Smart Mobility

Bremsen uns unsere Gebäude? Städte in den Wolken schaffen neue Wege für urbane Mobilität

Stellen Sie sich urbanes Wachstum wie folgt vor: Täglich wird eine Stadt der Größe Manhattans gebaut, größtenteils vertikal – und hoch. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Wolkenkratzer mit einer Höhe von über 200 Metern verdreifacht. 2018 werden weltweit 160 neue Wolkenkratzer in Betrieb genommen. Doch die majestätischen Monumente der Moderne sind Sackgassen der Mobilität – „Mobilitätssilos“. Menschen betreten sie am Boden und fahren mit dem Aufzug in ihre Etage, und auf dem Rückweg umgekehrt. Teils haben sie einen Weg von einem Kilometer, um auf dieselbe Etage eines anderen Gebäudes zu gelangen, das nur 50 Meter Luftlinie entfernt liegt – runter, rüber und wieder hoch.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 13.11.2018

Städte in den Wolken

Experten von thyssenkrupp Elevator sind der Meinung, es sollte einfacher sein, von der oberen Etage eines Gebäudes auf die eines anderen zu gelangen. Das Unternehmen hat seine Vision vor Kurzem in Lissabon beim renommierten Web Summit vorgestellt, dem weltgrößten Technologie-Event.

Fachleute gehen davon aus, dass wir bereits über das erforderliche Rüstzeug verfügen, um eine solche „Stadt in den Wolken“ zu verwirklichen.

Die Wolkenkratzer gibt es bereits. Es gilt nun, diese soliden, aber einsamen Türme in verschiedenen Höhen zu verbinden und so eine mobilere, vielschichtige Stadt zu schaffen, in der wir uns vertikal und horizontal bewegen können, ohne jeden Schritt zweimal zu machen.

 
Cities in the Sky

Opfer des eigenen Erfolgs?

Konventionelle Wolkenkratzer sind nicht veraltet – allerdings haben wir jetzt technologische Mittel, um ihre Funktionalität zu erweitern. Gleiches gilt für Aufzüge. Ohne sie hätten wir keine hohen Gebäude. Doch wenn wir sie nur als etwas sehen, das nach oben und unten fährt, begrenzen wir ihr Potenzial. Ganz gleich, wie schnell und effizient sie vertikal fahren – sie sind noch immer im vertikalen Mobilitätssilo gefangen.

Oder? „Ja und nein“, meinen Experten. Ja, weil es diese Falle wirklich gibt, doch das Problem besteht vor allem in unseren Köpfen, darin, wie wir über Gebäude und Städte denken. Nein, weil sich die Dinge geändert haben und wir – und die Aufzüge – jetzt in der Lage sind, die Einschränkungen des Silos zu überwinden.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das neue technologische Potenzial Wirklichkeit werden zu lassen – hauptsächlich, weil der Megatrend der großflächigen Urbanisierung und deren Auswirkungen auf der Straße die freie Fortbewegung in unseren Städten behindern. Wir bremsen uns selbst – das müssen wir aber nicht.

Die Infrastruktur der Stadt in den Wolken

Brücken, Wege und Ebenen in den Wolken (Straßen oder begehbare Flächen in der Höhe) können die horizontalen Bänder bilden, welche die vertikalen Knochen des neuen Städteskeletts verbinden. Bei der letzten Skybridge-Konferenz in Dubai wurde deutlich, wie weit die Technologie der Himmelsbrücken gekommen ist und was sie erreichen kann.

Anders gesagt: Himmelsbrücken sind die neuen Straßen im Himmel. Diese „Horizontkratzer“ ergänzen die Senkrechten der herkömmlichen Wolkenkratzer um Parallelen in der Höhe. Zusammen schaffen sie die Superstruktur für neue Ebenen des Stadtlebens.

Vom Aufzug zum MULTI-Zug

Wenn durch Himmelsbrücken verbundene Hochhäuser der Stadt in den Wolken Gestalt verleihen, so füllen menschliche Aktivitäten sie mit Inhalt. Das, was die freie Fortbewegung des Menschen in dieser futuristischen Umgebung ermöglicht, ist nicht der Aufzug, sondern etwas Neues: das MULTI-System.

Der „MULTI“ ist mehr als ein Aufzug und darauf ausgerichtet, den Transport auf 50 Etagen so einfach zu machen wie auf der Straße. Vielleicht sogar einfacher. Denn MULTI arbeitet mit Linearmotortechnologie, mit der Aufzüge beliebige Strecken ohne Stopps bewältigen können.

Das eigentlich Revolutionäre am MULTI ist aber, dass er sich vertikal UND horizontal bewegen kann. Es liegt auf der Hand, wie neue Straßen in der Höhe, die Wolkenkratzer auf mehreren Ebenen verbinden, Verkehrsstaus am Boden verringern und den Fluss von Menschen und Gütern in Großstädten verbessern.

MULTI bedeutet viele

Wie der Name bereits impliziert, sind die Auswirkungen der MULTI-Technologie vielfältig. Die Kombination von horizontaler mit vertikaler Beförderung bedeutet, dass die bauliche Umgebung ganz neu erdacht werden kann. Design und Bau neuer Gebäude und Städte werden sich verändern, wenn Architekten und Städteplaner die neue Technologie integrieren.

Bereits jetzt bietet MULTI ganz greifbare Vorteile. Zum Beispiel erhöht er die Transportkapazität aktuell um 50 %, während der Platzbedarf von Aufzügen in Gebäuden verringert wird. Der MULTI ist im Aufzugtestturm von thyssenkrupp in Rottweil bereits in Betrieb und wird 2021 im East Side Tower in Berlin erstmalig kommerziell eingesetzt.

Der Welleneffekt

Echte technologische Innovationen beeinflussen die Welt weit über ihren ursprünglichen Verwendungszweck hinaus. Zum Beispiel hat das Smartphone unsere Kommunikation grundlegend verändert und gleichzeitig die Welt der Arbeit, die Gaming-Industrie und unser Zusammenleben revolutioniert. Ebenso wird die Erfindung des mehrdirektionalen MULTI unwiderruflich verändern, wie wir in Städten leben und uns fortbewegen. Die daraus resultierenden Zukunftsperspektiven sind atemberaubend.

 
Web Summit 2018

Der Web Summit begann als einfache Idee, die Technologiegemeinschaft mit allen – alten und neuen – Industrien zu verbinden. Die Idee fand Anklang, und so wurde der Web Summit zur weltgrößten Technologiekonferenz.

Der Gipfel in Lissabon blickt von oben auf die Zukunft

Der Web Summit in Lissabon bringt die besten und klügsten Köpfe der Technologiewelt zusammen. Jedes Jahr diskutieren die Teilnehmer revolutionäre Neuentwicklungen, die die Welt in den kommenden Jahren verändern werden. Dieses Jahr geht es um die Stadt in den Wolken und darum, wie ein neuer Aufzugtyp – so wie vor langer Zeit der erste Aufzug – uns helfen wird, die Herausforderungen von Städtewachstum zu bewältigen und uns künftig mutiger, schneller und freier fortzubewegen.