Smart Mobility

Skybridges – horizontaler Lebensraum in luftigen Höhen

Skybridges gibt es schon seit Jahren, doch seit Kurzem erfährt dieses urbane Verbindungselement neuen Aufwind. Innovative Ideen und Technologien ermöglichen die radikale Erweiterung ihres Potenzials – und machen aus ihnen multifunktionale architektonische Werkzeuge, die spannende Gestaltungsmöglichkeiten versprechen. Bald schon könnten Skybridges fester Bestandteil von Neubauten sein. Die damit verbundenen Möglichkeiten werden vom 21. bis 22. Oktober auf dem Skybridges Symposium in Dubai präsentiert, das im Rahmen der Polycentric Cities Conference 2018 des CTBUH stattfindet.
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Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 22.10.2018

Skybridges werden neu entdeckt

Der aktuelle Hype rund um Skybridges, auch Skyways oder Skywalks genannt, betrifft keine historischen Konstruktionen wie die Seufzerbrücke in Venedig oder bodennahe Strukturen wie das ansonsten beeindruckende Skyway-System in Minneapolis. Heute liegt der Fokus auf Konstruktionen, die in luftigen Höhen errichtet werden.

Die aktuelle Popularität von Skybridges liegt wohl daran, dass sich heute Verwendungsmöglichkeiten eröffnen, die früher undenkbar waren. Vermehrte Verbindungen zwischen Gebäuden bieten für viele Menschen zahlreiche Vorteile. Dies hat wiederum direkte Auswirkungen auf die Stadtgestaltung. Städte lassen sich mittlerweile nicht nur vertikal verdichten, sondern auch horizontal und sogar diagonal. Das hochkarätige Skybridges Symposium in Dubai bietet eine hervorragende Gelegenheit, um den aktuellen Stand rund um Skybridges zu erkunden.

Räumliche Vorteile: optimale Nutzung von Leerräumen

Immobilien im urbanen Raum sind teuer. Wolkenkratzer nutzen deshalb kostspieliges Bauland effizient aus, indem Büros und Wohnungen übereinander gestapelt werden. Auch Skybridges machen leere Räume für den Menschen auf raffinierte Weise nutzbar. Gebäudeeigentümer und -planer haben die wirtschaftlichen Vorteile der Bebauung des ungenutzten Raums zwischen ihren Gebäuden bereits erkannt.

Mit Skybridges können Architekten auch zusätzliche Annehmlichkeiten, Dienstleistungen oder Veranstaltungsorte für Anwohner, Mieter, Touristen und andere Besucher bereitstellen. Die Skybridge im Marina Bay Sands Resort in Singapur verfügt beispielsweise über einen 340 Meter langen SkyPark mit einer Kapazität von fast 4.000 Personen.

Technische Vorteile: Integration von Systemen

Die mehrgeschossige Skybridge der Zukunft ermöglicht auch die Verbindung und Integration technischer Systeme von mehreren Gebäuden, wie etwa der Versorgungsleitungen und mechanischen Systeme. Bei der Skybridge in den American Copper Buildings in New York City etwa werden zwei Hochhäuser über ein einziges System versorgt.

In Notfällen bieten Skybridges ausfallsichere technische Reservesysteme. Sie liefern außerdem zusätzliche Fluchtwege durch die Möglichkeit der horizontalen Evakuierung von einem Hochhaus in das andere. Ein Beispiel dafür ist die Skybridge der Petronas Towers in Kuala Lumpur, die speziell für diesen Zweck errichtet wurde.

Mobilitätsvorteile: kürzere Wege

Wirtschaftliche Vorteile, effizientere Gebäudeverwaltungssysteme und zusätzliche Einrichtungen wie ein Basketballplatz sind einige der Vorteile von Skybridges. Doch am meisten Begeisterung unter Architekten, Planern und urbanen Visionären findet der Aspekt der Mobilität.

Die Idee hinter Skybridges ist die, dass eine Person von einem Stockwerk eines Gebäudes direkt in dasselbe Stockwerk eines anderen Gebäudes gelangen kann – eine enorme Zeitersparnis. Analog dazu könnte auch der Zutritt zu mehreren miteinander verbundenen Hochhäusern über ein System miteinander verbundener Skybridges erfolgen, die sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden.

