Brücken stärken Infrastruktur und Wirtschaft

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Für folgende Städte fällt Ihnen bestimmt eine dazugehörige Brücke ein: Venedig, London, San Francisco – wahrscheinlich haben wir alle das gleiche Bild vor Augen. Aber haben Sie je darüber nachgedacht, welche Rolle Brücken in unserem Alltag spielen und dass sie mehr als nur Hindernisse überwinden?

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New Yorks Aufstieg zum Wirtschaftsmotor

Brücken gibt es in allen Formen und Größen. Sie sind wichtig für das Entstehen von Gemeinschaften und bereichern das tägliche Leben. Beispielsweise führte der Bau der Brooklyn Bridge dazu, dass New York zur führenden Wirtschaftsmetropole der USA aufstieg.

Dank der Brücke rückten Brooklyn und das übrige New York noch enger zusammen. Innerhalb von 15 Jahren wuchs die Bevölkerung Brooklyns von 580.000 auf über eine Million Einwohner. Viele von ihnen konnten nun bequem nach Manhattan pendeln.

Heute befahren die Brücke täglich über 137.500 Fahrzeuge, und mehr als eine Million Menschen überqueren sie jährlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Brooklyn Bridge – Beginn des New Yorker Wirtschaftsbooms

Vorreiter China

Im Hinblick auf die Größe gibt China die Richtung vor. Die 2011 eröffnete Jiaozhou-Bucht-Brücke ist die längste Seebrücke der Welt. Mit ihrer Länge von 42,6 Kilometern ist sie 5 Kilometer länger als der bisherige Rekordhalter, Lake Pontchartrain Causeway in Louisiana in den USA.

Die Kosten für das Bauwerk beliefen sich auf 8,6 Milliarden US-Dollar. Die Brücke verbindet die Stadt Qingdao in der östlichen Provinz Shandong mit dem Stadtbezirk Huangdao. Quingdao ist ein Tourismusmagnet für Chinesen und Huangdao ist ein Außenbezirk, der sich aufschwingt, zu einer florierenden Wirtschaftsregion zu avancieren.

Sechs der weltweit längsten Brücken stehen in China. Die längste mit 164.800 Metern ist die Große Brücke Danyang–Kunshan, die Peking auf der Schiene mit Shanghai verbindet.

Von der Hochgeschwindigkeitsstrecke profitieren vor allem Reisende und Geschäftsleute. Beispielsweise wurde die Reisezeit für die 152 Kilometer lange Strecke zwischen Ningbo und Jiaxing von viereinhalb auf zwei Stunden reduziert.

Seebrücken bieten zahlreiche regionale Vorteile

Ein weiteres Wunderwerk asiatischer Ingenieurskunst ist die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke (HZMB). Diese 38 Kilometer lange Seebrücke stellt eine Verbindung zwischen der Sonderverwaltungszone Hongkong, Zhuhai (einer Stadt der Provinz Guangdong) und der Sonderverwaltungszone Macao her.

Die Hauptbrücke besteht aus einer doppelten dreispurigen Fahrbahn und ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Hongkong, Macao und des westlichen Perlfluss-Deltas von strategischer Bedeutung.

Nicht nur werden auf diesem Weg Transportkosten und Zeit gespart – statt viereinhalb Stunden benötigt man nur noch 40 Minuten –, sondern es wird auch die Position Hongkongs als Handelszentrum und Umschlagplatz gestärkt. Somit können Unternehmen ihre Geschäfte auf dem Festland ausweiten.

Von der durch die Brücke entstehenden Anbindung profitieren unterschiedliche Wirtschaftszweige in der Region, zum Beispiel der Tourismus und der Finanz- und Wirtschaftssektor.

Europa, Asien und Investitionen verbinden

Die Erste und Zweite Bosporus-Brücke, wie sie gemeinhin bekannt sind, sind Hängebrücken, die die Meerenge des Bosporus in Istanbul in der Türkei überspannen und so Europa und Asien verbinden.

In den ersten vier Jahren konnte die ursprüngliche Bosporus-Brücke noch per Fuß überquert werden. Auf beiden Seiten der Brücke gab es Aufzüge, welche die Fußgänger zu den Fußwegen brachten. Heute ist es Fußgängern und Nutzfahrzeugen untersagt, die Brücke zu nutzen.

Die zweite Brücke trägt den Namen Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke. Eine dritte Brücke, Yavuz-Sultan-Selim-Brücke getauft, wurde erst vor Kurzem fertiggestellt. Die neue Brücke ist mit 59 Metern die breiteste Hängebrücke der Welt und die längste mit einem Schienensystem.

Istanbul strebt danach, ein globales Finanz- und Wirtschaftszentrum zu werden. Die neuen verkehrstechnischen Anbindungen begünstigen neue Investitionen in der Region.

