„The Interlace“ – Trendsetter für urbane Wohnprojekte der Zukunft

The Interlace

Das „World Architecture Festival“ – sozusagen die Architektur-Oscars – fand vom 4. bis 6. November 2015 in Singapur statt. Die Jury aus angesehenen Architekten vergab den heiß begehrten Preis für das „World Building of the Year“ an das OMA und Ole Scheeren. Ihr Projekt „The Interlace“ in Singapur setzte sich gegenüber 338 anderen starken Finalisten durch.

Doch was genau macht diese horizontal-vertikale Stadt zu einem „wichtigen urbanen Statement“ und „einem Trendsetter“, wie der Juryvorsitzende Sir Peter Cook es bezeichnet hat? URBAN HUB wirft einen Blick auf die bedeutendsten Vorteile dieser preisgekrönten Architektur.   

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Die hexagonale Anordnung aus der Vogelperspektive Die hexagonale Anordnung aus der Vogelperspektive
Die unverkennbare hexagonale Anordnung der Wohnblöcke aus der Vogelperspektive – The Interlace by OMA/Ole Scheeren, Photo by: Iwan Baan

Platz optimal nutzen

Wie bringt man 1.040 Apartments auf einem acht Hektar großen Baugrundstück mit einer Höhenbegrenzung von 24 Stockwerken unter? Die meisten Architekten würden einfach zwölf Wohntürme mit jeweils 24 Etagen bauen. Ole Scheeren, der leitende Architekt des „The Interlace“, hat einen komplett anderen Ansatz gewählt: Er hat 31 „Wohnblöcke“ in einer absolut einzigartigen hexagonalen Anordnung in die Horizontale gelegt. Auf diese Weise wurde Platz für Grün- und Gemeinschaftsflächen geschaffen sowie für eine freiere Sicht auf die Umgebung gesorgt.
Das Ergebnis ist ein 170.000 m2 großer Wohnkomplex, der als „vertikales Dorf“ konzipiert wurde und vielfältige Möglichkeiten für die soziale Interaktion und Freizeitgestaltung bietet. 

Awards won by The Interlace

  • World Building of the Year 2015
    (World Architecture Festival)
  • 2014 Urban Habitat Award
    (Council of Tall Buildings and Urban Habitat)
  • Finalist bei „Best Tall Building Asia & Australasia 2014“/b>
    (Council of Tall Buildings and Urban Habitat)
  • Best of Best, Domestic Architecture
    (ICONIC Awards 2015)
  • Universal Design Mark Platinum 2014
    (Building and Construction Authority Singapore)
  • Green Mark GoldPLUS 2010
    (Building and Construction Authority Singapore)

Ole Scheeren
„,The Interlace‘ bietet eine Vielzahl von öffentlichen Flächen und sozialen Treffpunkten, gleichzeitig aber auch viele private Räume. Es wird ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen, aber dennoch Raum für Individualität und Privatsphäre gelassen.“

Ole Scheeren

Inhaber Büro Ole Scheeren

 

Horizontale Integration statt vertikaler Isolation

Anders als bei anderen Bauprojekten ging es bei „The Interlace“ nicht darum, technische Hürden zu überwinden, sondern vielmehr darum, wichtige gesellschaftliche Probleme in Angriff zu nehmen. Laut dem leitenden Architekten Ole Scheeren steckte hinter diesem Projekt die Idee, Gebäude nicht nur als einfache Lösung für die Wohnraumschaffung anzusehen, sondern als Ort, an dem man einen Sinn für die Gemeinschaft schafft.

Durch die horizontale Ausrichtung der Wohnblöcke und die großen gemeinschaftlich nutzbaren Flächen werden die soziale Interaktion und gemeinsame Erlebnisse gefördert – ganz anders als in herkömmlichen Wohnkomplexen, wo in überfüllten Aufzügen eine peinliche Stille zwischen Fremden herrscht.

„Wir freuen uns auch sehr darüber, dass wir vom ,Council on Tall Buildings and Urban Habitat‘ den ,Urban Habitat Award‘ erhalten haben. Dies spricht insbesondere für den Beitrag von ,The Interlace‘ zum urbanen Raum sowie seine nachhaltige Integration in die natürliche Umgebung und den lokalen sozialen Kontext“, so Scheeren.

The Interlace ist kein Hochhauswald The Interlace ist kein Hochhauswald
Verloren in einem Wald von Hochhaustürmen? Nicht bei „The Interlace“. By OMA/Ole Scheeren

Richtungsweisendes Design

Eines der markantesten Merkmale dieses Komplexes sind die Außenflächen, die durch die hexagonale Anordnung ermöglicht werden: Es gibt acht thematisch gestaltete Innenhöfe, die Platz für Gemeinschafts-, Sport- oder Familienaktivitäten bieten. Zudem wurde eine ursprünglich unansehnliche Feuerwehrzufahrt als einen Kilometer lange Fahrrad- und Joggingstrecke ausgebaut.

