Urbane Dichte: Herausforderung und Wachstumschance

Dicht besiedelte Städte – Fluch oder Segen?

Städte wachsen kontinuierlich. Der unaufhaltsame Anstieg der Bevölkerungszahlen wirft Fragen zu den Themen Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Ressourcen- und Platzknappheit auf. In einigen Städten weichen die Bewohner auf den Stadtrand aus, in anderen bleiben sie dicht um den Stadtkern herum angesiedelt.

Die Urbanisierungstheorie untersucht die demografische Verlagerung in die Städte und behält dabei Einwohnerzahlen, Bevölkerungsdichte und -verteilung sowie das horizontale oder vertikale Wachstum einer Stadt sorgfältig im Auge. Oft betrachtet die Urbanisierungstheorie urbane Dichte als Chance, das vertikale Bauen voranzutreiben und gleichzeitig bessere wirtschaftliche Möglichkeiten zu eröffnen.

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Stadtleben auf engstem Raum

Wenn die Rede vom Aufstieg städtischer Ballungszentren ist, rücken zahlreiche Aspekte wie Infrastruktur, Modernisierung, Nachhaltigkeit und öffentliche Dienstleistungen in den Vordergrund der Diskussion. Viele Stadtplaner sehen die Größe und Dichte der Bevölkerung als entscheidende Faktoren für den wirtschaftlichen Aufschwung oder Rückgang in einer Stadt.

Die Bevölkerungsdichte beschreibt die Anzahl der Einwohner pro Quadratkilometer (oder Quadratmeile) in einem bestimmten Gebiet. Andere jedoch denken bei dicht bewohnten Städten an unüberschaubare Menschenmassen und unerträgliche Lebensbedingungen. Nichtsdestotrotz sehen Stadtplaner in der Bevölkerungsdichte Chancen und betonen, dass die „urbane Dichte“ auch dafür sorgt, dass mehr Menschen von Fortschritt und Wachstum profitieren können.

Die dichtesten besiedelten Städte

Je mehr desto besser?

Einige Urbanisierungstheoretiker sind der Meinung, dass dichter besiedelte Städte viel Potenzial für mehr Produktivität, Innovation und eine unabhängige Energieversorgung haben.

Dennoch kann man nicht darüber hinwegsehen, dass einige der am dichtesten besiedelten Städte der Welt gleichzeitig zu den ärmsten gehören. Wie also kann Dichte zu Entwicklungschancen führen statt zu Stagnation? Einfach gesagt, fördert eine hohe Dichte die menschliche Interaktion, und diese bildet die Grundlage für wirtschaftliche Innovation.

Statistiken lassen vermuten, dass dichter besiedelte Räume eine größere wirtschaftliche Mobilität bieten. So ist die Wahrscheinlichkeit, ein höheres wirtschaftliches Niveau zu erreichen, in New York City größer als in einem isolierten Außenbezirk. Es gibt einfach mehr Perspektiven, und in dicht besiedelten, modernen Städten gibt es zudem eine bessere Infrastruktur, die sie greifbar macht, und ein effizientes Netzwerk, mit dessen Hilfe man sie umsetzen kann.

Vertikale Dichte macht den Unterschied

Ja. Hochhäuser halten die Miet- und Energiepreise niedrig. Bei Beschränkung der vertikalen Dichte steigen die Preise, und weniger Menschen können sich komfortables Wohnen leisten. Das heißt: Vertikale Dichte ist gut für die Welt.

Ein Beispiel dafür ist Mumbai. Durch die Beschränkung der Bauhöhe ist Wohnraum dort knapp und teuer und oft von einer größeren Infrastruktur abgeschnitten. Singapur dagegen hat ein „hohes“ Stadtzentrum voller Wolkenkratzer. Hongkong ist sogar noch vertikaler. Dort wurde vertikale Dichte erfolgreich mit fußgängerfreundlichen Straßen und Brücken kombiniert.

Durch die Kombination aus Hochhauswohnungen mit hervorragender Verkehrsanbindung, energieeffizienten Stromnetzen und Grünflächen machen Städte das Beste aus einer hohen Bevölkerungsdichte, während gleichzeitig mehr Bewohner optimal von ihrer Stadt profitieren können.

Imperial Towers - Beispiel für vertikale Dichte

Der Häuserschluchten-Effekt

Jeder ist schon mal durch eine hindurch gelaufen – eine „Wolkenkratzerschlucht“, die nach Feierabend völlig menschenleer ist. Diese Art des turmartigen Höhenwachstums isoliert Passanten und Bewohner, wenn es überhandnimmt, anstatt Innovation zu fördern.

Beim vertikalen Bauen muss der Boden im Blick behalten werden. Innerhalb der Gebäude muss eine optimale Mobilität gewährleistet sein, die Gebäude selbst sollten aber auch gut an die lokale Infrastruktur angebunden sein. Effiziente Mobilitätslösungen innerhalb von Gebäuden sorgen dafür, dass auch in höheren Etagen attraktiver Wohnraum entsteht.

Wolkenkratzer sollten die Menschen anziehen, aber sich nicht vor ihnen auftürmen und sie isolieren.

Hochhäuser in städtischen Gebieten Hochhäuser in städtischen Gebieten
Vertikale Dichte der Städte durch die Anzahl von Wolkenkratzern im Vergleich

Vertikale Dichte gibt Städten Auftrieb

Es steht außer Frage, dass Städte sich vertikal ausdehnen müssen, um bei hohen Bevölkerungsdichten genügend Platz zu bieten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass solch eine Dichte ohne Wolkenkratzer gar nicht möglich ist.

Natürlich gibt es Mittel und Wege, damit die Seele einer Stadt nicht in einem Dschungel aus Hochhäusern verloren geht. Paris ist ein solches Beispiel. Die Stadt ist dichter besiedelt als Manhattan, hat aber schrittweise Wolkenkratzer in sein zukünftiges Stadtplanungskonzept aufgenommen.

Hohe Gebäude geben dicht bewohnten Städten Auftrieb, indem sie Raum für abwechslungsreiche urbane Landschaften schaffen. Anstatt unter dem Wachstum zu stagnieren, können Städte die vertikale Dichte nutzen, um neue Perspektiven und Ideen zu finden und dafür zu sorgen, dass Megastädte lebendig bleiben.

Die Skyline von Hong Kong Die Skyline von Hong Kong
Hong Kong: Die Stadt mit der höchsten vertikalen Dichte

Credits

Image 1: Sao Paulo by Flickr User Deni Williams
Image 2: Mumbai Imperial Tower, by Krupasindhu Muduli (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Image 3: Hong Kong by Flickr User eGuide Travel, Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

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