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Brasilien startet mit einer ambitionierten IoT-Strategie ins digitale Zeitalter

Angesichts seiner Bemühungen, das Internet und digitale Netzwerke auszubauen, ist Brasilien eine aufregende neue Landschaft für Projekte in den Bereichen IoT und künstliche Intelligenz. Mit einem zielgerichteten Plan möchte die brasilianische Regierung das Internet der Dinge im Land ausweiten.

Unter dem Motto „The Internet of Things: an action plan for Brazil“ werden neue Partnerschaften, Hochschulprogramme und Innovatoren gefördert, um die Möglichkeiten auf dem wachsenden digitalen Markt in Brasilien voll auszuschöpfen. Urban Hub hat sich umgesehen.

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Erstellt am 11.04.2018

Brasilien ist bereit, das Netz zu vergrößern

Auf den ersten Blick wirkt Lateinamerika nicht wie eine Brutstätte für IoT-Aktivität. Gerade einmal 7 % der lateinamerikanischen Unternehmen nutzen regelmäßig das IoT, und viele Branchen tauchen gerade erst ihre Zehen ins Wasser. Brasilien sticht dabei jedoch heraus. In jüngsten Jahren haben 60 % der brasilianischen Unternehmen in IoT-bezogene Forschung und Entwicklung investiert.

Der brasilianische Markt ist zweifellos reif für das digitale Zeitalter. Laut jüngsten Statistiken sind 58 % der brasilianischen Bevölkerung online, und mehr als 100 Millionen Menschen sind über ihr Smartphone vernetzt. Die IoT-Welle – ausgelöst von einer Regierungsinitiative zur Förderung von neuen Partnerschaften, jungen Innovatoren und Instituten für höhere Bildung – rollt jetzt ins Land.

Das Ziel? Die Wirtschaft Brasiliens soll einen Adrenalinstoß erhalten. Die Regierung prognostiziert, dass IoT-Projekte bis 2025 zusätzliche 132 Milliarden US-Dollar generieren werden. Die Stärkung der Wirtschaft ist also ein wesentlicher Faktor. Gleichzeitig wirkt sich die Strategie positiv auf die Datensicherheit aus und schafft ein geeignetes regulatorisches Umfeld für neue Innovationen.

Ein Aktionsplan

2017 hat die brasilianische Regierung angekündigt, die Implementierung des Internets der Dinge strategisch voranzutreiben. Ziel ist es, private und öffentliche Dienstleistungen durch IoT-Innovationen zu modernisieren und Unternehmer sowie neue Geschäftsbereiche zu fördern.

IoT-Technologien stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, vom Wachstum der brasilianischen Wirtschaft zu profitieren. Die Strategie nimmt vier zentrale Bereiche in den Fokus: Smart Cities, Gesundheitswesen, Agribusiness und Fertigung. Bereits zwischen 2018 und 2022 werden neue Entwicklungen eingeführt. Dabei bietet das IoT unter anderem folgende Verbesserungsmöglichkeiten:

  • Gesundheitswesen: Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung in Krankenhäusern, Prävention von Epidemien
  • Agribusiness: effiziente Nutzung von Rohstoffen, Ressourcen und Maschinen
  • Fertigung: Optimierung von Prozessen, Förderung von Geschäftsmodellen auf Basis des IoT und der Entwicklung neuer Produkte

Und Smart Cities? Mit diesem Konzept ist Brasilien bereits vertraut. Ob riesige Metropolen wie São Paulo oder kleinere historische Zentren wie Olinda – viele Städte haben bereits eigene smarte Strategien und Ziele umgesetzt. Die IoT-Projekte der Regierung für Smart Cities drehen sich um Mobilität, öffentliche Sicherheit und Versorgung.

Die brasilianische IoT-Strategie betrifft alle Branchen

Technologieunternehmen leisten ihren Beitrag

Die großen Technologieunternehmen sind schon vor einiger Zeit auf Brasilien aufmerksam geworden, nicht zuletzt da seit 2010 überall im Land 1-Mbit/s-Breitband-Internetzugang verfügbar ist. In den letzten zwei Jahren haben zahlreiche Technologieunternehmen Standorte in Brasilien eröffnet, um von den strategischen IoT-Investitionen des Landes zu profitieren.

Facebook hat kürzlich sein erstes Innovationszentrum eröffnet, um junge Unternehmer zu fördern und die Gründung von Start-ups zu unterstützen. Auch Oracle betreibt seit 2017 ein Innovationslabor für IoT- und AI-Projekte.

Der wahrscheinlich größte Investor ist Qualcomm. Die Regierung von São Paulo hat die Eröffnung eines Produktionsstandortes für Prozessoren für IoT-Anwendungen genehmigt. Zudem sollen durch ein F&E-Zentrum öffentlich-private Partnerschaften gefördert werden, die der Entwicklung eines IoT-Ökosystems zugutekommen.

Auch Microsoft hat kürzlich Investitionen in Brasilien angekündigt – insbesondere für künstliche Intelligenz im Bereich Mobilität.

