Universitäten in Städten – nicht mehr nur Lehrstätten, sondern Vorbilder für Kooperation

Cities
Smart Cities

Besuchen Sie einige der ältesten Universitäten der Welt in Fès (Marokko), Bologna (Italien) oder Santiago (Chile), werden Sie feststellen, dass diese fest in die städtische Infrastruktur integriert sind – ein Gewirr von Unternehmen und Menschen, das mit der Stadt verbunden ist. Irgendwann galten Universitäten jedoch zunehmend als „Elfenbeintürme“, die nicht mehr länger im Mittelpunkt standen und sich von der Welt abkapselten.

In den vergangenen Jahrzehnten kamen akademische Einrichtungen aber wieder stärker mit der Außenwelt in Kontakt, da immer häufiger Partnerschaften mit lokalen Unternehmen geschlossen wurden. Dies brachte sowohl für die Studenten als auch die Städte große Vorteile mit sich, und die Wirtschaft profitierte vor allem von den jungen Talenten, die frischen Wind in ältere Unternehmen brachten.

Read more...

Den Reichtum an Wissen teilen

Universitäten leisten wertvolle, vielseitige Beiträge zum urbanen Leben. Die Vorteile, die eine Universität in einer Stadt mit sich bringt, sind zahlreich und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Zweifelsohne bieten sie jedoch einen großen Pluspunkt: Sie fördern den wirtschaftlichen Wohlstand.

Sie sind relativ unempfindlich gegenüber konjunkturellen Schwankungen und beschäftigen ortsansässige Arbeitnehmer in den verschiedensten Bereichen, von der modernen Forschung bis hin zum Garten- und Landschaftsbau. Erfolgreiche Universitäten vergrößern sich auch, indem sie neue Gebäude errichten oder alte Nachbarschaften wiederbeleben.

Außerdem erhalten Universitäten kontinuierlich private und öffentliche Zuschüsse für Stipendien oder Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Dieser Kapitalzufluss kann zu einem Ressourcenabfluss führen, indem innovative Entwicklungen geteilt und in lokalen Unternehmen getestet oder Kooperationsprojekte zwischen akademischer und Geschäftswelt durchgeführt werden.

„Hausgemachte“ Talente – Städte bilden ihre zukünftigen Innovationsentwickler selbst aus

Weltweit renommierte Universitäten sind ein Anziehungspunkt für junge Talente. Unterhalten Städte und Universitäten eine offene, produktive Beziehung, haben Absolventen – einschließlich vieler Immigranten – ein größeres Interesse daran, dort zu bleiben. Das gilt vor allem für Angehörige wissensintensiver Branchen.

Universitäten stellen eine einzigartige Ressource für Städte dar, die in Zukunftsbranchen investieren möchten. Wenn eine städtische Uni Know-how bereitstellt, Neugier weckt, in neue Ideen investiert und ehrgeizige Talente anzieht, kann sie ein Saatbett für Innovation und Unternehmertum für die Arbeitnehmer von morgen sein. Diese fruchtbaren Böden bedeuten gewiss Vorteile für bestehende Unternehmen und bringen gleichzeitig unzählige neue Start-ups zum Sprießen.

Beispiele hierfür sind das Silicon Valley, das aus einer engen, beidseitig nützlichen Beziehung mit der Stanford University heraus entstand, oder die „Route 128“ in Massachusetts. Entlang dieses „Technologiegürtels“, der Universitäten wie das M.I.T. und Harvard sowie Handels- und Politikzentren umfasst, haben sich viele Unternehmen des Hochtechnologie-Sektors angesiedelt.

Zukunftsorientierte Unternehmen müssen nicht lange suchen

Wenn Unternehmen in Städten nach potenziellen Mitarbeitern suchen, haben sie meist einen Pool von qualifizierten Bewerbern direkt vor ihrer Haustür. Absolventen und auch Mitglieder der akademischen Gemeinschaft möchten Partnerschaften mit Unternehmen eingehen, um ihr Know-how auszutesten oder Praxiserfahrung während des Studiums zu sammeln.

