Ein Gebetsraum über den Dächern von Mekka

Gebetsraum im Makkah Royal Clock Tower
Landmark
Future Cities

Die Planer wollten einen Gebetsort gestalten, von dem aus man auf die Kaaba – das zentrale Heiligtum des Islams – blicken kann. Das Ergebnis: ein Gebetsraum mit Aussicht in über 500 Metern Höhe. Projektbeteiligte berichten aus erster Hand von der Installation des höchsten Treppenlifts der Welt.

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Der höchste Treppenlift der Welt

Aufgabe war es, den höchsten Treppenlift der Welt zu errichten.

Die Höhendifferenz vom Sockel bis zur Spitze des höchsten Gebetsraums beträgt 18 Meter. 

Die Strecke ist in einem schmalen Treppenaufgang auf einer engen Wendeltreppe zu überwinden.

Der fertige Treppenlift schafft das in drei Minuten – über sieben Kehren und 27 Meter Geländer.

 

 

Einige Bauarbeiter schauen demütig von der leicht schwankenden Spitze des Makkah Clock Tower auf die heiligste Stätte des Islams. Es ist ein bewegender Anblick. Bei ihrer Arbeit geht es ebenfalls um Bewegung: Sie errichten den weltweit längsten Treppenlift zum höchsten Uhrturm der Welt.

Das Gebäude befindet sich noch in der Bauphase, und ein starker Wind bläst durch das noch unfertige Dach eines der höchsten Wolkenkratzer der Welt. Die Techniker arbeiten unter harten Bedingungen fieberhaft an der Konstruktion des Treppenlifts, der in einem engen spiralförmigen Aufgang 18 Meter hinauffahren soll – ein sehr schwieriges Unterfangen. Auch der knappe Zeitplan stellt die Arbeiter vor eine Herausforderung: Sie haben nur eine Woche Zeit.

„Es war eine fast surreale Erfahrung. Da ich selbst Muslim bin, war es schon bewegend, einfach nur dort zu sein. Als gewöhnlicher Besucher war ich überwältigt von der atemberaubenden Aussicht. Als Projektleiter habe ich rund um die Uhr daran gearbeitet, Lösungen für Probleme zu finden, die ich mir vorher niemals hätte vorstellen können.“

Abdel Abchrim

Projektingenieur, thyssenkrupp Access Solutions

Alle Straßen führen nach Makkah

Der bloße Gedanke an die Stadt Makkah – der westlichen Welt als Mekka bekannt – ist für 1,6 Milliarden Muslime im wörtlichen wie im übertragenen Sinne sehr bewegend. Hunderttausende Gläubige nehmen am Freitagsgebet in der größten Moschee der Welt teil, der 356.800 m2 großen Al-Masjid al-Haram.

Die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka – der Haddsch – zieht Millionen Muslime in die Stadt. Die Beförderung dieser Menschenströme zwischen den verschiedenen Pilgerstätten ist eine gewaltige logistische Herausforderung, und Saudi-Arabien hat viel in die Infrastruktur investiert, damit diese Besuchermassen geleitet, befördert, verpflegt und beherbergt werden.

Im Mittelpunkt all dieses Trubels steht die Kaaba, die heiligste Stätte des Islams. Zu dieser neuen Infrastruktur zählt nun auch der Makkah Clock Tower mit Aussicht auf die Kaaba. Ganz oben befindet sich ein Gebetsraum, der nur mit einem maßgeschneiderten Treppenlift erreichbar ist, der in einem engen Aufgang bis zur Turmspitze hinauffährt.

Makkah Clock Tower in Zahlen Makkah Clock Tower in Zahlen
Der Makkah Clock Tower in Zahlen

Der Aufstieg zur Spitze

Der Halbmond an der Spitze des Uhrturms ragt bis in eine Höhe von 607 Metern in den Himmel. Bei seiner Einweihung im Jahr 2013 war der Turm das zweithöchste Gebäude der Welt.

Direkt unter der halbmondförmigen Turmspitze befindet sich der Gebetsraum – in 601 Metern Höhe. Um zu diesem zu gelangen, muss man zunächst den gewöhnlichen Hochgeschwindigkeitsaufzug bis zur obersten Etage des Gebäudes nehmen. Die restlichen 18 Meter legt man dann über die enge Wendeltreppe zu Fuß oder mit dem Treppenlift zurück.

Der Lift windet sich innerhalb von drei Minuten mit sieben Drehungen das 27 Meter lange Geländer hinauf. „Das war eine echte Herausforderung“, erklärt Projektingenieur Abdel Abchrim. „Normalerweise müssen unsere Aufzüge nur zwei oder drei Drehungen bewältigen.“ Da die Wendeltreppe zudem sehr eng ist, steht nur wenig Platz für die Liftanlage zur Verfügung.

