Aufzugsinnovation revolutioniert unterirdische Transportinfrastruktur

Multi Aufzugtechnologie
Idea

Ein effizientes öffentliches Transportsystem ist eine unerlässliche Komponente einer lebenswerten Stadt. Und dennoch ist dem täglichen U-Bahn-Pendler oft nicht bewusst, dass eine effektive Beförderung von der Straße zu den U-Bahn-Stationen genauso wichtig ist wie ein funktionierendes Schienennetz.

URBAN HUB hat mit Chris Williamson, dem Mitgründer von WestonWilliamson+Partners, über seine Zukunftsvisionen für U-Bahnhöfe in Metropolen wie London gesprochen.

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Eine schwierige Herausforderung

Architekten sind bei der Planung von U-Bahn-Stationen, die oft als Knotenpunkte für mehrere, sich überschneidende U-Bahn-Linien dienen, mit großen logistischen Herausforderungen konfrontiert. Zusätzlich erschwert wird das Ganze durch Hindernisse im Untergrund und Einschränkungen in Bezug darauf, wie weit die Fahrgäste bereit sind, zu Fuß in die Tiefe zu steigen. Doch angesichts der zunehmenden Dichte in Städten ist schon jetzt klar, dass der Ausbau der Verbindungen und der Bau neuer U-Bahn-Linien in noch tieferen Lagen unerlässlich sind.

Eine neue Aufzugtechnologie (namens MULTI) zieht nun die Aufmerksamkeit führender Architekten auf sich und inspiriert sie zu neuen Ideen. Dieses kabellose Aufzugsystem mit Linearmotortechnologie ermöglicht es, mehrere Kabinen in einem Schacht unterzubringen, die sich in einer Dauerschleife – auch in horizontaler Richtung – bewegen und dadurch Wartezeiten auf gerade einmal 15–30 Sekunden verkürzen.

MULTI eignet sich nicht nur optimal für den Einsatz in Hochhäusern, sondern kann auch die unterirdische Transportinfrastruktur erheblich verbessern.

Eine für Wolkenkratzer konzipierte Lösung hält Einzug in den Untergrund

Inspiriert von den Designmöglichkeiten, die MULTI bietet, hatte Chris Williamson (Mitgründer von WestonWilliamson+Partners und Experte für die Planung von öffentlichen Nahverkehrsstationen) einige Ideen, wie man mit MULTI die Zugänglichkeit von U-Bahn-Stationen erheblich verbessern und die Einschränkungen aufheben könnte, die durch unsere momentane Abhängigkeit von Fahrtreppen als Transportmittel zu U-Bahn-Stationen gegeben sind.

In seiner Zukunftsvision sieht Williams effizientere U-Bahn-Stationen mit einem geringeren Platzbedarf (d. h. dass weniger Platz fürs Bauen erforderlich ist). Mithilfe seiner Ideen könnten die Transportkapazität verbessert und neue Verbindungen zwischen Bahnsteigen, Linien, Stationen und anderen Verkehrsmitteln geschaffen werden.

Chris Williamson

Chris Williamson (RIBA, RPTI, MAPM, B.A. Arch. Hons, Dipl.-Arch., M.A. Urban Design, M.Sc. Projektmanagement) ist Mitgründer von WestonWilliamson+Partners, wo er für den Bereich Design Management verantwortlich ist. In dieser Rolle stellt er sicher, dass für Projekte alle erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stehen und dass die Ausführung nach höchsten Standards erfolgt. Zudem leitet er die Initiative des Unternehmens zur Förderung einer transportorientierten Entwicklung, bei der die verschiedenen Arbeitsbereiche miteinander verbunden werden.

 

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Bessere Zugänglichkeit

Heute müssen U-Bahn-Pendler oft mehrere Fahrtreppen zwischen den einzelnen Ebenen von U-Bahn-Stationen nehmen und lange Gänge durchqueren, um zu ihren Zügen zu gelangen. Aber selbst wenn Aufzüge vorhanden sind, haben diese doch nur eine beschränkte Transportkapazität. Das Ergebnis bleibt aber ohnehin das gleiche: Den Pendlern werden viel Zeit und Nerven abverlangt.

