Details zum Design des Aufzugstestturms Rottweil

Der Rottweiler Aufzugstestturm
Landmark
Innovative Technology

Jedes Gebäude hat eine Geschichte. Wie lautet also die Geschichte hinter dem eleganten Aufzugstestturm in Rottweil, und warum ist er „in Weiß gehüllt“? Schließlich könnte er auch als reine Zweckkonstruktion aus Beton all seine Testfunktionen erfüllen. Die Architekten und der zukünftige Eigentümer wollten jedoch die unmittelbare Umgebung und die lokale Bevölkerung eingehend berücksichtigen.

URBAN HUB sprach mit einem der leitenden Architekten des Projekts, Dr. Werner Sobek, über seine Konstruktion eines eleganten 246 Meter hohen Turms für eine historische Stadt, deren höchste Gebäude einst alte Kirchtürme waren. Welchen Ansatz hat er dabei verfolgt? Er wollte etwas Schönes gestalten und der Gemeinde etwas zurückgeben.

Read more...

Ein Ergebnis von Teamarbeit

Gewiss mussten bei der Gestaltung eines Turms, dessen primärer Zweck darin besteht, Aufzugtechnologien der nächsten Generation zu testen und zu validieren, viele technische Details berücksichtigt werden. Da ihr Design aber nicht nur diese Anforderungen erfüllte, sondern sich auch durch pure Eleganz und eine ausgeklügelte Statik auszeichnete, erhielten die Architekten Dr. Werner Sobek und Helmut Jahn – im Namen von Züblin – den Zuschlag für den Testturm.

Dr. Sobek, sowohl Architekt als auch Tragwerksplaner, arbeitet seit 1993 mit dem in Chicago lebenden Architekten Helmut Jahn zusammen. Sie kommunizieren per Telefon, Fax und E-Mail und haben gelernt, sich gegenseitig komplexe Details mit nur wenigen Worten und einer einfachen Skizze zu vermitteln.

Dr. Sobek ist es wichtig, die zukünftigen Standorte seiner Bauwerke selbst zu begutachten: „Ich habe Rottweil und die Umgebung erkundet, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie ich einen Turm so in diese Umgebung einfügen kann, dass er einen wertvollen Beitrag leistet. Die Gestaltung eines Bauwerks, das eine sehr lange Zeit bestehen bleiben wird, stellt eine große Verantwortung dar.“

„Als wir die Idee zu einem in Weiß eingehüllten Betonzylinder hatten, die auch eine Bereicherung für die Stadt darstellen würde, war ich mit ganzem Herzen bei dem Projekt dabei.“

Dr. Werner Sobek

Architekt und Tragwerksplaner

Die Spitze des Aufzugstestturms mit Aussichtsplattform Die Spitze des Aufzugstestturms mit Aussichtsplattform
Die Spitze des Aufzugstestturms mit der Aussichtsplattform

Prof. Dr. Dr. E.h. Dr. h.c. Werner Sobek

Dr. Sobek ist Architekt, beratender Ingenieur und Prüfingenieur für Baustatik aller Fachrichtungen und besitzt unterschiedliche Planungslizenzen.

Als Nachfolger von Architekt Frei Otto und Tragwerksplaner Jörg Schlaich leitet Werner Sobek das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart.

Von 2008 bis 2014 war er Mies-van-der-Rohe-Professor am Illinois Institute of Technology in Chicago. Zudem ist er Gründer und Präsident diverser gemeinnütziger Institutionen wie aed oder SIS. 

 

Portraitbild copyright (c) A.T. Schaefer, Stuttgart

Prof. Dr. Werner Sobek

Zweckmäßiges Design

„Die Aufgabe eines Architekten besteht darin, die Umgebung des Bauwerks zu bereichern, indem es einen wertvollen Beitrag leistet. Dieser Turm ist jedoch auch ein wissenschaftliches und technisches Experiment“, so Dr. Sobek. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein Experiment, das aufgrund der Nähe zu den über 10.000 Ingenieurstudenten der vier umliegenden Universitäten als Partnerschaftsprojekt zwischen Unternehmen und Hochschulen durchgeführt wird.

