Die Folgen der Digitalisierung für den Arbeitsplatz der Zukunft

Viele Menschen in der Stadt – und auch anderswo – fragen sich: Werden mich die neuen Technologien aus meinem Job verdrängen? Das ist eine gute Frage, deren Antwort noch nicht ganz geklärt ist. Schnelle Veränderungen können beunruhigen, vor allem dann, wenn sie die wirtschaftliche Grundlage beeinflussen, auf der wir unser Leben aufgebaut haben.

Unbestritten ist jedoch, dass die Digitalisierung von Arbeitsplätzen bereits begonnen hat. Wie sie sich in Zukunft auf die einzelnen Arbeitnehmer auswirken wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Gefragt werden muss unter anderem, wie die Reaktion der einzelnen Arbeitnehmer aussieht, wie Unternehmen und Industriezweige diesen Wandel planen und welche Unterstützung Regierungen dabei leisten. Zu Beginn dieser URBAN HUB-Serie werden mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitnehmer verschiedener Branchen untersucht.

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„Jede Art von Job wird eine digitale Komponente besitzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder ein Computerspezialist sein muss; tatsächlich können digitale Technologien aufgrund ihrer Benutzerfreundlichkeit und der leichten Zugänglichkeit Qualifikationsdefizite sogar ausgleichen.“

Satya Nadella, CEO von Microsoft, (In einem Vortrag beim Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos)

Was genau ist Digitalisierung?

Zunächst einmal benötigen wir genaue Definitionen. Viele Menschen glauben, dass die Automatisierung im Zentrum der aktuellen Umwälzungen steht. Es ist zwar richtig, dass die Automatisierung von Prozessen immer weiter voranschreitet, aber es handelt sich dabei genau genommen um die Fortsetzung einer früheren Entwicklung. Heute befinden wir uns mitten in der 4. industriellen Revolution, die auch als Industrie 4.0 bezeichnet wird. Automatisierte Maschinen, künstliche Intelligenz (KI) und Menschen werden über das Internet der Dinge (IoT) und Cloud-Computing miteinander verbunden und lassen „cyber-physische“ Systeme entstehen.

Die im Englischen gebräuchlichen Begriffe „Digitization“ und „Digitalization“ werden häufig synonym verwendet. In diesem Artikel wird jedoch zwischen beiden streng unterschieden. Bei „Digitization“ handelt es sich um eine relativ einfache Umwandlung analoger in numerische Informationen. Dieser Vorgang gehört bereits seit vielen Jahren zu unserem Alltag. Scannt man beispielsweise ein Dokument, wird es „digitisiert“.

Die Digitalisierung entfaltet hingegen ihre Wirkung in gesamten Fabriken, Gebäuden oder Städten. Sie kombiniert Big Data mit vernetzten, standortbasierten Dienstleistungen und individuellen Präferenzen, um relevante Informationen in einem benutzerfreundlichen Format zur Verfügung zu stellen. Beispiel: Sie sind bereits seit einigen Stunden mit dem Auto unterwegs, es ist abends, Sie sind hungrig und ein Fan von japanischem Essen. Ihr GPS-Navigationsgerät weiß darüber Bescheid und liefert Ihnen – unaufgefordert – eine Wegbeschreibung zu einem guten, nahegelegenen Sushi-Restaurant.

Wie verändern sich urbane Jobs?

Sushi ist eine Sache. Aber was ist mit dem Arbeitsplatz? Sehen wir uns kurz an, was mit einem urbanen Arbeitsplatz in Ihrer Nähe passieren könnte.

Büro

Immer mehr Unternehmen stellen Büromitarbeitern digitale Geräte zur Verfügung. Der Grund? Viele dieser Geräte werden im Arbeitsalltag zunehmend unverzichtbar – mithilfe von Unternehmensanwendungen ist quasi jeder Büromitarbeiter in der Lage, auf benötigte Informationen sofort zuzugreifen, und zwar unabhängig von Ort und Zeit. Virtuelle, auf der ganzen Welt verstreute Teams können an gemeinsamen Dokumenten oder Projekten arbeiten, während sich Eltern die Möglichkeit bietet, von zu Hause aus zu arbeiten, da die Digitalisierung der Trennung von Arbeit und Arbeitsplatz den Weg bereitet.

Gesundheitswesen

Die Patientenversorgung genießt hier stets oberste Priorität. Die Digitalisierung kann diese vereinfachen und Ergebnisse verbessern. Beispiel: Ärzte, die Virtual Reality- oder Augmented Reality-Tools (VR- oder AR-Tools) nutzen, können Patienten genauer untersuchen und besitzen eine höhere Sicherheit, nichts bei der Diagnose übersehen zu haben. In Krankenhäusern werden mit über das Internet der Dinge verbundenen Maschinen die Vitalparameter von Patienten lückenlos überwacht. Krankenschwestern und -pfleger werden bei Zwischenfällen sofort alarmiert. Dank Digitalisierung bleibt dem Pflegepersonal nun mehr Zeit für die persönliche Patientenansprache, wozu Maschinen nicht in der Lage sind.

