Philanthropie schafft Freiräume für zukünftige Generationen

Kurz nach seiner Wahl zum Bürgermeister von Toronto erhielt John Tory Besuch von Judy und Wilmot Matthews. Im Gepäck hatten die beiden ein außergewöhnliches Geschenk: 25 Millionen Kanadische Dollar. Und konkrete Ideen, wie man es investieren sollte.

Die Aktivistin und Städteplanerin Judy Matthews hatte eine klare Vision für ihre Heimatstadt: die Neugestaltung eines 1,75 Kilometer langen Streckenabschnitts unter einer Hochstraße mitten in Toronto. Wo bisher Beton und Tristesse dominierten, soll nun der sogenannte „Bentway“ entstehen – ein Ort der Gemeinschaft mit Parks, Fahrradwegen, Veranstaltungsflächen und vielem mehr.

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Neuer Treffpunkt am Fuße der Gardiner-Schnellstraße

Ursprünglich bekannt als „Project Under Gardiner“, wurde das Projekt in einer Online-Abstimmung von den Bürgern Torontos kürzlich auf den Namen “The Bentway” getauft – in Anlehnung an den technischen Fachbegriff für die Stützpfeiler der Schnellstraße, im Englischen „Bents“ genannt.

Der Bentway verbindet sieben innerstädtische Bezirke und 70.000 Einwohner miteinander und schafft Räume der Begegnung, die mit einem breiten Angebot für sportlich und kulturell Interessierte aufwarten. In naher Zukunft soll die Bevölkerung Torontos dort Wochenmärkte, Kindergärten, Performances und Ausstellungen besuchen können. 

“Diese Hochstraße hätte niemals gebaut werden dürfen. Doch wenn sie schon mal da ist, warum sollten wir sie nicht in einen wunderschönen überdachten Park verwandeln? Der Bentway ist mehr als eine Kopie der New Yorker High Line: Der lineare Park verbindet einen Teil der Stadt, der im Aufbruch begriffen ist – erbaut auf einer ehemals verseuchten Industriebrache, auf der vor 150 Jahren eine Mülldeponie errichtet wurde.”

Lloyd Alter, Design Editor, www.treehugger.com

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Sehen Sie sich hier ein Video zum Bentway-Projekt an.

Zum Wohle der Menschen und der Stadt

Neben einer besseren Vernetzung der Bevölkerung fördert das Projekt einen gesünderen Lebensstil, da im Zuge der Sanierung diverse Sportmöglichkeiten und -anlagen bereitgestellt werden. Neben einem Gelände für Gruppensportarten verbindet der Bentway 10 wichtige Fußgänger- und Fahrradrouten miteinander. Auch im Winter bleiben die Bürger in Bewegung – dank einer Schlittschuhbahn und einem 1,7 Kilometer langen Skating-Park.

Wie Globalisierungsexperte Parag Khanna im Gespräch mit URBAN HUB betonte, gewinnen innerstädtische Freiflächen zunehmend an Bedeutung. Sie fördern Kreativität und Unternehmergeist, die den Nährboden für erfolgreiche Städte bilden. Der Bentway ist deshalb nicht ein nettes „Extra“ für die Bürger Torontos, sondern könnte sich als Segen für die lokale Wirtschaft erweisen.

Lokale Projekte unterstützen

Es gibt viele wohltätige Zwecke, die unsere Unterstützung verdienen. Doch statt in die Ferne zu schweifen, lohnt sich oft der Blick auf Projekte, die vor unserer eigenen Haustür realisiert werden. Diese Philosophie hat Judy Matthews wie kaum eine zweite verinnerlicht.

Lokale Projekte, die durch Spenden getragen werden, haben eine lange Tradition. Die Profiteure sind oft Bildungseinrichtungen, Parks, Freizeitanlagen, Krankenhäuser, Sozialdienste, Bibliotheken, Denkmalstätten oder Jugendorganisationen.

Während die meisten philanthropischen Aktivitäten jedoch punktueller Art sind, will Matthews mit ihrer massiven Geldspritze ein ganzes städtisches Areal aufwerten.

„Je dichter Städte bebaut werden, desto mehr erscheinen ehemals aufgegebene oder ungenutzte Flächen in neuem Licht. [Der Bentway] ist ein visionärer Ansatz, der das Potenzial einer spektakulären Kulisse ausnutzt und mehrere Stadtbezirke näher zusammenrücken lässt …“

Jennifer Keesmaat, Chefplanerin der Stadt Toronto

Mehr urbane Philanthropie

Schon lange werden viele kulturelle, soziale und öffentliche Projekte auf Spendenbasis finanziert. Der Bürgermeister von Calgary war sicherlich hocherfreut, als eine Familie zwei Millionen Kanadische Dollar zur Neugestaltung einer Parkanlagespendete. Für die Erzdiözese von New York war es ein Geschenk des Himmels, als eine anonyme Spende von 20 Millionen US-Dollar die baufällige Saint Brigid’s Church vor dem Abriss bewahrte.

Wer weniger vermögend ist, aber dennoch Gutes tun möchte, sollte es mit Prince halten: „You don’t have to be rich.“

Für uns Normalsterbliche sind die oben genannten Summen utopisch. Dennoch gibt es viele lokale Programme, die sich über jede noch so geringe Spende freuen oder ehrenamtliche Unterstützung benötigen. Deshalb: Informieren Sie sich! Sie können beispielsweise auch Ihren Arbeitgeber ermuntern, im Rahmen der Corporate Social Responsibility (auch Corporate Service genannt) lokale Projekte zu fördern.. Im Zeitalter der globalen Verstädterung gewinnen Initiativen wie der Bentway oder What Works Cities zunehmend an Bedeutung. Umso besser, dass sie dank der großzügigen finanziellen Unterstützung wohlhabender Bürger und Organisationen in die Tat umgesetzt werden können.

Credits

Wintertime at Fort York Boulevard. © PUBLIC WORK

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