Cities

URBAN HUB berichtet von sieben Städten, die offenbar von der Welt vergessen wurden

Es gibt verschiedene Gründe, warum es mit einer Stadt bergab gehen kann. Bei manchen liegt die Ursache in unzureichender Städteplanung und Infrastruktur, sodass ehemals pulsierende Zentren voller Leben und Kultur in Bedeutungslosigkeit versinken. Andere Städte wiederum werden durch eine Katastrophe natürlichen oder menschlichen Ursprungs ausgelöscht. URBAN HUB nimmt sieben Städte ins Visier, die die Zeit vergessen hat.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 23.08.2018

Noch immer ein Traum: Residencial  Francisco Hernando, Seseña, Spanien

Der Immobilienentwickler Francisco Hernando träumte von erschwinglichem Wohnraum für Familien. Dennoch ist in den Straßen von Seseña kein Kinderlachen zu hören. Auch kein anderes Lebenszeichen dringt aus den gespenstisch stillen Hochhäusern. Bauunternehmer vergaßen nämlich den Einbau von Versorgungsanschlüssen, wie für Wasser und Gas, weshalb die Wohnungen unbewohnbar sind. Dieser schöne Traum wurde zunichte gemacht durch schlechte Planung.

Residencial-Francisco
Residencial-Francisco

Eine verlassene Wüstenstadt: New Ordos, China 

Die Stadt New Ordos entstand auf dem Reißbrett. Mitten in der mongolischen Wüste gelegen, sollte sie Chinas Dubai werden. New Ordos war zwar für über eine Millionen Einwohner konzipiert, es leben aber nur einige Tausend hier. Nach einem kurzen wirtschaftlichen Bergbau-Boom leidet die Region heute unter Wasserknappheit, dem extremen Klima und zu wenigen Jobchancen.

Das Motto „Einfach mal bauen und dann kommen sie schon“ funktioniert eben nicht immer. Selbst einige Smart Cities hatten hart zu kämpfen. Im Fall von New Ordos konnte sich niemand die Luxusunterkünfte und hohen Steuern leisten. Diese Stadt ist eine unter vielen, die in China errichtet wurden und praktisch leer stehen.

Von der Natur zurückerobert: Pripyat, Ukraine

Während einige Städte fehlerhafter Stadtplanung zum Opfer fallen, erleiden andere ein Schicksal, das nicht beeinflussbar ist.

Nahe dem Atomkraftwerk Tschernobyl gelegen, war Pripyat Wohnort zahlreicher Kraftwerksarbeiter. Als im Jahr 1986 die atomare Katastrophe über die Stadt hereinbrach, wurden alle 49.000 Einwohner an einem einzigen Nachmittag evakuiert. Die Bewohner ließen damals beinahe alles zurück. Wo einst das Fußballstadion lag, steht heute ein Wald, und Wild streift durch die verfallenen Gebäude.

Pripyat
Pripyat

Unter einer Decke: Plymouth, Montserrat

Manche Städte haben die Möglichkeit, Vorkehrungen zu treffen, wenn sich Umweltkatastrophen anbahnen, wie etwa steigende Wasserspiegel. Andere dagegen sind der Natur schutzlos ausgeliefert. Das Schicksal von Plymouth, Montserrat – der Hauptstadt der Kleinen Antillen – erinnert an Pompei. 1995 wurde die Stadt evakuiert, da ein Vulkan auszubrechen drohte. Zwei Jahre danach explodierte die Spitze des Vulkans Soufrière Hills und begrub Plymouth unter einer Schicht von 1,4 Meter dicker Asche.

Plymouth, Montserrat
Plymouth, Montserrat

Erinnerungen an die Sommerfrische: Varosha, Zypern

Varosha auf Zypern war einst ein beliebter Urlaubsort für Promis wie Brigitte Bardot. Heute werden die Foyers der einst so glamourösen Hotels und Casinos eher von Geistern heimgesucht. Als im Jahr 1974 der Krieg ausbrach, waren alle Bewohner gezwungen zu fliehen. Seit damals ist der Zutritt zur Stadt untersagt – eine Stadt, in der seit den 1970er-Jahren die Zeit stillsteht.

Varosha, Cyprus
Varosha, Cyprus

Die vergessene Insel: Hashima Island, Japan

Manche Orte haben es nicht geschafft, mit der modernen Entwicklung Schritt zu halten.

Diese heute verlassene Insel zählte einst zu einer der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt. Über 5.000 Bergarbeiter arbeiteten hier in unter Wasser gelegenen Kohlebergwerken. Als die Bergwerke 1974 geschlossen wurden, vereinsamte die Stadt. Heute wird Hashima Island nur mehr als Filmkulisse und Touristenattraktion genutzt. 

Hashima Island, Japan
Hashima Island, Japan

Vom Boom in die Krise: Humberstone und Santa Laura, Chile 

Mitte des 20. Jahrhunderts war Humberstone in Chile eine Boomtown, die tausenden Bewohnern im Bergbau und in der Nitratverarbeitung Arbeit und Wohlstand bescherte. Doch der Verfall der Branche und das Fehlen von Ersatzjobs veranlasste die Bewohner, die Stadt zu verlassen. Seit 1961 steht die Stadt leer, und die Gebäude und Maschinen werden unaufhaltsam vom Wüstensand zugedeckt.

Humberstone and Santa Laura, Chile
Humberstone and Santa Laura, Chile

Glenrio , New Mexico/Texas und Texola, Oklahoma

Obwohl sie keine Städte im eigentlichen Sinn sind, verkörpern diese Orte im Mittleren Westen und Südwesten der USA die klassische Vorstellung von „Geisterstädten“. Sie sind auch ein Beweis dafür, wie wichtig Mobilität für das Leben und den Erfolg von Städten ist. Als der Highway Interstate 40 fertiggestellt war und die Kultstrecke Route 66 ersetzte, wurden diese kleinen Dörfer umfahren – das bald mehr Unkraut als Bewohner zählte.

Glenrio, New Mexico and Texas
Glenrio, New Mexico and Texas

Ein neues Kapitel …

Dies sind nur einige wenige Beispiele für Städte, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat. Manche werden es wohl nie mehr aus ihrem Tief schaffen, andere wiederum könnten mit einem Investitionsschub und moderner Infrastruktur nochmals zu neuem Leben erweckt werden. Mithilfe intelligenter Technologien könnten sie sich neu erfinden und mit dem Wandel der Zeit wachsen.

  • Hier sind zwei inspirierende Beispiele • Ordos Kanbashi in China, einst eine riesige „Geisterstadt“, erlebte einen Zustrom von Einwohnern und Unternehmen, als es an die florierende neue „Seidenstraße“ angeschlossen wurde.
  • Die Altstadt von Hebron war jahrelang geprägt von verlassenen Gassen mit geschlossenen Läden. Jetzt verzeichnet das Hebron Rehabilitation Committee eine bemerkenswerte Kehrtwende und die Rückkehr von nahezu 1.000 Familien.

Es ist möglich, das Schicksal umzukehren, wenn wir alle daran arbeiten, Städte zu den lebenswertesten Orten überhaupt zu machen.