Safe Cities Index: Wie urbane Sicherheit die Lebensqualität erhöht

Tokio - Shibuya

Was macht eine Stadt sicher? Im Rahmen des Safe Cities Index 2015 stufte die Economist Intelligence Unit (EIU) 50 Weltstädte in den Bereichen digitale Sicherheit, Infrastruktur, Gesundheit und persönliche Sicherheit ein.

Die Ergebnisse überraschen. So erhielt die japanische Megastadt Tokio das beste Ergebnis und beweist, dass Größe keine Rolle spielt – zumindest wenn es um Sicherheit geht. URBAN HUB diskutiert die EIU-Rangliste und erläutert, warum dieses starke Abschneiden einer so großen Stadt hoffen lässt, dass auch unsere urbane Zukunft sicher sein kann

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Auf der Suche nach der sichersten Stadt der Welt

Schon seit geraumer Zeit forscht die Economist Intelligence Unit (EIU) zum Thema Weltstädte. Regelmäßig veröffentlicht die EIU Berichte wie das Global Livability Ranking, ihr Best City Ranking & Report und die Worldwide Cost of Living Survey. Der Safe Cities Index zählt ebenfalls dazu. Der EIU Safe Cities Index 2015 enthält zwar keine vollständige Auflistung, gewährt aber einen Einblick in das Maß an Sicherheit in 50 Städten auf der Welt.

Anhand von 40 qualitativen und quantitativen Indikatoren, von politischen Entscheidungen bis hin zu Verkehrsunfällen, werden im Rahmen des Safe Cities Index die Bereiche Gesundheit, digitale Sicherheit, persönliche Sicherheit und Infrastruktur gründlich und gezielt analysiert – mit dem Ergebnis, dass Sicherheit (und ihre Aufrechterhaltung) in urbanen Räumen im digitalen Zeitalter eine komplexe Angelegenheit ist.

Eine Frage kann leicht beantwortet werden: Können Städte unendlich weiterwachsen und gleichzeitig sicher bleiben? Die weltweit sicherste Stadt ist eine bekannte Megastadt: Tokio, Japan.

Tokio: Größte – und sicherste – Megastadt der Welt Tokio: Größte – und sicherste – Megastadt der Welt
Tokio ist die größte – und sicherste – Megastadt der Welt.

Bewertungskriterien des EIU Safe Cities Index

Bewertungskriterien des EIU Safe Cities Index Bewertungskriterien des EIU Safe Cities Index

Warum führt Tokio die Liste an?

Es mag überraschen, dass die sicherste Stadt der Welt mit ca. 38 Millionen Einwohnern auch die größte ist. Denn trotz all der Menschen erhält Tokio im Bereich der persönlichen Sicherheit sehr gute Bewertungen. Natürlich ist Japan prinzipiell eine friedliche und wohlhabende Nation. Und die von der UN genannte Einwohnerzahl gilt für die gesamte Metropolregion Tokio und nicht nur für das Stadtverwaltungsgebiet. Aber es gibt weitere Eigenschaften, die Tokio sicherer als jede andere Stadt machen, einschließlich des überaus sicheren Singapur (2. Platz) und des japanischen Nachbars Osaka (3. Platz). So erzielt Tokio seine positiven Ergebnisse beispielsweise mit einer Mischung an Maßnahmen. Neben traditionellen Lowtechlösungen wie einer hohen Polizeipräsenz verfolgt es komplexe digitale Sicherheitsstrategien. Ebenfalls interessant ist, dass Tokio auch im Bereich der Infrastruktursicherheit gut abschneidet, obwohl (oder gerade weil) es in der Region regelmäßig Erdbeben gibt. Doch Tokio möchte sich keineswegs auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die Olympischen Spiele 2020 bieten reichlich Anreiz für eine weitere Verbesserung der Lebensqualität in allen Bereichen. Unterdessen ist Tokio der Beweis dafür, dass eine Stadt wachsen kann, ohne an Sicherheit einzubüßen.

Die 20 sichersten Städte der Welt

Der Gouverneur von Tokio spricht über Recycling, die Vorbereitung auf Erdbeben sowie die Olympischen Spiele 2020 und erklärt, warum Tokios Bürger in Nachtbussen ruhig schlafen können.

