Urban Lifestyle

Wasser und Design verschmelzen zu neuer Architektur in urbanen Hafenvierteln

Nachhaltiges Bauen ist in Küstenregionen ein aktuelles Thema, besonders in dicht besiedelten Gebieten. Städteplaner haben erkannt, wie wichtig es ist, unsere Küsten zu schützen und im Einklang mit der Natur zu leben. Städte wie Rio de Janeiro möchten durch die Revitalisierung von Häfen die Verbindung zur sogenannten Waterfront wiederherstellen. Diese Faszination für Wasser spiegelt sich auch in neuen Architekturdesigns wider. An Häfen und Küsten orientiert sich die Form von Gebäuden und Landschaften immer öfter an Wasser. Auf natürliche Art und Weise integrieren sie fließende Elemente, um Wasser zu würdigen und die Natur zu feiern. Diese Strukturen schaffen nicht nur eine ästhetische Brücke zwischen Land und Wasser, sondern auch zwischen Mensch und Natur.
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Leben in der Stadt der Zukunft - Haben wir einmal den Einfluss urbanen Lebens auf die Umwelt erfasst, können wir den Weg zu einer lebenswerten und grünen Stadt der Zukunft ebnen.
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Erstellt am 04.10.2018

Gegensätze ziehen sich an

Eins ist fest, das andere flüssig: künstlich errichtete Strukturen und frei fließendes Wasser – zwei Gegensätze, die schwer zusammenzubringen sind. Traditionell treffen sie nur in Form von Dämmen oder Bauprojekten aufeinander, die den natürlichen Zugang zum Wasser versperren. Langsam entsteht jedoch ein ästhetischer Dialog zwischen den beiden.

Es gibt zahlreiche historische Beispiele für Design, das durch Wasser inspiriert wurde. Aquädukte, wenn auch aus praktischen Gründen errichtet, erheben sich elegant aus der Landschaft und bezeugen sowohl die Schönheit des Designs als auch den Einfallsreichtum der Ingenieurskunst.

Seit ungefähr zehn Jahren sieht die Architektur von Wohnobjekten  in Hafenvierteln Wasser zunehmend als Inspiration und nicht mehr nur als ernstzunehmende Naturgewalt. Mittlerweile lassen sich nicht nur Wohnhäuser von der Symbolik des Wassers inspirieren. Die folgenden Beispiele zeigen organische urbane Landschaften und Gebäude in Städten auf der ganzen Welt.

Frank Lloyd Wright’s seminal Fallingwater.
Frank Lloyd Wright’s seminal Fallingwater.
„Ich halte die Beziehung zwischen Architektur und Natur für sehr wichtig – besonders heute. Seit 10 oder 15 Jahren gehen wir bewusster mit dem Bauen in der Natur um. Wir respektieren die Natur und würdigen die Landschaft.“
Emilia Terragni – Chefredakteurin, Phaidon Press, Herausgebering von „Living on Water“

Wasser und Architektur gehen Hand und Hand

Seit etwa zehn Jahren spielt Hafenviertelarchitektur in Großstädten  eine immer größere Rolle, um die Beziehung zu Wasser aktiv wiederherzustellen. Das zeigt, dass wir bewusster damit umgehen, wie wichtig es ist, unser natürliches Umfeld zu schützen, statt darüber hinweg zu bauen.

Das beeindruckende, am Wasser gelegene Aquarium Den Blå Planet (Der Blaue Planet) in Kopenhagen, Dänemark hat eine schlängelnde, fließende Architektur, die von der endlosen Bewegung des Wassers inspiriert ist. Der Eingang erinnert an einen Strudel, der Besucher tief hinunter führt und sie in die Wasserwelt eintauchen lässt.

Das Opernhaus Harbin in Nordchina ist nahtlos in ein Sumpfgebiet eingebettet und verfügt über fließende Linien, die scheinbar von Wind und Wasser geformt wurden. In einer Stadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern symbolisiert es gleichzeitig urbane Modernität und die Nähe zur extremen Natur.

