Sustainability

Städtische Küsten: Dan Hodapps Planung eines 12 km langen Küstenstreifens in San Francisco

Seit der Gründung im Jahr 1863 infolge des kalifornischen Goldrauschs diente San Francisco als Hafenstadt. Die Fertigstellung einer Ufermauer im Jahr 1914 sicherte die Zukunft seiner Küste, verhinderte die Überschwemmung der Bucht und diente so der Landgewinnung. Mittlerweile hat sich die Stadt zu einer großen Metropole entwickelt, und das ist zu einem nicht geringen Anteil ihrem wunderbaren natürlichen Hafen und ihrer Küste geschuldet.

Im Laufe der Jahre haben sich jedoch die Anforderungen verändert, und im Jahr 1997 startete der Hafen von San Francisco ein langfristiges Erneuerungsprojekt. Die Herausforderung dabei bestand darin, der Geschichte des Hafens und der zentralen Rolle, die er für das Wachstum von San Francisco gespielt hatte, treu zu bleiben, ihn zugleich aber so zu modernisieren, dass er den Anforderungen des 21. Jahrhunderts und den aktuellen Bedürfnissen der Stadt gerecht werden kann.

Hier kommt Dan Hodapp – der leitende Küstenplaner und Stadtentwickler für den Hafen von San Francisco – ins Spiel. Seine Arbeit zielt darauf ab, die Geschichte des Hafens mit den neuen Anforderungen in Einklang zu bringen und dem steigenden Meeresspiegel zu trotzen. Die moderne Stadtplanung und Technologie erleichtert seine Arbeit, doch nach Hodapps Erfahrung beruht der Erfolg der Küstenerneuerung San Franciscos vor allem auf der Unterstützung der Einwohner.

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Die Zukunft soll grün sein - Umweltfreundliche und nachhaltige Entwicklung umfasst Projekte in den Bereichen Müllvermeidung und Energiesparen und fördert den Wechsel zu grünen, umweltfreundlichen Ressourcen wie Solar- und Windenergie oder wiederverwertbaren Materialien.
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Erstellt am 18.10.2017

„Meine Aufgabe als Stadtplaner ist es, die Stadt zu einem Ort zu machen, in dem Menschen gerne leben und arbeiten. Bei der Städteplanung fließen die Planung des Verkehrs, der Bodennutzung und der Architektur zusammen, und alle Elemente der gebauten Umgebung spielen eine Rolle, wenn es darum geht, attraktive und effiziente Orte zu schaffen, an denen Menschen leben möchten.“

Dan Hodapp, leitender Küstenplaner und Stadtentwickler, Hafen von San Francisco

Der Hafen und die Stadt – historischer Überblick

Der kalifornische Goldrausch von 1849 machte San Francisco zu einer „Boomtown“. Menschen aus aller Herren Länder strömten nach Kalifornien, um ihr Glück in den Goldfeldern von Sierra Nevada zu suchen. Viele von ihnen trafen per Schiff in der Bucht von San Francisco ein. 

Viele Menschen kamen, und viele Menschen blieben auch. Häuser, Geschäfte und Landestellen schossen aus dem Boden. Zu einem sprunghaften Anstieg kam es auch bei Streitigkeiten über Grundeigentum und Baurechte. Eine vernünftige Stadtplanung konnte sich unter den Zwängen von Zweckmäßigkeit, privaten Interessen, Gewalt und Korruption kaum entwickeln. Der Hafen von San Francisco wurde im Jahr 1863 gegründet, um das Chaos zu ordnen.

Zu diesem Vorhaben gehörte auch der Bau einer ordentlichen Ufermauer, mit dem sofort begonnen wurde. Bis zu ihrer Fertigstellung im Jahr 1914 vergingen allerdings über 50 Jahre. Die Ufermauer trug maßgeblich zu einer neuen Ära der organisierten Entwicklung bei, und viele der damals direkt an der Küste errichteten Gebäude stehen heute noch und sind als Denkmäler ausgezeichnet.

