Der Trinity River Park in Dallas wird der größte Stadtpark der USA

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Die US-amerikanische Großstadt Dallas, Texas, wird jedes Jahr von Überschwemmungen heimgesucht, die alle drei bis zehn Jahre sogar unvorhersehbare und gefährliche Ausmaße annehmen. Eine Flussaue schützt die Bewohner, trennt aber gleichzeitig den wohlhabenden Norden der Stadt vom ärmeren Süden und versperrt den Zugang zum Flussufer.

Mithilfe einer großzügigen privaten Spende realisiert die Stadt nun ihren lang gehegten Traum, die Flussaue des Trinity River zu einem der größten Stadtparks der USA umzugestalten, und die beiden Stadthälften zusammenzuführen – ein Projekt, das auch Kritiker findet.

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Ein Wasser- und Naturschutzgebiet für eine geeintes Dallas

Die meisten Städte in Nordamerika nutzen den Platz, der ihnen zur Verfügung steht, praktisch vollständig aus. Deshalb überrascht es, dass Dallas anscheinend über genügend ungenutzten Raum im Stadtzentrum verfügt, um einen 40,5 km2 großen Park anzulegen. Der neue „Trinity River Park“ soll der größte Stadtpark in den USA werden – mehr als zehn Mal so groß wie der Central Park in New York City.

Woher nimmt Dallas den nötigen Platz? Bereits seit geraumer Zeit kämpft die Stadt mit dem unberechenbaren Hochwasser des Trinity River und hat hohe Deiche errichtet, um sich vor den bedrohlichen zehnjährlichen Überflutungen zu schützen. Dabei spielt auch die Flussaue eine wichtige Rolle. Gleichzeitig trennt sie jedoch den Norden der Stadt vom Süden und versperrt Fußgängern den Zugang zum Fluss. Das möchte Dallas nun ändern.

Eine gemeinnützige Spende für ein grüneres Dallas

Um mit diesem monumentalen Projekt überhaupt beginnen zu können, mussten zunächst die erforderlichen Mittel aufgetrieben werden. Und ähnlich wie im Fall von Torontos Bentway ist auch Dallas einem wohlhabenden Bürger zum Dank verpflichtet.

Annette Simmons spendete 50 der benötigten 250 Millionen Dollar – die größte Spende, die die Stadt je erhalten hat –, um das große ungenutzte Gebiet umzugestalten. Die Spenderin trat in Aktion, nachdem die Stadt ihre neuen Pläne angekündigt hatte.

Seit Jahrzehnten ist die Idee im Gespräch, einen Park entlang der Flussaue des Trinity River anzulegen, doch bürokratische Hürden, Fehlstarts und der mangelnde Konsens haben das Projekt hinausgezögert. Nun, da ein Entwurf vorliegt, der den Erwartungen vieler – wenn nicht sogar aller – Anwohner und Politiker entspricht, und die nötigen Geldmittel in Aussicht stehen, kann grünes Licht für den großen neuen Naturpark in Dallas gegeben werden.

Unten am Fluss – ein Naherholungsgebiet für die Bewohner von Dallas

Ein neuer Entwurf lässt den Park Realität werden

Nicht nur die Flussaue teilt die Stadt, auch die unterschiedlichen Ideen für die Umgestaltung der Fläche haben Zerwürfnisse verursacht, die Entwicklung des Projekts behindert und potenzielle Investoren abgeschreckt. In der Vergangenheit hatte sich die Stadt verstärkt auf die Anlegung makelloser Rasenflächen und Seen oder Golfplätze konzentriert – sogar ein Wildwasser-Rafting-Projekt stand zur Debatte.

Der neue Entwurf für den Trinity River Park stammt von Michael Van Valkenburg Associates und holt das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der Tatsachen zurück. Er orientiert sich an der vorhandenen Ökologie des Gebiets. Dabei soll der Park weiterhin ein öffentlicher Ort mit Spielplätzen und anderen Attraktionen sein, jedoch gleichzeitig im Einklang mit dem Fluss stehen und über natürliche Pfade, Lichtungen und Teiche verfügen, die das ökologische Gleichgewicht wahren.

