Städte und Schnee: die richtige Strategie für freie Straßen

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Kinder lieben Schnee wegen der hübschen Flocken und der schulfreien Schneetage. Doch ihre Eltern, so wie alle Erwachsenen, die in Städten leben, werden mit den logistischen Auswirkungen von Schnee und seinen Folgen für den Straßenverkehr konfrontiert.

Stadtverwaltungen stehen vor einem Problem: Einerseits muss der Schnee schnell und effizient beseitigt werden; andererseits kosten geeignete Mittel Geld, und niemand möchte in eine Infrastruktur investieren, die nur hin und wieder benötigt wird.

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Wie teuer sollen Wettervorkehrungen sein?

Städte, in denen es regelmäßig und heftig schneit, haben zwar alle Hände voll zu tun, sind aber immerhin gut gerüstet. Der Flughafen von Helsinki (Finnland) wird so gut wie nie geschlossen, weil Schnee im finnischen Winter die Norm ist. Das eigentliche Problem haben Orte, an denen es selten schneit. Zwischen Mekka und Medina hat es 2016 das erste Mal seit 85 Jahren geschneit. Die Folge: ein Verkehrschaos.

Dem Schnee Herr zu werden, ist besonders bei einem unvorhersehbaren Winter schwierig. Die Kosten für die Schnee- und Eisräumung in New York City lagen in den letzten Jahren beispielsweise zwischen 25 und 130 Millionen US-Dollar. Ein Teil davon entfiel auf 3.000 Winterdienstgeräte, doch auch die Personalkosten schlugen zu Buche. Überstundenzuschläge können die Ausgaben in die Höhe treiben, und gegebenenfalls müssen zusätzliche Zeitarbeiter eingestellt werden.

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, profitiert unter Umständen von beheizten Fußwegen und Fahrtreppen im Freien mit Heizelementen für mehr Rutschfestigkeit – beides Maßnahmen, die auch die Schneeräumung erleichtern. Doch manchmal werden auch Regionen überrascht, die sich mit Schnee auskennen. 2010 war die Nachfrage nach Salz so hoch, dass es für viele Landkreise in Norddeutschland nicht reichte. Darüber hinaus kann auch der Einzelne Lösungen finden: In vielen Unternehmen können Mitarbeiter von zu Hause arbeiten, wenn sie eingeschneit sind.

Urbane Herausforderung: Schnee in der Stadt ist nicht sauber

Auf dem Boden kann Schnee zu einem Umweltrisiko werden. Dabei ist nicht der eigentliche Schnee das Problem, sondern seine Beseitigung. In vielen Ländern wird noch immer Salz verwendet, das – wenn es abfließt – der Oberfläche und dem Grundwasser sowie der Bodenchemie, der Tierwelt und letztendlich dem Menschen schadet. Seit 2004 gilt es in Kanada als Giftstoff.

Schnee in der Stadt enthält oft Massen an Müll. 2015 wurden in Boston 1,5 Meter Neuschnee in einem Monat verzeichnet und im ganzen Winter fast doppelt so viel, insgesamt 2,8 Meter. Die Stadt richtete daraufhin elf „Schneefarmen“ ein, wo der geräumte Schnee aufgeschüttet wurde. In all dem Schnee fanden sich 80 Tonnen Müll – vom Bonbonpapier bis zum Fahrrad.

„Einige Städte, auch in wohlhabenden Industrieländern, entsorgen überschüssigen Schnee noch immer in ihre Wasserwege, und mit ihm all den Müll und die Schadstoffe – keine zukunftsfähige urbane Lösung.“

Innovative Strategien für die Schneeräumung

Was machen Städte weltweit mit ihrem Schnee? Meist wird er geräumt, abtransportiert oder an zentralen Stellen aufgeschüttet. In Minneapolis (Minnesota, USA) wird der Schnee zum Beispiel auf einen großen öffentlichen Platz gebracht. Boston sammelt seinen Schnee auf einer Reihe von „Schneefarmen“. Und Chicago kann im Ernstfall auf bis zu 500 Orte rund um die Stadt zurückgreifen – von öffentlichen Parks bis hin zu Parkplätzen.

In einigen Städten werden die Straßen nur für den Verkehr geräumt. In Kanada betreiben Städte wie Montreal und Toronto jedoch viel Aufwand, um ihre Straßen auch für parkende Autos freizuhalten. Nach großen Schneestürmen verhängt die Stadt Straße für Straße Parkverbote und stellt gleichzeitig kostenlose Parkplätze in der Nähe zur Verfügung. Durch diese kurze Unannehmlichkeit bleiben die Straßen frei von großen Schneewehen, die Parklücken blockieren oder Fahrzeuge unter sich begraben.

In Seoul (Südkorea) steht an 1.250 Orten in der ganzen Stadt Ausrüstung für die Schneeräumung kostenlos zur Verfügung, um die Bürger zur Mithilfe zu animieren. Und in Teilen Japans halten Sprinkleranlagen die Straßen mit wärmerem Wasser aus dem Erdinneren frei. Die US-amerikanische Stadt Holland, Michigan, baut Straßen, die den Schnee mithilfe von Abwärme schmelzen.

Die Parkplatzsuche kann sich im Winter schwierig gestalten. Die Parkplatzsuche kann sich im Winter schwierig gestalten.
Die Parkplatzsuche kann sich im Winter schwierig gestalten.

Schnee in der Stadt der Zukunft

Moment mal. Erledigt sich das Problem der Schneeräumung in Städten nicht durch die globale Erderwärmung? Nicht so schnell, sagen die Experten. Es stimmt: Die Gesamtmenge an Schneefällen kann unter Umständen zurückgehen, aber durch die globale Erderwärmung steigen gleichzeitig die Anzahl und Stärke von Stürmen. Wie es aussieht, wird die Räumung von Schnee in Städten auch in Zukunft eine Herausforderung darstellen.

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