Ein lebendiger historischer Hafen wird für moderne Schiffe umgestaltet

Für Dan Hodapp ist der Hafen ein lebendiger Organismus und die Geschichte ein organischer Bestandteil der Stadt. Seinem Arbeitgeber – dem Hafen von San Francisco – wurde von der Stadt San Francisco und dem US-Bundesstaat Kalifornien die Verantwortung für die Küste übertragen, bei der die drei folgenden Elemente zu berücksichtigen sind:

• Gewährleistung von maritimem Handel, Schifffahrt und Fischerei

• Schutz natürlicher und kultureller Ressourcen

• Einrichtungen und Anlagen schaffen, die die Küste für Menschen attraktiv machen

Mit der Zeit erkannte der Hafen seinen Modernisierungsbedarf. Der Wandel des maritimen Handels – insbesondere der Zuwachs in der Containerschifffahrt – ging mit der überwiegenden Verlagerung des Warenumschlags an weniger frequentierte Orte an der Bucht einher. Zugleich sank durch die zunehmende Nutzung von Brücken, Autos und Pendlerzügen auch der Bedarf an Fähren, die den Hafen brauchten.

Vor diesem Hintergrund entschied der Hafen über seinen allerersten Stadtentwicklungsplan, der ihn vom historischen Warenumschlagplatz in einen Küstenstrich mit gemischter Nutzung verwandeln sollte:

• Einzelhandelsräumlichkeiten, die an den Fährenanlegeplätzen entstanden

• Ein Forschungsschiff, das zum neuen Wissenschaftsmuseum wurde

• Hafendienstleistungen, die Seite an Seite mit neuen Unternehmen arbeiten

Küste und Hafen befinden sich in ständiger Entwicklung, da sie sich kontinuierlich an neue Bedürfnisse und Herausforderungen anpassen müssen. Dabei können sie sich auf die einzigartige Mitwirkung der Einwohner von San Francisco stützen.

„Eine gute Küste sollte so sein wie eine gute Stadt. Sie sollte verschiedene Nutzungsformen und Möglichkeiten bieten und in der Lage sein, auf die Art und Weise zu reagieren, wie die Stadt funktioniert – sie sollte auch insoweit demokratisch sein, als sie jedem die Nutzung ihrer öffentlichen Räume ermöglicht.“

Dan Hodapp, leitender Küstenplaner und Stadtentwickler, Hafen von San Francisco

 

Der Hafen von San Francisco sucht aktiv nach Anregungen von Einwohnern der Stadt, Unternehmen und Fachleuten. Das Ergebnis ist eine kontinuierliche Entwicklung gemischt genutzter Räume, die in der Bevölkerung beliebt und verwurzelt sowie architektonisch in die Stadt integriert sind.

Die Menschen drängen an die Küsten – und bewirken einen Wandel

An den Planungen für die Küste wird seit über zwanzig Jahren gearbeitet, in erster Linie, weil sie in enger Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit und den an der Küste beteiligten Interessengruppen entwickelt wurden. Die Einwohner von San Francisco wollten bei der Gestaltung mitreden – sie sind an der historischen Authentizität ebenso interessiert wie daran, die Küste wirklich genießen zu können.

Die Öffentlichkeit hatte eine klare Vorstellung davon, wie sie die Küste nutzen wollte, und als die Sachzwänge bekannt wurden, mit denen der Hafen in finanzieller und regulatorischer Hinsicht zu kämpfen hatte, brachte sie originelle Ideen hervor, um diese Wünsche umzusetzen. Diese symbiotische Beziehung zwischen den Einwohnern und dem Planungsprozess machte es für den Hafen leichter, sich die Geldmittel zu sichern, die er für die Umgestaltung der öffentlichen Räume benötigte.