Produktion

AR-Brillen werden auch in Fabriken eingesetzt, um Arbeiter zu schulen und Fehler zu reduzieren. Arbeiter können bei Montagetätigkeiten auf Schritt-für-Schritt-Anleitungen zugreifen und erfahren über die Brillen, ob und wann Fehler gemacht wurden. Die Digitalisierung sorgt auch für mehr Sicherheit in der Produktion. Intelligente Maschinen können heute viele gefährliche Aufgaben erledigen, die in der Vergangenheit mit großen Gefahren für Industriearbeiter verbunden waren. Darüber hinaus können intelligente Sensoren in Schutzkleidung alle möglichen Werte überprüfen – angefangen bei Herzfrequenz und Temperatur des Arbeiters bis zu etwaig vorhandenen giftigen Gasen, gefährlichem Staub oder Strahlung – und rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen auslösen, also Leben retten.

Logistik

Laut dem Weltwirtschaftsforum „fahren 50 % der LKW nach Auslieferung ohne Ladung zurück“. Das ist weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll! Mithilfe von Digitalisierung wird Fracht besser auf die verfügbare Ladekapazität verteilt, sodass sich solche Ineffizienzen beseitigen lassen. Lagerarbeiter können außerdem einfacher Inventuren durchführen und schneller die gesuchte Ware finden. Das Zustellpersonal wiederum profitiert auf der „letzten Meile“ – dank cleverer Apps, die Navigation, Straßen- und Verkehrsbedingungen, Kundenpräferenzen und andere Informationen miteinander kombinieren, um die effizienteste Möglichkeit für die Warenauslieferung zu berechnen. Arbeiter mit digitaler Verstärkung arbeiten also schneller, machen weniger Fehler und sind zufriedener.

Die Transformation der Arbeitswelt in der Gebäudeinstandhaltung

Ein weiterer Bereich, der von der Digitalisierung beeinflusst wird, ist das Gebäudemanagement. Intelligente Sensoren stellen Echtzeitdaten verschiedener Gebäudesysteme – Klimaanlagen, Sanitäranlagen usw. – zur Verfügung und kombinieren sie mit analytischen Algorithmen und vordefinierten Protokollen. Wartungspersonal im betreffenden Gebiet wird benachrichtigt, sobald Anomalien festgestellt werden. Dabei werden die Informationen, die zum Beheben des Problems benötigt werden, auf ein vom Techniker mitgeführtes Gerät übertragen. Digital verknüpfte Sensoren, die Bewegungen im Gebäude erfassen, können Reinigungskräften außerdem mitteilen, um welche Räume sich gekümmert werden muss und welche seit der letzten Reinigung nicht genutzt wurden.

Hier noch ein Beispiel aus dem Bereich der Aufzugswartung. Anstatt auf einen Schaden zu warten, können Aufzugstechniker mithilfe des MAX-Systems Teile proaktiv ersetzen. Der 36-jährige Bruce Holley, ein erfahrener Reparaturtechniker für Aufzüge, ist überzeugt von der neuen Technik: „Meiner Erfahrung nach ist die Mehrzahl meiner Kollegen sehr dankbar für die Technologien und die mit dem Internet der Dinge verbundenen Veränderungen. Konnektivität, Mobilität und Kommunikation haben sich verbessert … dadurch profitieren wir Techniker von deutlich mehr Möglichkeiten.“

„Viele Menschen glauben, dass wir aus unseren Jobs verdrängt werden können, je mehr die Technologien weiterentwickelt und damit unabhängiger werden. Meinen Beobachtungen zufolge ist dies jedoch nicht der Fall. Technologie gibt uns stattdessen die Möglichkeit, mehr und verschiedene Aufgaben zu erledigen – tatsächlich haben wir mehr als je zuvor zu tun!“

Bruce Holley, East Region Trainer, thyssenkrupp Elevator US

Städteplanung mithilfe von Digitalisierung

Ob Fabrik, Krankenhaus oder Gebäudemanagement – die Digitalisierung verändert unsere Art zu arbeiten. Dies gilt gleichermaßen für die Menschen, die Gebäude entwerfen und bauen, und sogar für die Städte, in denen diese Gebäude zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Im zweiten Teil dieser URBAN HUB-Serie wird der Bereich digitalisierter, urbaner Arbeitsplätze weiter untersucht.

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