Gigantische Verkehrsprojekte: neue Dimensionen an Vernetzung und Mobilität

Idea
Smart Mobility

An welche Orte wir uns begeben, hängt nicht zuletzt davon ab, wie beschwerlich es ist, dorthin zu gelangen – ob wir nun einen Bekannten am anderen Ende der Stadt besuchen oder ins Ausland reisen. Umso verwunderlicher erscheint es im digitalen Zeitalter, wo jeder ständig erreichbar ist, dass Fahrten innerhalb einer Stadt oft noch immer weit mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen.

Ein explosives Bevölkerungswachstum, mehr Wohlstand sowie neue Technologien und Bauweisen sind die treibenden Kräfte hinter den dramatischen Umwälzungen, die sich derzeit im öffentlichen Verkehrswesen abspielen. Zahlreiche urbane Großprojekte werten die vorhandene Infrastruktur auf und liefern innovative Antworten auf lange schwelende Mobilitätsprobleme. 

Read more...

Das Ziel: Menschen bewegen

Teil I dieser URBAN HUB-Serie untersuchte das Thema Großprojekte von einer allgemeinen Warte. Damit sind kostspielige, oft ausufernde Bauprojekte gemeint, die in der Regel mit einem visionären, breit angelegten Ziel verbunden sind. Teil II stellt einige der wichtigsten Großprojekte im Bereich Verkehr vor – darunter Brücken, Schienennetze und Flughäfen. 

Ob prestigeträchtiges Regierungsprojekt oder gesellschaftspolitischer Zwang – in jedem Winkel der Erde laufen ambitionierte Projekte zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Sie sollen den Zugang zu Stadtzentren, der Peripherie und Ressourcen verbessern und die Lebensqualität anheben. In jedem Fall jedoch erleichtern sie die Fortbewegung in Großstädten.

Renaissance des Schienenverkehrs

Ein Herzstück des städtischen Nahverkehrs weltweit ist die U-Bahn. In London erhält die etwas in die Jahre gekommene Tube nun dringend benötigten Zuwachs in Form von Crossrail, einem 14,8 Milliarden Pfund (über 16 Mrd. Euro) schweren Großprojekt. Mit einer Schienenlänge von über 100 km ist Crossrail die erste U-Bahn-Linie Londons, die in den letzten 30 Jahren gebaut wurde. Die Vision: eine neue Ost-West-Achse, die angrenzende Gemeinden enger an die florierende Metropolregion bindet und entlegenere Regionen stärker vom Wohlstand der Londoner City profitieren lässt.

Aktuell ist das Projekt zu 80 Prozent abgeschlossen. Crossrail besteht aus 62 km neuen Tunneln, die binnen drei Jahren mit acht riesigen Mehrzweckmaschinen gebaut wurden. Zehn Bahnhöfe wurden neu errichtet – und 30 bestehende modernisiert –, um die neuen Zugtypen beherbergen zu können, die mit 200 m doppelt so lang sind wie Londons traditionelle U-Bahn und bis zu 1500 Fahrgäste befördern. 

Eine weitere Besonderheit des Crossrail-Projekts neben seiner schieren Größe: die innovative Nutzung von 3D-Modellierung, Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) bei der Planung und Überwachung der neuen Linie. Die Technologien erwiesen sich als äußerst hilfreich, um den Tunnelverlauf unter Berücksichtigung vorhandener Abwassersysteme sowie Gas- und Wasserleitungen zu planen. Nach der Inbetriebnahme Ende 2019 wird Crossrail auf den Namen „Elizabeth Line“ getauft. 

C
 

Bauarbeiten für Crossrail: Mit einer Spezialmaschine werden Tausende kleine Löcher in das Fundament gebohrt, um Stromleitungen, Wartungswege und Brandschutzanlagen befestigen zu können. 

 

Andere bedeutende Schienenprojekte

Die Urbanisierung erfordert in vielen Ländern riesige Verkehrsprojekte:

  • Die Silver Line erweitert den Radius des Washingtoner Metronetzes um 37 km.
  • Die Eisenbahnlinie Lagos-Kano sorgt für eine Wiederbelebung des Schienenverkehrs in Nigeria. 
  • Etihad Rail verbindet sieben Länder im Nahen Osten.

