Mehr positive Effekte – die Wegbereitung einer Kreislaufwirtschaft mit Cradle to Cradle

Wegbereitung einer Kreislaufwirtschaft
Idea
Sustainability

Cradle-to-Cradle-Design (C2C) ist ein revolutionärer Ansatz, Abfall zu eliminieren und eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Entwickelt von William McDonough und Dr. Michael Braungart liegt das Hauptaugenmerk der Initiative darauf, Produkte zu designen, die sich zu 100 % positiv auf den Menschen und die Umwelt auswirken – also die Lebensqualität tatsächlich erhöhen, statt einfach weniger Schäden zu verursachen.

Viele Firmen sind bereits aktiv geworden und demonstrieren, dass gewinnorientierte Organisationen das Konzept erfolgreich umsetzen können. URBAN HUB wollte von Bridgett Luther, der Mitbegründerin und ehemaligen Leiterin des Cradle to Cradle Products Innovation Institute, wissen, wie Produktdesign die Welt zu einem besseren Ort machen kann.

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Abwendung von der Wegwerfmentalität

Der Großteil der Produkte, die wir heutzutage verwenden, folgt dem Cradle-to-Grave-Modell: Wir nutzen, verbrauchen und entsorgen sie. Cradle to Cradle bedeutet stattdessen: Auf das Ende eines Produktzyklus folgt der Beginn eines neuen – immer und immer wieder.
C2C fängt in der Designphase an, in der überlegt werden muss, wie jeder Teil eines Produkts am Ende des Nutzungszyklus seinen Wert behalten kann. Zusätzlich sollte er auch eine positive Auswirkung haben. Während traditionelle Produkte mit dem Ziel designt werden, weniger schädlich (aber nicht völlig unschädlich) zu sein, geht man bei C2C der Frage nach, wie ein Produkt Gutes bewirken kann.
Echte Innovationen nach dem C2C-Ansatz finden wir in Gebäudedächern mit landwirtschaftlicher Nutzfläche, Teppichen, die Partikel aus der Luft filtern, und Wandputz, der Toxine absorbiert. Oder wie wäre es mit einer zu 100 % recycelten Bettdecke, deren gesamter Verkaufserlös für wohltätige Zwecke gespendet wird? Ja. Diese Produkte gibt es tatsächlich.

Bridgett Luther
„Cradle to Cradle dreht sich um Design – um eine Art von Design, das ausschließlich positive Auswirkungen hat. Stellen Sie sich vor, alle Produkte wären gut für die Menschen und unseren Planeten: Sobald eine Firma etwas produziert, würde sie Gutes tun.“

Bridgett Luther

Mitbegründerin und ehemalige Leiterin des Cradle to Cradle Products Innovation Institute

Schon gewusst?

Bei Recycling handelt es sich tatsächlich meistens um „Downcycling“. Jedes Mal, wenn Materialien recycelt werden, werden sie mit geringerwertigen Metallen oder Kunststoffen vermischt, wodurch ein Material mit niedrigerer Qualität entsteht. Dieser Prozess wird fortgesetzt, bis schließlich nur noch Müll übrig bleibt. Hersteller müssen Produkte mit dem Ziel im Hinterkopf designen, dass am Ende des aktuellen Nutzungszyklus 100 % der Produktbestandteile entweder sicher in den Boden oder als wertvolle Rohstoffe in die Industrie zurückgeführt werden können.

Die zunehmende Bedeutung von C2C

Im Jahr 2002 brachten der amerikanische Architekt William McDonough und der deutsche Chemiker Michael Braungart mit ihrem bahnbrechenden Buch „Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things“ den Ball ins Rollen. Seitdem wurden beide Autoren zu gefragten Referenten und gründeten Beratungsfirmen im Gebiet C2C-Design. 2010 schließlich gründeten sie zusammen mit Bridgett Luther das gemeinnützige „Cradle to Cradle Product Innovation Institute“.

