Die Zukunft der intelligenten Stadt – auf Spurensuche in Asien

Songdo – Pionier der vernetzten Zukunft

Smart Cities sind das Produkt der Bemühungen von Architekten, Bauträgern und staatlichen Programmen – ein Zukunftslabor für intelligente Technologie. Wer mit der rasanten Entwicklung dieser Städte Schritt halten möchte, muss sich auf eine Weltreise begeben. URBAN HUB ist nach Asien gereist, um den Aufstieg dieser urbanen Trendsetter aus nächster Nähe zu beobachten. Besonders hat uns interessiert, welche Lehren aus den dort gemachten Erfahrungen gezogen werden können.

Mit fortschreitender Entwicklung haben Baufirmen, Branchenführer und Städteplaner ein klareres Bild erhalten, was eine Stadt intelligent und attraktiv macht und welche Baustellen noch bestehen.

Read more...

Ansichten einer Reißbrettstadt: Songdo als wegweisendes Projekt

Songdo, Südkorea: Dieses gigantische Projekt vereint alle Zutaten einer intelligenten Stadt: ein hochmoderner öffentlicher Nahverkehr, eine effiziente Energieversorgung und eine Infrastruktur, die im Herzen auf innovative Technologie setzt. Die Parks von Songdo erstrahlen in sattem Grün, malerische Kanäle zieren das Stadtbild. Songdo tritt den Beweis an, dass eine nachhaltige Stadt keineswegs Utopie bleiben muss.

Die am Reißbrett entstandene Stadt vereint Hightech-Flair mit attraktivem Wohnraum und hochwertigen Gewerbeflächen. Am Anfang stand dabei der Wunsch der Politik nach klimafreundlichem, nachhaltigem Wachstum. Investitionen in fortschrittliche Energieplanung, Abfallbeseitigung und vernetzte Technologien ebneten den Weg zur Realisierung des Projekts. Sensoren überwachen das gesamte städtische Leben vom Verkehr bis hin zur Temperatur. So sollen Ressourcen eingespart und das öffentliche Leben besser reguliert werden.

Dennoch stehen die Städteplaner vor einem schwerwiegenden Problem: Dringend benötigte Einwohner und Unternehmer bleiben größtenteils fern. 60 Prozent von Songdo sind derzeit unbewohnt. Es dauert also länger als gedacht, eine funktionierende Gemeinschaft aus Familien, Geschäftsleuten und Studenten aufzubauen. Die Stadt hofft nun, mit neuen Universitäten und Steueranreizen den Bann zu brechen. So könnte aus Songdo doch noch eine Blaupause der intelligenten Stadt werden.

Songdo Skyline
Zehn wichtige Bausteine von Smart Cities Zehn wichtige Bausteine von Smart Cities

Chinas intelligente Städte mit Vorbildfunktion

China mit seiner hohen Bevölkerungsdichte und wachsenden Mittelschicht ist bestens mit der Notwendigkeit vertraut, urbane Flächen zu erschließen. Modellstädte wie Meixi Lake und Shenyang liefern wertvolle Inspiration für Bauprojekte, die verstärkt auf intelligente Technologien setzen möchten.

Meixi Lake District präsentiert sich als hochmodernes und umweltbewusstes Zentrum in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan. Die von Bauträgern ersonnene Planstadt möchte wie Songdo als Vorbild für städtebauliche Planung in ganz Asien dienen. Derartige „Emporkömmlinge“ werden eine zentrale Rolle dabei spielen, andere rasant wachsende Städte zu entlasten.

Es gibt jedoch noch weitere Wege, um eine Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Deutlich wird das am Beispiel Shenyang in der chinesischen Provinz Liaoning. In der ehemaligen Industriemetropole wurde die Umwelt jahrelang bewusst geschädigt, um Arbeitsplätze und Profit zu schaffen. Nun möchte Shenyang seine wirtschaftliche Basis verbreitern und die Stadt mit intelligenten Technologien ausstatten, die auf dem Internet der Dinge beruhen und umwelteffiziente Lösungen fördern.

San Hao Bridge in Shenyang San Hao Bridge in Shenyang
San Hao Bridge in Shenyang

Smart Cities: Botschafter des Wandels oder privilegierte Inseln?

Die indische Regierung hat ein Programm mit dem Namen „100 Smart Cities“ ins Leben gerufen, um nachhaltigen Wohnraum für die indische Bevölkerung zu schaffen. Bis 2050 werden 70 Prozent aller Inder in Städten leben. Bei der Bewältigung dieses geographischen Wandels müssen Indiens Städte die Bedürfnisse und wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Bewohner stärker berücksichtigen. Nachhaltiges, urbanes Wohnen erfordert Offenheit und Flexibilität, wie Indien aus eigener Erfahrung feststellen musste.

Die silbern glänzende Silhouette der Gujarat International Finance Tec-City (GIFT) erhebt sich majestätisch vom Ufer des Sabarmati-Flusses im indischen Bundesstaat Gujarat. Der Bau dieser futuristischen Stadt soll bis zum Jahr 2021 abgeschlossen sein. Intelligente Technologien sind dort allerorts zu finden: ein hocheffizientes Energienetz, eine reibungslose Abfallbeseitigung und Echtzeit-Überwachung zur Optimierung aller Aspekte des städtischen Lebens.

Das wird jedoch zum Problem, wenn die Überwachung soziale Abgrenzung fördert. Illustrieren lässt sich das am Beispiel von Palava City, dem Projekt eines privaten Investors. Dort sollen intelligente Ausweise eingeführt werden, während ein intelligentes Überwachungssystem für die Sicherheit der Bewohner sorgt. Der Randbezirk von Mumbai wird somit zu einer „geschlossenen Gesellschaft“. Wenn Technologie soziale Ungleichheiten verstärkt, kann sie nicht länger allein durch intelligente Algorithmen legitimiert werden.

Gujarat am Sabarmati River
Singapore - Jurong Lake District

Intelligenter Wohnraum im Dienste des Menschen

Singapur liegen die Bedürfnisse seiner Bürger besonders am Herzen. Juron Lake District ist ein kleines Smart-City-Projekt, das auf bürgerliches Engagement setzt. Die Regierung bringt Behörden, Industriegrößen und Bürger an einen Tisch, um gemeinsam ganzheitliche Lösungen zu schaffen, die den Bedürfnissen der rasant wachsenden Bevölkerung gerecht werden.

Während etwa das koreanische Songdo-Projekt in Nachbetrachtung etwas an der Lebensrealität vorbei geplant wurde, wurden für Juron Lake District eine Vielzahl lokaler Planer zu Rate gezogen, um Lösungen vor ihrer flächendeckenden Umsetzung in kleinem Rahmen zu testen. Das Ergebnis ist ein wirkliches Gemeinschaftsprojekt und eine von Grund auf intelligente Stadt, von der alle Bürger profitieren und die den Grundstein legt für zukünftiges Wachstum und Nachhaltigkeit.

Wie die Smart City noch intelligenter wird

Der technische Fortschritt erleichtert das Leben der Menschen und ebnet den Weg für mehr Energieeffizienz. Neue urbane Räume sind jedoch nur nachhaltig, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Bewohner ausrichten. Durch eine Anpassung des städtebaulichen Profils an individuelle Anforderungen der jeweiligen Region sorgen Städteplaner dafür, dass Smart Cities sich nicht in isolierte Schutzräume verwandeln. Auf diese Weise können Bewohner gewonnen werden, die den neuen Wohnraum aktiv mitgestalten möchten. Denn erst Menschen machen Nachhaltigkeit zu einem wirklich „smarten“ Ideal.

H