Von Rio bis Sydney: Olympia als Wegbereiter nachhaltiger Entwicklung

London genießt die „Spiele“ auch weit nach Olympia
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An die mediale Wirkung der Olympischen Spiele kommt kein anderes Sport- oder Großereignis heran. Viele Städte bewerben sich deshalb um die Ausrichtung der Spiele. Olympia zelebriert jedoch nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern treibt auch die städtebauliche Entwicklung voran – mit positiven Auswirkungen weit über die Spiele hinaus.

Bei der Planung Olympischer Spiele rücken die Themen Umweltschutz und urbaner Wandel immer stärker in den Fokus. Die ausrichtenden Städte bemühen sich um innovative Konzepte, wollen „grüne“ Austragungsorte errichten und eine nachhaltige Transformation der urbanen Infrastruktur bewirken.

Nicht immer ist der Erfolg dieser Maßnahmen eindeutig messbar. Die folgenden vier Städte haben sich jedoch mit Sicherheit einen Platz auf dem Siegertreppchen verdient: London, Sydney, Rio de Janeiro und Barcelona.

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Gold für die „grünsten“ Spiele geht an: London!

London hatte eine Vision: die „grünsten“ Olympischen Spiele aller Zeiten auszurichten. So wurde etwa der Olympiapark auf dem Gelände einer ehemals kontaminierten Industriebrache errichtet. Innovative Leuchtröhren sparten Stromkosten, Regenwasser wurde wiederaufbereitet. Bei Bauprojekten kamen Hölzer und andere recycelbare Materialien aus nachhaltigen Quellen zum Einsatz.

Die Planer riefen zudem lokale Initiativen ins Leben, um Bürger im Londoner Stadtteil East End für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und praktische Tipps für eine umweltfreundliche Lebensweise zu geben. Der verdiente Lohn: London 2012 erhielt bei den International Sports Event Management Awards in der Kategorie Umwelt und Nachhaltigkeit die Goldmedaille.

Auch anschließend gab es Erfolge zu verzeichnen: Obwohl die Schaffung neuen Wohnraums im East End stagnierte, profitiert der Stadtteil von der Vielzahl an Besuchern des Queen-Elizabeth-Olympiaparks sowie der kostengünstigen Nutzung von Sporthallen wie dem Aquatics Centre und der Copper Box Arena. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Wandel nicht zum Erliegen kommt.

Solarbetriebener Vorort – ein erfolgreiches postolympisches Dorf

Sidney legt Messlatte für Nachhaltigkeit hoch

Der Schlüssel zum Erfolg der Olympischen Spiele 2000 in Sydney lag in einer äußerst genauen Planung. Das betraf sowohl die Organisation der Wettkämpfe als auch die nachhaltige Nutzung der olympischen Infrastruktur im Anschluss an die Spiele. Austragungsstätten wie das Aquatic Centre und das International Regatta Centre werden inzwischen für Sport- und Unterhaltungsevents der Spitzenklasse genutzt.

Der Umweltschutz spielte bei der Planung eine tragende Rolle. So schufen die im Olympiapark errichteten Gebäude und Wohnanlagen nach Abschluss der Spiele für Tausende Menschen neuen Wohnraum. Inzwischen befinden sich auf dem ehemaligen Olympia-Gelände zwei der weltweit größten Vororte, die komplett mit Solarenergie versorgt werden. Außerdem wurde im Zuge der Spiele die erste große Wasseraufbereitungsanlage in einer australischen Metropolenregion geschaffen, die jedes Jahr 850 Millionen Liter Trinkwasser einspart.

Darüber hinaus verfügt Sidney nun über einen der landesweit größten Stadtparks (430 Hektar). In gewisser Weise war somit Sidney selbst der strahlende Gewinner der Spiele, da die Lebensqualität der Stadt spürbar gesteigert werden konnte.

Rio setzt an, neue Rekorde aufzustellen

Rio sah sich im Vorfeld und während der Spiele heftiger Kritik ausgesetzt. Die Organisatoren verwiesen auf die schwierige Ausgangslage und die vielfältigen Herausforderungen, mit denen das Projekt verknüpft war. Mit Gewissheit kann gesagt werden, dass die umfangreichen Investitionen Rio gut getan haben. Nun gilt es, einen Weg zu finden, um die breite Bevölkerung stärker an den positiven Effekten teilhaben zu lassen.

Zweifellos haben der Tourismus und die Verkehrsinfrastruktur am stärksten von Olympia profitiert. Im einst heruntergekommenen Hafenviertel entstand der neue Touristen-Hotspot Porto Maravilha inklusive Museen, Parks und Wohngebiet. Durch die Aufwertung des öffentlichen Nahverkehrs wurden ärmere Wohnviertel zudem besser ans Stadtzentrum angebunden.

Beide Initiativen versprechen langfristigen wirtschaftlichen Nutzen. Gleichzeitig verbessern sie die Sicherheit und schaffen dringend benötigten Wohnraum. Jedoch sind die beeindruckenden Wohneinheiten des olympischen Dorfs zwar nun auf dem Markt erhältlich, für die meisten aber schlicht zu teuer. Außerdem bleibt zu hoffen, dass nach den Spielen die alarmierende Lage in den Favelas nicht in Vergessenheit gerät.

Rio setzt auf umweltfreundlichen Nahverkehr
Hübsch anzuschauende Revitalisierung in Rio – doch profitieren alle davon? Hübsch anzuschauende Revitalisierung in Rio – doch profitieren alle davon?

Barcelona als Vorbild für urbanen Wandel

Während manche Gastgeberstädte nach den Spielen stagnierten, zehrt Barcelona noch heute von seiner Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1992. Damals war Barcelona eine postindustrielle Stadt, die den Anschluss zu verlieren drohte. Mit Olympia jedoch kam die Wende – und zwar in Form von wirtschaftlichem Wachstum, nachhaltigen Lösungen und Bürgerinitiativen.

Die Spiele transformierten die Infrastruktur der Stadt, schufen eine 2 Kilometer lange Strandpromenade, eine moderne Marina und Sportanlagen auf dem neuesten Stand der Technik. Alle Projekte werden auch heute noch intensiv genutzt. Sie ziehen nicht nur Besucher an, sondern haben auch dem spanischen Sport dank erweiterter Trainingsmöglichkeiten einen gehörigen Schub verpasst.

Inspirierend ist besonders der Beitrag, den die Bewohner Barcelonas zum Erfolg der Spiele sowie zur Revitalisierung ihrer Stadt geleistet haben. Alle haben an einem Strang gezogen und gleichermaßen profitiert. In den Jahren vor und nach den Spielen wurden 20.000 neue Jobs geschaffen, der wirtschaftliche Aufschwung hält unvermindert an. Inzwischen gilt Barcelona als eine der attraktivsten Städte Europas.

Der Hafen von Barcelona profitiert noch heute von Olympia Der Hafen von Barcelona profitiert noch heute von Olympia
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Sehen Sie im Video, wie Barcelona die Konkurrenz hinter sich ließ

Die olympische Herausforderung: nachhaltiger Wandel

Auch wenn Olympische Komitees nicht immer ihre Ziele erreichen, befördern sie die Diskussion darüber, wie Städte nachhaltig verändert werden können.

Ob Investitionen in Sportanlagen oder die Revitalisierung von Hafenvierteln: Wie die genannten Beispiele zeigen, haben die Gastgeber Olympischer Spiele zunehmend realisiert, dass allein gewissenhafte Planung und ein Fokus auf langfristige Ziele ihre Stadt voranbringen – nicht jedoch das Streben nach schnellem Profit.

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