Urban Fitness – Clevere neue Möglichkeiten, im städtischen Raum in Form zu bleiben

Tian Tai Nr. 2 Primary School
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Urbanization

Lange Arbeitstage im Büro und eine überwiegend sitzende Körperhaltung stellen die Gesundheit vieler Großstädter auf die Probe. So besteht zum Beispiel ein eindeutiger und beunruhigender Zusammenhang zwischen der modernen Lebensweise und Krankheiten wie Übergewicht, Typ-II-Diabetes, Herzerkrankungen und Depressionen. 

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Using urban space wisely

Städte bieten ihren Bewohnern schon seit Langem zahlreiche Möglichkeiten für körperliche Ertüchtigung, Spiele und Sport. Öffentliche Spielplätze, Schwimmbäder, Eissporthallen, Sportplätze, Fahrradwege und Parks sind in den meisten Städten allgegenwärtig und werden ausgiebig genutzt.

Tian Tai Nr. 2 Primary School

Andere Blickwinkel eröffnen neue Möglichkeiten

Doch die allerneuesten urbanen Sportstätten sind sogar noch kreativer im Hinblick auf ungenutzten Raum. Der Bentway in Toronto ist das Ergebnis der Neugestaltung einer 1,75 km langen Brachfläche unter einer Hochstraße. Hier erfahren Sie mehr darüber. Auch in Glasgow soll ein Sportpark für Jugendliche unter einem Abschnitt der Schnellstraße M74 entstehen. 

 

GUS M74 Skatepark from NorthColour Films on Vimeo.

It’s only wasteland until someone sees its potential. The Glasgow Urban Sports proposal is set to radically transform the area beneath the M74 elevated expressway into an aesthetically pleasing venue for new urban sports and social mingling.

Bisher nicht beachtete Flächen haben mittlerweile die Aufmerksamkeit von Stadtplanern erregt. Doch auch lokale Aktivisten und Unternehmer schauen genauer hin. In Brooklyn, einem Stadtteil von New York City, wurde auf einem leerstehenden Platz einfach ein Fahrradpark für Kinder angelegt. Und in Mumbai machen sich lokale Geschäftsleute die Beliebtheit von 5-gegen-5-Fußball zunutze, indem sie auf ungenutzten Flächen oder öffentlichen Plätzen Felder mit Kunstrasen anlegen. 

Große Projekte erfordern städtebauliche Genehmigungen – und Zuschüsse –, damit sie die Zeit überdauern. Im Gegenzug profitieren Besucher und Anwohner langfristig von den neuen Entwicklungen. Doch auch visionäre kleine Projekte sollten nicht unterschätzt werden, denn sie sind oft lokal inspiriert und eröffnen eine neue Perspektive bei der Nutzung von urbanen Räumen.

Neue Strukturen für körperliche Betätigung

Die neue Turnhalle der berühmten Sidwell Friends School in Washington D. C. befindet sich unter der Erde – unter dem vorhandenen Sportplatz. Damit meistert sie nicht nur die räumliche Herausforderung, sondern verbraucht auch weniger Energie als eine oberirdische Einrichtung. 

Dänemark ist Schauplatz gleich mehrerer interessanter Projekte. Im Rabalder Park in Roskilde in der Nähe von Kopenhagen wurde ein großer Entwässerungskanal so angelegt, dass er, wenn er trocken ist, als Skatepark genutzt werden kann. Weiter westlich, in Haderslev in Jütland, findet sich eine neue Iglu-förmige Sporthalle mit angeschlossenem Outdoor-Skatepark. Die Lösung ist nicht nur praktisch, sondern gibt dieser traditionellen Küstenstadt auch einen unverwechselbaren neuen Look.

Street Dome Haderslev Street Dome Haderslev
Gibt es Iglus in Dänemark? Jetzt schon! - Street Dome Haderslev, photo by © Mikkel Frost, CEBRA

Apropos Wasser: Viele Städte möchten auch ihre Flüsse wieder zur Freizeitgestaltung nutzen. In New York City soll mit dem +Pool ein Schwimmbad auf dem East River eröffnet werden. Eines Tages kann man vielleicht wieder im eigentlichen Fluss schwimmen. Bis dahin soll für den Pool gefiltertes Flusswasser verwendet werden. Immerhin ein Anfang.

