Smart Mobility

URBAN HUB spricht mit dem leitenden Sicherheitsbeauftragten über Arbeitsschutz

Viele sprechen über Arbeitsschutz, während sie in ihrem bequemen Bürostuhl sitzen. Diese Distanz verhindert aber, dass wirklich effektive Lösungen gefunden werden. Luis Fernández de Vera, Head of H&S (Health & Safety) Services for Airport Solutions bei thyssenkrupp Elevator, weiß aus erster Hand um die Bedeutung der Arbeitssicherheit. Er stattet den Standorten einen Besuch ab, um vor Ort persönlich mit den Mitarbeitern zu sprechen. URBAN HUB hat Luis zu einem Interview eingeladen, um mehr über seine proaktive Herangehensweise an Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (Occupational Safety and Health, OSH) und seine Motivationsgründe zu erfahren.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
578 Aufrufe

Erstellt am 25.04.2019

Das große Ganze leben

Einige von uns betrachten das große Ganze, und andere leben es, indem sie neue Erkenntnisse und Erfahrungen in verwandten Bereichen sammeln. Luis kam 2004 zu thyssenkrupp Elevator und startete damals in der Aftersales-Abteilung, wo er als Brückeninstandhaltungstechniker in der Türkei und Spanien die Ärmel hochkrempelte.

2005 eröffneten ihm ein neues Land und seine neue Rolle als Standortmanager in Paris neue Perspektiven: Luis lernte, welche Herausforderungen die Leitung eines Teams von Mitarbeitern mit sich bringt und dass Standortmanager wirkliche Unterstützung in Sachen Arbeitsschutz benötigen – anstatt nur zusätzlichen bürokratischen Aufwand auferlegt zu bekommen.

Nach seiner Rückkehr nach Spanien machte Luis einen Abstecher in die Betriebsabteilung und lernte, wie er Ausschreibungen, Angebote und kleine Projekte mit Arbeitssicherheit verbinden konnte. Später wechselte er zur Abteilung für Qualität und Umweltschutz und zertifizierte innerhalb von zehn Jahren 15 Standorte in fünf Ländern nach ISO 9001 und ISO 14001. Da er nicht der Typ ist, der von seinem Schreibtisch aus Aufgaben delegiert, suchte er immer alle Standorte persönlich auf.

„Sicherheit wird nicht durch Papierkram geschaffen – wir müssen aber Sicherheit für alle gewährleisten, insbesondere für die Mitarbeiter, die an Flughäfen arbeiten. Ein Dokument, das von mir, vom Standortmanager und von der Flughafenverwaltung unterzeichnet wurde, hilft nicht automatisch einem Techniker auf der Fluggastbrücke.“
Luis Fernández de Vera, Head of Health & Safety Services, OU Airport Solutions, thyssenkrupp Elevator

Seinen Worten Taten folgen lassen

Seine proaktive Herangehensweise hat Luis zu seiner aktuellen Position als Head of H&S Services for Airport Solutions verholfen. Er arbeitet jetzt eng mit der Betriebsabteilung und insbesondere mit den Standortmanagern zusammen. Aufgrund seiner Berufserfahrung weiß er, wie und in welchem Maß er sie unterstützen kann und sollte.

Eine kontinuierliche Kommunikation mit allen Abteilungen ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen. Luis erklärt: „Nichts ist effektiver, als ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht zu führen, das Vertrauen seines Gegenübers zu gewinnen und ihm die Bedeutung von Sicherheit zu vermitteln. Es macht wirklich einen Unterschied, wenn man die Menschen persönlich trifft. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz funktionieren nicht per E-Mail, das können Sie mir glauben.“

Luis lobt die Kompetenz der Sicherheitsbeauftragten und ihre aktive Bemühung darum, dass das Thema Sicherheit jedem einzelnen Mitarbeiter kommuniziert wird. Die Beauftragten sind ebenfalls immer „vor Ort“, sei es am Flughafen oder in der Niederlassung.

