Energy Efficiency

Küstenstädte rüsten sich gegen steigende Meeresspiegel und Flutgefahr

Verheerende Hurrikans in Texas und Puerto Rico, wilde Taifune in Südchina und die seit langer Zeit schlimmsten Monsune in Indien und Bangladesch: Kann es noch schlimmer kommen? Die Frage muss leider bejaht werden. Extreme Wetterlagen werden künftig noch extremer, und sie werden noch häufiger auftreten. Gleichzeitig werden die Meeresspiegel weiter ansteigen.

All dies wird dramatische Auswirkungen auf viele unserer Städte haben. Kann etwas dagegen unternommen werden? Ja! Die gute Nachricht ist, dass viele Städte bereits Gegenmaßnahmen ergreifen, indem sie gesunden Menschenverstand und modernste Technologien kombinieren, um ihre Einwohner und deren Heimat zu schützen. URBAN HUB hat einige bemerkenswerte Beispiele ausfindig gemacht.

Energy Efficiency
Energie sparen und Müll vermeiden - Energieeffizienz kombiniert die Aufklärung der Menschen über ihren Verbrauch mit neuen, verbesserten und grünen Gebäudestrategien, die den ökologischen Fußabdruck urbaner Zentren verkleinern.
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Was geht hier vor?

Der Klimawandel ist real. Die durch die Menschen verursachte globale Erwärmung lässt das Polareis schmelzen. Dadurch steigt die Wassermenge in den Weltmeeren – was zur Erhöhung der Meeresspiegel führt – und werden die uns bekannten Klimamuster durcheinandergebracht. Das ist jedoch nur ein Aspekt des Problems.

Weil Städte mehr Raum zum Wachsen brauchten, wurde ein Großteil der Flächen, die eigentlich für das Filtern des Wassers durch die Erde und zurück in die Flüsse, Seen und Meere erforderlich gewesen wären, doch als Bauland genutzt. Bei Asphaltstraßen fließt das Regenwasser in Straßenabläufe und Entwässerungsrinnen ab, die unter extremen Wetterbedingungen überlaufen und verstopfen können. Aufgrund fehlender nachhaltiger Stadtplanung hat sich im Laufe der Zeit eine unhaltbare Situation entwickelt.

Was kann man tun? Beispiele für Städte, die etwas tun.

Viele Städte haben bereits begonnen, mit Lösungen zu experimentieren, neue Technologien zu testen sowie inspirierende und praktikable Beispiele für andere Städte zu liefern. Eine davon ist die amerikanische Stadt Chicago im Bundesstaat Illinois, der vor allem Regen und Schnee Probleme bereiten – Prognosen zufolge wird die Niederschlagsmenge bis zum Jahr 2100 um 40 Prozent steigen.

Um dem entgegenzuwirken, werden momentan versickerungsfähige Verkehrsflächen erprobt. Regen- und Schmelzwasser versickert in porösem Gestein, wo eingebettete Mikroben alle Schadstoffe entfernen. Das saubere Wasser wird dann zu nahegelegenen Fabriken oder zurück in den Lake Michigan geleitet, und 80 Prozent des Niederschlags werden vom städtischen Abwassersystem abgelenkt. Das bisher ehrgeizigste Projekt unter diesen „grünen Wegen“ erstreckt sich über eine Länge von 3,2 Kilometern.

„Schwammstädte“ in China

Die chinesische Regierung hat ein ehrgeiziges Projekt zur Planung und zum Bau von sechzehn „Schwammstädten“ gestartet. Das neue Zentrum von Changde (1,3 Mio. Einwohner) wird von Kanälen gesäumte Straßen – sogenannte „Öko-Boulevards“ – integrieren, die dafür sorgen, dass das Flusswasser ganz natürlich durch die Stadt fließen kann, ohne das alltägliche Leben der Bewohner zu beeinträchtigen. Gebäude mit hoher Wohndichte werden auf einem leicht erhöhten Gebiet in diesem sonst niedrig gelegenen Flussbecken konzentriert. Die Strategie lautet, mit der Natur zu arbeiten, nicht gegen sie.

Das Climate Proof Program in Rotterdam

Die niederländische Stadt Rotterdam liegt an der Mündung des Rheins in die Nordsee und größtenteils 7 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Stadt verfügt bereits über ein beeindruckendes Deichsystem und ein gigantisches Sturmflutsperrwerk – den sogenannten „Maeslantkering“. Die Stadtverwaltung hat nun außerdem ein mehrjähriges Megaprojekt gestartet, das diese „harten“ Lösungen unterstützen soll.

