Tyler Brûlé – der Mann hinter der Monocle Quality of Life Survey und Conference

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Urbanization

Durch seine Arbeit als Journalist hat Tyler Brûlé, seit er 1989 von Kanada nach Großbritannien umgezogen ist, in zahlreichen Städten gelebt. Aufgrund dieser Erfahrung hat er angefangen, die diversen Mängel und Vorzüge zu vergleichen, die eine Stadt zufriedenstellender – oder „lebenswerter“ – macht als andere.

Aus diesem Interesse wurde mit der Zeit eine Leidenschaft. 2007 gründete er das Magazin Monocle, in dem einmal im Jahr die viel beachtete Quality of Life Survey veröffentlicht wird. Bald folgte die jährliche Monocle Quality of Life Conference. Brûlé hat sich mit URBAN HUB darüber unterhalten, was er mit der Konferenz erreichen möchte, und vier Prinzipien für lebenswerte Städte formuliert.

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Der Beginn einer globalen Karriere

Der Kanadier Tyler Brûlé siedelte 1989 aufgrund eines Jobangebots als Journalist für die BBC nach Großbritannien um. Seine neue Tätigkeit erforderte regelmäßiges Reisen und brachte ihn in Kontakt mit Städten auf der ganzen Welt. Bald lebte er abwechselnd in London und in Hamburg, das zu seinem zweiten Heimatstandort wurde.

Damals begann er, so Brûlé, auf die Lebensqualität in Städten zu achten: „Hamburg hat mich als Stadt tief beeindruckt, weil es so viele erstaunliche Qualitäten bot. Im Nachhinein denke ich, dass ich damals angefangen habe, Städte zu vergleichen und mich zu fragen, warum sie funktionieren und was sie attraktiv macht.“

Im Laufe der Jahre war er weiterhin als Journalist tätig und gründete mehrere Unternehmen. 2007 fing er an, sein Hauptaugenmerk auf das urbane Umfeld zu legen, und gründete das Magazin Monocle.

Tyler Brûlé auf einen Blick:

1968 Geboren in Winnipeg, Kanada
1989 Umzug nach Großbritannien, um für die BBC zu arbeiten
1994 Verwundet in Kabul, Afghanistan während seiner Arbeit als Journalist
1996 Gründung von Wallpaper, einem Style- und Fashion-Magazin
1998 Entwicklung von Winkreative, einer Branding- und Design-Agentur
2001 Auszeichnung mit dem Lifetime Achievement Award der British Society of Magazine Editors
2004 Start einer wöchentlichen Kolumne – The Fast Lane – für das Magazin FT Weekend
2006 Co-Produktion von „Counter Culture“, einer Doku-Serie für BBC 4 über kulturelle Aspekte des Shoppings
2007 Gründung von Monocle, einem Urban Lifestyle-Magazin
2007 Beginn der Monocle Quality of Life Survey
2011 Ernennung zum Editor of the Year durch Ad Age
2015 – Eröffnung der ersten Monocle Quality of Life Conference in Lissabon, Portugal

Die jährliche Quality of Life Survey von Monocle

Weil „Urbanismus“ eines der Hauptthemen von Monocle war und Lebensqualität für die größtenteils städtische Leserschaft des Magazins eine wichtige Rolle spielte, lag es nahe, dieses Interesse in ein Format zu übersetzen, das jeder kennt und schätzt: die Rangliste.

Zu diesem Zeitpunkt existierten bereits mehrere maßgebliche Rankings zur Lebensqualität, wie die Mercer-Studie Quality of Living oder das Global Liveability Ranking der Economist Intelligence Unit. Doch für Tyler Brûlé gab gerade das den Ausschlag für die neue Liste.

Er erklärt, dass die Monocle Quality of Life Survey anders sein sollte: „Ich habe mir diese Listen oft angeschaut und fand, dass sie – auch wenn sie mit Sicherheit eine gute Orientierung boten – sehr steril und wissenschaftlich waren.“ Deshalb rief er die Monocle Quality of Life Survey ins Leben. Anders als andere Ranglisten bewertet sie eine vielseitige Mischung aus wissenschaftlichen und subjektiven Qualitäten, wie Anzahl und Vielfalt der unabhängigen Einzelhändler (d. h. keine Ketten) oder die Möglichkeit, 2 Uhr nachts einen Drink zu bekommen. „Attraktivität“ ist schließlich kein streng wissenschaftliches Kriterium.

