Neue Konzepte für die Zukunft des urbanen Radfahrens

Konzepte für urbanes Radfahren

Der SkyCycle-Highway soll sich aus mehreren Fahrradwegen zusammensetzen, die sich 220 Kilometer quer durch ganz London ziehen und über den Eisenbahngleisen verlaufen werden (und einen schwimmenden, im Flussbett der Themse verankerten Radweg beinhalten). Ziel ist es, eine neue Verbindung zu schaffen, damit Radfahrer schnell vom einen Ende der Stadt zum anderen Ende gelangen.

Auf kurze Sicht möchte die Stadt 900 Millionen britische Pfund (1,27 Mrd. Euro) in eines der ehrgeizigsten Radwegprojekte Europas investieren: den „East-West Cycle Superhighway“. Der separate Radweg würde West- und Ost-London miteinander verbinden und sich über fast 30 Kilometer erstrecken.

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London's SkyCycle

Die Ziele dieser Projekte sind einfach: das Radfahren sicherer, zugänglicher und angenehmer zu machen. Radfahrer machen bereits jetzt knapp 25 Prozent des Berufsverkehrs im Zentrum Londons aus, und mit einer verbesserten Fahrradinfrastruktur hofft London, dass noch mehr Menschen zum Fahrrad greifen werden. Auf diese Weise ließe sich der Verkehr auf den Straßen entlasten, die Umweltverschmutzung reduzieren sowie die Gesundheit der Bürger verbessern – ein Win-win-Vorschlag für alle Londoner.

London ist jedoch nicht der einzige Vorreiter in Sachen urbaner Radkultur.

 

Ein Blick zurück – ein Blick nach vorn

Fahrräder sind nun schon seit langer Zeit Teil unseres Lebens. In den 1880-er Jahren hatten sie die uns heute bekannte Grundform angenommen. Auch wenn der urbane Verkehr im 20. Jahrhundert von diversen motorisierten Transportmitteln dominiert wurde, ereilte Fahrräder nie dasselbe Schicksal wie die Pferdekutsche. In der heutigen Zeit erfahren die Drahtesel eine Wiedergeburt.

Dies gilt vor allem in Städten, denn Fahrräder sind das perfekte Transportmittel im urbanen Verkehr: Sie sind sauber, umweltfreundlich, relativ günstig und oft das effektivste Fortbewegungsmittel in überfüllten Städten. Deshalb errichten viele – vor allem europäische – Städte neue Infrastrukturen und modernisieren vorhandene Infrastrukturen auf innovative Weise.

Der Cycle Superhighway in London
Urbanes Radfahren in Europa

Europa – Vorreiter für urbanes Radfahren

Europa gibt eindeutig die Richtung vor, wenn es um neue Konzepte für das urbane Radfahren geht. Im Folgenden einige Beispiele:

  • In der niederländischen Provinz Brabant befindet sich der erste Radweg der Welt, der nachts von glitzernden Steinen im Boden beleuchtet wird. Daan Roosegaarde hat ihn nach dem Vorbild der „Sternennacht“ von Vincent van Gogh gestaltet.
  • In der Mittelalterstadt Groningen in Holland wurde das Zentrum für den Autodurchgangsverkehr gesperrt – nur Radfahrer dürfen die Stadt direkt durchqueren und können dadurch ihr Ziel in einem Bruchteil der Zeit erreichen.
  • Ebenfalls in den Niederlanden, in der Stadt Eindhoven, befindet sich der spektakuläre „Hovenring“: Eine Hängebrücke mit einem Durchmesser von 72 Metern, die mit Abspannseilen an einem 70 Meter hohen Pylonen aufgehängt ist und über dem Autoverkehr schwebt.
  • In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen werden Ampeln so synchronisiert, dass der Radverkehr immer eine grüne Welle hat. Zu weiteren Annehmlichkeiten für Radfahrer gehören geneigte Mülleimer, spezielle Rampen, Fußstützen an Ampeln und LED-Lichter auf den Radwegen.
  • Mit dem Bau der „Cykelslangen“ – einer Fahrradbrücke, die sich durch das Stadtzentrum Kopenhagens schlängelt – hat die Stadt eine wichtige Verbindungslücke im Radwegenetz geschlossen.
  • Die deutsche Metropole München plant den Bau von „Fahrradautobahnen“, die sich quer durch die Stadt ziehen und ein schnelleres Radfahren ohne Ampelstopps ermöglichen. Die Fahrbahnen sollen sogar genügend Platz für Gegenverkehr und Fahrradanhänger bieten, ganz ohne Autoverkehr in unmittelbarer Nähe.
  • Zurück nach London, wo noch ein weiterer Vorschlag in Erwägung gezogen wird: die London Underline. Dafür sollen überflüssige und ungenutzte U-Bahn- und Eisenbahntunnel zu unterirdischen Radwegen umfunktioniert werden.

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The Big Picture - Top 10 Design Elements in a Bicycle-Friendly Copenhagen

Von null auf fahrradfreundlich

Andere Städte wie Barcelona, Dublin und Paris sind gute Beispiele dafür, wie sich ein urbaner Raum innerhalb eines Jahrzehnts in eine Fahrradstadt verwandeln kann. Sie tun dies aus vielerlei Gründen, nicht zuletzt, weil es sinnvoll ist. Ob durch Umfunktionierung von wenig oder gar nicht genutzten Infrastrukturen, Nachrüstung vorhandener Räume oder durch Neubauten: Mit der Förderung des Radverkehrs wird die urbane Umgebung verbessert.

Der Hovenring

Intelligente Mobilitätskonzepte gehen weiter

Die Schaffung von Infrastrukturen für sicheres und effizientes Radfahren in Städten ist nur ein Element grüner Mobilitätskonzepte. Um die Wirkung dieser Ideen zu maximieren, ist die Kombination mit anderen innovativen Ansätzen für emissionsfreie Mobilität erforderlich. Ein entscheidender Faktor ist der Ausbau der Reichweite und der Vernetzung des öffentlichen Verkehrs, wie es zum Beispiel das ACCEL-Konzept vorsieht. 

Darüber hinaus sollten Radfahrer die Möglichkeit haben, ihre Räder an einem sicheren Ort abzustellen und sie mithilfe fahrradfreundlicher Aufzüge einfach mit zu U-Bahnen, Zügen oder sogar zur Arbeit und nach Hause zu nehmen. URBAN HUB wird in kommenden Artikeln zum Thema Radfahrkonzepte und multimodale Transportlösungen über diese fehlende Verbindung berichten. Schließlich wird die Gesamtheit all dieser Ideen, ob groß oder klein, Städten zu einer höheren Lebensqualität und Nachhaltigkeit verhelfen.

Die umgekehrte Verkehrspyramide

Aufgrund der gesundheits- und gemeinschaftssinnfördernden Effekte sowie der geringen Geräusch- und Umweltbelastung ist das Fahrrad das zweitwichtigste Fortbewegungsmittel in Städten.

Infografik über die umgekehrte Verkehrspyramide Infografik über die umgekehrte Verkehrspyramide
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Amsterdam Loves Bikes!

Credits

Image of Cycle Superhighway: Got the blues by Tom Page under licence CC BY-SA 2.0

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