Urban Lifestyle

Die Hängende Stadt und Stadtentwicklung 2.0 – urbane Strukturen in luftiger Höhe

Zweifelsohne stellen hohe Gebäude die optimale Lösung für nachhaltiges Leben in Ballungsräumen dar. Allerdings mangelt es oft an einer zügigen Anbindung an den Stadtraum. Kostas Poulopoulos, Gründer des in Kopenhagen ansässigen Architekturbüros SquareOne, präsentiert in diesem exklusiven Interview mit URBAN HUB seine Idee von der „Hängenden Stadt“. Ein urbaner Raum in den Wolken – das ist Kostas Vision für eine engere Verzahnung von Hochhäusern auf funktionaler und sozialer Ebene. Massive, mehrstöckige Strukturen vereinen alle Vorteile von Skybridges und bieten darüber hinaus zusätzlichen Raum und mehr Nutzungsmöglichkeiten. Fortbewegung und Transport erfolgen mithilfe des neuen MULTI-Aufzugs oder durch Drohnen. Reine Zukunftsutopie? Mitnichten – die benötigte Technologie steht bereits heute zur Verfügung.
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Leben in der Stadt der Zukunft - Haben wir einmal den Einfluss urbanen Lebens auf die Umwelt erfasst, können wir den Weg zu einer lebenswerten und grünen Stadt der Zukunft ebnen.
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Erstellt am 13.12.2018

Der Schlüssel zu horizontaler Vernetzung

URBAN HUB: Wie haben Sie vom MULTI-Aufzug erfahren und wie hat er sie inspiriert?

Kostas Poulopoulos: Wir sind beim Entwurf eines anderen Hochhauses auf MULTI gestoßen, als wir nach effizienteren Aufzugstypen suchten. Von einem Doppelstockaufzug kamen wir schließlich auf den innovativen MULTI.

Das Potenzial hat uns überzeugt und wir haben thyssenkrupp Elevator um ein Konzept gebeten, das den zentralen Vorteil der Technologie in den Vordergrund rückt: horizontale Bewegung.

Bei MULTI war es Liebe auf den ersten Blick. Als Kind wollte ich die abstoßenden Kräfte von Magneten zur Entwicklung schwebender Autos nutzen. Im Grunde also Magnetschwebetechnik. Dieser Einfall kam mir wieder in den Kopf, als ich viele Jahre später in die erste kommerziell genutzte Magnetschwebebahn in Shanghai stieg. MULTI ist noch spannender, weil keine Städte, sondern Gebäude verbunden werden. Somit entwickelt sich die Architektur vom Gebäudeinnern heraus.

MULTI

Mithilfe dieser Technologie werden Gebäudekerne kleiner und die vertikale Erschließung effizienter. Das Beste ist jedoch die zusätzliche horizontale Bewegung. Plötzlich verfügen wir über ein vollkommen neues Instrument zur Fortbewegung innerhalb von Gebäuden. Das ermöglicht die Bewegung in zwei, später womöglich gar in drei Dimensionen, wer weiß? Dadurch ändert sich die Fortbewegung innerhalb von Gebäuden grundlegend.

Wenn man sich mit der Zukunft von Städten befasst, wird klar, dass gar keine Trennung zwischen den einzelnen Ebenen des Transportnetzes nötig ist. Man könnte einen U-Bahn-Schacht mittels Magnetschwebetechnik in ein Gebäude hineinverlängern und dort direkt aussteigen. Ein faszinierender Gedanke, der mit der Technologie von MULTI Wirklichkeit werden könnte.

Hanging City
Hanging City

Das Konzept der Hängenden Stadt

URBAN HUB: Was steckt hinter dem Begriff der „Hängenden Stadt“?

