Smart Mobility

Anbindung in Indien – Mumbai optimiert Mobilität

Mumbai ist das wichtigste Handels- und Finanzzentrum Indiens sowie die Hauptstadt der Bollywood-Filmindustrie des Landes. Und wie zahlreiche andere Megastädte weltweit ist auch Mumbai mit großen Herausforderungen konfrontiert. Im Kern dieser Herausforderungen liegt das rapide Bevölkerungswachstum, das die Infrastruktur der Stadt an ihre Grenzen bringt. Dienstleistungen für Bürger sind teilweise nur eingeschränkt verfügbar, darunter zum Beispiel die mühelose Fortbewegung von A nach B. Die Regierung unternimmt nun enorme Anstrengungen, um dieses Problem in den Griff zu kriegen und die Anbindung für „Mumbaikars“ zu verbessern.
Smart Mobility
Unterwegs zu besseren Lösungen - Die Menschen sind verstopfte Städte leid und entwickeln neue smarte Mobilitätslösungen in Form von innovativen Technologien und intuitiven Apps, die öffentlichen Nahverkehr, bessere Infrastrukturen und Car-Sharing-Projekte kombinieren.
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Erstellt am 02.07.2018

Wachstumsschübe und Platzmangel

Durch ihre Lage auf einer Halbinsel wird die Stadt Mumbai in ihrer Größe durch das Arabische Meer begrenzt. Gleichzeitig ist sie mit knapp 29.650 Einwohnern pro Quadratkilometer eine der am dichtesten besiedelten Städte der Welt. Sie zählt auch zu den größten Städten weltweit: Im Stadtgebiet leben 13–14 Millionen Menschen, im Großraum Mumbai sind es sogar 22 Millionen.

Obwohl Mumbai bereits aus allen Nähten platzt, wächst die Stadt kontinuierlich rapide weiter. Laut der US-amerikanischen Weltbank ziehen jeden Tag 500 Familien nach Mumbai. Zwar haben viele Städte mit einer ähnlichen Situation zu kämpfen, nirgends nimmt das Problem jedoch solche Ausmaße an wie hier.

Beobachten Sie 90 Sekunden lang den Verkehr in Mumbai zwischen 5:30 Uhr und Mitternacht. TransitFlow – ein Tool des Datenforschers Will Geary – ist eine kostenlose Open-Source-Software zur Visualisierung des Verkehrsaufkommens in Städten auf der ganzen Welt.

Infrastruktur sorgt für die nötige Anbindung

Eine naheliegende Möglichkeit zum Umgang mit der Situation ist das Errichten neuerer und besserer Infrastruktur. Nirgends auf der Welt befinden sich derzeit so viele Wolkenkratzer (darunter einige Mega-Wolkenkratzer) im Bau wie in Mumbai. Nach ihrer Fertigstellung bieten sie vielseitig nutzbaren Raum zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und mehr.

Eine bessere Transitanbindung in Mumbai ist ebenfalls eine Priorität für den indischen Premierminister Narenda Modi. Seit Jahren arbeitet die Landesregierung an einer umfassenden Modernisierung der Wirtschaft. Enorme Geldsummen fließen in Bereiche wie Digitalisierung, Smart Cities oder die Ausbildung von Jugendlichen. Und wie verbessert Mumbai die Mobilität? Lesen Sie weiter.

Flugverbindungen – ein neuer Flughafen in einer neuen Satellitenstadt

Der Chhatrapati Shivaji International Airport von Mumbai ist der zweitgrößte Flughafen in Indien. Doch er ist nicht groß genug für Mumbai! Deshalb wird von Zaha Hadid Architects derzeit ein zweiter internationaler Flughafen für die Region geplant. Nach seiner Fertigstellung 2020 sollen dort jährlich 60 Millionen Fluggäste abgefertigt werden.

