Urbanization

Futurist Ben Hammersley über die Megatrends, die Städte und Menschen beeinflussen

Die Mission von Futurist Ben Hammersley besteht darin, die Gegenwart zu erklären – das mag zunächst vielleicht etwas seltsam klingen. Aber als Autor, Journalist, Rundfunksprecher, Referent und Berater erklärt Ben immer wieder, dass die größte Herausforderung für die Gesellschaft, die Geschäftswelt sowie die Städte und deren Bewohner darin besteht, das Heute zu verstehen. 

Damit wir unsere aktuelle Situation richtig einschätzen können, müssen wir zunächst einen Blick auf die tiefgreifenden globalen Veränderungen werfen, die uns kontinuierlich umgeben. In einer zweiteiligen Serie spricht URBAN HUB mit Ben Hammersley über Megatrends und darüber, wie der Kontext der Gegenwart schon jetzt die Zukunft auf den Weg bringt.

Urbanization
Unsere Städte, unsere Zukunft - Urbanisierung, ein Trend der augenscheinlich nicht mehr abklingt, verändert unsere Art zu leben, zu arbeiten und miteinander zu interagieren.
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Erstellt am 26.03.2018

Dynamische Megatrends bringen einschneidende Veränderungen mit sich

Wir können nur schwer begreifen, was genau um uns herum alles vor sich geht. Laut Hammersley ist diese Problematik so tief in unserer Handlungsweise verwurzelt, dass man sie als chronische Krankheit des Menschen bezeichnen könnte. Ein Beispiel aus der Geschäftswelt: „Unternehmen wollen von mir, dass ich sie bezüglich ihrer Zukunft berate. Oft muss ich ihnen aber sagen: Die Zukunft? Sie müssen erst einmal noch einiges an Aufholarbeit leisten, um im 21. Jahrhundert anzukommen!“

Megatrend: exponentiell wachsender, technologischer Wandel

Ein Bereich, den wir in jedem Fall genauer im Auge behalten sollten, ist der wichtige Megatrend des technologischen Wandels. Die massive Digitalisierung und der Siegeszug der internetbasierten Anwendungen hat weltweit weitreichende Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Dessen sind wir uns alle bewusst. Viele Aspekte davon wissen wir sogar sehr zu schätzen: unsere E-Book-Reader, unsere Smartphones, unsere Apps und unsere Social-Media-Feeds. 

Aber wir können immer noch nicht verstehen oder abschätzen, welche zugrundeliegenden Dynamiken diese Veränderungen auslösen. Das heißt, all die zuvor genannten Dinge sind nur die Welleneffekte von etwas Größerem: nämlich der Prognose, dass sich die Rechenleistung bei gleichbleibendem Preis alle zwei Jahre verdoppeln wird (Mooresches Gesetz). Hammersley kommentiert: „In der Geschichte der Menschheit kam es nie vor, dass die Leistung unserer Tools sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat.“

Dieses Einzelphänomen untergräbt das Fundament von allem, was wir zu glauben wissen. „Der Grund dafür ist einfach, dass wir digitale Technologie nutzen können, um die nächste Generation digitaler Technologie zu entwickeln. Die Basis unserer Kultur beruht auf einer Zeit, zu der es eine solche konstante Verdoppelung der Leistung oder Möglichkeiten nicht gab.“ Mit anderen Worten: Wir befinden uns wahrhaft inmitten einer Revolution, die nicht so schnell enden wird.

„Alle gesellschaftlichen, intellektuellen, medizinischen, kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritte in den vergangenen 20 Jahren wurden durch das digitale Netzwerk ermöglicht. Die Menschen haben bereits keine Vorstellung mehr, wie das Leben davor aussah.“

Ben Hammersley

Megatrend: rasend schneller Wandel in der Arbeitswelt

Der tiefgreifende technologische Wandel befeuert einen zweiten Megatrend: die radikale Transformation der Arbeit. „Den Unternehmen und Arbeitnehmern wird bewusst, dass die Arbeitswelt sich mit rasendem Tempo verändert. Es gibt heute Jobs, die vor fünf bis zehn Jahren noch gar nicht existierten und die es möglicherweise in weiteren fünf oder zehn Jahren auch schon gar nicht mehr geben wird.“

Wie sieht dann eine Karriere aus? „Das wird sich ebenfalls ändern. Das Konzept, lebenslang denselben Job auszuüben oder nur eine Karriere zu verfolgen, wird es so nicht mehr geben.“ Und was ist mit der Rente? „Das Renteneintrittsalter von 65 wurde damals auf Basis einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 70 Jahren festgelegt. Mit der steigenden Lebenserwartung weichen die Grenzen und die Definition der Rente zunehmend auf.“

Und ähnlich wie die Digitalisierung sät der Wandel in der Arbeitswelt die Saat für noch mehr Veränderung. Zum Beispiel: „Die Änderung der Auffassung von Arbeit (z. B. was ein Büro ausmacht), der Arbeit selbst und der Tools, die wir verwenden, bringt die Menschen dazu, die sozialen Gepflogenheiten in Unternehmen zu überdenken und auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen.“ Das Ergebnis? „Die Menschen hinterfragen sämtliche Praktiken – es ist, als befänden sie sich auf einem Förderband, bei dem es keinen Weg mehr zurück zu den alten Vorgehensweisen gibt.“

 

In „Training To Fight The Robots“ erklärt Ben Hammersley, inwiefern es für Sie (und Ihr Unternehmen) von Vorteil ist, wenn KI (Künstliche Intelligenz) uns mehr und mehr Entscheidungen abnimmt.

