Porto Maravilha in Brasilien: Wie aus einer alten Industrieruine ein Vorzeigeobjekt wurde

Cities
Smart Cities

Porto Maravilha – der „wunderbare Hafen“ in Rio de Janeiro. Als einer der ältesten urbanisierten Bezirke der Stadt symbolisiert das Hafengebiet die Hochs und Tiefs in der Geschichte der schönen brasilianischen Hauptstadt. Die alte Hafenzone, die einst ein wichtiger Wirtschaftstreiber war und vom maritimen Erbe Rios zeugt, war seit den 1970er-Jahren aufgrund des Rückgangs der Hafennutzung und des Baus einer großen Durchgangsstraße dem Verfall preisgegeben.

Der Porto Maravilha war ein klassisches Beispiel für urbanen Verfall – einst eindrucksvolle Bauten waren nur noch unansehnliche Ruinen, und fast eine Million Quadratmeter an Wohn- und Gewerbefläche standen leer. Vor einigen Jahren brachten die Sanierungspläne für den Hafen dann das größte Stadterneuerungsprojekt ins Rollen, das es jemals in Brasilien gab. Anhand der bisherigen Fortschritte lässt sich schon jetzt erkennen: Das neue Hafengebiet wird zu einem Vorzeigeobjekt in der südamerikanischen Metropole. 

Read more...

Eine neue Zukunft für den Porto Maravilha

Die Stadtverwaltung von Rio war entschlossen, dem Niedergang des Hafens ein Ende zu setzen, und entwickelte einen Sanierungsplan für das Gebiet. 2011 begann die Stadt mit den Planungen für die Feierlichkeiten anlässlich ihres 450. Geburtstags im Jahr 2015 – welchen besseren Zeitpunkt hätte es also geben können, um dem Porto Maravilha, der noch immer Ankunftsort für zahlreiche Touristen ist, einen neuen Anstrich zu verleihen.

Gemeinsam mit der brasilianischen Regierung stellte die Stadtverwaltung die finanziellen Mittel für die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen und Transportsysteme bereit. Diese wurden später durch Privatinvestoren aufgestockt, die zur Erneuerung der Handels-, Bildungs- und Kulturangebote in der Hafenzone beitragen wollten. 

Die öffentlich-private Partnerschaft schafft durch die verstärkte und vielseitige Nutzung dieses geschichtsträchtigen Hafengebiets nachhaltigen urbanen Lebensraum, der für eine höhere Lebensqualität sorgt.

(Bild) Pläne zur Verschönerung eines in Verfall geratenen Bezirks

Pläne zur Verschönerung eines in Verfall geratenen Bezirks
Nur ein Luftbild zeigt die volle Dimension des Projekts.

Sanierungspläne für den Porto Maravilha

Dieses enorme Stadterneuerungsprojekt erstreckt sich über eine Fläche von fünf Millionen Quadratmetern – das entspricht 1.120 Fußballfeldern – und schließt alte Industrieflächen, historische Wohngebäude und ein in die Jahre gekommenes Transportnetz ein. Die Pläne sehen eine Kombination aus nachhaltiger Stadterneuerung und einem multimodalen Transportsystem unter Berücksichtigung des Architekturerbes des alten Hafens vor. 

In der ersten Sanierungsphase steht die Modernisierung von Infrastrukturen wie Abwassersystemen, Trinkwasserversorgung, Telekommunikation und Straßenbeleuchtung im Mittelpunkt. Durch die Pflanzung von 15.000 Bäumen soll zudem der Lärmbelastung und Luftverschmutzung entgegengewirkt werden. Sozialwohnungen und Bildungseinrichtungen sollen die Wiederbesiedlung unterstützen und für eine Vervierfachung der Bevölkerungszahl sorgen, um das einst öde Gebiet zu neuem Leben zu erwecken.

Die zweite Phase der Hafenumgestaltung konzentriert sich auf ein fortschrittliches urbanes Mobilitätskonzept, bei dem Fußgänger und öffentlicher Nahverkehr „Vorfahrt haben“. Durch den Bau eines vier Kilometer langen Tunnels und den Rückbau der unansehnlichen aufgeständerten Hauptverkehrsstraße wird Platz für innovative Mobilitätslösungen geschaffen.

(Bild) Nur ein Luftbild zeigt die volle Dimension des Projekts.