Was kommt als Nächstes? Derzeit werden die Planungen dahingehend überarbeitet, dass sie den Klimawandel berücksichtigen. Angesichts der drohenden Gefahr von Erdbeben und steigenden Meeresspiegeln, mussten die Einwohner ihre Initiativen weiterentwickeln. Der Hafen rief eine „WP-Arbeitsgruppe“ aus Vertretern der Öffentlichkeit und Fachleuten aus den Bereichen maritimer Handel, Ingenieurwesen, Finanzen, Risikoanalyse, öffentliche Räume und/oder Stadtplanung ins Leben.

Das Team wird nun seine Erkenntnisse und Erfahrungen einbringen und eine Herangehensweise und Planungen entwickeln, die auf die sich wandelnden Bedingungen und die neuen Erwartungen reagieren, die die Öffentlichkeit bezüglich der Küste hat. In den kommenden Monaten wird die Gruppe die Herangehensweise weiter ausgestalten und in den Bereichen Städteplanung, Verkehr und öffentliche Räume detaillierter darlegen.

 

Demokratie kostet Zeit und Mühe. Dieses Video zeigt einen Workshop zum Thema Visionen zu Hafen und Küste und ist ein gutes Beispiel für den öffentlichen Prozess „Aktualisierung des Bodennutzungsplans an der Küste“, mit dem der Hafen von San Francisco sicherstellen möchte, dass alle Stimmen gehört werden.

Dan Hodapps Rezept aus San Francisco für die Schaffung guter urbaner Küsten

Zutat Nummer 1: Kontinuität
Eine kontinuierlich begehbare Küste entlang des gesamten Küstenstrichs schaffen.

Zutat Nummer 2: Akzentuierung
Die Küste in Abständen von fünf bis sieben Gehminuten mit öffentlichen Räumen akzentuieren.

Zutat Nummer 3: Vielfalt
Zwischen jedem dieser öffentlichen Räume und seiner spezifischen Umgebung eine Beziehung schaffen.

„(J)ede Stadt muss untersuchen, welche Merkmale (ihr Hafen) hat, die sein räumliches Erleben innerhalb dieser Stadt einzigartig machen, und sie muss herausfinden, wie ihre Einwohner sich die Entwicklung dieser Merkmale vorstellen. In jeder an einem Ozean gelegenen Stadt wird die Küste einen drastischen Wandel durchlaufen müssen, und jede dieser Städte muss begreifen, was dies für sie bedeutet.“

Dan Hodapp, leitender Küstenplaner und Stadtentwickler, Hafen von San Francisco

Von Küste zu Küste – Küstenstädte können miteinander lernen

Dan Hodapp hat deshalb so viel Spaß an der Stadtplanung, weil sie immer neue Herausforderungen bietet. Zahlreiche andere Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen und müssen sich beispielsweise für künftige Verkehrswellen und Mobilitätsrevolutionen wappnen. San Francisco arbeitet zu diesen Themen eng mit anderen Hafenstädten an der US-amerikanischen Pazifikküste wie Portland und Seattle sowie auch mit anderen Küstenstädten wie New York City und Toronto zusammen.

San Francisco steht darüber hinaus auch in regelmäßigem Austausch mit den Niederlanden, den Vordenkern, wenn es um die Frage geht, wie sich der Klimawandel auf Küstenstädte auswirkt. Angesichts steigender Meeresspiegel müssen wir zusammenarbeiten und unser Wissen teilen. Der Hafen von San Francisco wird in der urbanen Küstenplanung auch weiterhin ein Projekt von globalem Interesse sein, da es ein gutes Modell dafür darstellt, wie wir für die Zukunft klug vorsorgen können.