Der Entwurf besteht aus zwei Teilen: Er kombiniert eine mehrstufige Flusslandschaft mit höher gelegenen Parks auf den Deichen und bietet der Stadt gleichzeitig Schutz vor Überschwemmungen. Michael Van Valkenburg Associates hat eng mit Ingenieuren der Regierung zusammengearbeitet, um die stabile Infrastruktur der Flussaue und der Deiche zu bewahren. Die Pläne sehen sogar eine Nutzung des Parks bei Hochwasser vor, wobei sich die Beschaffenheit des Gebiets je nach Höhe des Wasserstands ändert.

The new natural district in Dallas The new natural district in Dallas
The new natural district in Dallas

Die Höhen und Tiefen eines Parks in der Flussaue

Die Spende von 50 Millionen Dollar stellt eine Art Gütesiegel da. Dennoch fordern einige Stadtbeamte eine erneute Überarbeitung der Pläne, die auf dem Papier zwar gut aussehen, an der Realität jedoch scheitern könnten. Aufgrund der unterschiedlichen Prioritäten von Stadt und Ingenieuren ergeben sich zahlreiche Konflikte.

Unterstützer geben zu bedenken, dass kein Plan perfekt ist, Kritiker sind jedoch der Meinung, dass die versprochene Offenheit des Parks einiges zu wünschen übrig lässt. Straßenübergänge und eine lange Hochstraße würden den Zugang zu den höher gelegenen Parks von der Innenstadt aus erschweren. Das größte Hindernis bleibt jedoch die angedachte Mautstraße.

Aus Angst, dass die riesige Schnellstraße dem Park und seinem eigentlichen Zweck, die verschiedenen Stadtteile zu verbinden, einen Strich durch die Rechnung macht, möchten einige zu dem Entwurf zurückkehren, der 2015 nach einer zwölfjährigen Planungsphase von der Regierung genehmigt wurde. Doch aufgrund der überwältigenden Unterstützung von verschiedenen Seiten sowie privaten Spenden für einen neuen Plan ist die Stadt davon überzeugt, ihre Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können, sodass sie allen Bürgern zugutekommen.

Unten am Fluss – ein Naherholungsgebiet für die Bewohner von Dallas

Ein Park als Testprojekt für zukünftige Philanthropen und grüne Städte

Geld beflügelt die Kreativität, gibt aber auch Anlas zur Sorge. Kritiker weisen darauf hin, dass großzügige Spenden Entscheidungen der Regierung beeinflussen und basisdemokratische Initiativen überrollen können. Doch egal woher die Mittel stammen, Projekte wie der Trinity River Park, die Inklusion und das Miteinander fördern, zeigen langfristige Erfolge.

Der Park soll 2021 fertiggestellt werden – und vielleicht werden bis dahin auch die Forderungen nach einer besseren Zugangsstraße statt einer Schnellstraße erhört. Zudem benötigt die Stadt weitere private Mittel für die Fertigstellung des Parks. Mit der Zeit wird sich also zeigen, ob sich diese Kombination aus Philanthropie und Stadtparkplanung bezahlt macht.

Einige vergleichbare Projekte können jedenfalls als Erfolge verbucht werden – darunter auch eines in der Nähe von Houston. Wie der Entwurf für den Park in der Flussaue von Dallas verfügt auch der Buffalo Bayou Park über Fußwege auf mehreren Ebenen, die sich am Hochwasserpegel orientieren, und baut auf die geschickte Integration von Spielplätzen und anderen Attraktionen in die Natur vor Ort.

Wenn sich das Vorhaben entsprechend entwickelt, kommt Dallas seinem Ziel, eine geeinte Stadt zu werden, deren Bewohner ihren Park am Fluss aktiv nutzen können, mit Sicherheit einen Schritt näher.

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