Das Institut ermöglicht es Unternehmen, ihre C2C-Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Die ehemalige Leiterin Bridgett Luther erklärt es folgendermaßen: „Das Institut schult Mitarbeiter von Beratungsfirmen, die Unternehmen beim Zertifizierungsprozess helfen. Somit bieten sich neben den Firmen von Bill (McDonough) und Michael (Braungart) auch Tebodin, EPEA Switzerland, Eco-Age sowie mehre andere Organisationen zur Zusammenarbeit an.“

Sie unterstützen Unternehmen dabei, das C2C-Programm zu absolvieren, und schicken anschließend einen Bericht zur Prüfung an das Institut. Wenn ein Unternehmen die Zertifizierung bestanden hat, erhält es das C2C-Zeichen und wird in das Produktregister eingetragen.

Cradle to Cradle Products Innovation Institute Zertifikate Cradle to Cradle Products Innovation Institute Zertifikate

Gutes Wachstum ist möglich

Hersteller müssen mehr tun, als ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und Ressourcen lediglich effizienter zu nutzen. Denn streben sie keine positiven Auswirkungen ihrer Produkte an, werden unter dem Strich immer die negativen Auswirkungen überwiegen. „Ökoeffizienz“ (weniger negative Effekte) muss um „Ökoeffektivität“ (mehr positive Effekte) ergänzt werden, um über reine Nachhaltigkeit hinauszukommen.

C2C ist eher ein Qualitätszeichen als eine traditionelle Zertifizierung. Luther erklärt es so: „Wenn Unternehmen erstmals einen Cradle-to-Cradle-Ansatz in Erwägung ziehen, betrifft das oft viele Bereiche. Sie überlegen, wie ihre Produkte, Prozesse und Systeme Positives bewirken können, statt einfach nur negative Auswirkungen zu reduzieren.“

„Mehr positive Effekte“ verständlich erklärt

Die Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe allein führt nicht zu einer positiven Entwicklung. Findet man jedoch eine Möglichkeit, zu 100 % erneuerbare Energien wie Wind- und Solarkraft zu nutzen, kann man das Licht beliebig lange brennen lassen und trotzdem einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Upcycling-Konzept der Kreislaufwirtschaft Upcycling-Konzept der Kreislaufwirtschaft

1) Zerlegung und Rückgewinnung von Produkten nach der Nutzung

Produkte sollten sich leicht in ihre ursprünglichen Bestandteile aufspalten lassen. Einige sind eventuell biologisch abbaubar und können in den Boden zurückgeführt werden. Alle übrigen Bestandteile gehen zurück in die Industrie, um in neuen Produkten wiederverwendet zu werden.

2) Nutzung erneuerbarer Energien

Bei Produkten, die zu 100 % mit erneuerbarer Energie hergestellt und betrieben werden, muss man sich keine Gedanken um den Verbrauch machen: Der Strom ist in jedem Fall sauber.

3) Erhalt und Verbesserung der Wasserqualität

Wasser ist ein menschliches Grundrecht; wann immer wir es nutzen, borgen wir es nur von der Erde. Die Industrie muss das Recht der Menschen auf sauberes Wasser respektieren und ein gesundes Verhältnis zur Umwelt aufrechterhalten. Wasser muss mindestens genau so sauber in den Kreislauf zurückgeführt werden, wie es vor der Entnahme war.

4) Achtung sozialer Gerechtigkeit und der Menschenwürde

Sämtliche Prozesse wie Herstellung und Konstruktion müssen so konzipiert sein, dass sie alle Menschen und natürlichen Systeme respektieren, auf die sich die Erzeugung, Nutzung, Entsorgung oder Wiederverwendung eines Produkts auswirkt.

5) Kontinuierliche und richtungsweisende Verbesserung

Zwar ist die Zertifizierung durch das Cradle to Cradle Products Innovation Institute ein wichtiger und ehrbarer Schritt, doch sollten Unternehmen eine C2C-Mentalität entwickeln und diese in all ihren Bemühungen befolgen. Auf diese Weise kann sich der positive Einfluss in unerwartete Richtungen ausbreiten.