„Die Küste von San Francisco wird eine wichtige Rolle für den Schutz der Stadt vor steigenden Hochwassern und für den lokalen und regionalen Verkehr spielen. Diese Aufgaben müssen die meisten Küstenstädte wahrnehmen und zugleich ihrer maritimen Verantwortung gerecht werden und den Menschen die Möglichkeit bieten, das Wasser zu genießen.“ – Dan Hodapp

Tiefgreifender Wandel an den Küsten weltweit

Zu den urbanen Projekten, die derzeit in aller Munde sind, gehört die Küsten-Erneuerung. Nachstehend finden Sie einige weitere Beispiele, die die Vielfalt der Herausforderungen unterstreichen, vor denen Städte mit Küstenbereichen stehen.

  • Hafenstadt Colombo, Sri Lanka: Das größte Infrastrukturprojekt Sri Lankas, in dem riesige Landstriche vom Meer zurückgewonnen werden sollen, entwickelt sich zur Lebensader zwischen Asien, Afrika und dem Nahen Osten.
  • Hudson Yards-Sanierungsprojekt, New York: Das größte private Immobilienprojekt, das in den USA jemals umgesetzt wurde, erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 11 Hektar, die über einer im Betrieb befindlichen Bahnstrecke, 30 aktiven Bahngleisen, drei Bahntunneln und dem neuen Gateway-Tunnel errichtet wird.
  • Ravi-Flussentwicklungsprojekt, Lahore, Pakistan: Dieses Projekt kombiniert Hochwasserschutz und Abwassermanagement und eröffnet ein neues Kapitel im modernen Bauwesen, um für einen Wirtschaftsboom in der Region zu sorgen.

Welche Lehren man aus dem Modell von San Francisco ziehen kann

Dan Hodapp und das Modell San Francisco liefern unzählige Inspirationen für andere städtische Küstenplaner. Sie geben auch einige wertvolle Grundsätze vor, wie beispielsweise die Einbindung der betroffenen Menschen in die Entwicklung. Das bezieht sich nicht nur auf die Anwohner und ansässigen Geschäftsinhaber, sondern auf jeden Einwohner der Stadt, der berechtigte Interessen und Wünsche hat.

Gute Stadtplaner wissen, wie sie öffentliche und private Interessen abwägen und dabei die Wirtschaftlichkeit der Entwicklung im Blick behalten können. Die Planungen sollten spezifisch und im Hinblick auf die Geschichte, Geographie, Architektur, örtlichen Gemeinschaften usw. authentisch sein. Durch den entscheidenden Schritt, die Öffentlichkeit einzubinden, können Prioritäten besser herausgearbeitet und zugleich Akzeptanz, Unterstützung und Begeisterung für den endgültigen Plan geschaffen werden.

Der Hafen von San Francisco steht aus Sicht von Dan Hodapp darüber hinaus beispielhaft für eine weitere Realität der Stadtentwicklung: Gute Landnutzungsvorschriften seitens der Behörden sind entscheidend. Im Fall von San Francisco haben sie zur Definition der östlichen Grenze der Stadt beigetragen und eine bessere Ressourcennutzung ermöglicht. Sie bieten die Struktur, die notwendig ist, damit die Kreativität sich entfalten kann.

Vielleicht ist das eine weitere Lehre, die man aus San Francisco ziehen kann: gute Vorschiften + gute öffentliche Teilhabe = populäre Kreativität.

Leben Sie in einer Hafenstadt? Was geschieht an Ihrer Küste? Lassen Sie es uns wissen, indem Sie unten einen Kommentar hinterlassen!

Bildverweise:

Fisherman’s Wharf, taken from flickr.com, photo by Mobilus in Mobili, some rights reserved.

Pier 39, taken from flickr.com, photo by Ken Lund, some rights reserved.

San Francisco grid, taken from flickr.com, image by Kyle Harmon some rights reserved.

Hudson Yards Redevelopment Project, taken from kpf.com, KOHN PEDERSEN FOX ASSOCIATES PC. 

Ravi Riverfront Urban Development Project, taken from meinhardtgroup.com, Meinhardt Group.