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Hongkong – die Stadt des kontinuierlichen Wandels und bewegender Megaprojekte

Auf Bildern der Skyline von Hongkong wirkt die „Perle des Orients“ wie ein dichtes Labyrinth statischer Wolkenkratzer. Bilder können jedoch nicht die ständige Bewegung vermitteln: von Waren, Menschen und Geld bis hin zum kontinuierlichen Wandel der Stadtlandschaft. Auch heute setzt Hongkong diesen Trend mit rekordverdächtigen Megaprojekten fort, von denen viele die Anbindung innerhalb der Stadt, zum Perlflussdelta und zur Welt verbessern.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 19.03.2019

Vom Fischerdorf zum globalen Finanzzentrum

Nach Jahrhunderten des idyllischen Daseins als chinesisches Fischerdorf wurden die Dinge für Hongkong spannender. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert war die Stadt ein Paradies für Piraten. Nach Ende des ersten Opiumkrieges 1842 stand Hongkong unter britischer Herrschaft und wurde zu einer international bedeutenden Hafenstadt. Diesen Status hat Hongkong beibehalten, als China am 1. Juli 1997 erneut die Regierung über die Perle des Orients übernahm.

Noch heute dreht sich in Hongkong alles um Bewegung: die Bewegung von Waren, Menschen und Geld. Ein Großteil des Vermögens und der Güter, die zwischen Asien und dem Westen in Bewegung sind, fließen durch dieses internationale Finanzzentrum. Deshalb zielen die wichtigsten Megaprojekte der Stadt – wie die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke oder die Schnellfahrstrecke Guangzhou–Shenzhen–Hongkong – klar auf die Optimierung des Menschen- und Warenstroms ab.

Hongkong – Kurzüberblick

  • Bevölkerung (2018): 7.448.900
  • Landesfläche: 1.108 km²
  • Bevölkerungsdichte: 6.777 Menschen/km²
  • Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: 90 % der Bevölkerung
Victoria Peak

Anbindung – ein Erfolgsgeheimnis

„Isolation“ ist ein Begriff, der oft mit Inseln in Verbindung gebracht wird. Jedoch nicht mit Hong Kong Island. Die Stadt verdankt ihren jahrhundertelangen Erfolg ihrer guten Anbindung – von einem Hafen, der zufällig im Perlflussdelta liegt, bis hin zum Flughafen, der wiederholt als einer der besten der Welt ausgezeichnet wurde. Nicht zu vergessen die Vielzahl an Straßen- und Bahnverbindungen, von denen viele noch recht neu sind.

Der gesamte Ballungsraum im Perlflussdelta, in dem sich Hongkong befindet, möchte durch bessere Verbindungen zwischen Hongkong, Macau, Zhuhai, Shenzhen, Foshan und weiteren Städten sein wahres Potenzial entfalten. Und entsprechende Investitionen in die Infrastruktur machen sich bezahlt: Wenn das Perlflussdelta ein Land wäre, wäre es ein Mitglied der G20.

In solch einer wirtschaftlich starken Region ist es mehr als sinnvoll, Kapital in Projekte zu investieren, die den Strom der Menschen und Güter in der Region optimieren. Und genau dieses Ziel verfolgen viele Megaprojekte in Hongkong.

Hong Kong Map

Die Stadt der Megaprojekte

In Hongkong dienen die meisten Megaprojekte zur Verbesserung der Transportinfrastruktur.

Auf Hong Kong Island hat die Stadt Milliarden in die South Island Line investiert, um die Fahrtzeit vom Norden zum Süden der Insel von über einer Stunde auf 15 Minuten zu reduzieren. Andere geplante Erweiterungen des MTR-Nahverkehrsnetzes, wie der Sha Tin to Central Link und die South Island Line (West), können selbst als Megaprojekte bezeichnet werden.

Über den Hong Kong International Airport soll die Erreichbarkeit der Stadt auf dem Luftweg verbessert werden. Mehrere Jahre in Folge wurde der HKIA als einer der besten Flughäfen weltweit ausgezeichnet. Doch das ist kein Grund zum Ausruhen. In Zukunft soll der Flughafen auf ein Drei-Pisten-System erweitert werden. Dazu werden eine zusätzliche Start- und Landebahn sowie neue Flughafenanlagen auf zurückgewonnenem Land errichtet.

Das Kai Tak Cruise Terminal ist ein Luxus-Kreuzfahrtterminal auf dem Gelände des ehemaligen Kai Tak Airport. 2013 wurde die Anlage mit einer Fläche von 184.000 m2 eröffnet und trägt seitdem dazu bei, dass mehr Touristen ihre Zeit in Hongkong verbringen und natürlich auch Geld ausgeben.

