Die Arbeitswelt im Wandel: Büroalltag, Bürogebäude und Arbeitszeitmodelle der Zukunft

Idea
Smart Buildings

Durch moderne Unternehmen wie Google und Facebook, die Arbeitsumgebungen bieten, in denen das Arbeiten richtig Spaß macht, haben traditionell orientierte Firmen Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu binden. Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsplätze sowie Zusatzleistungen wie Sabbatjahre und Freizeiträume werden Arbeitnehmern immer wichtiger – sie sind heutzutage nicht mehr nur auf das Gehalt fixiert. 

Die meisten Mitarbeiter würden es vielleicht nicht zugeben, aber die wahrgenommene Attraktivität der Büroumgebung – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes – beeinflusst maßgeblich, was die Mitarbeiter von ihrem Unternehmen halten. Die klassische Bürogestaltung in Schwarz, Weiß und Grau ist für moderne Arbeitnehmer genauso öde wie die konventionellen 9-bis-17-Uhr-Arbeitszeiten. Es ist an der Zeit für einen Wandel – und die Digitalisierung bringt ihn ins Rollen.

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Das lang ersehnte Ende des klassischen Arbeitszeitmodells

Mit dem zunehmenden Einstieg der Generation Y ins Berufsleben wird deutlich, dass diese im Gegensatz zu den vorherigen Generationen keine langen Pendelzeiten und keine klassische 40-Stunden-Woche in Kauf nehmen möchte. Mit der fortschreitenden Digitalisierung ist das auch gar nicht mehr erforderlich.

Unternehmen haben von ihren Mitarbeitern schon immer Flexibilität verlangt, und jetzt fordern die Arbeitnehmer etwas von dieser Flexibilität zurück. Laut einer Umfrage von Deloitte ist den Millenials die Work-Life-Balance genauso wichtig wie ein gutes Gehalt. Flexible Arbeitszeiten und Sabbatjahre sind nur zwei Beispiele für die unzähligen Zusatzleistungen, mit denen Unternehmen ihre Mitarbeiter bei der Verwirklichung ihrer Lebensvorstellungen unterstützen können.

Immer mehr Arbeitnehmer erwarten auch einen attraktiven Arbeitsplatz, dessen Gestaltung ihren eigenen Innovationsgeist widerspiegelt. Das kann zum Beispiel ein modernes Bürogebäude sein, aber für viele bedeutet es, dort zu arbeiten, wo sie sich am wohlsten fühlen: zu Hause.

Für viele die Büroform der Zukunft: das Homeoffice

Telecommuting

Telearbeit ist zwar nichts Neues, aber moderne Technologien haben die Ergebnisse der dezentralen Teamarbeit und Verwaltung erheblich verbessert. 

Wenn mehr Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten dürften, ließen sich vielleicht auch einige Herausforderungen der Urbanisierung meistern. Unternehmen könnten dann beispielsweise ihre Büroflächen verkleinern, wodurch weniger Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit pendeln würden. Das wiederum würde zu einem geringeren Verkehrsaufkommen und niedrigeren CO2-Emissionen führen.

Wenn sich die Menschen dieser Vorteile richtig bewusst werden, wird der Trend wahrscheinlich in Richtung Wohngebäude gehen, die Coworking Spaces für die Mieter bieten, so wie das The Interlace in Singapur.

ROWE – Results Only Work Environment

Die Arbeitsstunden sind egal, nur das Ergebnis zählt – darauf beruht das Konzept „Results-Only Work Environment“ (ROWE). Immer mehr Unternehmen verabschieden sich von ihren Stechuhren und Arbeitszeitkonten und investieren in Systeme, die die tatsächliche Produktivität der Mitarbeiter überwachen. 

Wenn zwei Mitarbeiter dieselbe Menge Arbeit erledigen, unabhängig von der Anzahl ihrer geleisteten Arbeitsstunden, sollten sie nicht dieselbe Vergütung erhalten? Das Konzept mag anfangs etwas befremdlich wirken, doch es hat sich gezeigt, dass Firmen mithilfe des ROWE-Ansatzes ihre Produktivität erheblich steigern und gleichzeitig die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter verbessern können.

Nicht nur große Technikunternehmen profitieren davon. Erfahren Sie, wie die Sozialleistungsbehörde von Hennepin County, Minnesota (USA) trotz flexibler Arbeitszeiten, ROWE und Telearbeit seine Ergebnisse verbessert.

Was für Zusatzleistungen werden Arbeitgeber in Zukunft bieten?