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EIU Safe City Index 2015

Technologie im Zentrum urbaner Sicherheit

Digitale Sicherheit ist ein weiterer Grund für den Erfolg Tokios. Die Stadt rangiert ganz oben, wenn es darum geht, sich selbst und ihre Bewohner vor Cyberkriminalität und Cyberterrorismus zu schützen. Diebstahl der eigenen Identität und Onlinebetrug oder böswillige Scherze und ideologisch motivierte Straftaten – neue Schwachstellen entstehen paradoxerweise dann, wenn wir die Technologie nutzen, die unser Leben erleichtert und für unsere Sicherheit sorgt. Technologie steht heute im Zentrum des urbanen Lebens. Sie überwacht und analysiert Infrastruktur und Verkehr, kriminelle Aktivitäten, das Wetter und den Ausbruch von Krankheiten – oft in Echtzeit. Und weil diese Überwachung allgegenwärtig ist – man denke nur an die omnipräsenten Videoüberwachungsanlagen –, dreht sich die Debatte um Sicherheit auf der einen und Freiheit und Privatsphäre auf der anderen Seite. Diese Debatte ist wichtig. Die Zukunft ist schließlich für jeden von uns Neuland. Und während sie näher rückt, werfen wir einen Blick auf eine weitere Möglichkeit, urbane Sicherheit zu definieren.

„Während der Olympischen Spiele war die Website von London 2012 Ziel von über 200 Millionen Cyberangriffen – mehrere zehn Millionen davon im Laufe der Eröffnungszeremonie. Wir müssen auf eine noch größere Angriffswelle vorbereitet sein und Systeme entwickeln, mit denen wir die Durchführung unserer Spiele schützen können.“

Toshiro Muto – Generaldirektor des Organisationskomitees der Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio

Ein alternatives Sicherheitskonzept: urbane Resilienz

Of course, there are other ways to conceptualize urban safety. One of these is “urban resilience”, the capacity of cities to survive and thrive in the face of acute large-scale or chronic systemic challenges, including:

Plötzliche Katastrophen, die eine Stadt direkt bedrohen:

  • Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis
  • Krankheitsausbrüche
  • Terroranschläge

Langfristige Belastungen, die eine Stadt im Laufe der Zeit schwächen:

  • hohe Arbeitslosenquote
  • ineffiziente oder überlastete öffentliche Verkehrsnetze
  • anhaltende Nahrungsmittel- oder Wasserknappheit
  • hohe Kriminalitätsrate

Um Städte auf diese Herausforderungen aufmerksam zu machen und ihnen zu helfen, besser damit umgehen, unterstützen Gruppen wie „100 Resilient Cities – Pioneered by the Rockefeller Foundation“ (www.100resilientcities.org) Städte bei der Entwicklung ihrer physischen, sozialen und wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit.

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Die 20 widerstandsfähigsten Städte laut Grosvenor

Verantwortungsbewusste Führung ist entscheidend

Die Sicherheit einer Stadt wird vom komplexen Zusammenspiel zahlreicher Faktoren bestimmt. Wohlstand und ausreichende Ressourcen garantieren zwar keine urbane Sicherheit, doch hängt Sicherheit eng mit Wohlstand und der Technologie zusammen, die dadurch bezahlbar wird. Die intelligenten Städte der Zukunft werden vermehrt von Technologie Gebrauch machen, um jeden Aspekt des urbanen Lebens sicherer zu machen. Aber Technologie allein genügt nicht. Sie ist lediglich ein Werkzeug und erfordert verantwortungsbewusste Führung sowie die gemeinschaftliche Unterstützung durch Bürger, Unternehmen und Regierungen, damit sie effizient, effektiv und – vielleicht am wichtigsten – zum Guten eingesetzt wird. Damit Städte sicher bleiben, muss jeder von uns dazu beitragen, verlässliche Institutionen und Systeme zu schaffen. Nur so kann uns Technologie erfolgreich bei der Gestaltung einer sicheren urbanen Zukunft unterstützen. Und bis es soweit ist, dokumentieren Gruppen wie die Economist Intelligence Unit weiterhin unsere Fortschritte.

Die 20 Gewinner des Safe Cities Index auf anderen Ranglisten

Credits & Links

Tokyo, Moyan Brenn (CC BY-SA 2.0)

Tokyo skyline from Mori Building, Roppongi, jon (CC BY-SA 2.0)

THE SAFE CITIES INDEX 2015 – The Economist (pdf)

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