Auch große Straßenbauprojekt sind im Gange. Über den Tuen Mun-Chek Lap Kok Link werden die New Territories im Nordwesten und die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke (HKZM-Brücke, Details im nächsten Abschnitt) mit einem 5 Kilometer langen Unterwassertunnel verbunden. Und mit dem Tuen Mun Western Bypass wird die Anbindung von Festlandchina an die HKZM-Brücke verbessert.

Selbstverständlich müssen auch die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke und die Schnellfahrstrecke Guangzhou–Shenzhen–Hongkong erwähnt werden – zwei der bedeutendsten Megaprojekte in Hongkong, dem Perlflussdelta und der Welt.

Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke vernetzt eine Megalopolis

Ohne Übertreibung lässt sich getrost sagen, dass die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke eine der wichtigsten technischen Errungenschaften aller Zeiten ist. Das Brücken- und Tunnelsystem mit einer Länge von 55 Kilometern umfasst drei Schrägseilbrücken, einen Unterwassertunnel und mehrere künstliche Inseln.

Die Brücke wurde am 26. Oktober 2018 eröffnet und verbessert die Anbindung im Perlflussdelta, eine der bevölkerungsreichsten Stadtlandschaften der Welt. Busse, Lastwagen und Autos benötigen jetzt nur noch etwa eine Stunde für die Fahrt zwischen Hongkong und Macau/Zhuhai, die früher über vier Stunden gedauert hat.

Die künstlichen Inseln an den Hafen- und Grenzübergangsanlagen sowie die Einfahrten zum Tunnelabschnitt des Projekts waren sowohl im Hinblick auf die technische Umsetzung als auch auf die Materialplanung mit enormen Herausforderungen verbunden. Die rauen maritimen Bedingungen erfordern äußerst korrosionsbeständige Materialien. thyssenkrupp Elevator hat sich der Herausforderung gestellt und widerstandsfähige und korrosionsbeständige Fahrtreppen und Fahrsteige für den Hafen Zhuhai auf der künstlichen Insel mit den Grenzübergangsanlagen nach Zhuhai und Macau installiert.

 
China's new mega bridge

Die Schnellfahrstrecke Guangzhou–Shenzhen–Hongkong und der West Kowloon Terminus

Die Schnellfahrstrecke Guangzhou–Shenzhen–Hongkong wurde 2018 fertiggestellt und verbindet Hongkong über Guangzhou und Shenzhen mit Peking, wobei eine Betriebsgeschwindigkeit von bis zu 350 km/h erreicht wird.

Die Krönung und Endstation der Linie ist die West Kowloon Station in Hongkong. Sie ist nicht nur eines der weltweit eindrucksvollsten architektonischen Glanzstücke, sondern auch der größte unterirdische Endbahnhof der Welt.

Über 400.000 Quadratmeter Nutzfläche liegen unter der Erde, und auf dem Dach der West Kowloon Station wurde ein öffentlicher Park angelegt. Selbst die untersten Ebenen, die über energiesparende Fahrtreppen von thyssenkrupp Elevator erreichbar sind, werden mit ausreichend natürlichem Tageslicht versorgt.

 
West Kowloon Station

Ein Insiderblick auf die Architektur der West Kowloon Station in Hongkong

Ein bescheidener Vorschlag – bessere Anbindung für Wolkenkratzer

Während Hongkong große Fortschritte bei seiner internationalen, regionalen und lokalen Anbindung macht, kommen die Transportmöglichkeiten für Menschen innerhalb der Stadt oft zu kurz. Die Rede ist von Verbindungen zwischen Gebäuden.

Als eines der imposantesten und eindrucksvollsten Beispiele für vertikales urbanes Wachstum könnte Hongkong enorm von besserer Anbindung in den oberen Etagen profitieren. Sky-Bridges oder sogar das neue Konzept der „Hängenden Stadt“ könnten ein neues urbanes Reich in großer Höhe eröffnen. Mit Konnektivitätslösungen wie MULTI oder Drohnen wäre der Übergang von Gebäude zu Gebäude sicher und effizient möglich.

Die Leadership Conference von thyssenkrupp Elevator fand 2019 in Hongkong statt. Experten für urbane Mobilität haben die neuesten Mobilitätslösungen und bahnbrechenden Anwendungen erkundet und sich darüber ausgetauscht.

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