Der Flughafen wird in Navi Mumbai errichtet, einer Planstadt auf dem Festland östlich von Mumbai. Die Satellitenstadt entstand in den 1970ern und hat heute über 1 Million Einwohner. Navi Mumbai wird bereits von Hightech-Unternehmen, Pendlern und jungen Menschen für ihre Sauberkeit, die gute Stadtplanung und ihren internationalen Charakter geschätzt. Der neue Flughafen soll endgültig bestätigen, dass Navi Mumbai ein Teil dessen ist, was Mumbai so attraktiv macht.

Wasserverbindungen – Brücken, Fähren und Häfen

Um den neuen Flughafen besser an das eigentliche Stadtgebiet von Mumbai anzubinden, wurde ein weiteres Megaprojekt in Angriff genommen. Der sechsspurige 21,8 km lange Mumbai Trans Harbour Link (MTHL) soll nach seiner Fertigstellung 2021/2022 die längste Seebrücke Indiens sein.

Ein weiteres lang diskutiertes Seebrückenprojekt wird jetzt ebenfalls vorangetrieben. Der Versova-Bandra Sea Link (VBSL) soll bis 2023 fertiggestellt werden und auf 17 km Länge und acht Spuren zwei Punkte im Westen Mumbais miteinander verbinden.

 

Auch zwei der wichtigsten Seehäfen Indiens liegen in Mumbai: der natürliche Tiefseehafen in Mumbai und der Jawaharlal Nehru Port in Navi Mumbai. Doch überraschenderweise gibt es kaum Fährverkehr in der Küstenstadt. Das soll sich jedoch bald ändern, wenn die Fähren, die derzeit in Betrieb sind, durch die erste Autofähre der Stadt sowie die neue Langstreckenfähre entlang der Küste zwischen Mumbai und Goa ergänzt werden.

Straßenverkehr – die Lücke wird geschlossen

Alle Seeverbindungen sind Teil einer größeren Initiative, um den Großraum Mumbai stärker zu vernetzen. Ein weiterer Teil dieser Initiative ist der Ausbau des Straßensystems. Der Eastern Freeway optimiert die Verbindung zwischen dem südlichen und dem östlichen Teil der Stadt. Er umfasst Hochstraßen, Überführungen und Tunnel und erstreckt sich über insgesamt 16,8 km.

Im westlichen Teil Mumbais soll die geplante BMC Coastal Road neu gewonnenes Land, Brücken und Tunnel nutzen, um den Süden über den Bandra-Worli Sea Link mit dem Westen zu verbinden. Acht Spuren, zwei davon für Linienbusse, sollen sich über knapp 29 km erstrecken. Das Projekt wird voraussichtlich 2022 abgeschlossen.

Unterwegs auf Schienen – das Rückgrat der Mobilität von Mumbai

Den Mumbai Suburban Railway gibt es seit 1853. Er ist die älteste Nahverkehrslinie Asiens. Der „Local Train“ deckt eine Strecke von 465 km ab und wird täglich von 8,5 Millionen Pendlern genutzt. Jetzt soll dieser unverzichtbare Bestandteil des Nahverkehrssystems von Mumbai erweitert werden, um auch den Stadtrand besser anzubinden.

Nicht nur diese Erweiterung des Schienennetzes soll die Situation entspannen. Hinzu kommt die Vergrößerung des Metrosystems. Die Mumbai Metro wurde 2014 mit einer 11,4 km langen Hochbahnlinie eröffnet. Derzeit werden drei neue Linien gebaut, die nach ihrer Fertigstellung 2020/2021 den Großraum Mumbai besser vernetzen. Eine zukünftige Erweiterung um vier weitere Linien wurde bereits genehmigt.

Für die Züge und die verstopften Straßen werden diese neuen Metrolinien einen enormen Unterschied machen. Und schließlich gibt es noch den Mumbai Monorail. Eine Monorail-Linie wurde 2014 eröffnet, und eine weitere Linie befindet sich derzeit im Bau und wird die 8,9 km lange Strecke um weitere 10,6 km verlängern.

