Urban Lifestyle

Die Geschichte des Aufzugs: Wie eine fahrende Plattform zum Symbol der modernen Welt wurde

Vor langer Zeit waren Städte eher die Ausnahme, inzwischen sind sie die Regel. Außerdem waren Städte früher sehr klein; heute gibt es sie in jeder Größe – von XS bis XXXL! Wenn wir uns die moderne Welt vorstellen, denken wir an Großstädte. Und wenn wir an moderne Städte denken, dann sehen wir Wolkenkratzer vor uns. Hochhäuser konnten aber erst errichtet oder genutzt werden, nachdem einige nützliche Erfindungen das Licht der Welt erblickten. Eine davon sticht ganz besonders hervor, und das nicht nur, weil sie ein praktisches Problem löst. Sie symbolisiert und bringt auch einige wichtige menschliche Bedürfnisse zusammen. Das ist die wahre Geschichte des Aufzugs.
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Leben in der Stadt der Zukunft - Haben wir einmal den Einfluss urbanen Lebens auf die Umwelt erfasst, können wir den Weg zu einer lebenswerten und grünen Stadt der Zukunft ebnen.
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Erstellt am 16.08.2018

Ein Ritt auf dem fliegenden Teppich

Das offensichtlichste menschliche Bedürfnis, das der Aufzug deckt, ist das Bedürfnis nach Anbindung oder Mobilität. Frühere Erfindungen der industriellen Revolution machten es zwar möglich, Lasten und Personen nach oben oder unten zu befördern, Aufzüge galten jedoch nicht als sicher genug für den täglichen Gebrauch – bis zur Weltausstellung 1853–54 im Kristallpalast in New York.

Dort stellte Elisha Graves Otis seine Sicherheitsbremse im Rahmen eines spektakulären Experiments vor: Eine Aufzugsplattform wurde zehn Meter in die Höhe gehoben, und dann wies Otis seinen Assistenten an, das Tragseil zu durchtrennen. Als die Plattform nicht in die Tiefe stürzte, verbeugte sich Otis vor dem staunenden Publikum und rief: „Alles sicher!“

Da jetzt für die nötige Sicherheit gesorgt war, konnte eine neue Ära für Gebäude, Städte und die Zivilisation beginnen. Der erste Personenaufzug wurde drei Jahre später in einem fünfstöckigen Gebäude in New York installiert – der Startschuss für die Geschichte des Fahrstuhls. Heute sind Aufzüge das sicherste mechanisierte Transportmittel der Welt.

Potenzial für mehr Gemeinschaft

Aufzüge boten den Menschen plötzlich die Möglichkeit, auf schnelle und einfach Weise an ihre Zielorte zu gelangen. Natürlich handelte es sich dabei meist um ihr Zuhause, Einkaufsmöglichkeiten, ihren Arbeitsplatz, Clubs, Restaurants oder Veranstaltungsorte. Konnektivität verbindet Orte; was aber noch wichtiger ist: Sie verbindet Menschen.

Gemeinschaftsbildung bzw. soziale Interaktion wurden schnell zu einem wichtigen Aspekt in der Geschichte des Fahrstuhls. Durch Aufzüge konnten neue Räume für Menschen geschaffen werden, in denen sie andere Menschen treffen konnten. Gebäude wuchsen in die Höhe und schafften erheblich mehr nutzbaren Raum – einfach aus dem Nichts!

Träger für Neugier

Der Aufzug trägt aber noch mehr „Passagiere“. Auch Neugier gehört dazu, da sich im Laufe des Siegeszugs des Fahrstuhls stets neue Perspektiven auftun. Dadurch kommen immer wieder neue Fragen auf, darunter die Frage danach, wie man die Kapazität oder Energieeffizienz erhöhen oder für ein höheres Maß an Wirtschaftlichkeit und Personalisierung sorgen kann.

Bei Aufzügen spielt Neugier immer mit. Im Jahr 1979 beispielsweise fragte man sich, ob die damals revolutionäre Technologie von Mikroprozessoren auch in Aufzügen genutzt werden könnte. Das konnte sie tatsächlich, und mit einem Mal waren die zuvor unentbehrlichen Aufzugführer überflüssig – jetzt konnte einfach jeder einen Aufzug bedienen.

