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Auf der Erfolgswelle – Tel Aviv öffnet die Schleusen für smarte Innovation

Bereits vor über 10.000 Jahren siedelten sich die ersten Menschen in der Region des heutigen Tel Aviv-Jaffa an. Auch wenn die Gründung der Stadt nicht ganz so lange zurückliegt, sieht man der Stadt ihr Alter kaum an. Liegt es am guten Klima, der Sonne oder den malerischen Stränden? Gut möglich. In jedem Fall ist Tel Aviv ein Ort für alle, die im Herzen jung geblieben sind. Tel Aviv war schon immer ein Hort neuer Impulse und Ideen. Da passt es ins Bild, dass der älteste Teil der Stadt, Jaffa, einst einen bedeutenden Seehafen beherbergte. Überall in der Stadt finden sich Spuren der Einwanderer aus allen Teilen der Welt. In Tel Aviv spürt man die pulsierende Energie dieses Schmelztiegels – das Resultat ist ein florierendes Finanz- und Technologiezentrum, eine Weltstadt mit hoher Lebensqualität.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 19.12.2018

Unternehmerisch: Ein idealer Nährboden für Ideen

Jede Metropole will Top-Fachkräfte für sich gewinnen und Innovation fördern. Ihnen allen sei empfohlen, Tel Aviv einen Besuch abzustatten. Möchte man einigen Statistiken Glauben schenken, beherbergt die Stadt die größte Zahl an Start-ups pro Einwohner weltweit.

Das war nicht immer so. Ende der 1980er durchlebte Israel eine Wirtschaftskrise und sah sich einer massiven Einwanderungswelle aus der Sowjetunion ausgesetzt. Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Einwandererschar zu integrieren, griff die Regierung Unternehmensgründern kräftig unter die Arme. Gleichzeitig wurden die bürokratischen Hürden für Jungfirmen drastisch reduziert – eine Rechnung, die aufgehen sollte.

Drei weitere Faktoren schlugen ebenfalls positiv zu Buche: Da wäre erstens das vorzügliche Bildungssystem Tel Avivs. Zweitens wurde vielen jungen Menschen, die den zweijährigen Staatsdienst absolvieren mussten, wertvolles Know-how zu Software- und Hardware-Entwicklung vermittelt. Und drittens legten viele Start-ups früh den Fokus auf Hightech, was sich im Hinblick auf die spätere Marktentwicklung bezahlt machte.

Smart: Hochmoderne Lösungen für urbanes Leben

Angesichts der Tatsache, dass sich viele in Tel Aviv angesiedelte Firmen auf Hightech-Themen konzentrieren, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Stadt diesen Standortvorteil zunutze machte. Die Schaffung einer besseren Telekommunikationsinfrastruktur war der erste Schritt – inklusive kostenlosem WLAN, das inzwischen an 80 öffentlichen Plätzen der Stadt verfügbar ist. 20 Zugriffspunkte konnten die Bewohner Tel Avivs sogar selbst per Facebook-Onlineumfrage bestimmen.

Zur gleichen Zeit enthüllte Tel Aviv den DigiTel Residents Club, eine digitale Kommunikationsplattform, die den Bürger mit bedarfsgerechten Informationen versorgt – von Echtzeit-Updates zu Baustellen über Wettermeldungen bis hin zu personalisierten Einkaufsrabatten.

DigiTel bietet zudem detaillierte standortspezifische Karten an und umfasst Service-Apps, mit denen Bürger Steuerschulden begleichen oder einen Parkschein beantragen können. Die erhobenen Daten kommen dabei der Allgemeinheit zugute: Viele Datenbanken wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und werden unter anderem zum Aufbau von Start-ups genutzt.

DigiTel wird bereits von einem Drittel der städtischen Bevölkerung verwendet und laufend um Angebote wie Digi-Dog für Hundebesitzer und Digi-Taf für frischgebackene Eltern erweitert. DigiTel fördert Bürgerengagement und war einer der Gründe, warum Tel Aviv beim Smart City Expo World Congress in Barcelona 2014 als beste Smart City der Welt ausgezeichnet wurde.

Tel Aviv Promenade

In Tel Aviv zeichnet sich die Zukunft am Horizont ab.

Nachhaltig: Eine Stadt der Zukunft

Nachhaltigkeit wird in Israel seit jeher großgeschrieben. Die vorherrschende Wasserknappheit führte zur Entwicklung ausgefeilter Anlagen zur Tröpfchen- und Mikrobewässerung, lange bevor derartige Ansätze in Mode kamen. Nun finden diese im gesamten Land Verbreitung, inklusive der Grünflächen, die über 20 Prozent von Tel Aviv bedecken, und sind wichtiger Bestandteil eines ambitionierten Baumpflanzprogramms der Stadt.

Energieeffizienz und die Nutzung Erneuerbarer Energien sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Auf vielen Gebäuden findet man Solarpaneele, und die Stadt fördert eine Vielzahl weiterer Projekte für smartes Energiemanagement und Energieerzeugung, darunter Wind- und Wellenkraftwerke. Unternehmen erhalten eine begehrte offizielle Plakette, wenn sie die strengen Anforderungen der Stadt für umweltfreundliche Geschäftspraktiken erfüllen.