Laut Chris Williamson wird sich das jedoch bald ändern: „Da mit dem MULTI-Aufzugsystem die Transportkapazität erheblich gesteigert und die Wartezeiten vor Aufzügen stark verkürzt werden können, können viele Fahrgäste statt den Fahrtreppen die Aufzüge nutzen.“

 

„Wenn Bahnhöfe nicht mehr so stark von Fahrtreppen abhängig sind, gestaltet sich der Bau der Stationen leichter: Es wird für die Bauarbeiten nicht mehr so viel Platz auf Straßenniveau benötigt, und dadurch können Stationen genau dorthin gebaut werden, wo die Fahrgäste ankommen möchten.“

Chris Williamson

Mitgründer von WestonWilliamson+Partners

Multi Aufzugtechnologie für die U-Bahn Multi Aufzugtechnologie für die U-Bahn

Durch den Bau in tieferen Lagen könnten Hindernisse im Untergrund umgangen werden

In vielen Großstädten gibt es unter der Erde eine genauso komplexe Infrastruktur wie über der Erde: U-Bahn-Linien, Abwassersysteme, Tiefgründungen für Hochhäuser – manchmal sogar Katakomben und archäologische Schätze. In Paris, London, New York und vielen anderen Städten gibt es keine detaillierten Aufzeichnungen darüber, was sich alles unter der Erde befindet.

„Oft ist es unmöglich, in dieses komplexe Untergrundnetz eine neue U-Bahn-Linie einzufügen. Jedoch kann eine neue Linie in tieferen Lagen gebaut werden, wenn diese von Aufzügen bedient wird.“

Mit einer Tiefe von 58,5 Metern ist Hampstead die am tiefsten unter der Erdoberfläche gelegene U-Bahn-Station Londons. Das ist jedoch noch nicht tief genug, als dass U-Bahn-Linien unter den Pfahlgründungen von Hochhäusern verlaufen könnten – diese können bis zu 100 Meter in die Tiefe reichen. Mit der Geschwindigkeit und der Transportkapazität von MULTI könnten Stationen problemlos in viel größeren Tiefen gebaut werden, als es derzeit mit Fahrtreppen möglich ist.

„Wenn wir in historischen urbanen Räumen arbeiten, in denen die Platzverhältnisse oft sehr knapp sind, können wir dank MULTI den Zugang zu den Aufzügen an dem in Hinblick auf die Umgebung günstigsten Ort positionieren und gleichzeitig direkten Zugang zum unterirdischen Verkehrsknotenpunkt ermöglichen.“

Chris Williamson

Mitgründer von WestonWilliamson+Partners

Mehr Mobilität durch die Multi Aufzugtechnologie Mehr Mobilität durch die Multi Aufzugtechnologie

Bessere Erreichbarkeit und mehr Zugangspunkte für einzelne Stationen

Dank der Möglichkeit von MULTI zur horizontalen Beförderung könnten Stationen mit mehreren Zugangspunkten an strategischen Standorten errichtet werden und so einen größeren Bereich der Stadt abdecken. Werden die Einzugsgebiete einzelner Stationen vergrößert, könnten die Gesamtzahl der Bahnhöfe und damit auch die Gesamtkosten für den Bau neuer Metro-Linien in Städten verringert werden.

In diesem Zuge ergeben sich noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten, etwa direkte Aufzugverbindungen von U-Bahn-Stationen zu nahegelegenen Nahverkehrshaltestellen, Einkaufszentren, oberirdischen Verkehrsknotenpunkten oder sogar in die oberste Etage eines Hochhauses.

„Das MULTI-Konzept bietet uns bei unseren Planungen für einige der spannendsten Infrastrukturprojekte der Welt großartige Möglichkeiten, um Pendlern das Leben zu erleichtern. Die Fahrgäste können an ihr Ziel gelangen, ohne den Aufzug wechseln zu müssen, während gleichzeitig durch Einsparung von Energie für mehr Nachhaltigkeit gesorgt wird und die Nahverkehrsinfrastruktur verbessert wird.“

Chris Williamson

Mitgründer von WestonWilliamson+Partners

Lösung für die Fußgängerbeförderung über der Erde

MULTI könnte Fahrgäste sogar bis zu Hochgeschwindigkeitsfahrsteigen wie ACCEL befördern, die Fußgänger auf sichere Weise und schneller als gewöhnliche Fahrsteige an ihr Ziel bringen. Diese könnten als oberirdisches Beförderungsmittel eingesetzt werden, um die Erreichbarkeit einzelner Stationen zu verbessern. Wie MULTI basiert auch ACCEL auf einer Magnetschwebetechnologie – eine Revolution im Bereich der Fahrsteige.

Die zunehmende Urbanisierung bringt für Städte zahlreiche Herausforderungen in Hinblick auf den Aufbau einer effektiven Transportinfrastruktur mit sich. Glücklicherweise gibt es jedoch eine Vielzahl geeigneter Lösungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. URBAN HUB hält Sie über alle diesbezüglichen Entwicklungen auf dem Laufenden.

„Pendler stehen oft unter Stress und benötigen klare, unkomplizierte Routen. Mit dem MULTI-System können sie ihre Ziele schnell, sicher, bequem und ganz entspannt erreichen.“

Chris Williamson

Founding Partner, WestonWilliamson+Partners

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