Es wird erwartet, dass die neue Brücke und die miteinander verzahnte Schienen- und Luftfahrtinfrastruktur eine große Rolle dabei spielen werden, dass sich das von der Türkei gesetzte Ziel verwirklicht, bis 2023 zu einer der zehn bedeutendsten Wirtschaftsmächte weltweit aufzusteigen.

Öresundbrücke: fördert Wirtschaftswachstum und Kooperation.

Brücken zwischen zwei Ländern

Die Öresundbrücke ist eine rund 16 Kilometer lange Straße und Eisenbahnstrecke zwischen Schweden und Dänemark.

Sie vernetzt Kopenhagen mit Malmö und stärkt so das Wirtschaftswachstum und die Kooperation zwischen den beiden Städten. Die Verbindung besteht aus drei Abschnitten: einer Brücke, einer künstlich angelegten Insel und einem Tunnel. Die Brücke nimmt die Hälfte der Strecke ein, wobei die Autobahn und die Eisenbahn auf unterschiedlichen Ebenen verlaufen.

Ein entlang der Brücke verlegtes Datenkabel gewährleistet die Internetkommunikation zwischen Mitteleuropa und Schweden/Finnland.

Mit der Brücke wurde das Fundament für eine intensive und weitreichende Partnerschaft zwischen Dänemark und Schweden in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Forschung und Kultur gelegt.

Seit Eröffnung der Öresundbrücke im Jahr 2000 hat die dänische Wirtschaft von Schweden erhebliche Finanzspritzen in Höhe von 4 Milliarden Euro erhalten, da schwedische Arbeiter leichter nach Dänemark pendeln können.

Im Gegenzug verzeichnete die schwedische Wirtschaft niedrigere Ausgaben beim Arbeitslosengeld: Im Jahr 2010 betrugen die Einsparungen nahezu 175 Millionen Euro.

Brücken als Mittel zur Verkehrsentlastung

Das immer höhere Verkehrsaufkommen bringt städtische Brücken an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Folglich führt am Bau neuer Brücken kein Weg vorbei. In Schottland entsteht derzeit eine neue Schrägseilbrücke namens „Queensferry Crossing“. Kostenpunkt: 1,7 Milliarden US-Dollar.

In unmittelbarer Nachbarschaft steht bereits die Forth Road Bridge, eine Ikone der Brückenkunst. Obwohl sie lediglich auf ein Verkehrsaufkommen von 11 Millionen Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt ist, wird sie derzeit jährlich von rund 24 Millionen Fahrzeugen überquert. In Zukunft soll die neue Brücke Motorräder, Autos und Schwerlastfahrzeuge transportieren, während öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradfahrer und Fußgänger die alte Brücke nutzen.

Ein ebenso wichtiges Projekt – wenn auch in kleinerem Maßstab – wurde Anfang dieses Jahres in Ho-Chi-Minh-Stadt realisiert. Die Rach-Chiec-Brücke, für die Kosten in Höhe von 38 Millionen US-Dollar veranschlagt wurden, verbindet einen Hightech-Park mit Seehäfen und Wohnsiedlungen. Das neue Bauwerk stellt einen wichtigen Baustein der sozioökonomischen Entwicklung in der vietnamesischen Metropole dar und soll zur Verkehrsentlastung beitragen.

Poolbrücke – extravaganter Treffpunkt für Hochhausbewohner

Eine außergewöhnliche neue Brücke soll dafür sorgen, dass die Bewohner zweier Hochhausblöcke in Surat, Indien, ein Bad in luftiger Höhe nehmen können.

Die 20 Meter lange Hängebrücke wird auf Höhe des zwölften Stockwerks errichtet und beherbergt einen transparenten Swimmingpool, bei dem Beckenrand und Skyline nahtlos ineinander übergehen.

Derartige Brücken sind mehr als nur Freizeiteinrichtungen. Sie stärken die Gemeinschaft, indem sie die Bewohner einer anonymen Großstadt zueinander führen.

Ähnliche Poolbrücken werden auch in London und Singapur gebaut – Städte, in denen die Wohnarchitektur schon seit Langem in den Himmel wächst.

Die genannten Beispiele illustrieren den vielfältigen Nutzen von Brücken, der zweifellos weit über die bloße Überwindung landschaftlicher Hindernisse hinausgeht. An dieses Thema möchten wir in einer der kommenden Ausgaben anknüpfen, in der wir uns mit Tunneln und ihren zahlreichen Vorteilen beschäftigen.

Golden Gate Bridge © Nicolas Raymond, CC BY 2.0 License

Akashi-Kaikyo Bridge © halfrain , CC BY-SA 2.0 License

Vasco da Gama Bridge © Luis Ascenso Photography, CC BY 2.0 License

Russky Bridge © A. Bayakov, CC BY-SA 3.0 License

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