Urban Lifestyle

Das Heidelberg-Projekt: Wie Kunst in Detroit den Wandel entfacht

Städte sind attraktiv. Noch attraktiver werden sie durch beeindruckende neue Gebäude und ansprechende Freiflächen. Manche Städte und Stadtteile stehen jedoch vor großen Herausforderungen. Detroit ist ein berühmtes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Veränderungen zu Arbeitslosigkeit und Entvölkerung geführt haben. Aber der menschliche Geist ist stark. Ein Mann konterte Detroits Verwahrlosung mit Kunst und nutzte das Heidelberg-Projekt, um seinen Stadtteil mit neuem Leben zu erfüllen und Städte in der ganzen Welt zu inspirieren.
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Leben in der Stadt der Zukunft - Haben wir einmal den Einfluss urbanen Lebens auf die Umwelt erfasst, können wir den Weg zu einer lebenswerten und grünen Stadt der Zukunft ebnen.
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Erstellt am 07.11.2018

Mit einem Stadtteil geht es bergab

Mitte der 1980er Jahre hatte Tyree Guyton genug. Sein Stadtteil McDougall Hunt verfiel rapide, und niemand schien sich darum zu kümmern. So entschloss er sich, das einzige ihm zur Verfügung stehende Mittel einzusetzen – die Kunst. Er fing an, leuchtende Punkte auf eines der vielen verlassenen Häuser in der Heidelberg Street zu malen, wo er aufgewachsen war.

Damit war die berühmteste und fantastischste öffentliche Kunstausstellung in Detroit geboren – das Heidelberg-Projekt. Mit der Hilfe von Erwachsenen und Kindern aus der Gegend verwandelte Guyton mit seinem wachsenden Projekt Dutzende von Häusern, Autos und Straßen in und um das Viertel in seltsame, wunderbare Kunstwerke.

Kunst als Rettungsanker

Ziel des Heidelberg-Projekts war es, das Leben der Menschen mithilfe der Kunst zu verbessern und gleichzeitig die Kluft zwischen städtischen und vorstädtischen Gebieten zu überbrücken. Bald war es das Aushängeschild für Grassroots-Kunstprojekte, die sich die lokale Kreativität zunutze machen, um gegen wirtschaftlichen Abschwung, Budgetkürzungen und ineffektive Stadthilfe zu kämpfen.

Mit den Aufgaben wachsen

Trotz weltweiter Anerkennung blieb das Heidelberg-Projekt nicht von Problemen verschont. Jahrelang schienen die Behörden nicht bereit zu sein, das Projekt zu unterstützen.

Die Tragödie nahm ihren Lauf, als zwischen 2013 und 2015 zahlreiche Gebäude durch Feuer – vermutlich durch Brandstifter – zerstört wurden. Guyton und sein Team ließen sich davon jedoch nicht abschrecken und suchten weiter nach Partnern, die Interesse daran hatten, das Projekt und seine positive Wirkung auszuweiten.

Heidelberg Project House

Wenn die Behörden nicht helfen können

Wenn öffentliche Mittel fehlen, finden sich für kulturelle, soziale oder Bildungsinitiativen im städtischen Bereich häufig unterstützende und zahlungskräftige Partner aus dem privaten Sektor. Beispielsweise stellte JP MorganChase im Jahr 2014 lokalen Wohltätigkeitsorganisationen Darlehen und Zuschüsse im Wert von 100 Millionen Dollar zur Verfügung, um die wirtschaftliche Erholung in Detroit zu fördern. Habitat for Humanity erhält Sachspenden oder -geschenke von Firmen wie Home Depot, Dow Chemical und Whirlpool.

Viele Wohltätigkeitsorganisationen bevorzugen direkte Freiwilligenhilfe vor Geldspenden. Die Organisation Big Brothers Big Sisters sucht aktiv nach Unternehmenspartnern, die Freiwillige zur Kinderbetreuung entsenden. In ähnlicher Weise unterstützt thyssenkrupp Elevator SOS-Kinderdörfer durch das Project SEED, das wirtschaftlich benachteiligten jungen Menschen dabei helfen soll, sich auf gute Arbeitsplätze vorzubereiten und diese auch zu bekommen.

Weiter zu Heidelberg 3.0

Ein guter Partner ist entscheidend, und das Heidelberg-Projekt landete einen Volltreffer. Der Kunstverlag 1xRun zog in das Viertel McDougall Hunt und eröffnete eine Kunstgalerie, ein Café und einen Veranstaltungsbereich.

Auch die Mittel zum Bau einer neuen, dreistöckigen Projektzentrale in der McDougall Street fanden sich, und zum ersten Mal in seiner langen Geschichte erfährt das Projekt durch den neuen Standort eine Art Beständigkeit.

Die nächste Phase ist das, was Tyree Guyton „Heidelberg 3.0“ nennt. Im Zentrum steht hier die Umwandlung des Viertels „von einer durch einen Mann initiierten Kunst-Installation in ein sich selbst erhaltendes Kunst- und Kulturdorf“, die garantieren soll, dass das Heidelberg-Projekt weiterhin als Impulsgeber und Modell für Stadterneuerung steht.

 
Heidelberg Project

Gehen Sie auf virtuelle Reise durch das Heidelberg-Projekt-Viertel in Detroit. Dieses kurze Video verdeutlicht an einigen Beispielen, wie ein einzelner Mann es schaffte, seine verfallende urbane Umgebung in ein globales Symbol für städtische Widerstandskraft und Hoffnung zu verwandeln.

Inspiration aus der Farbdose

Tyree Guytons Heidelberg-Projekt hat die Menschen dazu veranlasst, den Wandel selbst in die Hand zu nehmen, insbesondere dann, wenn die lokalen Behörden nicht oder nicht angemessen handeln. Auf dem Weg von einer Ein-Mann-Installation zu einem größeren Künstlerkollektiv mit noch höheren Zielen wird das zentrale Bestreben des Heidelberg-Projekts weiterhin sein, Menschen durch die magische Kraft der Kunst zu befähigen, ihre kreativen Talente in ihre eigene Stadt und ihre eigene Zukunft zu investieren.

Image Credits:

Polka Dot House, Heidelberg Project, photo by Rainer Halama, taken from commons.wikimedia.org

Car, Heidelberg Project, photo by David Yarnall, taken from commons.wikimedia.org

Painting House, Heidelberg Project, photo by David Yarnall, taken from commons.wikimedia.org

Pink House, Heidelberg Project, photo by Rainer Halama, taken from commons.wikimedia.org

Tyree Guyton Interview, video by Cool Hunting