6) Sichere Nutzung und Wiederverwendung von Materialien

Materialien werden als biologische oder technische Nährstoffe definiert. Letztere sind Materialien, die in der natürlichen Umwelt nicht zersetzt werden können, aber dennoch für die Industrie wichtig sind. Sie verbleiben in einem geschlossenen Kreislauf, getrennt von den biologischen Nährstoffen, die gefahrlos in die Erde zurückgeführt werden können.

C2C-Trendsetter

Wenn sich Unternehmen für eine C2C-Zertifizierung entscheiden, erwartet sie ein sehr aufwendiger, aber auch lohnender Prozess. thyssenkrupp Elevator Americas ist eines von wenigen Unternehmen, die ein Material Health Certificate (Zertifikat für Materialgesundheit) vom Institut erhielten.

Luther lobt das Unternehmen: „Sie haben eine Zertifizierung für ihr hydraulisches Öl erhalten und damit ein außergewöhnliches Engagement bewiesen. Diese Zertifizierung bringt ihnen allerdings keine Punkte für das LEED-Zertifikat ein. Sie wollten einfach ein einmaliges Zeichen setzen. Ich bin wirklich begeistert, dass sie das auf sich genommen haben, es war bestimmt nicht einfach.“

Das Material Health Zertifikat

Viele Trendsetter leisten einen Beitrag mit ihren Produkten: Highland Craftsmen vertreibt zum Beispiel Hausverkleidung aus zurückgewonnener Baumrinde. Method produziert Duschlotion und Haushaltsreiniger mit C2C-Goldzertifizierung, während Aveda gar ein komplettes Sortiment an Körperhygiene-Produkten mit Goldzertifizierung führt.

„thyssenkrupp Elevator hat mit der Zertifizierung etwas ziemlich Beeindruckendes geleistet. Das Unternehmen möchte der Welt zeigen, dass ihm wirklich etwas an einer besseren Welt liegt. Und mit diesem kleinen Zeichen kann man sein Nachhaltigkeitsprofil auf einer Fläche von wenigen Quadratzentimetern demonstrieren.“

Bridgett Luther

Mitbegründerin und ehemalige Leiterin des Cradle to Cradle Products Innovation Institute

Die Lösung für unsere aktuellen Umweltprobleme

C2C zeigt die überfällige Alternative zum Prinzip „Ausbeuten – produzieren – wegwerfen“ auf, das unserem Planeten Leid zufügt. Anstelle einer behelfsmäßigen Reparatur des Systems durch Downcycling und sogenannte „nachhaltige“ Lösungen benötigen wir einen „Zero Waste“-Ansatz mit C2C-Design und einer echten Kreislaufwirtschaft.

Unternehmen – vor allem Produktdesigner, Hersteller und Architekten – sollten sich dafür einsetzen, Produkte zu entwickeln, deren „Nährstoffe“ am Ende ihres Nutzungszyklus gefahrlos in die Industrie oder in den Boden zurückgeführt werden können.

Wenn man es plant – es designt –, dann ist nichts unmöglich. Wenn Sie zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft beitragen möchten, informieren Sie sich über die Tätigkeiten des Cradle to Cradle Products Innovation Institute und lesen Sie das Buch von William McDonough und Dr. Michael Braungart – Sie werden es nicht bereuen.

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See how the Cradle to Cradle Products Innovation Institute explains the near future of production design.
„Sie können natürlich auf Ihrer Website einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, aber wenn Sie einem Kunden erklären, dass Sie ein Cradle-to-Cradle-Produkt anbieten, wird er Ihre Bemühungen wirklich anerkennen.“

Bridgett Luther

Mitbegründerin und ehemalige Leiterin des Cradle to Cradle Products Innovation Institute

Kurzbiografie Bridgett Luther

Als Mitbegründerin des Cradle to Cradle Products Innovation Institute setzt sich Bridgett Luther seit vielen Jahren für Umweltschutz und Ressourcenschonung ein. Sie war fünf Jahre lang Direktorin des California Department of Conservation, wo sie für eine Vielzahl von Programmen verantwortlich war, darunter das kalifornische Recyclingprogramm für Getränkebehälter.

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