Herausforderungen und Chancen für die urbane Entwicklung in Indien

Shoppers in Kolkata market, Bengal, India

Laut Bloomberg India soll der Anteil der urbanen Bevölkerung in Indien bis 2020 auf 517 Millionen steigen und 2050 dann die atemberaubende Marke von 700 Millionen knacken. Um die großen Herausforderungen zu meistern, die die rasante Urbanisierung und Modernisierung mit sich bringen, setzt das Land nun auf positive Maßnahmen.

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Herausforderungen und Chancen

In nahezu jedem Land der Welt sind Städte die entscheidenden Treiber für wirtschaftliches Wachstum. In Anbetracht dieser Tatsache sollte Urbanisierung als Chance angesehen werden. Auch in Indien ist das nicht anders: Städte erwirtschaften dort mehr als 62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Tendenz steigend.

Mit Mumbai und Delhi liegen die zweit- und drittgrößten urbanen Agglomerationen der Welt in Indien – damit steht das Land in Bezug auf die Urbanisierung vor großen Herausforderungen. Glücklicherweise bietet der größte urbane Raum der Erde – nämlich Tokio, Japan – reichlich Inspiration: eine wohlhabende Megastadt, die wie eine gut geölte Maschine läuft und uns beweist, dass selbst eine extreme Urbanisierung bewältigt werden kann. Doch dieser Wohlstand darf sich nicht nur auf die oberste soziale Schicht beschränken.

Im indischen Mumbai, der Wirtschaftshauptstadt der südasiatischen Republik, befinden sich die teuersten Wohnpaläste des Landes – aber auch der größte Slum Asiens. Urbane Armut, Elendsviertel und eingeschränkter Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung sind nur einige der Herkulesaufgaben, die steigende Urbanisierungs- und Modernisierungsraten für das Land mit sich bringen. Es bedarf intelligenter Stadtentwicklungsstrategien und cleverer Regierungsprogramme, um aus Herausforderungen Chancen zu machen. Glücklicherweise wurden bereits einige solcher Initiativen gestartet.

Wohnraum für alle

Mit seinem Projekt „Housing for All“ hat Indien sich ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2022 soll für jeden armen Haushalt bezahlbarer Wohnraum bereitgestellt werden. Diese Mission scheint sich jedoch in urbanen Räumen schwer umsetzen zu lassen, wenn man einen Blick in einen Bericht von UN-HABITAT aus dem Jahr 2012 wirft, laut dem ganze 29 Prozent der urbanen Bevölkerung Indiens in Slums leben. Wenn die Beseitigung von Elendsvierteln gelingen würde, so wie die Regierung es anstrebt, wäre das ein großartiger Erfolg.

Das Projekt „Housing for All“ sieht den Bau von zwanzig Millionen Häusern in urbanen Räumen in mehr als 2.500 Städten vor. Die Finanzierung und Implementierung soll mithilfe einer Kombination aus öffentlichen und privaten Initiativen erfolgen, zum Beispiel in Form von kreditgebundenen Zuschüssen und durch Wohnungsbau, der durch die Begünstigten beeinflusst wird.

Clean-Up (Bangalore, India)

New Urban Agenda

Auch die Beteiligung Indiens an der „New Urban Agenda“ der Vereinten Nationen ist von großer Bedeutung. Die internationale Vereinbarung dient als Fahrplan für eine nachhaltigere Stadtentwicklung durch Nutzung von Datennetzwerken zur Verbesserung von Stadtplanung und -entwicklung. Durch seine Beteiligung an diesem Programm zeigt Indien seine starke Bemühung, die Transformation urbaner Räume in eine nachhaltigere Richtung zu lenken.

Im Mittelpunkt des Programms stehen die Förderung ökologischer Nachhaltigkeit, intelligente Raumentwicklung, städtischer Wohlstand für alle sowie die soziale Inklusion und die umfassende Teilnahme und Einbindung bei der Planung der Städtepolitik.

Nationale Ranglisten für Sauberkeit

Die Einbeziehung der Bürger ist mittlerweile ebenfalls wichtiger Bestandteil der nationalen Umfrage zur Sauberkeit (Swachh Survekshan), welche 2014 im Rahmen der Initiative „Clean India Movement“ (Swachh Bharat Abhiyan) eingeführt wurde, um die Sauberkeit von 500 Städten und Gemeinden zu bewerten. In der jüngsten Phase der Umfrage beteiligten sich 3,7 Millionen Bürger.

Zusätzlich zum Feedback der Stadtbewohner werden auch die Beiträge von Gemeindebehörden und die Beobachtungen unabhängiger Sachverständiger in Bezug auf fünf Aspekte ausgewertet: Müllentsorgung, Verarbeitung und Verwaltung von kommunalen Feststoffabfällen, Errichtung/Verfügbarkeit von Toiletten, Sanitärversorgungsstrategien und öffentliche Kommunikation zur Förderung einer Verhaltensänderung.

Herzlichen Glückwunsch an den derzeitigen Ranglistenanführer: Indore in Madhya Pradesh, eine Metropole mit rund zwei Millionen Einwohnern!

Smart Cities Mission

Ein weiteres wichtiges Element der groß angelegten urbanen Entwicklung in Indien ist die „Smart Cities Mission“, welche die Transformation von 109 urbanen Räumen mittlerer Größe in sogenannte Smart Cities vorsieht. Das Interessante hierbei ist, dass alle der betroffenen Städte in der Nähe anderer großer urbaner Räume liegen.

Auch hier greift Indien auf eine Kombination aus öffentlichem und privatem Sektor zurück, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Bloomberg Philanthropies beispielsweise unterstützt die Initiative mit der „India Smart Cities Challenge“: Hier müssen Städte eigene Vorschläge entwickeln, von denen die besten mit finanzieller Förderung durch die Regierung prämiert werden. Es ist das erste Mal, dass Indien einen Wettbewerb nutzt, um eine wichtige Stadtentwicklungsmission voranzutreiben und Fördermittel bereitzustellen.

Dies zeigt, dass Indien mit kreativen Ideen und großem Elan versucht, die Herausforderung seiner urbanen Zukunft zu meistern.

„Premierminister Modi versteht, dass Städte der Schlüssel für den Aufbau einer starken Zukunft Indiens sind, vor allem, wenn lokale Innovation gefördert und belohnt wird.“

Michael R. Bloomberg, Gründer von Bloomberg Philanthropies

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