Kostas Poulopoulos: Kostas Poulopoulos: Eine Hängende Stadt besteht aus vielen miteinander vernetzten Hochhäusern, die durch das Aufzugsystem MULTI verbunden sein könnten. Bei diesen Verbindungstrukturen handelt es sich im Gegensatz zu simplen Skybridges um mehrstöckige Stadträume, so groß wie Einkaufszentren. Mit dieser Idee soll das Potenzial hoher Gebäude ausgeschöpft werden. Vertikale Beförderung birgt hingegen in Bezug auf Geschwindigkeit und Transportkapazität erhebliche Einschränkungen.

Außerdem haben in der Regel die mittleren Geschosse in einem Hochhaus einen geringeren Immobilienwert als die darunter oder darüber. Wie könnte man also den Wert dieses mittleren, weniger prestigevollen Gebäudesegments steigern? Wie realisieren wir vielfältige Nutzungszwecke und sorgen für mehr Aktivität, Möglichkeiten und Spaß? Das wäre wirtschaftlich relevant. Meiner Meinung nach erreicht man wirtschaftlich mehr, wenn man gemeinsam ein Miteinander ermöglicht.

Wenn wir Hochhäuser nicht mit kleinen Verbindungsbrücken, sondern mit komplexen urbanen Strukturen verbinden, mit Hängenden Städten sozusagen, kann dieser Raum für städtische Aktivitäten genutzt werden, zum Beispiel Shopping, Bildung oder Arbeit.

Kostas Poulopoulos: Ein Aspekt ist besonders für Büros interessant. In einem Hochhaus steht nur eine begrenzte Grundfläche zur Verfügung. Größere Mieter sind dadurch häufig über mehrere Stockwerke verteilt. Vertikale Zirkulation ist für Unternehmen nicht optimal und komplizierter als horizontale Zirkulation. Größere zusammenhängende Flächen eröffnen hingegen einen durchgängigen Raum, was sich für Unternehmen weitaus attraktiver darstellt. Außerdem ist eine Erweiterung der Nutzfläche auf horizontaler Ebene einfacher als auf vertikaler.

Selbstverständlich blieben all diese Ideen nur Utopie, wenn keine Transportmöglichkeit bestände. Eine Lösung für diese technische Herausforderung ist allerdings in Sicht, zumal das Thema wirtschaftlich interessant ist. Der Knackpunkt besteht in der Beförderung von Menschen und Waren in der Hängenden Stadt, und genau da setzt MULTI an.

Wir haben die Idee entwickelt, den ebenerdigen mit dem höher gelegenen Stadtraum zu verbinden. Das geschieht mit einer Schleife aus Aufzügen, wobei man diese nicht mehr als Aufzüge, sondern als ein internes Metronetz sehen muss.

Hanging City
„In Hongkong, New York und vielen aufstrebenden Metropolen steht die Fusion des bebauten Raums in großer Höhe kurz bevor. Daraus ergeben sich eindrucksvolle Veränderungen im Stadtbild, aber dafür brauchen wir Lösungen zur Beförderung! Genau hier kommt MULTI ins Spiel.“
Kostas Poulopoulos, Gründer des Kopenhagener Architekturbüros SquareOne

Die Bedeutung horizontaler Vernetzung

URBAN HUB: Bei der horizontalen Vernetzung scheinen für Sie die aktuellen „Landscraper“ als Unternehmenszentralen eine große Rolle zu spielen. Stimmt das?

Kostas Poulopoulos: Ja. Diese Entwicklung finden wir vor allem in Europa. Vertikale Lösungen sind zwar möglich, allerdings sind horizontale Lösungen geeigneter – und zwar aufgrund der Zirkulation, Blickbeziehungen und letztendlich der innerbetrieblichen Zusammenarbeit, die in heutigen Arbeitsumgebungen eine immer zentralere Rolle einnimmt. Dennoch wird die vertikale Ausrichtung der Städte zukünftig zunehmen.

Tatsächlich ist diese Zukunft in Städten wie Hongkong, New York und London längst Wirklichkeit geworden. Diese Entwicklung wird anhalten. Gebäude werden immer höher, mancherorts mehr als anderswo. Die Weltbevölkerung wächst jährlich um mehr als 80 Millionen Menschen. Laut Schätzungen der UN wird die Bevölkerung 2050 bei 9,8 Milliarden Menschen und die Verstädterungsrate bei 68 % liegen.