Eine Vielzahl an brasilianischen Technologieunternehmen produziert bereits IoT-Lösungen. Exati, ein Unternehmen mit Sitz in Curitiba, entwickelt eine Managementplattform für Straßenbeleuchtung. Hi Technologies, ebenfalls in Curitiba, testet cloudbasierte Diagnosegeräte, die den Testvorgang für den Zika-Virus beschleunigen und die Verarbeitung der Ergebnisse optimieren sollen.

 

Der Aufzug mit Präventivwartungslösung wurde von thyssenkrupp Elevator zusammen mit Microsoft entwickelt.

Kluge Köpfe entwickeln Ideen für Brasilien

Technologieunternehmen sind jedoch nicht die einzigen, die Innovationen beisteuern. Auch eine wachsende Anzahl an Gemeinden und Bildungsinstituten in Brasilien lässt sich vom neuen digitalen Zeitalter inspirieren. Teil der brasilianischen IoT-Strategie ist es, alle Stakeholder zu motivieren, ihre Ideen einzubringen.

Das National Telecommunications Institute (INATEL), ansässig im sogenannten „Electronic Valley“ im Süden des Bundesstaats Minas Gerais, hat ein Hochschulprogramm ins Leben gerufen, das sich einzig und allein auf das IoT konzentriert und eng mit einem weiteren Programm für Smart Cities verzahnt ist. Zudem bietet das INATEL ein Austauschprogramm mit Südkorea zur gemeinsamen Entwicklung von IoT-Innovationen an.

Embarcados, eine Web-Community für eingebettete Systeme, sucht nach Wegen, das Ökosystem kontinuierlich weiterzuentwickeln – zum Beispiel mit IoT-Innovationen. Bei einem Wettbewerb wurden vor Kurzem vielseitige IoT-Lösungen zusammengetragen – von einem Gehstock für Sehbehinderte mit eingebetteter Technologie bis hin zu drahtloser Kommunikation für intelligente Stromzähler.

Es gibt gewiss keinen Mangel an Ideen in Brasilien. Das hat sich auch 2016 beim ersten brasilianischen und lateinamerikanischen IoT-Kongress in São Paulo gezeigt. Im letzten Jahr haben über 20 führende globale Technologieinnovatoren an der Konferenz teilgenommen und damit den Ruf von Brasilien als wachsendes Zentrum für IoT-Entwicklungen gefestigt.

Die Strategie geht bereits auf

Doch folgen den Worten auch Taten? Der Erfolg zahlreicher Initiativen spricht dafür. Ein vielversprechendes Pilotprojekt trägt den Namen „Hospital 4.0“ und zielt darauf ab, die Wartezeiten für Krankenhausdienstleistungen zu reduzieren. Im Bereich Agribusiness steigert das Projekt „Fazenda Tropical 4.0“ die Erträge durch die Überwachung biologischer Vermögenswerte.

In ganz Brasilien werden sogenannte Smart Meter installiert, um Dienstleistungen für Kunden zu optimieren. Digitale Kundenservices profitieren von einer zuverlässigen IoT-Infrastruktur, und in Brasilien werden Innovationen wie MAX immer häufiger genutzt. Der Aufzug mit Präventivwartungslösung wurde von thyssenkrupp Elevator zusammen mit Microsoft entwickelt. Seit Anfang des Jahres sind in Brasilien bereits über 100 vernetzte MAX-Aufzugeinheiten im Einsatz.

In Brasilien leben die meisten Menschen in Städten, und für urbane Herausforderungen – von Mobilität bis hin zu Kriminalität – spielen Smart-City-Lösungen eine zentrale Rolle. Viele Thinktanks und Start-ups haben bereits IoT-Projekte entwickelt, darunter folgende inspirierende Beispiele:

  • Die Stadt Fortaleza nutzt Big Data zur Vermeidung von verspäteten Bussen und Verkehrsstaus. Die Lösungen werden in Zusammenarbeit mit der University of Arizona entwickelt.
  • Curitiba entwickelt seine IoT-Infrastruktur unter anderem zur Bereitstellung einer leicht zugänglichen und zuverlässigen E-Government-Plattform.
  • Das Center of Operations (COR) in Rio de Janeiro nutzt Big Data zum Umgang mit dem Klimawandel, Naturkatastrophen, Mobilität und Herausforderungen im Bereich öffentliche Sicherheit.

Die Zukunft sieht vernetzt aus

Viele heißen die Strategie Brasiliens zur Entwicklung des gesamten IoT-Ökosystems sowie des entsprechenden regulatorischen Umfelds willkommen. Mit IoT-Riesen wie Großbritannien oder Südkorea kann das Land zwar noch nicht mithalten, dennoch kann Brasilien mit IoT-Innovationen eigene Produkte fördern, den Export stärken und die öffentliche Infrastruktur ausbauen.

In den vergangenen Jahren hat das FAPESP Innovative Research in Small Businesses (PIPE) einen erheblichen Anstieg der Anzahl von IoT-Projekten verzeichnet – nur eines von vielen Merkmalen für einen starken Markt mit zahlreichen Innovatoren, die mit neuen Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag leisten möchten.