Smart Mobility

Was Städte von Kreuzfahrtschiffen lernen können: 7 Lektionen von den 7 Weltmeeren

Moderne Kreuzfahrtschiffe sind oft riesig und werden manchmal mit „schwimmenden Städten“ verglichen. Sie sind aber noch mehr als das: Sie sind Vorbilder für gut funktionierende dicht besiedelte Lebensräume, die auf die Bedürfnisse, den Komfort und das Vergnügen der Passagiere ausgerichtet sind. So halten die „schwimmenden Städte“ interessante und überraschende Lektionen für ihre Pendants an Land bereit sowie auch für Städteplaner und Bauherren, die die räumlichen Einschränkungen für das Städtewachstum überwinden und den dort lebenden Menschen eine hohe Lebensqualität bieten möchten. Hier sind sieben Lektionen, die Städte von Schiffen auf den sieben Weltmeeren lernen können.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 02.04.2019

Die schwimmende Nachbarschaft

2018 machten rund 27 Millionen Passagiere Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen, die nicht selten so groß sind wie ein Flugzeugträger. Die modernen Dampfer fassen eine enorme Anzahl an Gästen und sollen bei diesen keinerlei Wünsche offenlassen. Auf den größten Schiffen finden bis zu 8.000 Gäste und Crew-Mitglieder Platz – dieses Raumverhältnis macht deutlich, dass Städte auf dem Festland noch etwas von ihren schwimmenden Pendants lernen können.

 
Cruise ship

Mario Salcedo ist nun seit mehr als 19 Jahren ohne Unterbrechung auf Kreuzfahrt gewesen. Gefällt ihm das Leben auf einem Passagierschiff? Absolut! Städteplaner sollten den Gründen dafür auf den Grund gehen, denn vieles, was Mario am Leben auf dem Schiff schätzt, wäre auch an Land möglich.

Lektion 1: Eine Auswahl an Freizeitaktivitäten bieten

Das Erste, was Städte sich abschauen können, ist ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten. Bei den Passagieren handelt es sich nicht nur um „junggebliebene“ Senioren, sondern auch Babys, Kinder, Teenager, junge Singles und Paare mittleren Alters tummeln sich an Bord. Daher werden allerlei Aktivitäten für die einzelnen Altersgruppen sowie auch einige generationsübergreifende Aktivitäten angeboten. Außerdem gibt es immer mehr „Arbeitsnomaden“, die sich die technologischen Möglichkeiten zunutze machen, um Telearbeit mit ein wenig Urlaubsatmosphäre zu kombinieren.

Gut funktionierende dicht besiedelte Lebensräume bieten außerdem genügend Freiraum für den Einzelnen. So haben die Gäste auf Kreuzfahrtschiffen auch viele Möglichkeiten, für sich zu sein und ungestört in der Sonne zu liegen, ein gutes Buch zu lesen oder die Schönheit der Natur zu bestaunen.

wave pool

Lektion 2: Das Gemeinschaftsgefühl fördern

Aktivitäten sind wichtig, um insbesondere zwischen Fremden ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Spontane Sportspiele sind normalerweise schwer zu organisieren; auf Kreuzfahrtschiffen ist das aber leichter, denn viele Gäste sehnen sich nach körperlicher Betätigung und beteiligen sich deshalb gern an sportlichen Wettbewerben. Die öffentlichen Räume bieten außerdem Möglichkeiten für unstrukturierte oder spontane Interaktionen, sei es am Pool, in der Lounge oder im Café.

Lektion 3: Raumnutzung intelligent planen

Bei der Planung von Kreuzfahrtschiffen wird auf einen logischen und ansprechenden Aufbau geachtet, der mehrere Bedürfnisse auf einmal erfüllt. Dazu bedarf es agiler, modularer Infrastrukturkomponenten, die eine schnelle Anpassung der Räumlichkeiten an neue Bedürfnisse ermöglichen, und sei es nur vorübergehend. Eine sorgfältige Planung ist auch wichtig, damit die Gäste leicht zu ihrem Zielort gelangen können.

Hurtigruten

Die berühmten Hurtigruten Kreuzfahrtschiffe verfügen über Mobilitätslösungen von thyssenkrupp Elevator.