Andere Fragen führten dazu, dass 1996 die Möglichkeit geschaffen wurde, Fahrgäste mit denselben Zieletagen vorher automatisch zu gruppieren, wodurch Wartezeiten verkürzt und das Aufzugerlebnis verbessert wurden. Alles nur aufgrund von Neugier.

Die Mutter der Erfindung

Es war zwar nicht komplett abwegig, dass zwei unabhängige Kabinen in einem Schacht untergebracht wurden, aber dennoch war es ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Aufzugs. TWIN, das erste moderne Multikabinenaufzugsystem wurde 2002 veröffentlicht. Die Lösung steigerte die Kapazität jedes Aufzugschachts um 40 Prozent!

Der Paternosteraufzug bestand ebenfalls aus mehreren offenen Einzelkabinen. Bei dem 1868 vorgestellten System verkehrten die Kabinen langsam in einer kontinuierlichen Umlaufschleife. Die Fahrgäste konnten einfach nach Belieben ein- und aussteigen. Kreativ – auch wenn die meisten Menschen Aufzüge mit Türen bevorzugen.

Nachdem dieses Schleifenkonzept durch moderne Magnetschwebetechnik ergänzt wurde, war es mit dem MULTI-System möglich, mehrere Kabinen auf sichere Weise nach oben und unten zu bewegen – und sogar in horizontaler Richtung. Das seillose MULTI-System, das im Jahr 2017 vorgestellt wurde, eröffnet nun völlig neue Möglichkeiten für die architektonische Gestaltung. Ein Aufzug schafft immer Luft für Kreativität.

Urbane Innovationen aus einer Box

Ähnlich wie eine Stadt bringt auch der Aufzug verschiedene Dinge auf beschränktem Raum zusammen. Die verschiedenen Elemente beeinflussen und verstärken sich gegenseitig und schaffen etwas komplett Neues. In diesem Fall verbinden sich Konnektivität, Gemeinschaft, Neugier und Kreativität mit erstaunlicher Weiterwirkung.

Eines dieser Ergebnisse ist eine höhere Energieeffizienz. Netto-Nullenergie beispielsweise bedeutet, dass ein Aufzug genug Energie erzeugt, um die von ihm verbrauchte Energie zu regenerieren. Noch beeindruckender: Netto-Positiv-Aufzüge produzieren mehr Energie, als sie verbrauchen!

Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Aufzug die Wünsche der Menschen auf neue Höhen bringt, ist die Einführung der digitalen Komponente. Die erste auf Echtzeitdaten basierende, cloudgestützte Präventivwartungslösung kam 2015 auf den Markt. „MAX“ nutzt IoT-Technologie, um Ausfallzeiten und Verzögerungen bei Aufzügen zu verhindern.

Die Entwicklung des Aufzugs als zuverlässiges Transportmittel hat für die urbane Entwicklung den Weg nach oben frei gemacht. Das MULTI-System ermöglicht jetzt aber auch ganz einfach horizontale Verbindungen zwischen Wolkenkratzern und erweitert damit die Grenzen des Städtebaus.

Der wichtigste Passagier auf der Reise des Aufzugs

Ist da noch Platz für einen weiteren Passagier? Na klar! Der letzte und wichtigste Passagier auf der Entstehungsreise des Aufzugs sind Träume. Im Laufe der Zeit hat sich der Aufzug von einer seltsamen kleinen Plattform bzw. Kabine zu einem lebendigen Fahrzeug entwickelt, das durch die menschliche Vorstellungskraft angetrieben wird.

Warum spielen Aufzüge eine so wichtige Rolle? Weil sie die menschliche Zivilisation vorantreiben. Sie befördern die Träume von heute zu einem höheren Ziel – den Städten von morgen, die wir noch erbauen müssen. Mit anderen Worten: Aufzüge treiben die Geschichte voran. Wir alle sind Teil der Geschichte des Aufzugs. Steigen Sie ein – diese Reise ist nie zu Ende!

Image Credits

Elisha Otis Elevator, taken from wikipedia.de