Energy Efficiency

Ein Mammutprojekt: Mensch und Umwelt in Harmonie

Nicht selten greifen Megaprojekte nachhaltig in lokale Ökosysteme ein. In der Kritik stehen insbesondere eine kurzsichtige Planung und die mangelnde Berücksichtigung von Umweltrisiken. Doch inzwischen kommen vermehrt Technologien zum Einsatz, die Umweltprobleme bekämpfen, statt sie zu befeuern. Tatsächlich haben viele aktuelle Megaprojekte das Potenzial, eine Antwort auf die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit zu liefern.

Smart Cities gehören zur neuen Generation an Megaprojekten und sind Vorreiter für nachhaltigere Bauweisen. Andere Großprojekte bringen Mensch und Umwelt in Einklang, ohne dabei wirtschaftliche Gesichtspunkte außer Acht zu lassen – von effizienter Ressourcennutzung bis zum Katastrophenschutz. Urban Hub stellt Megaprojekte vor, die sich in den Dienst der Umwelt stellen.

 

Energy Efficiency
Energie sparen und Müll vermeiden - Energieeffizienz kombiniert die Aufklärung der Menschen über ihren Verbrauch mit neuen, verbesserten und grünen Gebäudestrategien, die den ökologischen Fußabdruck urbaner Zentren verkleinern.
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Erstellt am 25.10.2017

Streben nach mehr Nachhaltigkeit

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Bauprojekte unvorstellbare Dimensionen angenommen. Im Zuge der zunehmenden geopolitischen Kooperation erstrecken sie sich über Landesgrenzen und verschlingen Kosten in Milliardenhöhe. Ein wichtiger Träger sind öffentlich-private Partnerschaften, die Investoren und politische Entscheidungsträger mit lukrativen Aussichten anlocken.

Wie der Name bereits sagt, streben Megaprojekte die ganz große Lösung an. In der Vergangenheit wurden jedoch häufig gegebene Versprechen nicht gehalten und die Umwelt über Gebühr belastet. Inzwischen ist allerdings zu beobachten, dass Investoreninteressen verstärkt in den Hintergrund rücken und nachhaltige Visionen die Oberhand gewinnen.

Die Umwelt gibt den Ton an. Ressourcenschonenden Bauweisen gehört die Zukunft, auch dank der Digitalisierung finden „grüne“ Technologien zunehmend Verbreitung. Neue Megaprojekte gehen noch einen Schritt weiter: Sie kanalisieren Rohstoffe, formen Smart Cities und bewahren Menschen vor den Folgen des Klimawandels.

 

Impression von Chinas Süd-Nord-Wassertransferprojekt

Die Natur im Dienste des Menschen

Eines der ambitioniertesten Bauprojekte aller Zeiten ist das Süd-Nord-Wassertransferprojekt in China. Drei Routen in Ost-, West- und Zentralchina sollen 44,8 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser jährlich aus dem Jangtsekiang im Süden in den wasserarmen Norden transportieren. Das komplette Kanalsystem wird über 1152 Kilometer lang sein.

Das Projekt soll das Problem der akuten Wasserknappheit in Dutzenden chinesischen Provinzen beheben, darunter Peking, Jiangsu und Gansu. Seit der Fertigstellung einiger Abschnitte im Jahr 2014 ist eine spürbare Verbesserung in den Bereichen Wasserqualität, Kontrolle städtischer Wasservorräte und sogar bei der Eindämmung von Flutkatastrophen zu beobachten.

 

Rettung vor dem Anstieg des Meeresspiegels

Küstenstädte wie Jakarta und New York suchen fieberhaft nach Lösungen, um die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels bekämpfen – ähnlich denjenigen in San Francisco. Ziel ist es, ausreichenden Schutz zu gewährleisten und Hafenareale zu kommerziellen und kulturellen Anziehungspunkten zu machen.

Keine andere Stadt weltweit sinkt so schnell wie Jakarta. Bei Flut ergießen sich Wassermassen über den Schutzwall der Stadt. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Projekt „Great Garuda“, das einen neuen Deich, ein Küstenbefestigungen und künstliche Inseln vorsieht. Die Kosten belaufen sich auf 40 Milliarden US-Dollar. Eine besondere Herausforderung liegt darin, nicht den Zugang zum Meer zu versperren, der für viele Einwohner Jakartas eine wichtige Lebensgrundlage darstellt.

Auch New York versucht, seine Küstenlinie vor dem Anstieg des Meeresspiegels und Unwettern zu schützen. Mit einem Budget von über 500 Millionen US-Dollar nimmt die US-Metropole nun ein Projekt in Angriff, das eine Hochwassermauer und Uferböschungen kombiniert, die vom Battery Park zur Lower East Side reichen.