Hanging City

Kostas Poulopoulos: Es zieht uns alle an denselben Ort. Doch wie können wir das ermöglichen? Dafür gibt es nur eine Lösung: Wir müssen höher bauen. Doch je weiter oben wir sind, desto schwieriger ist es, wieder herunterzukommen. Da scheint es nur logisch, dass wir Zwischenebenen brauchen, um auf schnellerem Wege in den städtischen Raum zu gelangen. Es könnte schon bald „Hängende Städte“ geben, und wir von SquareOne möchten zu dieser Entwicklung beitragen.

MULTI Towers

Im Innern der Hängenden Stadt

URBAN HUB: Was genau könnte die horizontale, hängende Ebene der Stadt Ihrer Ansicht nach enthalten?

Kostas Poulopoulos: Unserer Meinung nach könnte die Ebene einen ganz neuen Stadtraum in den Wolken schaffen – eine Hängende Stadt. In der Mitte mit einem großen Freiraum, der Belichtung schafft und Kommunikation ermöglicht. Wir würden den Aufzug so einsetzen, dass die horizontale Zirkulation auf der Ebene nicht gestört wird. Zudem würde das System „futuristisch“ anmuten, weil es so neu und interessant ist.

Inside the Hanging City

URBAN HUB: Can you tell us your vision for what can exist within the suspended horizontal space of the Hanging City?

Kostas Poulopoulos: We envision a whole urban sector up in the air – what we call the Hanging City – with a big void in the middle for light and communications. And we suspend the elevator in a way that it does not interfere with horizontal circulation on the floor. It also ensures that the system is visible for a “futuristic” feeling, because it is something new and interesting.

Hanging City
Hanging City

Kostas Poulopoulos: It is the visibility of the transportation system that communicates this feeling of “we are in the future!” But technology is not the answer. People are. People need to understand what things can do. And to understand, they need to see. So visibility is a key aspect of our design.

There is no innovation in terms of how we use the floor space and how it is rented, but there is innovation in terms of how quickly you can move from one side to the other, how freely you can jump in and out of an elevator pod, and how “big” buildings can actually become in the end.

Indoor horizontal transportation already exists in the form of moving walks, like in airports, but they have the disadvantage of being on the ground and disrupting lateral circulation. The way we’re looking at implementing MULTI would not disrupt circulation at all, but it does visualize circulation within the space.

Flying connectivity

URBAN HUB: And what would you do outside, on top of this horizontal realm?

Kostas Poulopoulos: We have primarily envisioned this area as a park for people, because that is the most interesting option, but part of that space could also provide limited parking areas for flying drones, such as for the police, deliveries, emergency services, or even taxis. This would create an additional level of connectivity for the building. And it can all work together.

The sequence goes like this: the MULTI elevator gives birth to the possibility of a second urban level, which in turn serves as a platform for other stuff to land on. And I think it’s all very promising.

Next steps

URBAN HUB: And what’s next for you?

Kostas Poulopoulos: Our next investigations revolve around incorporating this idea of horizontal transportation precisely in airports, where there are obvious benefits from quick transportation, along with other typologies of buildings that could benefit from this idea.

Hanging City
Kostas Photo

Kostas Poulopoulos

Founder, SquareOne Architects 

Website: http://sq-1.dk/
Instagram: https://www.instagram.com/squareone_studio

Kostas Poulopoulos founded SquareOne, an architecture studio based in Copenhagen, in 2015. He previously worked with Kengo Kuma Architects, HLA–Henning Larsen Architects (Lead Design Architect) and BIG (Senior Architect). As Lead Designer at HLA, Kostas obtained significant experience in workplace, educational, and mixed-used development projects while responsible for the concept design of Siemens HQ in Munich, Nordea HQ in Copenhagen, the Frankfurt School of Finance and Management, the ZSW Centrum in Stuttgart, and Novo Nordisk HQ.