Wie man dichte urbane Räume lebenswert macht: Eine Tour durch Singapur

Singapurs Supertrees

Wie kann ein Land, das nur halb so groß wie London ist, einer stetig wachsenden Bevölkerung Herr werden? Da der bebaubare Raum aufgrund der Landesfläche von gerade mal 700 km2 stark begrenzt ist, ist eine Ausdehnung Singapurs nur noch nach oben oder nach unten möglich – unter der Erde möchte jedoch niemand leben.

Singapur ist bei Weitem nicht die größte oder am dichtesten besiedelte Stadt der Welt. Trotzdem wird sie in den nächsten Jahren mit enormen demografischen Herausforderungen zu kämpfen haben. Die politischen Entscheidungsträger legen glücklicherweise großen Wert auf „wohlüberlegte“ Entwicklungen, die neben den Bürgern auch die Umwelt und innovative Architekten freuen werden. URBAN HUB gewährt einen Einblick in die beeindruckende Architektur Singapurs und zeigt seinen einzigartigen Ansatz für den Umgang mit Urbanisierung.

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Stressfreies Großstadtvergnügen

Singapur verfügt ohne Zweifel über echtes Großstadtflair: hohe Gebäude, Museen, majestätische Parks und ein aufregendes Nachtleben. Andererseits ist die Stadt überaus sicher, und man findet sich leicht zurecht. Die Züge sind immer pünktlich, und eine Fahrt mit dem Taxi kostet weniger als 20 €.

Reisende müssen sich nicht in langen Warteschlangen am Flughafen gedulden, eine Brücke verbindet die Stadt mit einer nahegelegenen Urlaubsinsel, und zahlreiche Parks und Gärten sind kostenlos zugänglich. Kurzum: Singapur ist eine Großstadt, die sowohl spannend als auch erholsam sein kann.

Auf dem Marina Bay Sands Hotel
Singapur und New York in Zahlen Singapur und New York in Zahlen
Supertrees und Marina Bay Sands Hotel

Blühende Architektur

Was Besucher der Stadt am meisten beeindruckt, ist ihre atemberaubende Architektur. URBAN Hub hat einen Fotografen zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten geschickt, damit auch diejenigen, die es nicht selbst nach Singapur schaffen, einen Eindruck von der städtischen Architektur bekommen.

Trotz ihres vertikalen Wachstums und der immer höher werdenden Gebäude unternimmt die Stadt große Anstrengungen, um viel Grün zu erhalten. Tatsächlich sind die praktisch staufreien Autobahnen gesäumt von Blumen und sorgfältig gepflegten Bäumen. Die Architektur Singapurs birgt viele Schätze, deren umweltbewusste Innovation die ganze Welt begeistert.

Die Flower Hall der Garden of the Bays

Einbeziehung der Bürger

Man könnte nun befürchten, dass die Bedürfnisse der Bewohner zwischen den Häuserschluchten verloren gehen. Doch diese Angst ist unbegründet: Die Regierung von Singapur versucht, Bauprojekte mit den Bedürfnissen und Erwartungen der Bürger in Einklang zu bringen. Dazu stützt sie sich z. B. auf Partnerschaften zwischen den Bürgern, öffentlichen und privaten Organisationen oder richtet einen Fonds zur Förderung von „leiserem Bauen“ ein.

Auch die Bürger zeigen Initiative und beteiligen sich aktiv, indem sie beispielsweise öffentliche Gärten anlegen. Sie tragen einen Großteil dazu bei, dass Singapur ein so angenehmer Ort ist: In einem „Hawkercenter“ muss man einen Sitzplatz nur mit einer Packung Taschentücher oder einem Stift besetzen. So kann man sich kurz bei einem der Straßenhändler etwas zu Essen holen und sich danach wieder setzen. Auf Singlisch – einem lokalen Dialekt, der auf Englisch basiert, – heißt das „to chope“. Touristen sollten sich diese Erfahrung auf keinen Fall entgehen lassen.

Förderinitiativen grüner Gebäude

Regierungsbeitrag zur Nachhaltigkeit

Singapur trägt nicht umsonst den Beinamen „Gartenstadt“. Politische Entscheidungsträger haben sich diesen Titel hart erkämpft. Die Regierung hat zahlreiche Programme ins Leben gerufen und Anreize geschaffen, um der umweltbewussten Linie weiterhin zu folgen. Dazu zählen u. a. das Environment Technology Research Programme, das Green Vehicle Rebate-Projekt und der Innovation for Environmental Sustainability Fund.

Die folgende Infografik zeigt einige der Strategien, die Singapur derzeit verfolgt, um die Stadt zu einem lebenswerten Ort zu machen. Dabei sollen wirtschaftliche, demografische und ökologische Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt werden.

Erfolgreiche Urbanisierung Singapur Erfolgreiche Urbanisierung Singapur

Fasziniert? Lesen Sie hier den kompletten Bericht
© 2013 Centre for Liveable Cities and Urban Land Institute

Ein Nährboden für urbane Innovation

Internationale Wissenschaftler, Experten und Organisationen haben Singapur im Blick. Manche reisen auch in die Stadt, um sich inspirieren zu lassen und praktische Beispiele für erfolgreiche Urbanisierungsstrategien zu sammeln.

Auf der „International Conference of the Council on Tall Buildings and Urban Habitat“, die 2015 in New York stattfand, wurde Singapur wiederholt als Vorbild und für Fallbeispiele herangezogen. Für Moshe Safdie und Jaron Lubin von Safdie Architects ist Sky Habitat (Singapur) ein solches Beispiel. Das vielseitig genutzte Gebäude bietet seinen Bewohnern ungewöhnlich viel Außenraum.

Auch private Organisationen werden vom urbanen Prestige der Stadt angelockt. Vom 23.–25. Februar 2016 kamen hier zum Beispiel 400 Führungskräfte von thyssenkrupp Elevator zusammen. Sie tauschten sich darüber aus, was sie in Singapur über intelligente Technologien zur Städteplanung, die Evolution von Hochhäusern und Big Data gelernt hatten.

Sky Habitat Condo

Zukunftsperspektiven für Singapur

Derzeit sind in Singapur zahlreiche interessante Projekte im Gange. Das preisgekrönte Twin-Tower-Projekt DUO von Architekt Ole Scheeren soll Wohnraum, Büroflächen, Hotelanlagen und Einkaufsmöglichkeiten schaffen. Im Mandai Nature Project können Besucher in die natürlichen Lebensräume von Tieren eintauchen und auf Baumwipfelpfaden exotische Vögel beobachten. 

Und vielleicht beschränkt sich Singapur ja doch nicht nur auf vertikales Wachstum. In seinem „Land Use Plan 2030“ ist eine horizontale Ausdehnung mithilfe von Landgewinnung vorgesehen. Dieser Plan beabsichtigt auch eine umfassendere Nutzung von unterirdischem Raum. Zu diesem Zweck sollen die U-Bahn-Linien ausgebaut werden.

Die Bürger haben Vorrang

Der Regierung von Singapur schwebt in ihrem „Land Use Plan“ (Jan. 2013) eine Stadt vor, die „unter eingehender Berücksichtigung der Bedürfnisse von Bürgern und Gemeinden sorgfältig entworfen und geplant wird“ – auch wenn die Einwohnerzahl bis 2030 weiter steigen wird. URBAN HUB wird weiterhin die Strategien im Auge behalten, mit denen dieser innovative Stadtstaat den Herausforderungen der Urbanisierung entgegentritt.

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Singapur im Zeitraffer-Video
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