 

Vision einer Smart City: Songdo International Business District, Korea

Bauen für die Zukunft: Städte als Hüter der Umwelt

Warum nicht etwas bauen, das aktiv der Umwelt guttut, anstatt lediglich negative Umwelteinflüsse einzudämmen? Ein Beispiel hierfür sind multinationale Projekte zum großflächigen Ausbau erneuerbarer Energieträger, die den CO2-Ausstoß und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Ein weiteres Beispiel? Die am Reißbrett entworfene Smart City.

Diese Megastädte werden von Grund auf neu geschaffen. Sie sind nicht mit den Umweltherausforderungen konfrontiert, mit denen existierende Städte kämpfen – von daher ist sozusagen alles von Beginn an im „grünen Bereich“. Digitale Funktionalität ist automatisch in Infrastruktur wie Straßen, Wasserversorgung und Stromnetz enthalten, um den Energieverbrauch zu optimieren.

Vom Konza Technology Center in Kenya bis zum Songdo International Business District in Korea – Megastädte der Zukunft faszinieren nicht nur dank ihrer schieren Größe, sondern dienen auch als Experimentierfeld für die großflächige Nutzung smarter Technologien, die den Schaden eindämmen könnten, den urbane Zentren der Umwelt zufügt haben.

Enormes Potenzial intelligenter Technologien

Von weitreichenden Innovationen in smarter Technologie können Städte jeder Größe profitieren. Keine Stadt, die mit steigenden Bevölkerungszahlen und veralteter Infrastruktur konfrontiert ist, kann sich dem Potenzial von Big Data sowie des Internets der Dinge verschließen.

Santander gilt als Stadt der Zukunft. Die Hauptstadt der spanischen Provinz Kantabrien hat sich einen Ruf als Europas am besten vernetzte Stadt erworben. Seit 2010 wurden Tausende Sensoren installiert, die einen Einblick in das gesamte städtische Leben geben – von der Parkplatzsuche bis zur Schadstoffbelastung. Die erfassten Daten haben bereits dazu beigetragen, die Energiekosten um 25 Prozent zu senken.

Aufgrund des fortwährenden Bestrebens der Stadt, Technologien zu nutzen, die eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen ermöglichen, nimmt Santander eine Vorbildrolle für andere Großstädte wie Singapur, Boston und Arhus ein.

 

Santander nutzt Sensoren, um seine CO2-Bilanz zu reduzieren

Bauprojekte im Zeichen des Umweltschutzes

Umwelt- und Gesundheitsexperten schlagen angesichts der jüngsten Statistiken Alarm und fordern drastische Sofortmaßnahmen. Megaprojekte haben das Potenzial, ihren Beitrag dazu zu leisten. Hier einige futuristisch anmutende Ideen, die sich teils noch in der Planungsphase befinden:

• Geothermale Kraftwerke: In Reaktion auf die zunehmende Nachfrage nach Lithium-Batterien plant das kalifornische Start-up Simbol, Kraftwerke zu errichten, die Lithium, Zink und Mangan aus Salzwasser extrahieren. • „Desert Aquanet“: Das japanische Unternehmen Shimizu verfolgt das ambitionierte Ziel, künstliche Seen in der Wüste anzulegen, die über Kanäle mit Meerwasser gespeist werden. Ziel ist es, die Temperatur zu senken und die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

• Arkologien: Eine komplette Stadt passt in eine einzige Arkologie. Eine solche schwimmende Megastruktur, NOAH getauft, wurde New Orleans nach Hurrikan Katrina in Aussicht gestellt. Der Entwurf umfasst Solaranlagen, Windturbinen und hochmoderne Anlagen zur Wasseraufbereitung und -speicherung – ein Modell, das auch in anderen urbanen Küstenregionen realisiert werden könnte.

 

Die Umwelt steht an erster Stelle

Wie die jüngsten Erfahrungen gezeigt haben, gehen Megaprojekte und Umwelt Hand in Hand. Tatsächlich könnten derartige Großprojekte sogar das Potenzial haben, Antworten auf globale Probleme wie Dürre, Überbevölkerung und Rohstoffknappheit zu liefern.

Welche Ideen haben Sie, um der Umwelt zu helfen? Wir freuen uns auf Ihre Ideen im Kommentarbereich!

 

Image Credits

North Water Transfer Project, taken from wikipedia.org, photo by Nsbdgc, some rights reserved
Santander Map, taken from smartsantander.eu, imagery ©2017 TerraMetrics, all rights reserved.