistungen nicht mehr allen gleichermaßen zugänglich sind. Im schlimmsten Fall kann dies bedeuten, dass Luxusimmobilien leerstehen, während Investoren darauf warten, sie gewinnbringend zu verkaufen, was dazu führt, dass dringend benötigter städtischer Wohnraum nicht genutzt werden kann.

Einen Ausgleich schaffen

Wenn man sich nur den extrem wohlhabenden Investoren zuwendet, führt dies zu einer unbeständigeren lokalen Wirtschaft, einer weniger durchmischten Gesellschaft und letztendlich zu stagnierendem Wachstum. Maßnahmen, um durch lokale Investitionen das Gleichgewicht wiederherzustellen, könnten zum Beispiel eine Erschwerung der Verlängerung von Hypotheken oder die Erhöhung der Immobiliensteuer umfassen.

Der New Yorker Wohnungsmarkt schafft durch die Besteuerung von Zweitwohnungen einen gewissen Ausgleich. Vancouver hat für ausländische Wohnungskäufer eine Steuer von 15 Prozent erlassen. Hong Kongs aktuelle Erhöhung der Zinssätze wird zu einer Reduzierung der Preise von 10 bis 15 Prozent führen. Insgesamt haben aber nur wenige Städte umfangreiche Maßnahmen zum sozialen Wohnungsbau in die Wege geleitet.

Eine ganzheitliche Stadtplanung erlaubt es allen Einkommensgruppen, einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung ihrer Stadt zu leisten, ohne den Zufluss ausländischer Gelder komplett abzudrehen. In Toronto wurde der Großinvestor Alphabet mit einbezogen, um ein Viertel mit flexiblen Wohnmöglichkeiten zu gestalten. In Sydney arbeiten die Stadtplaner daran, die Vorzüge der Stadt allen zugänglich zu machen, indem der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfacht wird.

affordable housing

Zukünftigen Ideen ein Zuhause geben

Der Schlüssel für eine nachhaltige Großstadt sind Investitionen, die einen nachhaltigen Lebensstandard für alle Einwohner sicherstellen, und zwar durch Zugang zu Investitionsmöglichkeiten, Grundbesitz und andere wirtschaftliche Optionen.

Natürlich muss unter Berücksichtigung des gewaltigen Zuzugs in die Städte ein nachhaltigerer Plan für erschwinglichen Wohnraum für alle Einkommensstufen verfolgt werden. Städte haben sich immer als Pioniere hervorgetan, wenn es um neue Ideen ging, und werden dies auch in Zukunft tun, wenn es um das städtische Wohnen geht.

Image Credits:

Hong Kong, photo by Ruslan Bardash, taken from unsplash.com

New York City, photo by Ian Dooley, taken from unsplash.com

Toronto, photo by Zia Syed, taken from unsplash.com

Sydney, photo by Dan Freeman, taken from unsplash.com

Hudson Yards, photo by James Morehead, taken from unsplash.com