Wenn wir diese Idee nun mechanisch umsetzen, sind wir in etwa auf dem Stand der heutigen Technologie. Mit dem Aufzugsystem MULTI können wir theoretisch im Erdgeschoss eines Gebäudes einsteigen (oder sogar an einer weiter weg gelegenen U-Bahn-Station) und – so unglaublich das klingen mag – in der 57. Etage eines anderen Gebäudes wieder aussteigen.

 
MULTI Elevator Technology

Dieses Video demonstriert, wie mit dem seillosen Aufzugsystem MULTI mehrere Aufzugkabinen im selben Schacht nahtlos von der vertikalen in die horizontale Richtung – und wieder zurück – wechseln können. Damit ist dieses System perfekt für Skybridges.

Designvorteile: neue Werkzeuge für neue Architektur

Eine Skybridge ist das Verbindungsstück zwischen Gebäuden. Doch erst durch die fortschrittliche Technologie von MULTI kann die Aufzugkabine in einem Gebäude vertikal hochfahren, horizontal zu einem anderen Gebäude queren und sich dort zur gewünschten Etage hinauf- oder hinunterbewegen.

MULTI beflügelt das Mobilitätskonzept von Skybridges. Und Architekten zeigen Interesse. Durch die Kombination des Potenzials von Skybridges mit dem der neuen seillosen MULTI-Technologie sind sie in der Lage, die Architektur von Gebäuden, Stadtvierteln und sogar ganzen Städten neu zu gestalten.

Einzigartige, futuristische Gebilde wie der Dubai Frame zeigen auf, was alles möglich ist. Unsere Städte der Zukunft werden nicht mehr nur aus einer Reihe von majestätisch isolierten Hochhäusern bestehen, die nur auf Bodenhöhe miteinander verbunden sind. Mittlerweile sind Netz- oder Gitterdesigns unter Einbindung mehrerer Hochhäuser möglich, vor allem weil jetzt die nötigen Werkzeuge für die Verbindung von Gebäuden auf mehreren Ebenen verfügbar sind, sodass Menschen über diese Verbindungen rascher an ihr Ziel gelangen.

MULTI Elevator
MULTI Elevator

Vorteile für die Community: bessere Beziehungen

Weil eine wesentliche Funktion von Skybridges die Verbindung zwischen Gebäuden ist, muss gewährleistet sein, dass sie für einen permanenten Menschenstrom offen und durchlässig sind. Und diese öffentlichen oder halböffentlichen Räume im Zentrum von Skybridges bieten auch einen neuen Rahmen für menschliche Interaktionen.

Auf Straßenebene ist dieses Bild bekannt: Parks, Straßenecken und Plätze ermöglichen Zusammenkünfte. Neu bei Skybridges ist, dass dieses gemeinschaftsbildende Potenzial nun auch in großen Höhen genutzt wird. Das verringert die Isolation und erhöht die Chancen auf ein zufälliges Aufeinandertreffen, was der Futurist Ben Hammersley „einen der größten Motoren des Lebens sowie des persönlichen und kulturellen Fortschritts“ genannt hat. Als neue Zentren gesellschaftlicher Aktivitäten werden Skybridges zunehmend als eigenständige urbane Lebensräume erachtet.

Dubai Frame

Der Dubai Frame gewann 2009 den thyssenkrupp Elevator International Award.

Grenzen überbrücken

Das vertikale urbane Wachstum verspricht effizientere, nachhaltigere und dichter besiedelte Städte. Jetzt sind – bedingt durch neue Bautechniken und Transporttechnologien – auch hoch gelegene horizontale Lebensräume, sozusagen Städte im Himmel, in unmittelbare Reichweite gerückt, wenngleich auch noch Hindernisse bestehen.

thyssenkrupp Elevator sponsert gemeinsam mit dem CTBUH (Council on Tall Buildings and Urban Habitat) das Skybridges Symposium. Dort wird erörtert, wie wir unter Einsatz von Skybridges miteinander verbundene Hochhäuser – oder gar ganze Städte mit vernetzten Gebäuden – planen, bauen und betreiben können. Skybridges liefern jedenfalls wichtige Impulse, das gewohnte Standbild grundlegend zu ändern.

Image Credits:

Venice, photo by Nick Karvounis, taken from unsplash.com

American Cooper Buildings, photo by Acroterion, taken from commons.wikimedia.org

Petronas Towers, photo by Carles Rabada, taken from unsplash.com

Dubai Frame, photo by Rennboot, taken from commons.wikimedia.org