Lektion 4: Für einfache Mobilität sorgen

Klar gekennzeichnete Wege, übersichtliche Schiffspläne und Apps als Orientierungshilfe in Kombination mit intelligent platzierten Fahrtreppen und Rolltreppen ermöglichen selbst mobilitätseingeschränkten Passagieren, schnell und einfach von A nach B zu gelangen. Aufzüge sorgen für optimierte Personenströme und sind entscheidend für eine gute Benutzererfahrung. Sie können an jede Art von Schiff angepasst werden, je nachdem, ob sie der Beförderung von Servicepersonal, Frachtgut oder Passagieren dienen. Spektakuläre Glasaufzüge bieten den Gästen nicht nur eine tolle Aussicht, sondern helfen ihnen auch, sich innerhalb dieser gigantischen Schiffe besser zurechtzufinden.

Ponant

Ponant bietet seinen Gästen in speziellen Aufzügen eine tolle Aussicht auf die Polarlandschaften.

Lektion 5: Smarte Technologien einsetzen

Dank des flächendeckend verfügbaren Hochgeschwindigkeits-WLANs nutzen moderne Kreuzfahrtschiffe auch immer häufiger Wearables und Apps, um wichtige Informationen an Passagiere zu übermitteln. Digital vernetzte Armbänder, Halsketten und Schlüsselbänder bieten personalisierten Komfort und verbessern das Erlebnis an Bord. Gleichzeitig reduzieren IoT-Technologien und Predictive-Maintenance-Systeme die Ausfallzeiten bei allen Anlagen, von Ventilatoren bis hin zu Aufzügen. Auf einigen Schiffen sind sogar Barkeeper-Roboter zu finden!

 
smart ships

Lektion 6: Die Sicherheit aller Menschen gewährleisten

In der sechsten Lektion geht es um Sicherheit. Das heißt, die wichtigsten Stützstrukturen des Schiffs müssen stark und stabil sein, aber gleichzeitig auch flexibel genug, um bei schwierigen Wetterverhältnissen leicht nachzugeben. Unfällen wird durch strategisch platzierte Schutzwände und Relings vorgebeugt. Die Gangways und Zugänge dienen gleichzeitig auch als Fluchtwege im Katastrophenfall – ähnlich wie Skybridges bei Wolkenkratzern, die ebenfalls mehreren Zwecken dienen.

lifeboats

Lektion 7: Für mehr Nachhaltigkeit sorgen

Kreuzfahrtschiffe waren Nachzügler in der Nachhaltigkeitsbewegung, holen jetzt aber auf: Sie setzen jetzt verstärkt auf LNG als Treibstoff und auf bessere Abgasreinigungsanlagen. Einige Schiffe verfügen sogar über Auslässe an der Rumpfunterseite, aus denen Luftbläschen sprudeln, wodurch die Reibung mit dem Wasser reduziert und folglich der Treibstoffverbrauch gesenkt wird. An Bord wird stärker auf Recycling und den Einsatz wiederverwendbarer Materialien geachtet, und man rüstet intelligente Beleuchtung und energieeffiziente Aufzüge nach. Zudem werden vermehrt regionale Lebensmittel eingekauft.

mist cruise ship

Städte setzen die Segel für die Zukunft

Natürlich gibt es noch so einiges, was Kreuzfahrtschiffe von Städten unterscheidet. Doch auch wenn keine exakte Parallele zwischen den beiden gezogen werden kann, ist eines doch ganz eindeutig: Dicht besiedelte Lebensräume können wirklich attraktiv sein, wenn sie sorgfältig geplant und auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet werden. In Kombination mit einer starken und flexiblen Infrastruktur, intelligenter Nachhaltigkeit und einfacher Mobilität können Städte und Kreuzfahrtschiffe in ruhigem Fahrwasser segeln.

dusk cruise ship

Image Credits:

Meet the Happiest Guy in the World, video by New York Times

Wave Pool, photo by cruisedotco, taken from flickr.com, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Cruise Ship Fun #1, photo by Tm, taken from commons.wikimedia.orgCreative Commons Attribution 2.0 Generic

Cruise Ship Fun #2, photo by Mike McBey, taken from flickr.comCreative Commons Attribution 2.0 Generic

Cruise Ship Fun #3, photo by Prayitno, taken from flickr.comCreative Commons Attribution 2.0 Generic

The most technologically advanced cruise ship in the world, video by the Verge

Mist Cruise Ship, photo by Vidar Nordli-Mathisen, taken from unsplash.com

Dusk Cruise Ship, photo by Peter Hansen, taken from unsplash.com