Vorrübergehende Angebote

Auch interessant sind die vielen offiziellen Strukturen, die für eine begrenzte Zeit für Veranstaltungen errichtet werden. Für den autofreien Tag in Genf 2016 nutzte die Stadt die vorhandene urbane Infrastruktur, um eine 2 km lange Trainingsstrecke anzulegen. Für die Urban Sports Week in Amsterdam werden jedes Jahr eine Vielzahl temporärer Gebäude errichtet. Die Veranstaltung wurde als Plattform für Randsportarten ins Leben gerufen, damit diese nicht nur ihr Kernpublikum erreichen, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden, und findet an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt statt. Zu den Sportarten gehören zum Beispiel 3×3-Basketball, Freerunning, Inlineskating und Bouldering. Nach einer Woche werden viele der Strukturen wieder abgebaut – und bis zum nächsten Jahr eingelagert. 

Viele Städte veranstalten besonders bei gutem Wetter Volksläufe, Marathons, Fahrradrennen, Wohltätigkeitsmärsche usw. Egal welche Aktivität oder zu welchem Anlass – diese (oft jährlichen) Veranstaltungen bieten eine weitere Möglichkeit, in Form zu bleiben, oder machen Lust, sich zu bewegen. Gleichzeitig fördern sie die soziale Interaktion und kurbeln so einen weiteren Aspekt der persönlichen Fitness an: die psychische Gesundheit.

Alles andere als langweilig – Calisthenics im neuen Look. Alles andere als langweilig – Calisthenics im neuen Look.
Alles andere als langweilig – Calisthenics im neuen Look.

Turnhalle war gestern

Heute gibt es viele neue Sportarten, bei denen öffentliche Infrastrukturen und die vorhandene urbane Landschaft als Sportstätte – oder Gerät – zur körperlichen Betätigung genutzt werden. In einiger Hinsicht ähneln sie den Aktivitäten auf Spielplätzen für Erwachsene. Sie sind jedoch ortsunabhängig und können überall in der Stadt betrieben werden.

Parkour ist die wahrscheinlich älteste – und bekannteste – dieser neuen Sportarten. Sie wurde ursprünglich in Frankreich in Anlehnung an militärisches Fitnesstraining entwickelt und umfasst eine Art Hindernisparcours auf natürlichen oder gebauten Strukturen. Durch ununterbrochenes Springen, Rennen, Hüpfen, Rollen und Klettern hat Parkour nicht nur Wettbewerbscharakter, sondern dient gleichzeitig als gutes Workout.

In vielerlei Hinsicht hat es auch all die anderen urbanisierten Sportarten im Freien inspiriert – jede mit ihrem eigenen Schwerpunkt. Beim Street Workout werden zum Beispiel städtische Objekte (Bänke, Bürgersteige, Treppen, Spielplätze) für eine Kombination aus Calisthenics, Eigengewichtübungen und Gymnastik verwendet, um verschiedene Muskelgruppen zu trainieren. Beim Urban Fartlek wird mit einer Kombination aus Ausdauer- und Intervallübungen an öffentlichen Orten sowohl das aerobe als auch das anaerobe System trainiert. Und Urban Gym verwandelt mithilfe von Parcourstechniken städtische Plätze in Fitnesszentren.

 

Parkour runner doing a back flip

Auf die Plätze, fertig, los!

Mit all den neuen und alten Einrichtungen, neuen und alten Sportarten, Parks, Laufstrecken und Fitnessstudios bieten Städte einzigartige und spannende Möglichkeiten, in Form zu bleiben. Dank der Vielfalt an Aktivitäten können wir uns fast jeden Tag auf andere Art und Weise sportlich betätigen. Worauf warten wir also? Städte stehen nicht still, und auch wir haben keinen Grund dazu. Und wenn Sie wirklich keine passende Sportstätte oder Aktivität finden, können Sie einfach Ihre eigene starten. Sie haben richtig gelesen: Starten Sie Ihre eigene „Bewegung“. 

Wie halten Sie sich in der Stadt fit? 

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