Grenzen überbrücken

Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke (HZMB) soll die Millionenstädte im florierenden Perlflussdelta näher zusammenbringen. Das 15-Milliarden-Dollar-Projekt verbindet Hongkong, Zhuhai – auch als „Chinesische Riviera“ bekannt – und die ehemalige portugiesische Kolonie Macau. Ziel ist es, die Wirtschaftsbeziehungen in der Region zu stärken und in ganz Guangdong, Chinas bevölkerungsstärkster und wohlhabendster Provinz, neue geschäftliche und touristische Potenziale zu erschließen.

Gilt als eines der Sieben Weltwunder der Neuzeit: Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke verkürzt die Fahrtzeit zwischen Hongkong, Zhuhai und Macau auf 30 Minuten. 

Die über 50 km lange Brücken- und Tunnelkonstruktion vereint Prestigecharakter mit praktischem Nutzen. Ähnlich wie die Öresund-Brücke, die Dänemark und Schweden miteinander verbindet, besteht die HZMB aus einer 29,6 km langen Hauptbrücke sowie zwei kürzeren Teilbrücken. Ein 5 km langer Tunnel, der auf zwei künstlichen Inseln mündet, fungiert als Bindeglied. Dank der Tunnellösung haben Schiffe über den Lingdingyang-Kanal auch weiterhin Zugang zu den geschäftigen Seehäfen.

Fortschritt liegt in der Luft

In China wählen immer mehr Menschen das Flugzeug als Fortbewegungsmittel. Der Pekinger Hauptstadtflughafen ist deshalb seit langem mit dem Passagieraufkommen überfordert. Da eine Erweiterung nicht infrage kam, entschlossen sich die Behörden, einen weiteren Flughafen zu bauen, der nun auf einer Fläche von 2679 Hektar im südlich gelegenen Pekinger Vorort Daxing entsteht, 46 km vom Stadtzentrum entfernt. Die Eröffnung ist für 2018 geplant. 

C
 
Der neue Flughafen Peking-Daxing soll 2018 fertiggestellt werden.

Das Prunkstück des Projekts: ein elegant anmutendes Flughafen-Terminal, das größte seiner Art weltweit. Für den Entwurf – sechs kupferfarbene Seitenarme führen von den Ankunft- und Abflugebenen zu den Flugsteigen – zeichnete die inzwischen verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid verantwortlich. Durch dieses Layout soll die Flugzeugkapazität optimiert werden. Der überwiegend säulenlose, 700.000 m² große Innenbereich soll pro Jahr rund 100 Millionen Passagiere und mehr als 2 Millionen Tonnen Fracht abwickeln. 

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich aktuell auf über 11 Milliarden Euro. Für die Errichtung einer Sonderwirtschaftszone und den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur in Flughafennähe sind noch einmal ähnlich hohe Kosten veranschlagt. Hochgeschwindigkeitszüge und Shuttle-Züge auf dem Flughafengelände sollen die Mobilität der stetig wachsenden Anzahl an Passagieren weiter verbessern. 

Die Welt rückt zusammen

Vielleicht kommt einst der Tag, an dem wir uns von einer Sekunde auf die andere in ein Restaurant, das Büro oder auf eine tropische Südseeinsel teleportieren können – am besten bequem per Smartphone-App. Bis dahin müssen wir uns jedoch mit fortschrittlicheren Transportlösungen auf dem Landweg, Seeweg und in der Luft zufriedengeben. Ein Paradebeispiel dafür ist das revolutionäre ACCEL-System, das Fahrgäste bis zu 70 Prozent schneller zu ihrem Ziel bringt – ob Flughafen-Gate oder Metrostation. 

Großprojekte sind ein effektiver Weg, um ein gesundes Maß an Technologien und Investitionen auf eine strategische und systemrelevante Art und Weise zu realisieren. Ihnen gehört die Zukunft. Sind auch in Ihrer Stadt Großprojekte zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur geplant, oder würden Sie ein solches befürworten? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung! 

H