Einblicke eines Experten: Technologien für zufriedene Fahrgäste

Moderne Aufzugsysteme befördern täglich zahlreiche Fahrgäste

Aufzugsysteme wären zwar effizienter, wenn die Fahrgäste als reine Fracht angesehen würden, jedoch dürfen ihre speziellen Bedürfnisse, Erwartungen und selbstverständlich ihre Gefühle nicht außer Acht gelassen werden. Die fortschrittlichen Technologien moderner Aufzüge verkürzen nicht nur die Fahrtdauer, sondern berücksichtigen auch die Erwartungen der Benutzer.

Wie genau schafft man es, bei der Entwicklung von Aufzügen die Balance zwischen Effizienz und Fahrgastzufriedenheit zu finden? Stefan Gerstenmeyer, Senior Engineer Elevator Control bei thyssenkrupp Elevator, erklärt, wie die Benutzererfahrung insgesamt durch die Beobachtung der Wahrnehmung und Interaktion der Benutzer mit den Aufzügen verbessert werden kann. Er ist einer der fachkundigsten Experten für Aufzugsteuerungssysteme bei thyssenkrupp Elevator und ein geschätzter Forschungspartner von tertiären Bildungseinrichtungen wie der University of Northampton im Vereinigten Königreich.

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Fortschrittliche Technologie für zufriedene Fahrgäste

In einer idealen Welt muss man nie auf Aufzüge warten – sie sind schnell und niemals überfüllt. Im echten Leben hingegen bilden sich oft sehr lange Schlangen vor den Aufzügen, und alle Wartenden haben unterschiedliche Ziele, Präferenzen und Erwartungen.

Um einen Aufzug zu rufen, muss man meist nur auf die Pfeiltasten nach oben oder nach unten drücken. Gerstenmeyer erklärt, wie Benutzer in modernen Aufzügen ihr Ziel auf einem Touchscreen eingeben können. Diese Information wird dann in ein sogenanntes Zielsteuerungssystem eingespeist, das mithilfe von fortschrittlichen Algorithmen berechnet, welche Fahrgäste zusammen fahren sollten und welcher Aufzug für die Fahrt am günstigsten wäre.

Zielwahlsteuerung: einfach, intuitiv, effektiv Zielwahlsteuerung: einfach, intuitiv, effektiv
Zielwahlsteuerung: einfach, intuitiv, effektiv

Laut Gerstenmeyer sorgen diese Algorithmen für eine verkürzte Fahrtdauer bis zum Bestimmungsort – ganz ohne Stress für die Fahrgäste. Er nennt ein gutes Beispiel: „Bei gläsernen Aufzugsystemen ärgern sich die Fahrgäste, wenn ein Aufzug ohne Anzuhalten an ihrem Stockwerk vorbeifährt. Dies stellt jedoch manchmal einfach die effizienteste Lösung dar.“ Durch die Entwicklung spezieller Algorithmen können derartige Situationen verringert werden, ohne dass die Systemeffizienz beeinträchtigt wird. 

Langeweile macht erfinderisch

Im Rahmen seiner Forschung und seiner privaten Beobachtungen von Benutzern hat Gerstenmeyer eine interessante Verhaltensweise festgestellt: „Wenn die Fahrgäste lange warten müssen, gehen sie manchmal aus Langeweile zurück zur Eingabestation und geben noch einige weitere Ziele ein – nur so zum Spaß.“ Zudem stiegen einige Benutzer einfach in den nächsten offenen Aufzug ein, wenn sie zu einem beliebten Ziel wie der Lobby oder Kantine möchten.

Das mag für die Benutzer zwar ganz amüsant sein, jedoch bringt es das System durcheinander. Nichtsdestotrotz werden die Algorithmen mit der Zeit sicher noch ausgefeilter und sollten lernen, mit irregulärem Verhalten zurechtzukommen. Vielleicht können sie sogar irgendwann einmal vorhersehen, wenn Angestellte sich nur ungern mit ihrem Vorgesetzten einen Aufzug teilen.

Stefan Gerstenmeyer
„Die Fahrgäste können ziemlich kreativ werden, deshalb sollte man dafür sorgen, dass sie sich nicht langweilen.“

Stefan Gerstenmeyer

Senior Engineer Elevator Control, thyssenkrupp Elevator

Moderne Aufzüge mit Voraussicht

Es mag wie eine Zukunftsvision klingen, jedoch gibt es bereits heute einige Aufzüge, die die Bedürfnisse der Benutzer vorhersehen. Ein Beispiel hierfür ist die U-Bahn in Barcelona: „Wir haben für die U-Bahn ein System entwickelt, das erkennt, wenn ein Zug einfährt. Die Aufzüge werden automatisch bereitgestellt und warten auf die aussteigenden Fahrgäste“, so Gerstenmeyer.

Aufzüge zur U-Bahn Aufzüge zur U-Bahn
Aufzüge zur U-Bahn immer einsatzbereit

Moderne Technologien von heute und morgen

Aufzüge sind bereits in der Lage, die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Fahrgäste zu berücksichtigen, wenn diese beispielsweise eine Magnetstreifenkarte oder Smartphone-App verwenden. Der Aufzug erfährt dadurch nicht nur das gewünschte Ziel, sondern auch persönliche Präferenzen, z. B. ob der Fahrgast mehr Zeit zum Ein- und Aussteigen oder mehr Platz für seinen Rollstuhl benötigt. In Zukunft werden derartige Informationen vielleicht auch ohne eine Magnetstreifenkarte automatisch erkannt. Weitere fortschrittliche Funktionen könnten die Anpassung der internen Beleuchtung oder Musik an die Vorlieben der Benutzer umfassen.

Was die Zufriedenheit der Fahrgäste betrifft, sieht Gerstenmeyer ein großes Potenzial in dem aufstrebenden MULTI-Aufzugkonzept, das die Wartezeiten auf gerade einmal 15–30 Sekunden verkürzt: „Die Menschen warten einfach nicht gerne.“ Durch die Möglichkeit zur horizontalen Beförderung, die das Konzept bietet, können Aufzüge vielleicht eines Tages „die Grenzen ihrer Gebäude überwinden“. 

Eine kleine Auflockerung zum Thema Aufzüge

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Nur zum Spaß: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir uns in Aufzügen immer mit dem Gesicht in Richtung Tür stellen? In diesem Video sehen Sie, was passiert, wenn die Fahrgäste in die andere Richtung blicken.

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Die Fahrgäste in diesem Video begegnen dem sogenannten intelligenten Aufzug mit Skepsis – aus gutem Grund.

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