Smart Mobility

Großveranstaltungen: Evolutionssprung für die urbane Infrastruktur

Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele hinterlassen Spuren: zum einen natürlich in Form denkwürdiger Momente, zum anderen in der Infrastruktur der Ausrichterstadt – mit Erleichterungen, von denen Bewohner noch jahrelang zehren können. Ohne funktionierendes Verkehrssystem ist Chaos bei Großereignissen vorprogrammiert. Doch selbst die beste Transportinfrastruktur benötigt ein Upgrade, wenn sie nicht länger nur den Strom der Einheimischen und Pendler bewältigen muss, sondern zusätzlich von Gästefans, Teams, Offiziellen und Medienvertretern in Beschlag genommen wird. Der damit verbundene Wandel birgt einmalige Chancen.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 10.08.2018

Nachhaltige Stadtentwicklung als Erbe von Großveranstaltungen

Zu den populärsten Großveranstaltungen zählen Sport-Events. Für mehrere Großveranstaltungen im Jahr 2012 pumpte London Milliarden in die Infrastruktur rund um den Stadtteil East End. Die urbane Mobilität wurde ausgeweitet, Flughäfen und entlegene Bezirke besser an die Wettkampforte angebunden.

Produkt einer Großveranstaltung: der Olympiapark in London.

Für die Olympischen Sommerspiele 2016 verdoppelte Rio de Janeiro die Länge seiner Buslinien von 76 auf 156 Kilometer. Gleichzeitig wurde das Straßenbahnnetz von 4 auf 16 Kilometer ausgeweitet. Die Folge war eine spürbare Entlastung des Straßenverkehrs: Die Zahl der Staus nahm ab, die Umweltbelastung wurde gesenkt.

Großveranstaltungen sind für Städteplaner Chance und Herausforderung zugleich. Bei einer Modernisierung der Infrastruktur muss in jedem Fall auf Ausgewogenheit geachtet werden. Eine durchdachte Planung und gesellschaftliche Nachhaltigkeit genießen oberste Priorität; die in der Regel schwindelerregenden Investitionen müssen mit größter Sorgfalt vorgenommen werden.

Großveranstaltung × Großprojekt = ?

Wo im Nahen Osten das Öl fließt, vollziehen sich bauliche Entwicklungen im Zeitraffer. Was geschieht also, wenn solche Städte als Gastgeber einer Großveranstaltung auftreten? In vielen Fällen werden Veranstaltungsorte in bestehende Planungen einbezogen. Ein Beispiel: Die Aspire Zone in Doha, Katar, ist ein topmodernes Leistungssportzentrum und Ausrichtungsort für Sport-Events. Der Komplex wurde 2003 errichtet, 2006 für die Asian Games ausgebaut und wird nun für die Fußball-WM im Jahr 2022 fit gemacht.

Zur Fortbewegung ist man im Nahen Osten auf das Auto angewiesen. Tatsächlich beherbergt die Region die am schnellsten wachsende Verkehrsinfrastruktur der Welt. Während sich Metropolen wie Doha, Dubai und Abu Dhabi verstärkt um die Ausrichtung von Großveranstaltungen bewerben, nehmen Stadtverwaltungen zunehmend die Implementierung nachhaltiger und innovativer IoT-Lösungen ins Visier. Zur neuen Generation urbaner Mobilitätslösungen zählen beispielsweise digitale Sensoren zur Verkehrssteuerung, die auch bei Spitzenlasten einen reibungslosen Verkehr garantieren.

Der öffentliche Nahverkehr gewinnt ebenfalls an Gewicht. Dank intelligenten Transportsystemen wie ACCEL gelangen Reisende immer schneller an ihr Ziel – die Lösung verringert Transitzeiten in U-Bahn-Stationen und gestaltet den öffentlichen Nahverkehr nachhaltiger und unkomplizierter.

Unterschiedliche Ausgangslage

Je nach Profil der Ausrichterstadt variiert der Aufwand, der für eine Großveranstaltung betrieben werden muss. Befindet sich eine Stadt mitten im strukturellen Umbruch, variieren die Anforderungen und Auswirkungen einer Großveranstaltung naturgemäß im Vergleich zu einer statischen Stadt mit höherem Entwicklungsstadium.

Nehmen wir als Beispiel Berlin. Im August 2018 richtet die Stadt die Leichtathletik-EM aus. Auch wenn „nur“ 300.000 Besucher erwartet werden, davon viele aus dem Ausland und anderen Regionen Deutschlands, sollen alle Besucher schnell und problemlos an ihr Ziel geleitet werden.

Dafür ist gute Planung erforderlich. Die meisten Wettkämpfe finden im Olympiastadion statt, das bereits bestens an die zentralen Verkehrsknotenpunkte angebunden ist. Diese Wahl zeigt, dass sich Investitionen in eine gut funktionierende Verkehrsinfrastruktur auch in ferner Zukunft auszahlen. Indem Großveranstaltungen in Metropolen mit bereits ausgereifter Infrastruktur vergeben werden, können sich Besucher problemlos fortbewegen, ohne für eine Überlastung der vorhandenen Infrastruktur zu sorgen.

Seit 82 Jahren ist das Berliner Olympiastadion in Betrieb.

Planung – wo kurz- und langfristige Ziele in Einklang gebracht werden

Städte entwickeln sich meist unkontrolliert und in Schüben. Großveranstaltungen bieten deshalb Städteplaner die einmalige Chance, bauliche Visionen ungestört zu verwirklichen: Lange bestehende Baustellen können abgeschlossen, zukünftige Infrastrukturbedürfnisse identifiziert und in Angriff genommen werden.

Derartige Mega-Events fördern auch die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und privater Hand: Gemeinsam werden Lösungen entwickelt, von denen alle profitieren. Mittels Investitionen, Aufbruchsstimmung und dem großen medialen Interesse gelingt es häufig, eine Stadt auf die nächste Evolutionsstufe zu heben.

Mobilität ist ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Bilds einer Stadt. Großveranstaltungen sollten deshalb als Chance begriffen werden, um eine nachhaltiges urbanes Mobilitätskonzept voller wegweisender Ideen zu entwickeln. Sie bieten die einmalige Chance, zukunftsfähige und weitreichende Verkehrslösungen zu realisieren.

Image Credits

Olympic Park 1, taken from flickr.com; image credits go to EG Focus

Olympic Park 2, taken from commons.wikimedia.org; some rights reserved

Olympic Park 3, taken from flickr.com; image credits go to Fred Romero

Aspire Tower, Doho Sporty City, taken from flickr.com; image credits go to Creative Commons Qatar

Olympiastadion (Concert), taken from wikipedia.de; image credits go to Stefan Staurland

Olympiastadion (Football), taken from pixabay.com; image credits go to 123web

Olympiastadion (Athletics), taken from flickr.com; image credits go to Stephan Luckow