Menschen in Bewegung – Fußgänger und Radfahrer

Laufen ist zwar ein beliebtes Fortbewegungsmittel, doch auch hier herrscht Platzmangel. Eine Lösung ist ein umfangreiches System aus Hochwegen für Fußgänger. Auch wenn es streng genommen nicht zu den Megaprojekten zählt, ist es schon aufgrund seiner Originalität erwähnenswert. Die 36 „Skywalks“ wurden von der Mumbai Metropolitan Region Development Authority (MMRDA) errichtet, um wichtige Transitknotenpunkte mit beliebten Pendlerzielen zu verbinden, und decken eine Strecke von insgesamt 17 km ab.

Einige Menschen mögen die Skywalks nicht, allen voran die Ladenbesitzer und Straßenhändler eine Ebene tiefer. Andere betrachten den mangelnden Zugang zu den hohen Plattformen kritisch oder haben Bedenken bezüglich der Sicherheit aufgrund von zu wenig Überwachung vor Ort. Doch andere lieben sie: Die Skywalks bieten neuen öffentlichen Raum in einer sehr engen Stadt.

 

Für eine Stadt dieser Größe hat Mumbai sehr wenig Fahrradverkehr. Fahrräder gelten traditionell als eine Form der Fortbewegung für Personen mit niedrigem Status. Die Beliebtheit von Radfahren als Freizeitbeschäftigung unter jungen, aufstrebenden Stadtbewohnern in Europa und Nordamerika zeigt jedoch Wirkung. „Green Wheels Along Blue Lines“ heißt ein Projekt zum Bau eines 39 km langen Radwegs entlang einer überirdischen Wasserleitung.

 

Ein witziges, leicht haarsträubendes Wettrennen zwischen drei Kurieren, die einem Ladenbesitzer sein Mittagessen liefern.

Zu viel oder nicht genug, aber für jeden etwas

Angesichts all dieser umfassenden Initiativen bleiben Gegenstimmen nicht aus. Die Kritikpunkte für diverse Projekte reichen von Korruption und Umweltbelastung über Grundbesitzfragen und -rechte bis hin zur Zerrüttung etablierter Stadtteile und Umsiedlung armer Menschen.

Betrachtet man all die neuen Straßen und Brücken, scheint der Einwand nachvollziehbar, dass das Auto und die Anforderungen wohlhabender Bürger zu sehr im Mittelpunkt stehen. Doch im Grunde sind sich alle einig, dass jeder von der enormen Investition Mumbais in die Mobilität profitieren kann.

 

In diesem kurzen Video informiert die Weltbank nicht nur über den Ausbau des Nahverkehrsschienennetzes, sondern bietet auch einen ausgezeichneten Überblick über einige Herausforderungen, vor denen Mumbai bei der Erneuerung seiner Mobilitätsinfrastruktur steht.

Vielen Städten geht es wie Mumbai

Mumbai befindet sich derzeit in einem massiven Umbau, um bessere Mobilität in seine dicht bebaute Infrastruktur zu integrieren. Durch eine optimierte urbane Anbindung verbessert die Stadt nicht nur die Lebensqualität ihrer Bürger, sondern auch ihre Aussichten auf eine strahlende Zukunft.

Einige Städte werden geplant, die meisten entstehen jedoch in Phasen und Schüben, und neue Strukturen werden in, unter, über und um vorhandene Infrastruktur herum eingefügt. Anforderungen ändern sich im Laufe der Zeit, doch Städte müssen grundsätzlich offen, flexibel, aufmerksam und kreativ bleiben. Nur wer sich an Änderungen anpassen kann, hat Erfolg. Denn dort, wo Bewegung ist, ist Leben!

Image Credits

Bandra Worli Sea Link, photo by Ibuz4u, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Mumbai Transit Flows, video by Will Geary

Navi Mumbai International Airport, video by Realty Merchant

Bandra World Sea Link at Night, photo by yatriksheth, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Mumbai Skyline and Bridge, photo by Woodysworldtv, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Mumbai Bridge Close-Up, photo by Amit Kulkarni, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Mumbai Moped Traffic, photo by Harsimran J.S. Basra, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Mumbai Skywalk, photo by Nicholas (Nichalp), taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Bike Unfriendly: The Mumbai Mess, video by WeLoveCycling

Moving Mumbai into the Future, video by World Bank