Moderne Städte – fußgängerfreundlich und autofrei

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Smart Mobility

Im Namen der Nachhaltigkeit versuchen Städte kontinuierlich, ihren Bewohnern eine grünere und lebenswertere Umgebung zu bieten. Gleichzeitig erhöht wirtschaftliches Wachstum den Bedarf an Transportmitteln und verursacht so verstopfte Straßen, Stress, Zeitverschwendung und Luftverschmutzung.

Wie können Städte ein Gleichgewicht zwischen diesen gegensätzlichen Anforderungen schaffen? Initiativen zur Reduzierung des Verkehrs sind kontinuierliche Unterfangen. Daneben führen einige Städte autofreie Tage oder Zonen ein. URBAN HUB stellt Projekte auf der ganzen Welt vor, durch die urbane Umgebungen entstehen, in denen das Auto immer mehr an Bedeutung verliert.

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Die Herausforderung: weniger Autos

Seit mehr als einem halben Jahrhundert entwerfen Städteplaner autofreundliche Städte – zum Nachteil von Fußgängern. Doch bevor es Autos gab, waren unsere Straßen soziale Treffpunkte, wo Nachbarn zusammenkommen, Verkäufer Waren anbieten und Kinder spielen konnten.

Im Vordergrund für mehr Fußgängerfreundlichkeit in Städten steht eine neue urbane Planung, bei der Menschen im Zentrum stehen, nicht Fahrzeuge. Anhänger dieser Bewegung sind der Meinung, dass weniger Autos weniger Stress bedeuten. Die Menschen könnten ihre Zeit effektiver Nutzen, und nicht zuletzt steigert saubere Luft die Attraktivität von Städten. Sogar Unternehmen würden davon profitieren.

Man muss jedoch bedenken, dass Fußgängerzonen nicht sinnvoll sind, wenn Wohngegenden und Gewerbegebiete aufgrund von Baugesetzen strikt getrennt bleiben. In solchen separaten Zonen gestaltet sich der Alltag ohne Auto sehr unpraktisch. Autofreie Zonen funktionieren am besten in Gebieten mit gemischter Nutzung und nur, wenn die meisten Ziele fußläufig erreichbar sind.

The road to less traffic The road to less traffic

Schritt 1: weniger Autos, öffentliche Unterstützung

Die meisten Städte wissen: Veränderung braucht Zeit. In Tallin, der Hauptstadt Estlands, ist der öffentliche Nahverkehr vollkommen kostenlos. Dieses Angebot soll die Attraktivität von Autos senken. Nachbarstadt Helsinki (Finnland) entwickelt ein A-nach-B-System, das Mobilität-on-Demand ermöglicht, und möchte so ebenfalls die Vorteile des privaten Autobesitzes reduzieren.

Und auch Gent (Belgien) bewegt sich weg vom Auto und fördert dazu vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Stadt hat das Projekt Leefstraat(lebende Straße) ins Leben gerufen. Bewohner können einen Bereich ihrer Straße für mehrere Monate für den Autoverkehr sperren. Während dieser Zeit finden sie individuelle Ausweichparkplätze und nutzen alternative Transportmittel wie Elektroräder und „Transportfahrräder“.

Barcelona (Spanien) wiederum experimentiert mit fußgängerfreundlichen Superilles – sogenannten „Superblocks“. Dabei wird ein quadratischer Bereich aus neun Blocks (wie die Seite eines Zauberwürfels) für den Autoverkehr gesperrt. So entsteht eine fußgängerfreundliche Zone innerhalb dieses Superblocks.

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Superblocks in Barcelona reduzieren Luftverschmutzung und Stau
Nicht nur für Fußgänger: Auch Radfahrer brauchen Platz

Schritt 2: autofreie Tage

Doch es geht nicht nur darum, Städte fußgängerfreundlicher zu gestalten. Die Reduzierung des Autoverkehrs wirkt sich auch positiv auf die öffentliche Gesundheit aus. Als die Luftverschmutzung in Paris gefährliche Werte erreichte, verhängte der Bürgermeister einen autofreien Notfalltag, der die Situation sofort entspannte. Das Ergebnis ist die Initiative Paris Respire (Paris atmet), in deren Rahmen an Sonn- und Feiertagen nun regelmäßig autofreie Zonen in ganz Paris eingerichtet werden. Diese lösen vielleicht nicht das Problem, bringen den Stein aber ins Rollen.

Auch außerhalb Europas finden sich Beispiele: In Bogotá (Kolumbien) werden einmal die Woche mehr als 120 Kilometer öffentlicher Straße für den Verkehr gesperrt. Das Projekt nennt sich „Ciclovía“ und wird schon seit den siebziger Jahren durchgeführt. In Asien ist Suwon (Südkorea) ein Vorreiter für mehr Fußgängerfreundlichkeit: Im Rahmen eines Experiments haben Bewohner der Stadt einen Monat lang auf Autos verzichtet.

Schritt 3: autofreie Zonen

Sind autofreie Zonen in Städten dauerhaft möglich? Definitiv! Unzählige Städte weltweit verfügen bereits über mindestens eine Fußgängerzone im Stadtzentrum. Mehr Fußgängerfreundlichkeit erfordert jedoch mehr solcher Zonen, sodass Städte irgendwann wieder sichtbar von menschlicher Aktivität dominiert werden statt vom Autoverkehr.

Einige Städte verzeichnen dabei bereits Erfolge: Gent verfügt nun über ein 30 Hektar großes Fußgängergebiet. Andere planen weiter: Oslo (Norwegen) und Madrid (Spanien) möchten bis 2019 bzw. 2020 im Stadtzentrum vollkommen autofrei sein.

Kein Platz für Autos auf der Temple Street in Hongkong

Nichts neues

Vor gar nicht langer Zeit war die ganze Welt autofrei, und einige moderne Verweigerer verzichten bis heute auf die Nutzung von Autos. Orte wie Venedig (Italien), Mackinac Island (MI, USA), Fès el-Bali (Marokko) und Zermatt (Schweiz) zeigen uns, dass ein autofreies Leben möglich ist.

Natürlich ist der vollständige Verzicht auf Autos in vielen Fällen nicht praktikabel. Doch nicht nur kreative Alternativen wie die „Driverless Pods“ in Singapur, sondern auch innovative Transportlösungen wie der Segway PT, fahrerlose Autos und Car Sharing sind ein gutes Mittel, um weniger auf Autos angewiesen zu sein.

Gemeinsam bilden diese Lösungen ein multimodales Transportnetz, das alle Bedürfnisse abdeckt. Wir müssen nicht vollkommen auf Autos verzichten: Wir benötigen lediglich weitere attraktive Optionen. So kann beispielsweise der beschleunigende Fahrsteig ACCEL die Reichweite von U-Bahnnetzen ausbauen und die letzten hundert Meter überbrücken, die Pendler oft ins Auto steigen lässt.

Wie das motorisierte Fahrzeug der Zukunft in Ihrer Stadt auch aussieht – viele Konzepte beflügeln bereits heute unsere urbane Fantasie von gesunder Luft und einem effektiven Miteinander.

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TED-Vortrag von Urbanist Jeff Speck zum Thema „Fußgängerfreundliche Städte“
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