Megatrend: höhere Unbeständigkeit in Bezug auf soziale Rollen

Dies führt jedoch zu einem weiteren Megatrend: „Der einst statische Zustand der Arbeitssituation und der sozialen Rollen wurde vom gesellschaftlichen Kontext der Unbeständigkeit auf dem Arbeitsmarkt abgelöst. Das Ergebnis ist die sogenannte ‚Gig-Economy‘, die die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer grundlegend verändert.“

Die Gig-Economy stellt auch den sozialen Stellenwert infrage, der mit einem bestimmten Arbeitsplatz verknüpft wird. Traditionell war der soziale Status eng mit dem Arbeitsplatz und Beruf verbunden. Dies ändert sich nun jedoch, „weil man die Gesellschaft nicht auf Basis von Arbeitsplätzen organisieren kann, wenn die Arbeitsplätze sich kontinuierlich ändern. Wenn Drohnen in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sind die Piloten dann Bauern, Ingenieure oder merkwürdige Kapuzenpullover tragende Mitarbeiter eines Dotcom-Unternehmens? Ihr Platz in der Gesellschaft wird immer schwieriger zuzuordnen sein und nicht mehr nur an dem Job festgemacht werden können, den Sie ausüben.“

Das kann natürlich etwas Gutes sein, aber es gibt auch Nachteile. „Für Menschen wie mich ist die Gig-Economy ein Segen, für viele andere aber vielleicht ein Fluch – weil sie ausgenutzt werden. Jedoch kann die Gig-Economy wirklich für jeden zum Vorteil funktionieren – solange die Gesellschaft Sie nicht zwischen den ganzen Gigs untergehen lässt, das heißt, dass Sie nicht Ihre medizinische Versorgung, Ihr Zuhause oder Ihren Lebensunterhalt verlieren.“

Megatrend: unglaubliches urbanes Wachstum

Ein weiterer Megatrend ist die anhaltende Urbanisierung des menschlichen Lebens. Brauchen wir Städte? „Ja, absolut. Die Stadt ist sozusagen die Wiege der Zivilisation und die Wurzel unserer modernen Kultur. Und was wir derzeit beobachten können ist, dass kleinere Städte kontinuierlich wachsen und sich verdichten – es werden immer mehr Megastädte entstehen.“

„Das Vorstadtideal ist in Wirklichkeit die Anomalie – eine Idealvorstellung, die auf die Nachkriegszeit in den 1950er-Jahren zurückgeht. Von der Gartenvilla aus Telearbeit zu betreiben war damals Zukunftsmusik. Doch heute beobachten wir das Gegenteil: Die Menschen zieht es zurück in die Stadt – selbst wenn sie von zu Hause arbeiten. Die Stadtzentren blühen wieder auf, denn die Menschen erkennen, welche gesellschaftlichen Vorteile das Leben im Herzen einer Stadt hat. Es geht nicht darum, in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes zu sein, sondern in der Nähe seiner Freunde und der gesellschaftlichen und kulturellen Annehmlichkeiten, die Städte zu bieten haben.“

Skizzierung der gegenwärtigen Zukunft – Schritthalten mit den Megatrends

Unsere Ära ist geprägt von hochgradig disruptiven Megatrends des globalen Wandels: dem technologiebasierten Wandel, Veränderungen im Hinblick auf soziale Rollen, einem Umbruch in der Arbeitswelt, dem Klimawandel und der zunehmenden Landflucht.

Ben Hammersleys Arbeit beruht auf der Erkenntnis, dass unser Verständnis dieser Megatrends weiterhin vor allem vom Denken aus dem prä-digitalen Zeitalter im 20. Jahrhundert beeinflusst wird. Dieses Denken hat so heutzutage aber keinen Bestand mehr, und „um im 21. Jahrhundert richtig erfolgreich zu sein, müssen wir innehalten und den wahren Kontext unseres Lebens betrachten.“

Wie können wir am besten unseren Weg zu einer besseren Zukunft finden, während diese Megatrends unsere Welt unentwegt verändern? Das erfahren Sie im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Ben auf URBAN HUB.

A bit about Ben Hammersley

Ben is an active guy with a huge number of interests, and a lot of “gigs”.

  • Born 1976, Leicester, UK
  • Resides Los Angeles, California, USA
  • Paid gigs
    • Speaker – The London Speaker Bureau
    • Reporter/Presenter – BBC
    • Contributing Editor – Wired magazine
    • Academic Fellow – European Policy Centre
    • Editorial Board Member – Intelligence Squared
    • Faculty – The School of Life (London)  
    • Columnist – BA Business Life magazine
    • Innovator in Residence – Centre for Creative and Social Technology, Goldsmiths, University of London
    • Principal – Hammersley Futures consultancy
  • Volunteer gigs
    • American Red Cross
    • Los Angeles Audubon Society
    • Medical Reserve Corp
  • Additional accomplishments
    • 19 Certifications (including Emergency Medical Technician, Firefighter, Drone Pilot, Open Water Diver, Amateur Radio Technician)
    • 10 Publications (including 64 Things You Need to Know Now For Then: How to Face the Digital Future Without Fear)
    • 5 Honors & Awards (including Fellowships in the Royal Geographical Society and the Royal Society of Arts)
    • 2 Languages (English & Italian)