Neue Maßstäbe in der Megastadtentwicklung

Landmark
Urbanization

Mit dem Begriff „Stadtentwicklung“ assoziieren viele Menschen die Erhaltung historischer Gebäude oder die Investition in vernachlässigte Nachbarschaften. Die Parameter der Stadtentwicklung ändern sich jedoch gerade. Die Wiederbelebung einiger Stadtbezirke ist eine Sache; der Aufbau einer ganz neuen Stadt hat jedoch eine ganz andere Dimension.

 

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Megastadtentwicklungsprojekte revolutionieren Städte

Die globale Bevölkerung wächst, und immer mehr Menschen drängen in die Städte. Deshalb bedarf es Lösungen, die die unterschiedlichen Anforderungen moderner Stadtbewohner erfüllen und gleichzeitig neue Möglichkeiten für eine „grüne“ und nachhaltige Lebensqualität bieten können.

Angefacht wird die Entwicklung von Megastädten durch das Grundbedürfnis nach erschwinglichem Wohnraum und den Wunsch, neue Unternehmen anzulocken. Immer häufiger verfolgt man bei diesen groß angelegten Projekten aber auch neue Ziele, zum Beispiel die Errichtung einer sich komplett selbstversorgenden, nachhaltigen Stadt oder die Nutzung der Digitalisierung zum Aufbau einer „von Grund auf intelligenten Stadt“.

Ob in Ägypten, dem Nahen Osten oder Kenia – Megaprojekte verfolgen sehr unterschiedliche Ziele und Zwecke, setzen aber gleichzeitig neue Maßstäbe für großformatige Stadtentwicklungsprojekte, denn man greift auf Innovationen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Intelligentes Wohnen und Digitale Technologien zurück, um ganz neue Städtebaukonzepte zu entwickeln.

Eine Hauptstadt im Großformat für Ägypten

Eine Hauptstadt, die den Ansprüchen eines Pharaos – oder besser gesagt aller Ägypter – gerecht wird. Da die derzeitige Hauptstadt Kairo mit Überfüllung, Verkehrsstaus und einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu kämpfen hat, gibt es Pläne für eine neue Hauptstadt, deren Name noch offen ist. In der ersten Phase sollen unter anderem ein neues Regierungszentrum, Wohnanlagen und Universitäten errichtet werden. Kostenpunkt: bis zu 45 Milliarden US-Dollar.

"Masdar City – ein Plan für eine Stadt der Zukunft"

Nach ihrer Fertigstellung wird sie gemessen an der prognostizierten Bevölkerungszahl die größte zweckgebaute Hauptstadt der Welt sein. Zwei chinesische Stadtentwicklungsgesellschaften haben genügend Finanzmittel für den Start der ersten Phase versprochen, und der Straßen- und Infrastrukturbau haben bereits begonnen – in der Hoffnung, man werde die erste Phase innerhalb von sieben Jahren abschließen können.
Es sind nun aber Diskussionen darüber entbrannt, ob die neue Hauptstadt nachhaltig sein wird. Kritiker bezeichnen die Satellitenstädte von Kairo als Geisterstädte, da sie keinen Zugang zu anderen Bezirken und Arbeitsplätzen bieten würden. Die Befürworter hingegen argumentieren, dass die Stadt als Regierungssitz des Landes ausreichend Arbeitsplätze bieten wird.

Eine Brutstätte für Innovationen – Masdar City

2006 wollte man mit „Masdar City“ in Abu Dhabi die erste komplett CO2-neutrale und abfallfreie Stadt der Welt errichten. Die Pläne von Norman Foster Partners sahen eine groß angelegte Stadtentwicklung mit Mischnutzung vor, geprägt durch intelligente Gebäude auf erhöhten Plattformen, Windtürme zur Kühlung baumgesäumter Straßen und selbstfahrende „Pods“. Die Stadt sollte zum Zentrum für Cleantech-Unternehmen werden.

Im Jahr 2017 sind der Stadtkern, ein knapp 14 Meter hoher Windturm und einige Unternehmenssitze fertiggestellt, aber von den ursprünglich vorgesehenen Strategien zur Verringerung des CO2-Ausstoßes wurde bisher nur ein Bruchteil umgesetzt. Der voraussichtliche Fertigstellungstermin wurde auf 2030 verschoben. Das Null-Emissions-Ziel wurde auf 50 Prozent korrigiert, und die Idee autofreier Straßen verworfen. Wie kam es dazu?

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten zwar 22 Milliarden US-Dollar für das Projekt zugesichert, aber die Finanzkrise im Jahr 2008 hat andere Partner schwer getroffen. Seit die Idee der innovativen „Smart City“ aufgekommen ist, ist die Technik weit fortgeschritten. Von dem Konzept eines Netzes aus selbstfahrenden „Pods“ ist man beispielsweise abgekommen, als die weitaus günstigere Elektroautomobiltechnologie aufkam.

Masdar City fungiert jedoch weiterhin als Versuchsplattform für nachhaltige, umweltfreundliche Lösungen  in Städten. 2012 hat die Alliance to Save Energy die Stadt sogar mit dem „2012 EE Visionary Award“ ausgezeichnet. Sie bleibt Teil der Bemühungen der VAE, von fossilen Energieträgern abzukommen, und ihr Konzept hat zur Errichtung eines 22 Hektar großen Solarfelds geführt, das nun dem gesamten Land zugutekommt.