Videosimulation: Die Verwandlung des Porto Maravilha

C
 
Operação Urbana Porto Maravilha - Novo Vídeo Institucional (2013)

Innovative urbane Mobilität weist den Weg

Bahn frei für Fußgänger, Radfahrer und nachhaltige öffentliche Transportmittel! Der umgestaltete Porto Maravilha lässt für Pendler keine Wünsche offen. Durch den Bau eines Schnellstraßentunnels und der Binário Avenue wird die Verkehrsflussrate um 27 % steigen, und – was noch wichtiger ist – es wird Platz für neue Mobilitätslösungen geschaffen.

Fußpendler und Spaziergänger dürfen sich über Fußgängerwege mit einer Gesamtfläche von 650.000 Quadratmetern freuen, während Radfahrer sich auf „ciclovias“ mit einer Gesamtlänge von 17 Kilometern austoben können. Die 28 Kilometer lange Light-Rail-Transit-Strecke wird an diverse andere Transportsysteme wie U-Bahnen und Fähren angebunden, sodass ein Netzwerk entsteht, das alle Ecken der Stadt abdeckt.

Diese umfassenden Umgestaltungsmaßnahmen werden die Wiederbevölkerung des Bezirks unterstützen und die Zugänglichkeit für Bewohner aus anderen Nachbarschaften verbessern. Im Zuge dessen werden auch die Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie die neuen Geschäfte integriert, die sich rund um das Hafengebiet ansammeln werden.

(Bild) Neue Maßstäbe für die „grüne“ urbane Mobilität

Neue Maßstäbe für die „grüne“ urbane Mobilität

Das neue Gesicht von Porto Maravilha

Nach der Neugestaltung der Infrastruktur sprießen nun auch immer mehr Kultur-, Bildungs- und Privateinrichtungen aus dem Boden. Große Museen wie das Museu de Arte do Rio de Janeiro und das Museu do Amanhã a Santiago Calatrava mit seinem futuristischen Design haben bereits ihre Pforten geöffnet.

Neue Gebäude spiegeln die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt wider und weisen gleichzeitig charakteristische Elemente der lokalen Architektur auf. Mit dem AquaRio-Aquarium wurde das alte Lagerhaus des brasilianischen Unternehmens Cibrazem zu neuem Leben erweckt – ein großartiges Beispiel dafür, wie man durch Wiederverwertung von gebrauchten Materialien Ressourcen schonen kann. Selbst die modernen „Evolution“-Aufzüge von thyssenkrupp tragen zur Ressourcenschonung bei, da mit ihnen bis zu 30 Prozent an Energie eingespart werden können.

„Wir sind stolz, an einem weiteren Projekt beteiligt zu sein, das zur Neugestaltung des Hafengebiets in Rio de Janeiro beiträgt sowie Mobilität und urbane Integration fördert. Es ist wundervoll, dass wir ein derart visionäres Projekt mit unserer Marke prägen können.“

Cleber Serdeira, Techniker von thyssenkrupp Elevator

Vorher-Nachher: Eine unglaubliche urbane Transformation

Rio spürt den „Welleneffekt“

Die Veränderungen am Porto Maravilha haben lange auf sich warten lassen, und es wurde viel darüber diskutiert, ob wirklich alle in der Stadt davon profitieren werden. Manche waren aufgrund des bloßen Ausmaßes des Sanierungsprojekts irritiert und nicht sicher, welche Auswirkungen es haben würde. Nun beginnt Rio, den „Welleneffekt“ zu spüren.

In Porto Maravilha und den angrenzenden Bezirken machen sich bereits die ersten positiven Veränderungen bemerkbar. Jetzt, da die Infrastruktur weitestgehend reibungslos funktioniert und ein Teil der modernen Light-Rail-Strecke bereits in Betrieb ist, erlebt nicht nur Porto Maravilha verstärkte Aktivität von Privatinvestoren. Auch Start-ups und Coworking Spaces siedeln sich in nahegelegenen Innenstadtbereichen wie Ilha do Fundão an.

Da beim Hafenerneuerungsprojekt kollaborative, ganzheitliche Lösungen im Mittelpunkt stehen, wird der Welleneffekt wahrscheinlich immer weitere Kreise ziehen, und der Hafen von Rio wird zu einem Paradebeispiel für erfolgreiche nachhaltige Stadtentwicklung.

(Bild) Vorher-Nachher: Eine unglaubliche urbane Transformation

Credits

All images copyright (c) by CDURP (Rio de Janeiro’s City Hall), portomaravilha.com.br 

H