Unternehmen Zusatzleistung
Chope (Singapur) Hunde dürfen mit zur Arbeit gebracht werden.
Akraya (USA) Zweimal im Monat werden Putzkräfte zu den Mitarbeitern nach Hause geschickt.
Siemens (Deutschland) Öffentliche Cafés und Restaurants in der Hauptniederlassung in München, wo Mitarbeiter gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden zu Mittag essen können
SAS (USA) Arztpraxis vor Ort
Deloitte (USA) Krankenversicherung für Haustiere
Yelp (USA) Minibar vor Ort (darf nach Dienstschluss genutzt werden)
Aetna (USA) Bonus in Höhe von 300 US-Dollar für Mitarbeiter, die 20 Tage lang nachts mind. 7 Stunden schlafen
Rajah & Tann LLP (Singapur) Kostenloses Frühstück und jeden zweiten Freitagabend eine kostenlose, frei zugängliche Bar

Hotdesking und Bürogebäude mit unterschiedlichen Themengestaltungen

Wenn mehr Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten, gewinnt das Büro als Ort für Zusammenarbeit und Teambuilding an Bedeutung. Bei der Bürogestaltung sollte das berücksichtigt werden. 

Beim sogenannten „Hotdesking“ verfügen die Mitarbeiter nicht über einen festen Arbeitsplatz, sondern können sich jeden Tag aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Auf diese Weise wird mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag gebracht, was durch unterschiedliche Farb- und Themengestaltungen in den einzelnen Räumen innerhalb eines Bürogebäudes noch unterstützt werden kann. Damit erhält jede Ecke des Gebäudes ein ansprechendes und einzigartiges Design.

In der thyssenkrupp Academy in Essen beginnt der Arbeitstag für die Mitarbeiter mit dem Gang zu ihrem persönlichen Spind, wo sie einen Computerwagen holen und sich dann je nach Tagesverlauf, Laune oder den Anforderungen des aktuellen Projekts an einem beliebigen Ort zum Arbeiten niederlassen, zum Beispiel in sogenannten „Work Spaces“, „Comfort Zones“, „Innovation Garages“ oder „Think Tanks“. Die farbenfrohe Atmosphäre ist alles andere als langweilig.

„Work Space“ in der thyssenkrupp Academy

Wenn Sie nur 40 Stunden pro Woche arbeiten und die empfohlenen sieben Stunden pro Tag schlafen, verbringen Sie 47 % Ihrer Wachstunden mit Arbeiten. Kommen dann noch durchschnittlich 10 Stunden für Pendeln und Überstunden hinzu, verbringen Sie 59 % Ihres Tages außerhalb Ihres Zuhauses. Wenn Sie nur 40 Stunden pro Woche arbeiten und die empfohlenen sieben Stunden pro Tag schlafen, verbringen Sie 47 % Ihrer Wachstunden mit Arbeiten. Kommen dann noch durchschnittlich 10 Stunden für Pendeln und Überstunden hinzu, verbringen Sie 59 % Ihres Tages außerhalb Ihres Zuhauses.

Spaß bei der Arbeit = verlorene Produktivität?

Man könnte leicht denken, dass eine lockere Arbeitsatmosphäre dazu führt, dass die Mitarbeiter abgelenkt sind und somit ihre Produktivität leidet. Jedoch hat sich gezeigt, dass kreative Arbeitsumgebungen kreative Talente anziehen. Laut einer Studie der University of Florida aus dem Jahr 2008 legen Mitarbeiter, die Spaß an ihrem Job haben, ein noch größeres Engagement und folglich mehr kreative Leistung an den Tag.

Ob am Billardtisch, der Xbox oder der Dartscheibe: Durch kurze Pausen, die Mitarbeiter entspannt mit ihren Kollegen verbringen können, wird der Teamgeist gestärkt und dadurch letzten Endes auch die Produktivität gesteigert. 

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Die Schwarzmaler

Ein gültiges Gegenargument ist, dass herkömmliche Zeitüberwachungssysteme und Büroumgebungen lange Zeit gut funktioniert haben. Und zugegeben: Es gibt immer noch viele Traditionalisten, die sich in einer unkonventionellen Arbeitsumgebung nicht wohlfühlen würden. 

Dies kann jedoch als Argument zugunsten alternativer Arbeitsumgebungen ausgelegt werden, da es lediglich eine fundamentale Tatsache beweist: Jeder ist anders. 

Aus dem Wunsch nach mehr Optionen und unterschiedlichen Methoden zur Erledigung von Aufgaben sind nichttraditionelle Arbeitspraktiken hervorgegangen. Auch wenn diese die herkömmlichen Arbeitsmethoden vielleicht nie komplett ersetzen werden, tragen sie zu einem abwechslungsreichen, interessanten Arbeitsmarkt bei, auf dem jeder Einzelne seine Nische finden kann.

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