Das Rotterdam Climate Proof Program umfasst aber auch eine Reihe von „weichen“ Maßnahmen, wie den Schutz wichtiger Feuchtgebiete und die Anpflanzung von mehr Büschen und Bäumen. Außerdem gibt es Wasserplätze, die zeitweise als Auffangbecken für Oberflächenwasser fungieren. Der Wasserplatz Benthemplein beispielsweise kann 1.800 m3 Wasser fassen.

 

Das Sperrwerk Maeslantkering verfügt über zwei Arme in der Größe des Eifelturms, die bei Flut geschlossen werden können, um die Stadt Rotterdam vor Überflutung zu schützen. Dieses 20-sekündige Video zeigt im Zeitraffer, wie das Sperrwerk funktioniert.

Küstenkorridore um New York City

Hurrikan Sandy im Jahr 2012 war ein Weckruf für New York City und die gesamte amerikanische Ostküste. Der Wirbelsturm forderte viele Todesopfer und richtete immense Schäden an – es war die drittteuerste Naturkatastrophe in der Geschichte der USA. Unter anderem aus diesem Grund wird derzeit darüber nachgedacht, das Konzept des „Öko-Boulevard“ auszubauen und in der gesamten Region „Küstenkorridore“ zu errichten.

Der Plan sieht vor, dass niedrig gelegene Flächen in einer Reihe von Grünstreifen, die sich vom Inland bis zur Küste erstrecken, quasi im natürlichen Zustand bleiben bzw. renaturiert werden. Die in höher gelegenen Gebieten gebauten Gebäude und die bestehenden Nachbarschaften sollen „verdichtet“ werden. Dadurch entstünden benachbarte Korridore, die abwechselnd für das natürliche Wassermanagement und für Gebäude und Straßen genutzt würden.

Mehrzweck-Megaprojekt in Singapur

Der Stadtstaat Singapur schützt seinen Stadtkern durch den Damm und Stausee Marina Barrage vor Monsunen und steigenden Meeresspiegeln. Das Mega-Infrastrukturprojekt stabilisiert die Gezeitenflüsse, sorgt für eine bessere Bodenentwässerung und verringert die Überflutungsgefahr in dieser niedrig gelegenen Stadt. Auch andere tief gelegene Städte wie Jakarta könnten sich dieses Konzept zum Beispiel nehmen.

Das Projekt umfasst außerdem ein System zur effektiven Regenwassersammlung, mit dessen Hilfe nun 10 Prozent des Trinkwasserbedarfs der Stadt gedeckt werden. Doch nicht nur das: Die Anlage bietet auch neuen Raum für Parks, Freizeitaktivitäten und Tourismuseinrichtungen, wodurch die Lebensqualität der Stadt erhöht wird.

Weitere Städte, die sich der Herausforderung stellen

Hier einige weitere Beispiele von Städten, die kreative Maßnahmen zum Hochwasser- und Überflutungsschutz ergreifen:

  • Dhaka in Bangladesch bringt wichtige kommunale Dienste in solarbetriebenen Schiffscontainern unter, die dank recycelter Plastikflaschen bei Flut auf dem Wasser treiben können.
  • Da Nang in Vietnam bietet ein Programm für flutsicheres Wohnen an, das ärmeren Familien Dispositionskredite und Ratenkredite zur Verfügung stellt, damit sie ihr Zuhause flutsicher machen oder ein neues hochwassersicheres Haus bauen können.
  • Surat in Indien hat ein hochmodernes Frühwarnsystem eingerichtet, das die Bewohner frühzeitig vor drohenden Überschwemmungen warnt und so dem Ausbrechen von Panik während der Evakuierung vorbeugt.

 

Dieses kurze animierte Video der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zeigt, welche Maßnahmen Städte wie Kopenhagen, Yokohama, Toronto und Sydney zur Vorbereitung auf den Klimawandel ergreifen.

Die Vorbereitung auf den Klimawandel als Chance sehen

Wie wir sehen, gibt es eine Reihe von Städten, die Technologie auf kreative Weise einsetzen, um die Gefahr von Überschwemmungen zu verringern. Das ist jedoch noch nicht alles: Die Investition in derartige Mega-Infrastrukturprojekte kann auch den nahe gelegenen Naturgebieten und der Umwelt zugutekommen, das Stadtbild verschönern und den Bewohnern neuen Raum für Freizeitaktivitäten bieten.

Auch der Arbeitsmarkt wird profitieren. Schließlich baut Infrastruktur sich nicht selbst. Wenn wir jetzt handeln, können auch wir unsere Städte fit für den Klimawandel machen. Außerdem werden wir einen „Welleneffekt“ von vielen weiteren Vorteilen auslösen, deren Zusammenwirken unseren Städten ein noch nie dagewesenes Maß an Lebensqualität verleihen wird.

Welche Maßnahmen ergreift Ihre Stadt zur Vorbereitung auf den Klimawandel?