Die Unternehmen profitieren nicht nur von den studentischen Ressourcen, sondern können auch ihre eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekte besser unterstützen. Man sehe sich den „Tech Square“ in Atlanta an: Zwölf der Fortune 500-Unternehmen haben in der Nachbarschaft öffentlicher Forschungseinrichtungen eigene Forschungszentren errichtet.

Ein gutes Beispiel ist das Coda-Gebäude, das für die Universität und Unternehmen der Privatwirtschaft ein Zentrum für gemeinsame technische Innovation ist. Es handelt sich dabei um ein einzigartiges Mischnutzungsgebäude mit vielerlei innovativen Details. So kommen dort zum Beispiel TWIN-Aufzüge zum Einsatz, die für maximale Platzeffizienz sorgen und ein Musterbeispiel für zukunftsorientierte Gebäude und Einsparpotenziale darstellen.

Der „Tech Square“ in Atlanta – wo Wissenschaft und Wirtschaft aufeinandertreffen
„Unsere Büroumgebung ist wie eine Gemeinschaft – wir alle sind sehr wissenshungrig, und es kommen immer Professoren, Forscher und Geschäftsführer diverser Start-up-Unternehmen im Büro vorbei, was sehr inspirierend für uns ist.“

Tré Watts – thyssenkrupp RIC, Atlanta, Georgia (USA)

Arbeitgeberaktivität – ein entscheidender Faktor im Hochschulranking

Man baue eine Universität, und sie kommen von ganz allein: Studenten suchen nach Universitäten, wo sie die Möglichkeit haben, zu studieren und nebenbei zu arbeiten oder ein Praktikum zu machen. In Städten, die akademische und wirtschaftliche Zentren zugleich sind, können Studenten leicht mit künftigen Arbeitgebern in Kontakt kommen.

Daher überrascht das Ergebnis des QS World University Rankings nicht: Die besten drei Studentenstädte der Welt – Paris, Melbourne und Tokio – gewannen aufgrund der hohen Bewertung, die sie in der Kategorie „Arbeitgeberaktivität“ erhalten haben. Die HEC Paris beispielsweise verfügt über eine umfassende Liste von Partnerunternehmen, die die Universität zum einen unterstützen und zum anderen Praktikumsplätze und Karrierechancen für die Studenten bieten. In allen drei Zentren sind sehr viele nationale und internationale Firmen angesiedelt, die enge Beziehungen zur Universitätsgemeinschaft pflegen.

Selbst kleinere Universitätsstädte haben die Auswirkungen einer symbiotischen Beziehung zwischen Universität und Wirtschaft zu spüren bekommen, so zum Beispiel auch die Stadt Rottweil, in der thyssenkrupp einen neuen Aufzugstestturm errichtet hat. Durch ihn kam der Austausch mit Tausenden von Ingenieursstudenten aus den benachbarten Städten Stuttgart und München zustande.

New elevator testing tower attracting talent in Rottweil New elevator testing tower attracting talent in Rottweil
New elevator testing tower attracting talent in Rottweil
QS Best Student Cities 2016

Gemeinschaft steht bei jeder Universität im Mittelpunkt

Damit eine Universität im Herzen der Stadt erfolgreich sein kann, muss sie sich auch die Bedürfnisse der Stadt zu Herzen nehmen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die wirtschaftlichen Vorteile und die großartigen Wachstumschancen für beide Seiten ersichtlich, und die Universität ist vom Rand wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt.

Universitäten und Städte können ihre Annäherungsfortschritte weiter verstärken, indem sie auch in anderen Bereichen kooperieren, zum Beispiel in Bezug auf soziale Probleme, Kunst und wirtschaftliche Gleichberechtigung. Unis verfügen über die Ressourcen, um sich eingehend mit den Problemen der heutigen Zeit zu befassen, und stehen in der Verantwortung, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Gleichzeitig müssen die Städte ihre Infrastruktur öffnen, damit neue Möglichkeiten ausgetestet werden können.

H