Laut Anthony Mallows, dem Planungschef von Masdar City, nimmt die Stadt langsam Form an. Durch das Masdar Institute of Science and Technology ist die Stadt zu einem führenden Forschungs- und Entwicklungsstandort für nachhaltige Energieversorgung geworden. Um die Expansion voranzutreiben, sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, eine Schule und größere Wohn- und Gewerbeanlagen fertiggestellt werden.

Ein rund 14 Meter hoher Windturm kühlt die Straßen in Masdar City (VAE)

Die Konza Technopolis

Die Technologiestadt Konza ist ein Megaprojekt, das die Errichtung des afrikanischen Pendants zum amerikanischen „Silicon Valley“ im Süden Nairobis vorsieht. Die 2.011 Hektar große „Silicon Savannah“ soll Technologieunternehmen aus den Bereichen Biowissenschaften, Bildung und Business Process Outsourcing (BPO) anlocken. Der Bau wird voraussichtlich 20 Jahre dauern und 14,5 Milliarden US-Dollar verschlingen.

Die Bewohner werden von einem integrierten urbanen Kommunikationsnetzwerk profitieren. Überall in der Stadt wird es eingebettete Geräte geben, die Daten in Analysesoftware einspeisen, welche dann wiederum Echtzeitinformationen an Stadtverwaltungen und Bürger sendet. Neben all den intelligenten Technologien plant die Stadt auch fußgängerfreundliche Wege und umweltfreundliche Wohnanlagen – Konza soll mehr sein als nur eine Hightech-Satellitenstadt.

 

Die Technologiestadt Konza – die „Silicon Savannah“ von Kenya

Best Practices für die Entwicklung von Megastädten

Megastadtentwicklungsprojekte sind zwar oft umstritten, können aber auch anregen. Sie sind eine Quelle für Diskussionen und Kritik und schüren kontinuierlich die Debatte um die Zukunft unserer Städte. Hier einige Überlegungen, wie sichergestellt werden kann, dass die Projekte für eine hohe Lebensqualität sorgen:

Nichts überstürzen und sorgfältig überlegen:

Planer preisen oft an, wie schnell alles fertiggestellt sein wird. Wenn den grundlegenden Fragen, zum Beispiel der nach dem Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, nicht genügend Zeit gewidmet wird, werden sich neue Städte in Geisterstädte verwandeln – egal, wie futuristisch sie auch sein mögen. Das Augenmerk sollte auf Lösungen liegen, die weg von der individuellen Mobilität und hin zu nachhaltigen, alternativen öffentlichen Transportdienstleistungen gehen.

Die Erwartungen von Investoren und Bewohnern in Einklang bringen:

Investoren wollen sich gerne mit der Errichtung teurer Wolkenkratzer schmücken. Die Bewohner wünschen sich Innovationen, gleichzeitig sollen die Städte aber auch in einer Größenordnung sein, die ihnen weiterhin ihre gewohnten spontanen Aktivitäten und Interaktionen ermöglicht.

Wissen austauschen:

Jedes Projekt soll das erste, größte und zukunftsorientierteste sein, aber letztlich ist keines davon wirklich einzigartig. Deshalb sollten die Planer unterschiedlicher Projekte gegenseitig Ideen und Vorschläge für Technologien austauschen. So kann für einen Planer vielleicht ein Konzept nützlich sein, das sich an einem Standort nicht umsetzen ließ.

Wenn es nicht auf Anhieb gelingt:

Das Beeindruckende an Stadterneuerungsprojekten, die sich auf Innovationen, Nachhaltigkeit und intelligente Lösungen konzentrieren, ist, dass die Technologie sich schneller entwickelt als alles andere. Was heute wie eine gute Idee erscheint, wird durch die nächste Generation von Innovationen vielleicht in den Schatten gestellt. Lassen Sie sich inspirieren: Irgendwo da draußen gibt es eine Lösung!

 

Megastadtentwicklung – eine Quelle der Inspiration

Megastadtentwicklungsprojekte dienen als Versuchsplattformen, auf denen neue Denkansätze zur Verschmelzung von Baugröße und Nachhaltigkeit entwickelt werden. Während Kritiker die Idee strikt ablehnen, plädieren andere dafür, dass das Konzept der Megastadt keinesfalls aufgegeben werden sollte. Ihrer Meinung nach bringt es uns dazu, nach neuen Perspektiven für unsere Städte und innovativen Lösungen für die Herausforderungen zu suchen, die mit solchen Megaprojekten einhergehen.
Haben Sie an einem Megastadtentwicklungsprojekt mitgewirkt? Was können Sie darüber berichten? Irgendwelche Neuigkeiten zur nächsten großen Megastadt?
Dann hinterlassen Sie unten bitte einen Kommentar!

Masdar City, courtesy of masdar.ae.

Masdar City Plan, taken from transsolar.com/projects/masdar-city, ©Foster & Partners.

Masdar City Wind Tower, taken from flickr.com, image by ©Masdar Official, some rights reserved.

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