Der höchste Treppenlift Welt

Begutachtung und Vermessung der Baustelle

Abchrim, ein Holländer marokkanischer Abstammung, erinnert sich noch sehr gut an dieses Erlebnis: Er war für die Begutachtung des Treppenaufgangs verantwortlich.

Die größte Schwierigkeit stellten die Bedingungen an seinem Einsatzort dar: Häufig fegte ein starker Wind durch die offene Baustelle und brachte das Gebäude zum Schwanken. Als Abchrim den Turm des Gebäudes hinaufstieg, um die Turmspitze zu begutachten, stellte er fest, dass es an diesem Tag unmöglich war, präzise Messungen durchzuführen.

Am folgenden Tag war der Wind zwar schwächer, allerdings war dies der islamische Ruhetag, und zum Nachmittagsgebet stand das ganze öffentliche Leben still. Abchrim und seine Kollegen erhielten die Erlaubnis, bis zum Mittag zu arbeiten. Aufgrund des engen, gewundenen Aufgangs konnte das übliche Begutachtungsverfahren so nicht durchgeführt werden, sodass die Arbeiter alles von Hand erledigen mussten.

Die Arbeiten verzögerten sich durch diese beengten Verhältnisse. Das Team wurde nicht rechtzeitig bis zum Ablauf ihrer Genehmigung am Mittag fertig. Nach dem Abendgebet konnten sie dann schließlich fortfahren und ihre Arbeiten spät in der Nacht abschließen. „Das war ein aufregender Moment“, erinnert sich Abchrim.

Begutachtung und Bau des höchsten Treppenlifts

Konstruktion und Installation

Nachdem Abchrim und sein Team die Arbeiten abgeschlossen hatten, konnte das thyssenkrupp-Werk im holländischen Krimpen mit der Fertigung der zu installierenden Liftanlage beginnen. Die wochenlange Vorarbeit zahlte sich aus: Nachdem die letzten Begutachtungsergebnisse eingetroffen waren, mussten nur noch kleine Anpassungen vorgenommen werden.

„Jeder im Werk hat mit angepackt, da alle wussten, was auf dem Spiel stand“, so Abchrim. Die abschließende Installation konnte – unter denselben schwierigen Bedingungen, die auch die Begutachtung erschwert hatten – letztlich erfolgreich binnen einer Woche fertiggestellt werden.

Letzte Handarbeit am Treppenlift
„Es gibt nicht viele Unternehmen, die das nötige Know-how für ein so technisch anspruchsvolles Projekt besitzen.“

Farid Oilad Adj Amar

Hauptabteilungsleiter Geschäftsfeldentwicklung, Naher Osten/Türkei, thyssenkrupp Access Solutions

Ausgezeichnete Zugänglichkeit

Das Projekt des Makkah Royal Clock Tower erforderte eine koordinierte Vorgehensweise, großes Engagement und Einfallsreichtum von allen Beteiligten, die an den verschiedenen Standorten arbeiteten. Das Ergebnis war außergewöhnlich – so außergewöhnlich, dass der Treppenlift im Jahr 2014 mit der jährlichen Auszeichnung der internationalen Fachzeitschrift „Elevator World“ als „Project of the Year“ (Projekt des Jahres) in der Kategorie der Aufzugsysteme geehrt wurde. Ausschlaggebend für den Sieg waren der außergewöhnliche Standort und der überaus hohe technische Aufwand, der zur Umsetzung des Projekts erforderlich war.

Farid Oilad Adj Amar, Hauptabteilungsleiter der Geschäftsfeldentwicklung, ist sehr stolz, weil dies die erste Auszeichnung für die Treppenliftingenieure von Access Solutions ist.

Wissenswertes zum Makkah Clock Tower

Der Bau des renommierten Makkah Clock Tower soll mindestens 3 Milliarden US-Dollar gekostet haben. Vom Design her erinnert der Turm des Gebäudes an den legendären Uhrturm Big Ben in London.

Im Turm betreibt die kanadische Hotelkette Fairmont ein Fünfsternehotel. Die vier Uhren an der Außenfassade haben jeweils einen Durchmesser von 43 Metern. Jeder Zeiger ist 22 Meter lang und wiegt 1,5 Tonnen. Das Ziffernblatt wird nachts von zwei Millionen grünen und weißen LEDs beleuchtet, sodass man die Uhrzeit auch aus 17 km Entfernung ablesen kann.

Zeit ist für Muslime extrem wichtig, da sie den Beginn und das Ende der fünf täglichen Gebete bestimmt. Gläubige aus aller Welt können nun auf den gigantischen neuen Uhrturm in Makkah blicken, um pünktlich zur Gebetsstunde zu erscheinen.

Vergleich der größten Wolkenkratzer weltweit Vergleich der größten Wolkenkratzer weltweit
Vergleich der größten Wolkenkratzer weltweit
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