Neben funktionierenden Recycling-Systemen und Nachhaltigkeitsschulungen für Bewohner rührt die Stadt auch massiv die Werbetrommel für den öffentlichen Nahverkehr und Ridesharing-Angebote. Zwei neue Straßenbahnlinien sind im Bau befindlich, während der Carsharing-Dienst Auto-Tel sowie der Bikesharing-Dienst Tel-O-Fun die Umweltbelastung und Kosten für bequeme Fortbewegung verringern.

 
Tel Aviv Start-Ups

Dieses Kurzvideo zeigt lokale Unternehmer, die ihre Start-ups vorstellen und erklären, wie sich Tel Aviv in einen Hub für Hightech-Innovation entwickeln konnte. Vielleicht kann auch Ihre Stadt ein oder zwei Dinge von Tel Aviv lernen!

Aufstrebend: Genügend Platz dank vertikalem Wachstum

In der Vergangenheit war Tel Aviv nicht gerade für seine markante Skyline bekannt; vielmehr wurde das Stadtbild von zwei- bis dreistöckigen Gebäuden, Boulevards und Parks geprägt. Den ersten Wolkenkratzer gab es 1965 zu bestaunen, erst seit Mitte der 1990er wurde konsequent in die Höhe gebaut.

Der 285 m hohe ToHA Tower 1 wird sich bei seiner Fertigstellung im Jahr 2020 zum höchsten Gebäude der Stadt aufschwingen. Der futuristisch anmutende Turm entstammt der Zusammenarbeit zwischen Stardesigner Ron Arad und dem Architekturbüro Yashar, welches entscheidenden Anteil an der Gestaltung der neuen Skyline von Tel Aviv hat.

Der ebenfalls von Yashar konzipierte Landmark TLV ist ein zur Mischnutzung vorgesehener Gebäudekomplex, der zwei 45-stöckige Türme gekonnt über ein vertikales Atrium und interne Skybridges miteinander verbindet. Doppelschalige Außenfassaden schützen das Gebäudeinnere vor Sonneneinstrahlung und ermöglichen eine natürliche Belüftung und einen ungehinderten Blick auf die Stadt.

Sonnendurchflutete Gemeinschaftsbereiche erhöhen den Wohlfühlfaktor; zudem kommt im Gebäude die landesweit erste doppelte Aufzugbatterie (von thyssenkrupp Elevator) zum Einsatz, deren Fahrkabinen in Richtung Atrium weisen. Der Komplex wird aller Voraussicht nach eine LEED-Platin-Zertifizierung erhalten.

Mit seinem 45-stöckigen Atrium gewährleistet Landmark TLV eine exzellente Lebensqualität.

Yashar zeichnet außerdem für den Da-Vinci-Komplex verantwortlich, der in den unteren Etagen Büros, einen Dachgarten sowie Geschäfte und öffentliche Flächen beherbergt und in seinen 42-stöckigen Türmen mit luxuriösen, via Skybridge zugänglichen Apartments protzt. Die futuristische Fassade des Gebäudes besteht aus einem Gitterraster sich kreuzender weißer Säulen und Stahlträger.

Ebenfalls bemerkenswert: der H-Tower Recital, ein Gemeinschaftsprojekt von MYS Architects und der Hagag Group. Der LEED-zertifizierte 31-stöckige Bürokomplex wird 2018 fertiggestellt. Die Fortbewegung im Gebäude erfolgt dank energiesparender Aufzüge von thyssenkrupp schnell und leise.

Wolkenkratzer schießen in Tel Aviv wie Start-ups aus dem Boden und präsentieren sich ganz in Einklang mit der Philosophie der Stadt: smart und nachhaltig.

Lebenswert: Ein Besuch Tel Avivs lohnt sich!

Tel Aviv hat sich nicht allein wirtschaftlichem Wachstum verschrieben, sondern ist auch für sein schillerndes Nachtleben bekannt. Ob schlichte Strandcafés, Rooftop Bars, erstklassige Kulturevents mit international renommierten Künstlern oder pulsierende Clubszene – in Tel Aviv ist zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas geboten.

Darüber hinaus lockt ein 14 Kilometer langer Strand, der in losen Abschnitten so vielfältige Gruppen wie Surfer, Partygänger oder Yoga-Gruppen beherbergt. Der Strand macht Tel Aviv gemeinsam mit all den Parks, Kunstgalerien, Museen, Straßenmusikern, Märkten und kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt zu einem außergewöhnlichen Ort für alle, die hart arbeiten und das Leben genießen wollen.

Tel Aviv Map

Image Credits:

Tel Aviv Downtown, photo by Dan Gold, taken from unsplash.com

Tel Aviv Beach, photo by Adam Jang, taken from unsplash.com

Tel Aviv-Jaffa, photo by Faruk Kaymak, taken from unsplash.com

Tel Aviv Promenade, photo by Israel Tourism, taken from commons.wikimedia.org

Tel Aviv – The Innovation Hub, video by Wired UK

Landmark TLV, courtesy of Yashar Architects

Da Vinci, courtesy of Yashar Architects