Abgesehen von den Aufzugtests ist vor allem auch die Außenhülle des Turms Gegenstand dieser „Experimentiertätigkeit“. Durch den nach oben hin stufenweisen Übergang von undurchsichtig nach transparent sieht die weiße Glasfaserhülle nicht nur schön aus, sondern hilft auch das Schwanken des Gebäudes zu reduzieren, indem sie die Kräfte des Windes zerlegt. Darüber hinaus schützt diese Hülle den Beton vor den ungleichmäßigen Belastungen durch Sonneneinstrahlung und Auskühlung. Eine Polymerbeschichtung (PTFE) verleiht Antihafteigenschaften, damit der Turm vor Schmutz geschützt ist und seine Farbe nahezu unbegrenzt erhalten bleibt.

Nachhaltigkeit bildet das Fundament dieses Designs. Aufgrund der baulichen Vorteile wird der Betonverbrauch reduziert und somit auch die Menge an grauer Energie des Gebäudes (d. h. die Energiemenge, die für den Bau aufgewendet wird) verringert. Wenn man bedenkt, dass die weltweite Betonproduktion mehr Kohlenstoffemissionen verursacht als der internationale Flugverkehr, ist dies ein bedeutendes Beispiel dafür, wie Design zum Umweltschutz beitragen kann.

Eingang vom Aufzugstestturm Rottweil Eingang vom Aufzugstestturm Rottweil
Separate entrances serve the public and elevator technicians
„Am Ende der Lebensdauer können die Glasfasermembran, die Stahltragwerke und der Beton einfach rückgebaut und recycelt werden.“

Dr. Werner Sobek

Architektonischer Vater des Aufzugstestturms in Rottweil

Der Aufzugstestturm Rottweil in Zahlen Der Aufzugstestturm Rottweil in Zahlen

Die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Bürger unter einem Hut

Der Turm, der in gebührender Entfernung zum historischen Stadtkern liegt, wird sogar einem nützlichen Zweck für die Gemeinde dienen: Er wird Deutschlands höchste Aussichtsplattform mit einer 360°-Panoramaansicht beherbergen.

Diese wird nicht nur den Einheimischen eine neue Sicht auf ihre Stadt und das Umland bieten, sondern auch Touristen anziehen und somit die lokale Wirtschaft beflügeln.

Für dieses Highlight mussten die Architekten jedoch verschiedene Faktoren bei ihrem Design berücksichtigen: separate Eingänge für die Öffentlichkeit, Techniker und Gebäudedienstleister sowie separate Aufzugschächte für die Aussichtsplattform, Büro- und Konferenzräume sowie die Testanlagen. Glücklicherweise konnten alle diese Elemente in einer einfach und minimalistisch anmutenden Konstruktion vereint werden.

Die Zukunft der Städte und Architektur

Als wir Dr. Sobek nach seiner Vision für die Zukunft urbaner Räume und der Architektur fragen, erklärt er uns das Konzept der „elektrischen Stadt“. Laut Sobek ist es bereits möglich, Technologien wie Photovoltaik, intelligente Stromnetze, E-Mobilität und nachhaltiges Bauen zu kombinieren, um neue Stadtbezirke zu errichten, die nicht nur energieautark sind, sondern auch angrenzende Altbaubezirke mit Energie versorgen können.

Sobek durfte keine spezifischen Details nennen, deutete jedoch an, dass ein derartiges Projekt bereits in vollem Gange sei. Das einzige Hindernis für die breite Akzeptanz dieses Konzepts sei der politische Wille, der für die Umsetzung erforderlich ist.

Was die Architektur betrifft, war Dr. Sobek begeistert von den Möglichkeiten, die das MULTI-Aufzugkonzept in Hinblick auf die vertikale Beförderung, die erhebliche Verringerung des Platzbedarfs von Aufzügen und die Minimierung der Wartezeiten für die Fahrgäste bietet. „Ich habe MULTI sogar für zwei Wolkenkratzer in Moskau empfohlen, jedoch war ich damit etwas zu schnell, da die Technologie noch gar nicht verfügbar war.“

„Nachhaltigkeit steht bei all unserem Handeln seit jeher im Mittelpunkt. Das bedeutet, wir müssen unserer Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen nachkommen.“

Dr. Werner Sobek

Architekt und Tragwerksplaner

Links

Mehr Informationen über den Aufzugstestturm Rottweil finden Sie auf dieser Website: testturm.thyssenkrupp-elevator.com

H