Ein weiteres atemberaubendes Beispiel: das MAAT in Lissabon, Portugal. Die schimmernde Fassade des Museums ist eindeutig von Kräuseln auf dem Wasser inspiriert, und durch seine geringe Höhe erinnert das Gebäude an eine wellige Düne. Die gesamte Struktur wird dadurch besonders gut zugänglich.

Das V&A Dundee in Schottland öffnet seine Pforten im September 2018. Seine Linien erinnern an die dramatischen Klippen an der Ostküste des Landes. Die Fassade ragt über den Fluss Tay wie eine Brücke zwischen Fluss und Stadt. Öffnungen auf Bodenhöhe fungieren als Durchgänge zum Wasser.

Mit der Natur, statt gegen sie

Viele Städte liegen an einem Fluss, der durch ihr Zentrum fließt, doch nur wenige verfügen über Parks im Stadtzentrum entlang dieses Flusses. Durch die neue urbane Landschaftsplanung erhalten Flüsse ihre ursprüngliche Form zwar nicht vollständig zurück, sie werden jedoch wieder natürlicher und besser zugänglich und können so wieder bewusster wahrgenommen werden.

In Santiago, Chile haben Designer einen Park entworfen, der über verschiedene Stellen am Ufer wieder einen Blick über den Fluss bietet. Architektonische Elemente verleihen dem neuen Padre Renato Poblete River Park eine moderne Atmosphäre, und das kreative Wechselspiel zwischen Vegetation und Wasserwegen schafft ein natürliches Erlebnis.

In Velenje, Slowenien sind Designer ebenfalls dem Ruf gefolgt, wieder eine Verbindung zur Natur herzustellen. Um dem ursprünglichen Charakter der Stadt als „Stadt im Park“ gerecht zu werden, wurde eine Landschaft geschaffen, in der der Fluss wieder ins Zentrum des Geschehens rückt. Die neue Promenada ist eine Ansammlung von Stufen, Terrassen und Plattformen auf verschiedenen Höhen und Tiefen, die Besucher auf Augenhöhe mit dem Wasserspiegel bringen.

Mit einem interessanten Design zur Erneuerung der Waterfront am Hafen von Tallin wählt Estland eine innovative Strategie zur Revitalisierung des Hafenviertels. Die Pläne für niedrige Gebäude mit weichen Konturen lassen die Grenzen zwischen urbanem Raum und Küste verschwimmen. Durch Wasserelemente auf Straßenebene wird der Effekt noch verstärkt.

Gestaltung und Errichtung von „Wasserarchitektur“

Egal in welchem Umfang – das neue Wasser-inspirierte Design spiegelt einen bewussteren Umgang mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur wider. Wer sich für natürliche Formen entscheidet, kann auf Neuerungen wie digitale Technologie, Rechen- und Verarbeitungstools oder 3D-Druck zurückgreifen, die die Errichtung komplexer Geometrien ermöglichen.

Mit der Weiterentwicklung von Ingenieurwesen und Technologie sind dem Design natürlicher, von Wasser inspirierten Gebäuden keine Grenzen gesetzt. Die nächste Generation von „Aquatektur“-Gebäuden steht bereits in den Startlöchern. Diese Gebäude werden nicht nur Wasserelemente und -symbolik implementieren, sondern direkt „mit“ Wasser bauen. Ein Beispiel sind Amphibienhäuser.

Image Credits

Fallingwater, photo by Carol M. Highsmith, taken from commons.wikimedia.org

Den Blå Planet, photo by Sandro Katalina, taken from commons.wikimedia.org

Harbin Opera House, photo by Pressimad, taken from commons.wikimedia.org, some rights reserved

MAAT Museum, photo by Maria Eklind, taken from commons.wikimedia.org, some rights reserved

V&A Dundee, video by V&A Dundee

Promenada Velenje, photo by Miran Kambic

Tallinn Port, photo by Port of Tallinn, taken from commons.wikimedia.org, some rights reserved

Padre Renato Poblete River Park, photo by Carless Molina, taken from commons.wikimedia.org, some rights reserved