Der Wind wird so durch die offenen Innenhöfe geleitet, dass er zunächst Pools oder künstlich angelegte Seen überquert. Auf diese Weise werden kühlere Mikroklimata geschaffen, die durch die optimale Verschattung durch die Gebäude selbst zusätzlich begünstigt werden. Durch das versetzte Übereinanderstapeln der Apartmentblöcke wurde zudem viel Platz für Dachgärten geschaffen, die als grüne Erholungsoasen und soziale Treffpunkte dienen.

In diversen Berichten wird „The Interlace“ als luxuriöser Wohnkomplex in Singapur beschrieben, jedoch wird dabei eines der grundlegenden Prinzipien des Projekts außer Acht gelassen: die Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum. Aufgrund der vielen Annehmlichkeiten, die diese Wohnanlage bietet, ist dieses Missverständnis jedoch nicht verwunderlich.

The Interlace by OMA/Ole Scheeren
Einblick in die Annehmlichkeiten des „The Interlace“ Einblick in die Annehmlichkeiten des „The Interlace“

Eine Architektur, die Mensch und Natur zusammenbringt

Aufgrund seiner Insellage und der rasant wachsenden Bevölkerung ist Singapur stark auf den Bau von Hochhäusern angewiesen, um genügend Wohnraum schaffen zu können. Die Skyline der Metropole wird deshalb von Wolkenkratzern dominiert.

Aus der Vogelperspektive erstrahlt Singapur jedoch in einem satten Grün, so wie man es von einer tropischen Insel erwartet. Mit seinem Projekt „The Interlace“ hat Ole Scheeren einen Weg gefunden, die Menschen untereinander sowie mit der natürlichen Umgebung zu verbinden – auf eine Art und Weise, wie es bei Hochhäusern des Internationalen Stils nicht möglich ist.

Die Architektur war von Anfang an auf die Erfüllung sozialer Belange ausgelegt. Im Fall von Singapur bedeutete dies, eine dorfähnliche Struktur zu schaffen, die natürliche Umgebung zu integrieren und gleichzeitig eine effektive Lösung für die hohe Bevölkerungsdichte bereitzustellen. Durch Berücksichtigung der Windrichtung und des Sonnenstands kann zudem der oftmals drückenden tropischen Hitze Abhilfe geschaffen werden. Auch wenn „The Interlace“ eher eine lokale Lösung darstellt, ist der soziale/umweltfreundliche Ansatz dieses Projekts auch international anwendbar.

„Die Idee des Gemeinschaftslebens in einem zeitgemäßen Dorf wird in jedem Aspekt von ,The Interlace‘ hervorgehoben.“

Ole Scheeren – Inhaber Büro Ole Scheeren

Vielzahl gemeinschaftsfördernder Aktivitäten Vielzahl gemeinschaftsfördernder Aktivitäten
Eine Vielzahl von gemeinschaftsfördernden Aktivitäten – The Interlace by OMA/Ole Scheeren

Wie kann der Bewegungsfluss der Menschen im nächsten „The Interlace“ optimiert werden?

Das „The Interlace“ könnte sehr wohl einen internationalen Architekturtrend auslösen. Es ist aber nur schwer vorstellbar, wie dieses Design in Zukunft noch weiter optimiert werden soll. Eine mögliche Verbesserung könnte jedoch den Bewegungsfluss der Menschen innerhalb und um die Gebäude herum betreffen.

Da die verschiedenen Teile des „The Interlace“ sowohl vertikal als auch horizontal miteinander verbunden sind, könnte ein Aufzug, der sich auch in horizontaler Richtung bewegen kann, für eine erheblich effektivere Steuerung des Menschenstroms sorgen.

In einem Gebäudekomplex wie dem „The Interlace“ könnte sich der MULTI-Aufzug in horizontaler und vertikaler Richtung oder in einer Dauerschleife bewegen, sodass Sie unabhängig von Ihrem Standort immer mit einem Aufzug in Ihrer Nähe an Ihr Ziel gelangen können.

„The Interlace“: Vertikales Dorf „The Interlace“: Vertikales Dorf
„The Interlace“: wie ein Dorf in Hanglage – The Interlace by OMA/Ole Scheeren, Photo by: Iwan Baan

Gewonnene Erkenntnisse

Aus diesem Projekt lernen wir in allererster Linie, dass man sich auf verschiedene technische Anforderungen konzentrieren und dennoch soziale, umweltbezogene und ästhetische Aspekte berücksichtigen kann.

Darüber hinaus beweist „The Interlace“, dass es möglich ist, auf einem wettbewerbsintensiven Markt erschwinglichen Wohnraum mit so vielen Annehmlichkeiten, einem hohen Maß an Verbundenheit und einer exzellenten Lebensqualität zu bieten. Die wichtigste Erkenntnis: Das Leben in einer dicht besiedelten Stadt bedeutet nicht zwingend ein isoliertes Leben in einem Hochhaus.

„Mit diesem Projekt wollten wir in einem von Standardlösungen dominierten Kontext ein ganz neues Lebenskonzept schaffen.“

Ole Scheeren – Inhaber Büro Ole Scheeren

The Interlace

The Interlace by OMA/Ole Scheeren, Photos by: Iwan Baan

„The Interlace“ ist nur eines von Ole Scheerens zahlreichen Meisterbauwerken


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