Lebenswerte Städte – die Top 5 von Monocle aus den letzten fünf Jahren

Lebenswerte Städte – die Top 5 von Monocle aus den letzten fünf Jahren Lebenswerte Städte – die Top 5 von Monocle aus den letzten fünf Jahren

In diesem Video definiert Monocle den Begriff „Lebensqualität“ und erklärt, warum sie für Städte so wichtig ist.

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Die Monocle Quality of Life Conference

Vor ungefähr sechs Jahren gab es einen Boom von „Urban Conferences“. Viele legten ihren Schwerpunkt darauf, wie Städte von digitalen Technologien profitieren können. Aber Tyler Brûlé erkannte einen Schwachpunkt: „Ich erinnere mich daran, dass ich auf einer Konferenz war und von einer App hörte, die es ermöglicht, den Verkehr zu umfahren. Die Besessenheit, jedes Problem mit digitalen Technologien zu lösen, brachte mich ins Grübeln.“

Er fährt fort: „Man muss nicht unbedingt ein Pflaster über alles kleben. Man sollte die Wurzel eines Übels ausfindig machen, statt Wege zu entwickeln, es zu umgehen.“ Diese Idee wurde zum Anstoß für Monocle, eine neue Art von Konferenz zu entwickeln, bei der die Teilnehmer „Notizbücher voller Ideen, viele Listen mit interessanten Orten und einige Antworten auf brennende Fragen“ mit nach Hause nehmen würden.

Berlin ist Gastgeber der Monocle Quality of Life Conference 2017 Berlin ist Gastgeber der Monocle Quality of Life Conference 2017
Berlin ist Gastgeber der Monocle Quality of Life Conference 2017

Von Berlin in die Zukunft

Vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2017 findet die Monocle Quality of Life Conference in Berlin statt. Brûlé stellt fest, dass die Wahl des Ortes für die Konferenz unweigerlich die Auswahl der Themen beeinflusst, die dort diskutiert werden. Und wer Berlin bzw. Deutschland kennt, weiß Themen wie effektive urbane Mobilität für junge und ältere Generationen sicherlich zu schätzen.

Brûlé hofft, dass Städte auf der ganzen Welt von der Konferenz profitieren, wenn die Teilnehmer mit vielen neuen Anregungen und frischer Inspiration für zukünftige Projekte nach Hause zurückkehren. Häufig sind Innovationen schließlich einfach nur Adaptionen bereits bewährter Strategien. Auf der Konferenz lernen urbane Experten wegweisende Konzepte aus der ganzen Welt kennen, die sie vielleicht auch in ihren eigenen Heimatstädten umsetzen können.

Vor allem möchte Brûlé den Menschen jedoch zeigen, dass es bei urbaner Lebensqualität nicht nur darum geht, eine „große Infrastruktur“ zu errichten oder die kostengünstigste und effizienteste Lösung zu finden. Städte sollen schließlich auch schön sein.

Tyler Brûlé: Vier Prinzipien, die Städte lebenswerter machen.

1. Von Anfang an die richtige Bauweise

Heißt: Hochwertige Materialien sind beständig und sorgen dafür, dass wir lange etwas von der Ästhetik schöner Städte haben.

2. Bäume sind unsere Freunde

Heißt: Menschen versammeln sich gern unter einem schattigen Blätterdach. Städte sollten nicht nur in der Theorie in der Theorie „grün“ sein – sie benötigen echtes Laub.

3. Schaffung von Rahmenbedingungen, unter denen Kleinunternehmer Fuß fassen können

Heißt: Kleine Unternehmen – Schuhläden, Obst- und Gemüsehändler usw. – müssen unterstützt werden, damit sie ein wichtiger Bestandteil einer interaktiven Nachbarschaft bleiben.

4. Förderung von Interaktivität

Heißt: Menschliche Interaktion statt Isolation ist für eine gesunde Gemeinschaft unerlässlich. Kleine Geschäfte statt Onlineshops und Self-Checkout – darauf kommt es an.

„Für mich macht eine gute Stadt aus, dass es so wenige Beeinträchtigungen und Hindernisse wie möglich gibt und man täglich möglichst viele Erfahrungen bequem und kultiviert machen kann.“

Tyler Brûlé, Gründer des Magazins Monocle

Tyler Brûlé nennt vier Prinzipien lebenswerter Städte und erklärt, wie die Monocle Quality of Life Survey und Conference entstanden sind.

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