Luis Quotation German

Gemeinsam überlegen und sich austauschen

Auch wenn eine proaktive Führung im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz dazu beiträgt, eine sichere Arbeitsumgebung zu gewährleisten, glaubt Luis, dass wirklich effektive und nachhaltige Sicherheit nur durch hierarchieübergreifende Teamarbeit erreicht werden kann. Das heißt, alle Mitarbeiter sollten sich an der Kommunikation beteiligen und ihre Meinung einbringen dürfen.

Luis erinnert sich, dass es vor einigen Jahren zu einem kleinen Zwischenfall auf einer Brücke in Europa kam und sich einige Wochen später ein ähnlicher Unfall im Nahen Osten ereignete. Was man daraus gelernt hat? Dass mehr Kanäle für den Informationsaustausch benötigt werden.

Jetzt erhalten alle Mitarbeiter, die ein Firmenhandy besitzen, jeden Montag eine SMS zum Thema Sicherheit. Außerdem wird jeden Monat ein Meeting organisiert, in dem über die letzten Vorfälle und Beinahe-Unfälle gesprochen wird. Luis ist überzeugt, dass regelmäßiges Feedback und Vorschläge von Mitarbeitern der Schlüssel sind, um das Ziel „Null Unfälle“ zu erreichen.

Er warnt aber auch davor, sich zu sehr auf Kommunikationstechnologie zu verlassen und sie als das A und O anzusehen: „Manchmal führt gerade sie zu Unfällen, da unbeabsichtigt Druck aufgebaut wird. Wenn einem per WhatsApp eine Aufgabe zugeteilt wird und man sein Bestes geben möchte, fühlt man sich möglicherweise zum schnellen Handeln gezwungen, was negative Folgen haben kann.“

Luis Triathlon
Dehli Branch

Globale Sicherheit, lokale Herausforderungen

Die Botschaft ist immer dieselbe und sehr simpel: „Safety First“ – Sicherheit geht vor. Luis fügt hinzu: „Es ist wirklich wichtig, dass wir aufeinander aufpassen. Wenn Sie etwas bemerken, melden Sie es oder unternehmen Sie selbst etwas. Proaktives Handeln kann Leben retten.“

Um diese Botschaft in allen Arbeitsumgebungen richtig vermitteln zu können, muss man die verschiedenen Arbeitskulturen verstehen. „Die Auffassung von Zuständigkeit, Entscheidungsfindung und Proaktivität variiert von Land zu Land. In Regionen, in denen starke hierarchische Strukturen vorherrschen, kann der Einsatz der ‚WE Stop!‘-Karte problematisch sein.“

Als Ausdauersport-Fan vergleicht er die Herausforderung mit der Vorbereitung auf einen Triathlon. Erfolg erfordert Durchhaltevermögen und Geduld. „Wenn man die Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzkultur eines multinationalen Unternehmens ändern möchte, muss man dieses Vorhaben Schritt für Schritt konsequent durchsetzen. Bei Sicherheit gibt es keine Ziellinie – man muss immer am Ball bleiben.“

Sicherheit, die bleibt

Luis möchte, dass alle Mitarbeiter – vom Techniker bis zum Sicherheitsbeauftragten – aktiv mitwirken, um für Sicherheit zu sorgen, und niemals in Selbstgefälligkeit verfallen. Niemand sollte jemals am Arbeitsplatz einer Lebensgefahr ausgesetzt sein.

Luis verfügt nicht nur über die nötige Erfahrung, um dieses Ziel zu erreichen, sondern ist auch hochmotiviert. „Ich bin wirklich überzeugt, dass man alles schaffen kann, wenn man wirklich daran glaubt, was man tut. Ob es darum geht, viel zu reisen oder nach Feierabend noch zu lernen, um besser zu werden – wenn du es träumen kannst, kannst du es auch erreichen.“